emden09

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TfP-Vertrag Sinn oder Unsinn

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Da immer wieder die Diskussion aufkommt, wozu man einen TfP-Vertrag brauche, wenn man hobbymäßig unentgeltlich (auf TfP-Basis) Menschen fotografiert, hier mal ein paar Anregungen.

Vorweg soviel: Ja auch ich bin der Meinung, dass es keinen Sinn macht zivilrechtliche Ansprüche auf Basis eines TfP-Vertrages einzuklagen. Wenn ein Model die Bilder nachträglich nicht im Netz sehen will, nehm ich sie raus. Nein, ich schreib ihr dann keine Rechnung für meine fotografischen Leistungen und versuche auch nicht, die Bezahlung dieser Rechnung einzuklagen.

Dennoch mache ich für JEDES Shooting einen TfP-Vertrag. Auch und besonders, wenn ich Menschen fotografiere, die ich gut kenne, die meine Freunde oder Lebenspartner sind. Warum?

Nein, ich bin nicht paranoid. Und wenn ich es wäre würde es nicht bedeuten, dass ich nicht verfolgt werde 😉

Zunächst einmal ist ein TfP-Vertrag ja nicht nur eine zivilrechtliche Einigung zwischen zwei oder mehr Personen. Er bindet im Gegenteil auch alle Personen, die jemals in der Zukunft Rechte aus dem Handeln der beiden Personen ableiten wollen.

Das Wort Vertrag sagt etwas wesentliches, nämlich, was haben zwei (oder mehr) Menschen gedacht, als sie sich noch »vertragen« haben. Was diese Menschen aber auch Dritte sich evtl. denken könnten, wenn sie zu einem späteren Zeitpunkt die Ergebnisse der Zusammenarbeit, also die Bilder sehen kann u.U. etwas ganz anderes sein.

Ein TfP-Vertrag entfaltet z.B. auch eine strafrechtliche Exkulpationswirkung des Fotografen in Bezug auf § 201a StGB. Zwar handelt es sich beim §201a StGB »nur« um ein Antragsdelikt. Aber den Strafantrag kann bei weitem nicht nur das Model selbst stellen – was schlimm genug wäre. Hier sei auf Themen wie Erben, Angehörige etc. hingewiesen. Was wenn diese den Fotografen anzeigen und behaupten, es handle sich um „unerlaubte Aufnahmen“ oder eben die „unerlaubte Verbreitung“ von Aufnahmen? Besonders unschön ist ja auch der Absatz 5 des §201a StGB: »Die Bildträger sowie Bildaufnahmegeräte oder andere technische Mittel, die der Täter oder Teilnehmer verwendet hat, können eingezogen werden.« Da liegt dann man schnell eine aktuelle Kamera oder ein aktueller PC, NAS oder sonstiges bis zum Abschluss eines Verfahrens monate- oder jahrelang in den Asservatenkammern (ohne dass es später bei einem auch ohne TfP-Vertrag möglichen Freispruch für den zwischenzeitlichen Wertverlust zu einer Entschädigungszahlung in angemessener Höhe kommen wird).

Wer andererseits schützt ein Model, das ohne TfP-Vertrag arbeitet, vor möglichen Forderungen der Erben eines Fotografen. Was wenn diese zwischen hunderten bezahlter Shootings am Ende seines Lebens 200 Shootings finden, die (weil TfP aber halt ohne Vertrag) nie abgerechnet wurden. Was wenn diese Erben nun mit Hilfe eines findigen Anwaltes die jeweiligen Models verklagen. 200.000 Euro (also 200 Models x 1.000 Euro pro Shooting) könnten da schon für den einen oder anderen Erben ein Anreiz sein. Das ganze kann natürlich auch umgekehrt passieren. Wie will der Fotograf ohne Vertrag gegenüber Dritten nachweisen, dass das Model ausgerechnet für ihn kostenlos (TfP) gearbeitet hat („wo sie doch sonst nur Payshootings gemacht hat“)? Von Behörden wie Finanz-, Ordnungsämtern und Arbeitsagenturen möchte ich hier gar nicht erst anfangen.

