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Sollte man „besorgte Bürger“ konsequent als Nazis bezeichnen? – Eine Gegenrede: man muss!

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Quelle: Sollte man „besorgte Bürger“ konsequent als Nazis bezeichnen?

Nachdem der Autor selbst bewiesen hat, dass man durch konsequente Bezeichnung als „Nazis“ die Gruppe der Rassisten insgesamt um 15% reduzieren kann, nenne ich gerne noch einen anderen Grund.

 

Wie sind denn die Nazis in diesem Land überhaupt wieder entstanden und erstarkt? Lies Geschichtsbücher. Dann weißt Du, dass man in den Nürnberger Prozessen und bei der Entnazifizierung Deutschlands fast alle seinerzeitigen zig Millionen Deutschen Nazis entlastet hat. Es war am Ende gar nicht so schlimm, Nazi gewesen zu sein. Das schlimmste was man den meisten angehängt hat was das Etikett „Mitläufer“. Gleichzeitig baute die Adenauer-Republik die Illusion auf, man könne ein Land nur mit und durch ehemalige Nazis wiederaufbauen. Der BND, der Verfassungsschutz (NRW als Blaupause für alle anderen Verfassungsschutz-Organisationen in Deutschland), die Polizei sind so entstanden und mit Hilfe von aus heutiger Sicht schwer belasteten SS, GeStaPo und Nazi-Parteigrößen aufgebaut worden.

 

Diese Leute waren Jahrzehntelang auch für die Rekrutierung und Ausbildung des Nachwuchses in diesen Organisationen tätig. Das „Versagen“ der Behörden oder wie es ein luxemburgischer Polizeiführer die Tage ausdrückte „die mangelnde Motivation“ deutscher Polizisten, Verfassungsschützer, Staatsanwälte und Geheimdienstler bei der Verfolgung der NSU und bei der sich augenblicklich organisierenden NSU 2.0 ist m.E. ausschließlich darauf zurückzuführen. Darauf eben, dass man seinerzeit direkt nach dem WKII, als die Erinnerungen noch frisch waren schon wieder begann, Nazis in Täter 1. Und 2. Klasse zu unterscheiden. Und den Tätern 2. Klasse erlaubte Staatsschutz-Organisationen aufzubauen von denen heutige Kommentatoren noch meinen „dass Teile der Behörden gewalttätige, organisierte, terroristisch agierende Nazis nicht als Problem betrachten. Sich in den Apparaten vielleicht sogar heimliche wie unheimliche Sympathien entwickelt haben.

 

Ich denke dieser Fehler darf kein zweites Mal passieren.

 

Zumal ja selbst Dein Rechenmodell nur deshalb funktioniert, weil die Bezeichnung als „Nazi“ nicht zu gesellschaftlichen Konsequenzen führt. Noch in den 80ger Jahren musste ein Beamter (z.B. Lehrer) der sich gegen die Bezeichnung als „Sozialist“ oder gar als „Sympathisant“ (der RAF) nicht energisch zur Wehr setzte, mit Berufsverbot rechnen. Würden wir Nazis heute ähnlich sanktionieren und wenigstens im öffentlichen Dienst endlich aufräumen mit der Nazi-Brut, würden sich wohl einige lange überlegen, ob sie sich „besorgten“ Bürgern anschließen oder vielleicht doch vorher nochmal ein paar Informationen darüber einholen, was ihnen ihr Hirn zu sagen hat.

 

Darüber hinaus ist Dein Rechenmodell (15/20/15) nun auch wirklich sehr willkürlich theoretisch und ohne jeden sozialwissenschaftlichen Sachverstand – oder gar Forschungsergebnisse zusammengestellt. Ich will mal eine andere Schätzgrundlage versuchen: Da schlimmstenfalls 9% aller Wähler (in geheimer Wahl!) bereit waren offen Nationalsozialistisch (NPD) zu wählen (LTW Sachsen), darf doch sehr bezweifelt werden, ob bei konsequenter Anwendung des Begriffs „Nazis“ durch Behörden, Presse und Öffentlichkeit tatsächlich nur 30% (also 15) der „besorgten Bürger“ sich aus dem Nazi-Kreis verabschieden  40 Prozent stabil und weitere 30 % Radikalisiert würden. Legt man oben stehende 9% als Maßstab an und nimmt nicht einmal an, dass weniger als die geheimen 9% der „besorgten Bürger“ (offen) bei „pro Nazi“ bleiben, dann bleiben von 100 Rassiten nach Aussortierung der „besorgten Bürger“ noch 54,5 (55) Nazis übrig. Dieses Rechenmodell hielte ich für wesentlich realistischer.

 

Wir müssen endlich an den Punkt kommen, wo Sanktionen gegen Rassismus nicht nur im Gesetz stehen, sondern von der Gesellschaft und den Behörden konsequent umgesetzt und verfolgt werden. Es muss eine Gefahr für die eigene Existenz sein Rassist (aka Nazi) zu sein. Dann kriegen wir eine Lösung. Aber nicht durch Differenzierung und Verharmlosung, der Begriffe, welche schon bei der letzten Entnazifizierung erfolglos oder schlimmer kontraproduktiv war.

 

Wir stehen vor einer Situation in der eine terroristische Bedrohung durch Nazis sehr real ist – es werden in wenigen Tagen mehr Brände gelegt als die RAF und ihre Sympathisanten in der Folge von 1968 je gelegt hat. Diese Gefahr gilt es mit radikalen Mitteln zu bekämpfen. Und das erste dieser Mittel müssen klare Worte und Begriffe und nicht unnötig verharmlosende Differenzierungen sein.

Written by emden09

27.08.2015 at 15:19

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