emden09

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Kreuzzüge #CharlieHebdo

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Die Kreuzzüge sind nicht vorüber. Wer im Zusammenhang mit dem Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo voreilig – bevor die Täter gefasst sind und sich bekannt haben, von islamistischer Gewalt spricht, möge sich das klar machen. Wir führen Krieg. Wir haben Ihn erklärt. Wir führen Krieg im Zeichen des christlichen Kreuzes. Wir führen Krieg Namens und im Auftrag der christlichen Kirchen! Wir? „Wir“ sind in diesem Zusammenhang westliche Regierungen, die wir alle legitimiert haben und täglich legitimieren.

Die Bundesregierung der BRD erkennt diese Regierungen der USA, Frankreichs, Großbritanniens und anderer Staaten an. Wir haben – wie ich, diese Bundesregierung nicht gewählt. Wir haben vielleicht gar nicht gewählt. Dennoch bewegen wir uns Tag für Tag, so lange wir unsere Deutsche Staatsbürgerschaft nicht ablegen oder in den Untergrund gehen und Widerstand leisten, auf den Boden eines Rechtssystems, das vom Grundgesetz für die BRD ausgeht und gestützt wird. Und dort legitimiert nun mal die Mehrheit der abgegebenen Stimmen die Wahl der Regierung durch den Bundestag, welcher sich proportional der vom „Volk“ abgegebenen gültigen Stimmen zusammensetzt. Es möge mir also keiner kommen und behaupten, er sei für die Kreuzzüge, die in unserem Namen unternommen werden nicht (mit)verantwortlich.

Westliche Regierungen führen in Afghanistan, in Syrien (gegen den IS) und vor Somalia gegen „Piraten“, führten im Irak nicht nur Krieg. Sie führen dort Kreuzzüge, Namens und im Auftrag christlicher Kirchen. Und nein, es war nicht George W. Bush und seine kleine radikal-evangelikale Gemeinde alleine, die diese Kriege zu „Kreuzzügen“ (wörtlich: „Crusade“) erklärte. Es sind bis heute von allen christlichen Kirchen legitimierte und zu diesem Zweck (gesalbte und) entsandte Geistliche (Feldgeistliche im Rahmen der Deutschen Bundeswehr), die bis heute Waffen und Mörder („Soldaten sind Mörder“ das wusste schon Tucholsky zu sagen) segnen, ihnen seelischen Beistand vor, bei und nach ihrem Mordhandwerk leisten.

Es sind Pfarrer und Pastoren der christlichen Kirchen, welche die Kriege, die unsere Regierung in unserem Namen führt, zu christlichen Kriegen – zu Kreuzzügen machen. Das hat gute christliche Tradition. Noch bevor Mohammed der Prophet des Islam geboren wurde, hatte das Morden, Vergewaltigen und Brandschatzen im Namen christlicher „Nächstenliebe“ und „Toleranz“ mehr als fünf Jahrhunderte große Teile von Europa, Kleinasien und Nordafrika heimgesucht. Als der erste „heilige Krieg“ des Islam ausgerufen wurde, konnten dessen Kämpfer sich auf hunderte Jahre Erfahrung aus der Führung von christlichen Kriegen stützen. Wir führend diese bis heute.

Wir legitimieren (nicht bekämpfen) also eine Regierung, welche zusammen mit anderen, im Namen und Auftrag christlicher Kirchen Kreuzzüge führt. Es ist die Tragik der Opfer von Charlie Hebdo, dass die dortige Redaktion diesen Zusammenhang mindestens ebenso klar erkannte, wie ich ihn hier benenne. Es ist die Tragik der Opfer von Charlie Hebdo, dass sie ihn wesentlich pointierter und spitzer auf den Punkt zu bringen wusste, als es mir jemals gelingen wird.

Wenn wir nicht erkennen, dass die monotheistischen Religionen – allen voran das Christentum, als die größte (was die Anzahl der Gläubigen weltweit betrifft) und zweitälteste, nicht die Lösung für das Problem von Ungerechtigkeit, Hunger, Krieg und Gewalt in unserer Welt sind, sondern die Hauptursache, dann haben wir nicht verstanden, was Charlie Hebdo uns sagen will, die Opfer bei Charlie Hebdo uns sagen wollten.

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BTW: ich erlaube mir den Hinweis nachzureichen, dass die „Meinungsfreiheit“ in Deutschland gerade im Zusammenhang mit religiöser Satire m.W. nicht zuletzt 1986 (also vor nicht einmal 30 Jahren) durch eine Klage der Weißblechindustrie eingeschränkt wurde. Soviel dazu, welchen „Werten“ wir uns verpflichtet fühlen. 

ich war eine Dose

Written by emden09

08.01.2015 at 09:56

Bin Laden – über die Toten nur Gutes.

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Nachdem man von mir schon oft forderte, über die Toten nur Gutes zu berichten und mir das bei einigen widerlichen Schweinen nicht wirklich gelingen mag, möchte ich es nun bei Osama bin Laden versuchen.

Was also lässt sich über bin Laden Gutes berichten.

Wenn wir annehmen, dass Osama bin Laden den Krieg der Bevölkerung Afghanistans gegen die UDSSR maßgeblich finanzierte und strategisch begleitete, so ist er wenigstens einmal in seinem Leben für die Befreiung eines ganzen Volkes verantwortlich gewesen. Mehr als viele Menschen und erst Recht die meisten (westlichen) Politiker von sich sagen können.