Aber auch bei Freunden und Partnern, möchte ich die Fotos am Ende vielleicht gerade dann (wegen des Erinnerungswertes) behalten können, wenn diese nicht mehr unter uns weilen. Was aber, wenn deren Angehörige mich auf das Fortwirken der Persönlichkeitsrechte über den Tod hinaus (sogen. „Postmortaler Bildnisschutz“) in Anspruch nehmen wollen. Was wenn diese wollen, dass ich nicht nur die Verbreitung der Fotos beende, sondern diese auch lösche? Die Verbreitung zu beenden ist vermutlich für die Wenigsten Problem. Aber sie löschen?

Fazit: Ein TfP-Vertrag betrifft und bindet wesentlich mehr Personen als nur die Parteien, die ihn schließen. Er sichert alle Parteien und eben auch viele zusätzliche Menschen aus deren Umfeld ab. Jeder weiß, wenn ihm dieser Vertrag vorliegt, was die Parteien gedacht und ggf. gemeint haben, als sie sich zu einer für beide Seiten unentgeltlichen (aber nicht unbedingt kostenlosen) Zusammenarbeit entschlossen haben. Ob das dann später zu Teilen anfechtbar ist und ob Gerichte das nachträglich aufheben können, steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. Ohne Vertrag aber begibt man sich mit der ersten Aufnahme auf verdammt dünnes Eis. Und das nicht erst seit der Verschärfung des §201a StGB. Dabei ist es völlig egal, ob Model und Fotograf sich zum Zeitpunkt als die Aufnahmen gemacht wurden blind vertrauen konnten. Unter Umständen sind es nämlich gar nicht die beiden, die sich nachher streiten.

Written by emden09

29.11.2017 at 11:11

Darf man die noch schauen

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„Darf man die noch schauen?“  fragt Spiegle Online aktuell zu den Werken von Polanski, Weinstein, Spacey, Kinski uvam.

Ich habe ein Riesenproblem damit, wie in diesem Zusammenhang eine Hexenjagd im Stil von McCarthy veranstaltet wird.

Ja, ich bin der Meinung, es ist gut, dass sich die Opfer von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung hier endlich aus der Deckung trauen. Die Geständnisse der Täter lassen auch keinen Zweifel daran, dass es diese Straftaten gegeben hat. Ich bin auch dafür, dass speziell Straftaten in diesem Bereich nicht verjähren sollen und dass sie strafrechtlich verfolgt werden sollen. Gerade der Fall Weinstein oder auch Spacey zeigen, warum es wichtig ist, hier einer möglichen strafrechtlichen Verjährung einen Riegel vorzuschieben. Die Opfer sind eben tatsächlich – und das wissen Psychotherapeuten nun wirklich nicht erst seit gestern – über Jahre und Jahrzehnte in einer Weise traumatisiert, die sie nicht in die Lage versetzt, die Taten einer Strafrechtlichen Verfolgung zuzuführen.

Gerade als Links denkender Mensch aber bin ich der dringenden Meinung, dass einem bestraften Straftäter auch die Möglichkeit zur Resozialisierung gegeben werden muss. Als rehabilitiert muss ein Straftäter gelten, wenn er seine Strafe verbüßt hat. Es kann und darf nicht die Aufgabe einer Jody Foster (trotz all ihrer Verdienste) sein einen Menschen (hier ist Gibson gemeint) zu rehabilitieren! Es kann und darf auch nicht die Aufgabe von Arbeitgebern, Studios und anderen sein, einen Straftäter über das strafrechtliche Maß hinaus zu bestrafen. Zu der Zeit, in der ich juristischen ausgebildet wurde (nein kein Studium!), waren all diese Aussagen unter Sozialisten (ja sogar unter Sozialdemokraten) unumstritten.

Und ja, ich schaue mir Kunstwerke trotz und teilweise wg. der Biografie des Künstlers an. Dabei vergesse ich die Biografie nicht, sondern beziehe mein Wissen um diese in den Kunst“genuss“ mit ein. Werke eines Arno Breker, Woody Allen, Weinstein, Spacey, Kinski auf meinen persönlichen Index zu setzen, käme mir vor wie die Bilderstürmerei der Taliban. Auf diesem Niveau müssten wir dann die Mehrzahl aller gotischen Kirchen inkl. des Kölner Doms sprengen und dem Erdboden gleichmachen, könnten uns Picasso, Schiele und viele andere mehr nicht mehr anschauen. Ich glaube, die Biografie eines Künstlers ist nicht von seiner Kunst zu trennen, ihre Kenntnis trägt zum zusätzlichen Verständnis der Kunstwerke bei, kann aber nicht Teil einer persönlichen Zensurliste sein.

