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Leistungsschutzrecht zementiert Googles Suchmaschinen-Monopol.

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SPON schreibt heute in einem, in eigener Sache tendenziösen Artikel, unter der demagogisch vermeintlich „versachlichten“ Überschrift „Was das Leistungsschutzrecht soll“ zum Thema:

„Verlage könnten Google aber auch Lizenzen einräumen, bei denen die Suchmaschine nicht bezahlen muss.“

Ich habe mir erlaubt dazu einen Leserkommentar auf der Seite zu hinterlassen unter der Überschrift

Leistungsschutzrecht zementiert Googles Suchmaschinen-Monopol.

Dieser Kommentar war der Online-Redaktion offenbar derart unbequem, dass sie in schlicht unterdrückte. Ich will daher hier die Argumentation wiederholen.

Wenn Verlage wirklich, wie im Artikel nahegelegt, den Druck, den Google durch ein Delisting deutscher Verlage ausüben kann, nutzen, um Google kostenlose Lizenzen einzuräumen, dann zementiert das Googles Übermacht im Suchmaschinenmarkt.

Eine kleinere Suchmaschine mit weniger Bedeutung nämlich kann diesen Druck u.U. nicht ausüben, wird also entsprechend auch keine kostenlose Lizenz bekomen. Schlimmer aber, ein Startup mit einer neuen Suchmaschine, selbst wenn sie eine bessere Suchtechnologie hätte als Google, könnte den Aufwand gar nicht leisten. Den Aufwand nämlich mit jedem deutschen Verlag über Lizenzen zu verhandeln. Einen solchen Aufwand kann ausschließlich eine Suchmaschinen-Supermacht wie Google treiben.

Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als wir im Internet über „Alta Vista“ und andere Suchmaschinen suchten und Google nur ein Startup war. Google konnte sich gegen die damaligen Quasimonopolisten durchsetzen, weil es die bessere Technologie hatte und die Ergebnisse die man fand größere Relevanz zum Suchbegriff besaßen. Eine Entwicklung, wie jene, die Google hervorgebracht hat wird zukünftig entsprechend durch das Leistungsschutzrecht zumindest für den deutschen Markt behindert, wenn nicht gar verhindert.

Die Verlage also, die heute das Leistungsschutzrecht durchsetzen stärken dadurch Google Monopol auf dem Suchmaschinenmarkt.

So wenig dieses Argument im Fokus der aktuellen Auseinandersetzungen steht, so unbequem ist es aber wohl doch für die Besitzer der deutschen Verlage und die Zensoren in den deutschen Redaktionen. Warum sonst sollte man ausgerechnet gestern einen solchen Diskussionsbeitrag bei SPON unterdrückt haben?

Written by emden09

28.11.2012 at 15:41

Leistungsschutzrecht: keinen Hafer an tote Gäule verfüttern

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Jetzt wenden sich endlich auch die Pressesprecher gegen ein Leistungsschutzrecht für Verlage .

Wer auf einem toten Pferd sitzt und glaubt auf zwei toten Pferden gleichzeitig könne er schneller reiten, der erfüllt die intellektuellen Voraussetzungen die Logik des Leistungsschutzrechtes für Verlage unterstützen zu können.

Bei „Leistungsschutzrecht“ geht es nur darum, dass die Verlage zusätzliches Geld bekommen wollen. Geld, das sie nicht verdienen, aber besitzen möchten. Das sie deshalb nicht verdienen, weil sie als Branche unwillig, ja unfähig sind, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das in Zeiten des Internet tragfähig wäre.

Dabei bezieht sich „tragfähig“ aus Sicht der Verlage nur auf zwei Dinge. Erstens sollen getätigte Investitionen in Gebäude, Druckmaschinen und Logistik geschützt werden. Zweitens soll die Meinungsmacht der Verlagseigentümer erhalten bleiben.

Beides aber sind keine gesellschaftlichen Aufgaben. Weder kann es Zweck einer menschlichen Gemeinschaft sein, ein sterbendes Geschäftsmodell künstlich zu beatmen, bis auch der letzte Euro seinen ROI erreicht. Noch kann es Sinn einer demokratischen Kultur sein, die Propagandamaschinen, von Springer, Bertelsmann, Augstein, Burda, Heise uvam. so lange zu ölen, bis diese den Staat endlich im Handstreich unter ihre Kontrolle bringen. Im Gegenteil wird eine freiheitliche und gleiche Gesellschaft gestärkt, wenn der Beruf des Verlegers ausstirbt. Damit ein Julius Streicher sich nicht wiederholen, ein Berlusconi sich gar nicht erst etablieren und ein SSarrazin keine Plattform finden kann.

Nachrichten entstehen heute eh nicht mehr in den Redaktionen. Nachrichten entstehen längst, schneller, besser und umfassender in Twitter, in Blogs und in Wikileaks. Das gilt besonders für investigativen Journalismus, wie Wikileaks ihn betreibt. Aber auch die Details des „System Rüttgers“ sind früher und bis jetzt eben gerade detaillierter in Blogs (z.B. „Wir in NRW“) dargestellt worden, als je die Bereitschaft zu berichten eines der systemnahen NRW-Verlage gegangen wäre.

All diese Verlage kupferten stattdessen mit teilweise mehrtägiger Verzögerung beim Blogger von „Wir in NRW“ ab. Sie ließen das weg, was sie aus politischen Opportunitätsgedanken für Verschweigens wert hielten. So bevormundeten und entmündigten sie ihre Leser. Genau diese Funktion des Verlegers als Meinungsmacher und Oberlehrer aber läuft dem Gedanken einer freien, demokratischen Gesellschaft doch sowieso zuwider.

Insofern muss sich dieses Land im selben Maße gegen ein Leistungsschutzrecht für Verlage wenden, wie es keinen Hafer an tote Pferde verfüttert.

Written by emden09

07.09.2010 at 10:36

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