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TfP-Vertrag Sinn oder Unsinn

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Da immer wieder die Diskussion aufkommt, wozu man einen TfP-Vertrag brauche, wenn man hobbymäßig unentgeltlich (auf TfP-Basis) Menschen fotografiert, hier mal ein paar Anregungen.

Vorweg soviel: Ja auch ich bin der Meinung, dass es keinen Sinn macht zivilrechtliche Ansprüche auf Basis eines TfP-Vertrages einzuklagen. Wenn ein Model die Bilder nachträglich nicht im Netz sehen will, nehm ich sie raus. Nein, ich schreib ihr dann keine Rechnung für meine fotografischen Leistungen und versuche auch nicht, die Bezahlung dieser Rechnung einzuklagen.

Dennoch mache ich für JEDES Shooting einen TfP-Vertrag. Auch und besonders, wenn ich Menschen fotografiere, die ich gut kenne, die meine Freunde oder Lebenspartner sind. Warum?

Nein, ich bin nicht paranoid. Und wenn ich es wäre würde es nicht bedeuten, dass ich nicht verfolgt werde 😉

Zunächst einmal ist ein TfP-Vertrag ja nicht nur eine zivilrechtliche Einigung zwischen zwei oder mehr Personen. Er bindet im Gegenteil auch alle Personen, die jemals in der Zukunft Rechte aus dem Handeln der beiden Personen ableiten wollen.

Das Wort Vertrag sagt etwas wesentliches, nämlich, was haben zwei (oder mehr) Menschen gedacht, als sie sich noch »vertragen« haben. Was diese Menschen aber auch Dritte sich evtl. denken könnten, wenn sie zu einem späteren Zeitpunkt die Ergebnisse der Zusammenarbeit, also die Bilder sehen kann u.U. etwas ganz anderes sein.

Ein TfP-Vertrag entfaltet z.B. auch eine strafrechtliche Exkulpationswirkung des Fotografen in Bezug auf § 201a StGB. Zwar handelt es sich beim §201a StGB »nur« um ein Antragsdelikt. Aber den Strafantrag kann bei weitem nicht nur das Model selbst stellen – was schlimm genug wäre. Hier sei auf Themen wie Erben, Angehörige etc. hingewiesen. Was wenn diese den Fotografen anzeigen und behaupten, es handle sich um „unerlaubte Aufnahmen“ oder eben die „unerlaubte Verbreitung“ von Aufnahmen? Besonders unschön ist ja auch der Absatz 5 des §201a StGB: »Die Bildträger sowie Bildaufnahmegeräte oder andere technische Mittel, die der Täter oder Teilnehmer verwendet hat, können eingezogen werden.« Da liegt dann man schnell eine aktuelle Kamera oder ein aktueller PC, NAS oder sonstiges bis zum Abschluss eines Verfahrens monate- oder jahrelang in den Asservatenkammern (ohne dass es später bei einem auch ohne TfP-Vertrag möglichen Freispruch für den zwischenzeitlichen Wertverlust zu einer Entschädigungszahlung in angemessener Höhe kommen wird).

Wer andererseits schützt ein Model, das ohne TfP-Vertrag arbeitet, vor möglichen Forderungen der Erben eines Fotografen. Was wenn diese zwischen hunderten bezahlter Shootings am Ende seines Lebens 200 Shootings finden, die (weil TfP aber halt ohne Vertrag) nie abgerechnet wurden. Was wenn diese Erben nun mit Hilfe eines findigen Anwaltes die jeweiligen Models verklagen. 200.000 Euro (also 200 Models x 1.000 Euro pro Shooting) könnten da schon für den einen oder anderen Erben ein Anreiz sein. Das ganze kann natürlich auch umgekehrt passieren. Wie will der Fotograf ohne Vertrag gegenüber Dritten nachweisen, dass das Model ausgerechnet für ihn kostenlos (TfP) gearbeitet hat („wo sie doch sonst nur Payshootings gemacht hat“)? Von Behörden wie Finanz-, Ordnungsämtern und Arbeitsagenturen möchte ich hier gar nicht erst anfangen.

Aber auch bei Freunden und Partnern, möchte ich die Fotos am Ende vielleicht gerade dann (wegen des Erinnerungswertes) behalten können, wenn diese nicht mehr unter uns weilen. Was aber, wenn deren Angehörige mich auf das Fortwirken der Persönlichkeitsrechte über den Tod hinaus (sogen. „Postmortaler Bildnisschutz“) in Anspruch nehmen wollen. Was wenn diese wollen, dass ich nicht nur die Verbreitung der Fotos beende, sondern diese auch lösche? Die Verbreitung zu beenden ist vermutlich für die Wenigsten Problem. Aber sie löschen?

Fazit: Ein TfP-Vertrag betrifft und bindet wesentlich mehr Personen als nur die Parteien, die ihn schließen. Er sichert alle Parteien und eben auch viele zusätzliche Menschen aus deren Umfeld ab. Jeder weiß, wenn ihm dieser Vertrag vorliegt, was die Parteien gedacht und ggf. gemeint haben, als sie sich zu einer für beide Seiten unentgeltlichen (aber nicht unbedingt kostenlosen) Zusammenarbeit entschlossen haben. Ob das dann später zu Teilen anfechtbar ist und ob Gerichte das nachträglich aufheben können, steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. Ohne Vertrag aber begibt man sich mit der ersten Aufnahme auf verdammt dünnes Eis. Und das nicht erst seit der Verschärfung des §201a StGB. Dabei ist es völlig egal, ob Model und Fotograf sich zum Zeitpunkt als die Aufnahmen gemacht wurden blind vertrauen konnten. Unter Umständen sind es nämlich gar nicht die beiden, die sich nachher streiten.

Written by emden09

29.11.2017 at 11:11

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