Written by emden09

07.11.2017 at 10:48

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Rätselhafter „Shutter Count“

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Heute mal ein kleines Rätsel oder Hilfeersuchen zum Thema „Shutter Count“.

 

Nikon hat eine Funktion in seine Kameras eingebaut, die einen sogen. „Shutter Count“ (also die Anzahl Auslösungen) der Kamera in die EXIF-Daten schreibt. Wie ich gerade lese gibt es bei Canon und Sony ähnliches – teilweise unter anderen Namen. Zusammen mit dem Namen bzw. der Seriennummer der Kamera wäre das aus meiner Sicht der ideale Dateiname zur langfristigen Archivierung der Dateien (da dieser eindeutig wäre).

 

Leider finde ich ausgerechnet dieses EXIF-Feld „Shutter Count“ nicht in der Auswahl, die Lightroom, IrfanView oder XNView für die Benennung von Dateinamen anbietet. Bei IrfanView habe ich leider in der Doku keinen Platzhalter/Variablennamen für den „Shutter Count“ innerhalb der EXIF-Daten gefunden. Obwohl mir die Variablennamen, die mit $Exxxxx anfangen alle sehr danach aussehen als ob sie in der Art einer unbedingten Sprungadresse („goto“) einen Offset innerhalb der EXIF-Daten anspringen wollten.

 

Gibt es bei IrfanView, XNView, Lightroom o.ä. eine Dokumentation von , wie man (z.B. über Escape-Codes/Variablennamen) auf diese Felder zugreifen und sie für die Benennung der Dateien verwenden kann? Kennt jemand von Euch eine solche Möglichkeit?

Written by emden09

07.11.2017 at 10:14

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Adobe – die „hässliche Fratze des Kapitalismus“?

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Vorabbemerkung: Nein, ich bin kein Befürworter des Kapitalismus und ich bin auch keiner seiner Kritiker. Ich bin aber einer, der sich über die Menschen, die den Kapitalismus mehrheitlich wählen / wollen wundert.

Im Kapitalismus ist einer der wichtigsten anerkannten Kooperationsformen das kapitalistisch organisierte Unternehmen. Adobe ist ein solches Unternehmen. Dennoch ist der Aufschrei in der Gruppe der Nutzer der Softwareprodukte von Adobe jedes Mal groß, wenn eine neue Version auf den Markt kommt. Die einen beschweren sich über das „Abomodell“, weil sie lieber eine Kaufsoftware nutzen würden. Die anderen sehen gar ihre Dateien in Geiselhaft genommen oder glauben wie der Kommentator „sunrisemoon“ unter dem zuvor verlinkten Artikel Adobe benötige einen „Persilschein“ und würde andererseits die RAW-Dateiformate der Kamerahersteller hacken.

Jetzt mal ehrlich Leute, was läuft in Eurem Leben schief?

Es gibt ganz klar zwei Möglichkeiten.

Möglichkeit 1

Ihr benutzt eine Software, die von einem kapitalistischen Unternehmen zur Verfügung gestellt wird und bezahlt dafür Geld. Dann werdet Ihr akzeptieren müssen, dass dieses Unternehmen seine Produktpolitik (verfügbare Features und Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung oder Löschung aus dem Produkt) wie auch seine Marketingstrategie (z.B. Abomodell vs. Kaufsoftware) selbst bestimmt. Das kapitalistische Unternehmen wird sich dabei genau nach einem Faktor richten: Profitmaximierung. Und ja: zur Profitmaximierung gehört es auch, ab und an den Markt zu erforschen und Produktpolitik, wie auch Marketingstrategie so zu gestalten, dass die Kunden nicht Massenweise davonlaufen. Dabei gehört es selbstverständlich zum Kalkül des kapitalistischen Unternehmens, dass Nutzer einer Software eine Menge Geld und Zeit in den KnowHow –Aufbau investiert haben. Den Aufbau des KnowHow, wie sie die Software des kapitalistischen Unternehmens möglichst effektiv, produktiv und optimal nutzen. Dabei gehört es auch zum Kalkül des kapitalistischen Unternehmens Dateiformate zur Verfügung zu stellen, die es für den Benutzer möglichst attraktiv machen, die Software weiter zu nutzen und eine Migration auf eine andere Software nicht in Erwägung zu ziehen.