Wenn wir annehmen, bin Laden sei wirklich der strategische Planer der Anschläge auf das World Trade Center in New York, dann hatten diese Anschläge (9/11) neben den äußerste bedauernswerten Todesopfern doch viele gute Folgen.

Zunächst einmal wurde den USA bewusst, dass sie als Staat nicht außerhalb der Welt existieren sondern innerhalb einer Welt. Den USA und Ihren Bürgern klarzumachen, dass es auch außerhalb ihres Landes Menschen geben könnte, die verzweifelt, entschlossen und mutig genug sind, die USA anzugreifen war sicher ein heilsamer Schock für viele US-Amerikaner und einen beruhigende Erkenntnis für die Welt. UNter obiger Prämisse ist das ein wichtiger Verdienst Osama bin Ladens.

Dann wurde der Welt bewusst, wie die USA auf mögliche Angriffe zu reagieren bereit sind.

Mit G.W.Bush hat ja nicht irgendein Amerikaner Lügen in die Welt gesetzt, um zuerst Afghanistan und dann den Irak völkerrechtswidrig militärisch anzugreifen. Es war der Inhaber des höchsten Staatsamtes in den USA und gleichzeitig deren oberster Repräsentant. Nach Bill Clinton („I had no sexual relationship with that woman“) machte damit der zweite US-Amerikanische Präsident in Folge weltweit klar, Wahrheit und persönliche Wahrhaftigkeit ist keiner der Werte, für die die USA als Staat stehen. Das ist nicht zuletzt ein Verdienst von 9/11 und unter obiger Prämisse Osama bin Ladens.

Darüber hinaus griffen die USA zur Einrichtung von Foltercamps wie Abu Ghraib und Guantanamo, um vermeintliche Feinde zu terrorisieren. Damit machten Sie klar, internationale Übereinkommen wie die Antifolterkonvention der Vereinten Nationen sind den USA absolut schnuppe. Die Achtung der Menschenrechte ist kein Wert für den die USA als Staat stehen, sit die Botschaft, die die US-Präsidenten Bush und Obama täglichen an die Welt sandten und senden. Dies allen lebenden Individuen auf der Erde vor Augen zu führen ist ein Verdienst des 9/11 und unter obiger Prämisse Osama bin Ladens.

Schließlich setzten die USA unter dem sogen. „Patriot Act“ auch innerhalb ihres Landes den Rechtsstaat weitgehend außer Kraft. US-Bürger und Ausländer, die sich in den USA aufhalten dürfen unter den Regelungen dieses Acts behandelt werden, als seien für sie sämtliche US-Gesetze und auch die Verfassung der USA nicht gültig. Ja sie dürfen sogar unter Strafandrohung gezwungen werden über Gesetzesverstöße der US-Behörden ihnen gegenüber zu schweigen und nicht rechtlich dagegen vorzugehen. Damit schließlich haben die USA klargestellt, die USA als Staat stehen nicht für den Wert des Rechtsstaates. Dies allen lebenden Individuen offen vor Augen zu führen ist ein Verdienst des 9/11 und unter obiger Prämisse Osama bin Ladens.

Schließlich wurden die Wahlen, die G.W.Bush ein zweites Mal ins Amt beförderten, wie schon vor Beginn seiner ersten Amtszeit in einigen Staaten der USA so manipuliert, dass der Gegenkandidat keine Chance hatte. Namentlich in Kalifornien, Ohio und Florida um das Mindeste zu nennen, gebärdete man sich dabei so, dass internationale Wahlbeobachter diese Wahlen nicht als regulär oder demokratisch hätten bezeichnen können. Wie wohl die Tatsache, dass die USA keine internationalen Wahlbeobachter zuließen schon in der Lage wäre für sich zu sprechen. Umso mehr ist die Wahlmanipulation zu Gunsten von G.W.Bush ein Signal an alle lebenden Menschen auf der Welt, die USA stehen nicht für Demokratie. Dies ist ein Verdienst des 9/11 und unter obiger Prämisse Osama bin Ladens.

Selbst im Tod war Osama bin Laden offenbar noch in der Lage, den USA eine weitere Larve von der hässlichen Fratze zu reißen. Aktuellen Meldungen zu Folge versenkten US-Soldaten den Leichnam Osama bin Ladens auf offener See an unbekanntem Ort. Dieser Umgang mit einem Toten, seinen Leichnam einfach im Meer verschwinden zu lassen erinnert mich an die Militärjunta in Chile und Argentinien. Das ausgerechnet ein weltweit in „westlich orientierten“ Staaten als Heilsbringer gefeierter US-Präsident bereit ist, sich durch das Handeln seiner Soldaten mit Videla und Pinochet auf dasselbe (a)moralische Niveau zu begeben sagt letztlich, dass selbst Humanismus, Christentum und „westliche Werte“ nicht sind, wofür diese USA als Staat stehen. Dies aller Welt noch im Tode vor Augen zu führen ist vielleicht der letzte Verdienst Osama bin Ladens.

Osama bin Ladens Verdienste lassen sich also zusammenfassen in dem Fazit, die USA stehen als Staat für KEINEN der (westlichen) Werte (Wahrheit und Wahrhaftigkeit, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Demokatie, Humanismus und Christentum) für die sie in Ihrer Selbstdarstellung so gerne stehen würden. Dies konnte vor 9/11 jeder wissen, der es wissen wollte. Am Todestag Osama bin Ladens kann nun schließlich niemand mehr leugnen und wie nach 1945 in Deutschland üblich behaupten, er „habe von nichts gewusst“.

Man kann das auch so ausdrücken…


Written by emden09

02.05.2011 at 12:51

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