Nebenbemerkung 1: Adobe ist hier (wohl eher gezwungen durch das US-Amerikanische Verbraucherschutzrecht als aus kapitalistischem Antrieb) so „fair“ dateien in einem offenen, detailliert dokumentierten Dateiformate zu nutzen, auf die jeder Programmierer eines anderen kapitalistischen Unternehmens, wie auch jeder freie Programmierer uneingeschränkten Lese- und Schreibzugriff (z.B. für Migrationszwecke) nehmen kann.

Nebembemerkung 2: Wer Geld und Zeit investiert um KnowHow zur Nutzung einer proprietären Software eines kapitalistischen Unternehmens aufzubauen macht das freiwillig und im steten Wissen darum, dass er sich damit von der Produkt- und Marketingpolitik des Unternehmens abhängig macht. Wer hingegen sein Geld und/oder seine Zeit investiert, ohne sich dieser Problematik bewusst zu sein, hat vermutlich den Kapitalismus – den er mit einer gewissen hohen Wahrscheinlichkeit selbst gewählt hat und durch konkludentes Handeln permanent unterstützt, nicht verstanden. Hier wäre dann KnowHow-Aufbau zum Thema „kapitalistisches Wirtschaften“ angebracht.

Möglichkeit 2

Ihr benutzt eine Open Source Software (OSS). Alternativen zu den Adobe Produkten wären da z.B. Darktable (Statt Lightroom) oder GIMP (statt Photoshop) um nur die beiden bekanntesten zu nennen. Hier habt Ihr plötzlich das, was Ihr glaubt von Adobe fordern zu können: Einfluss auf die Produktpolitik. Ihr könnt investieren: Zeit, Geld, KnowHow, KnowHow-Aufbau, ohne den Kapitalismus durch Euer Verhalten zu fördern. Ihr könnt nach Herzenslust mitdiskutieren. Ja, wenn Ihr genügend KnowHow habt könnt Ihr sogar ein Feature, das durch die Community aus dem Hauptentwicklungszweig entfernt wurde selbst oder durch Freunde / Auftragsprogrammierer weiterentwickeln lassen oder gar einen Fork erzwingen, der ein komplett neues Produkt aus dem bestehenden, mit einem von Euch bestimmten Featureset beinhaltet.

Aber Vorsicht! OSS-Software mag in der Anschaffung kostenlos sein. Wer sie hingegen nutzt, wie die kostenlose Version, einer unter kapitalistischen Bedingungen erzeugten Softwarelösung (Lightroom, Photoshop) kann genauso gut gleich beim Kapitalismus bleiben.

 

Denn: die Programmierer einer OSS-Software müssen tatsächlich selbst ebenfalls unter kapitalistischen Bedingungen überleben. Auch wenn viele von diesen Programmierern einen Teil ihrer Freizeit beisteuern, um die OSS-Software weiterzuentwickeln, entstehen Kosten (z.B. Betrieb von Servern, Strukturierung und Unterstützung der Community, Internetanschlüsse usw.usf.). Ja, vieles davon sind Eh-Da-Kosten (also Kosten, welche die OSS-Entwickler ohnehin hätten, auch wenn sie nicht an der Software weiterentwickeln würden. Aber was wichtiger ist: die besten dieser OSS-Programmierer bauen (gerade im Bereich der Bildverarbeitung) ein ungeheures KnowHow auf, das sie für kapitalistische Unternehmen interessant macht. Sie könnten also über Kurz oder Lang dem „Ruf des Geldes“ erliegen. Und genau das geschieht mit nahezu jeder erfolgreichen OSS-Software früher oder später: Sie kann nicht mehr ohne die finanzielle Unterstützung eines kapitalistischen Unternehmens weiterentwickelt werden (schaut Euch dazu einfach Linux an).

D.h. würden die unzufriedenen Adobe-Benutzer sämtlich zu Darktable und GIMP wechseln und wären diese bereit, dort mindestens den Geldbetrag auszugeben, das Engagement zu zeigen, den sie zuvor der „Krake“ Adobe in den Rachen geworfen haben, dann könnten diese Produkte besser werden. Geld ausgeben heißt hier selbstverständlich nicht nur für die Anschaffung  der OSS-Software spenden. Geld ausgeben heißt hier VORALLEM auch: Zeit und Geld zu investieren, um KnowHow für die Benutzung dieser OSS-Produkte aufzubauen. UND auch: Zeit und Engagement in den Aufbau, die Pflege und die Diskussionen der Community zu investieren.

Viele kritisieren und was viele vom Wechsel zu den OSS-Alternativen abhält: „Die sind halt nicht so gut wie Lightroom und Photoshop“. Ja. Und warum nicht? Weil Ihr seid Jahren einem kapitalistischen Unternehmen Geld gebt, mit Hilfe dessen deren Produkte verbessert werden, ohne dass Ihr einen Einfluss darauf habt.

Fazit:
Meine Meinung: nehmt entweder Eure, Zeit, Energie und Euer Geld und gebt es für etwas aus, das Ihr tatsächlich beeinflussen könnt oder werft es einem kapitalistischen Unternehmen in den Rachen und findet Euch damit ab, dass vielleicht etwas herauskommen könnte, dass auch Euch nutzt (was vermutlich nur dort der Fall sein wird, wo Ihr zum Mainstream der Nutzer gehört). Im letztgenannten Fall ist jedoch nicht alleine Adobe die hässliche Fratze des Kapitalismus! Nein die „hässliche Fratze des Kapitalismus“ ist in diesem Fall eben und gerade auch Euer Konsumverhalten.

Written by emden09

06.11.2017 at 10:19

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„Obacht, Hype!“ – Wenn Sensationen Fakten verdrängen

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Deine Darstellung ist sehr interessant. Die kritische Betrachtungsweise freut mich. Ein sehr guter und empfehlenswerter Artikel.

Am Ende aber bleibt mir eine Frage. Wir schließen aus heute analysierter DNA auf das Geschlecht einer Person?

Wenn ich die von Dir gezeigte Abbildung richtig deute, wurden in dem BJ 581 Grab auch Knochen der bestatteten Person gefunden. Waren die dabei gefundenen Beckenknochen so uneindeutig, dass sie vor dem DNA-Test als „männlich“ durchgehen konnten?

Worauf ich hinaus will: Wieso gehen wir heute so selbstverständlich davon aus, dass Personen mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen (bei gleichzeitig eindeutiger DNA!) in früherer Zeit (Wikinger) seltener waren als heute?

Oder anders herum gefragt: Gerade wenn typisch „weibliche Grabbeigaben“ (Fibeln etc.) fehlen und die Knochen zunächst als männlich klassifiziert wurden liegt für mich die Frage nah, ob es sich nicht um eine Person mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen gehandelt haben könnte. Und: ja, die Beantwortung diese Frage führt nur zu weiteren Spekulationen. Die Möglichkeit der Existenz solcher Personen allerdings von vornherein auszuschließen, macht eine kritische archäologische Auseinandersetzung nicht einfacher.

Hoplit

Wissenschaftliche Entdeckungen schaffen es leider sehr selten in die Schlagzeilen, besonders wenn man sie mit den Verbalflatulenzen eines amerikanischen Präsidenten vergleicht. Umso erfreulicher ist es dann, wenn einmal eben eine solche Entdeckung in die Schlagzeilen kommt, im Speziellen wenn diese Entdeckung aus dem Bereich der Archäologie stammt.

Problematisch wird es aber, wenn aus der wissenschaftlichen Entdeckung ein Hype wird, und dabei einige wichtige Details ausgelassen werden.

Von Wikinger-Kriegerinnen und nordischen Muslimen

Zwei interessante Entdeckungen aus Schweden im Kontext der Wikinger sind echte Paradebeispiele dafür, was passiert, wenn sich eine „Entdeckung“ zum Hype entwickelt, und sämtliche Skepsis sowohl von Seiten der Medien als auch von Seiten der Leser mal schnell über Bord geworfen wird, was man auch bei manchen Reenactors beobachten kann.

Das erste Beispiel fand beim Focus unter der eigentlich schon recht eigenartig formulierten Schlagzeile „Schwedische Forscher sicher: Einer der größten Wikingerkrieger war eine Frau“ Beachtung. Es geht…

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Written by emden09

19.10.2017 at 11:02

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Hilfe

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Ich sehe einen Menschen (den ich mag) mit einem sehr lästigen Problem.

Ich kenne eine recht einfache Lösung für das Problem.

Bisher sagte mir meine Empathie: Es ist richtig, dass ich dem Menschen meine Hilfe bei der Lösung des Problem anbiete.

Heute weiß ich. Ich verändere das Leben, den Lebensweg des Menschen, wenn er meine Hilfe annimmt. Schlimmer: der Mensch wird glauben, ich trüge eine Verantwortung für diese Änderung. Selbst wenn die Änderung, auch aus Sicht des Menschen, dem ich geholfen habe in dem Augenblick ausschließlich positiv ist, trage ich in seinen Augen die Verantwortung für den gesamten zukünftigen veränderten (Lebens)weg.

Kommen nun auf dem weiteren (veränderten) Lebensweg des Menschen Probleme auf ihn zu, glaubt er (zu Recht), er hätte diese Probleme ohne meine Lösung gar nicht bekommen. Klar, er hätte andere Probleme gehabt. Aber das Urteil ob diese aus Sicht des Menschen schlimmer gewesen wären, als die, die ich ihm mit meiner Lösung eingebrockt habe, liegt in seiner Hand nicht in meiner.

Im Endeffekt habe ich durch meine Hilfe also nicht nur Verantwortung für das andere Leben, den anderen Lebensweg, ich muss mir auch gefallen lassen, dass der andere nachträglich meine empathisch angebotene Hilfe so behandelt, als sei sie ihm damals unwillkommen gewesen (hätte er oder ich gewusst was dann auf ihn zukommen könnte).

Fazit: Ich biete in Zukunft keine Hilfe mehr an. Bestenfalls Hilfe zur Selbsthilfe. Alles andere wird sein, ich kümmere mich ausschließlich um mich. Da ist genug zu tun.

Written by emden09

05.09.2017 at 16:42

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Urheberrecht und Creative Commons

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Am 8.8.2017 möchte uns ein Herr Sascha Rheker auf seinem Blog weismachen, dass Nutzer einer Creative Commons-Lizenz auf ihr Urheberrecht verzichten und daher jeden Gebrauch/Missbrauch ihrer Werke dulden müssen.

Das ist natürlich Unsinn. Die Motivation von Herrn Rheker solche falschen Behauptungen (Fake News) in die Welt zu setzen ist auch durchsichtig. Herr Rheker ist Berufsfotograf. Für Berufsfotografen ist es natürlich ärgerlich, wenn von Motiven, von denen Sie gerne Bilder verkaufen würden (Stockfotos) all zu viele Fotos unter freien lizenzen wie z.B. CC im Umlauf sind. das dürfte auch der Grund sein, warum Herr Rheker meinen diesbezüglichen Kommentar auf seinem Blog nicht freigibt und entsprechend eine widersprechende Meinung unterdrücken will. Es ist eben auch der Grund warum ich diesen eigenen Blogartikel als Kommentaer zu seinem Unfug verfasse.

Die Argumentation von Herrn Rheker und anderen, auf die er sich bezieht ist schlicht inhaltlich falsch. Wer ein Werk unter einer „Creative Commons“ Lizenz freigibt verzichtet damit gerade nicht auf sein Urheberrecht. Auf ein Urheberrecht kann man nämlich gar nicht nicht verzichten. Man hat es lebenslänglich. Man kann schlimmstenfalls darauf Verzichten, aus seinem Urheberrecht andere Rechte (z.B. auf Bezahlung der Nutzung eines Werkes) abzuleiten.

Darüber hinaus macht die Argumentation von Hern Rhekers Artikel auch keinen Sinn. Er behauptet, ein Bild unter Creative Commons Lizenz könne von jedem, zu jedem Zweck benutzt werden und der Urheber habe dabei kein Mitspracherecht. Das ist falsch. Allerdings ein netter Versuch von Herrn Rheker im Sinne seines Berufsstandes durch Fakenews Verunsicherung bei unbedarften Hobbyfotografen zu streuen.

Nehmen wir z.B. die von mir regelmäßig verwendete CC BY-NC-SA 4.0, so kann ich diese Nutzung dieser Lizenz, wie auch die Gewährung der Lizenz an sich, jederzeit gegenüber jedermann widerrufen. Wie übrigens jeder Urheber unter Berufung auf sein Urheberrecht Nutzungslizenzen jederzeit gegenüber jedermann widerrufen kann.

Das scheint nicht so einfach. Denn problematisch wird das Widerrufen von Lizenzen natürlich für Urheber, die Lizenzen gegen Geld gewähren. Die müssen nämlich ggf. für die ursprüngliche Lizenz-Gewährung erhaltene Geldbeträge ganz oder teilweise zurückerstatten wenn sie Lizenzrechte nachträglich widerrufen oder einschränken. Ja, sie müssen ggf. sogar Schadensersatz leisten.

Genau das aber kann beim Widerrufen der o.g CC-Lizenz nicht passieren, da diese ja ausschließlich für nichtkommerzielle Zwecke gewährt wird. Also kann beim Nutzer des Werkes unter der Lizenz auch kein wirtschaftlicher Schaden entstehen. Würde der Nutzer des Werkes nämlich behaupten ihm sei durch Widerruf der CC BY-NC-SA 4. Lizenz ein wirtschaftlicher Schaden entstanden, würde das im Umkehrschluss bedeuten, dass er zuvor das Werk unter der Lizenz wirtschaftlich (also kommerziell) nutzte. Damit hätte der Nutzer des Werkes ohnehin gegen die Lizenzbestimmungen verstoßen und wäre seinerseits schadensersatzpflichtig ohne jedoch durch den Schadenersatz ein zukünftiges Nutzungsrecht im Sinne einer Lizenz zu erlangen.

Weitergehend kann ich eine Lizenz nicht nur nachträglich widerrufen. Ich kann die Lizenz sogar gegenüber einzelnen für eine bestimmte Nutzung widerrufen. Nehmen wir an, ich hätte tatsächlich, wie im Fall, den Herr Rheker schildert, ein Bild von Dirk Bach unter der o.g. Lizenz auf Wiki-Commons veröffentlicht und ein Verein homophober Rechtsradikalinskis würde dieses Bild benutzen, um Stimmung gegen Homosexuelle Menschen zu machen. das würde mir natürlich nicht gefallen, Entsprechend könnte ich, durch einfachen Brief an diesen Verein (Einwurfeinschreiben ist besser, dann lässt sich der Zugang beweisen) mit sofortiger Wirkung einzig und alleine diesem Verein gegenüber die Nutzung meines Werkes durch diesen Verein untersagen. Das Werk könnte dann dennoch weiterhin unter der selben Lizenz Wiki-Commons und anderen Nutzern im Web zur Verfügung stehen. Ich bin nämlich als Urheber durchaus berechtigt, die ursprünglich gewährte Lizenz (auch eine CC) gegenüber einzelnen Nutzern oder auch nur bezogen auf einen einzelnen Verwendungszweck zu widerrufen ohne sie dadurch gleichzeitig für andere Nutzer zu widerrufen.

Ich verstehe ja gut, dass Berufsfotografen gerade auch wenn sie Stockfotografie betreiben ärgerlich sind, wenn zu viele kostenlose Werke im Umlauf sind, die sie daran hindern Lizenzen für ihre Werke (an nichtkommerzielle Nutzer – z.B. Sportvereine etc.) zu verkaufen. Dass diese Berufsfotografen gerne zu „Angstmache“ und Fake News greifen, um mit ihrer in diesem Fall unsinnigen Position Menschen mit weniger Rechtskenntnissen zu verunsichern, halte ich für verständlich im Rahmen dessen, wie heutzutage Propaganda halt so gemacht wird.

Jeder der obenstehende Rechtsposition argumentativ angreifen möchte, möge sich die Worte sparen und stattdessen einfach eines meiner Werke in einem Kontext wie im Rheker-Artikel beschrieben, veröffentlichen. Meine Rechtsposition ist (bevor ich erstmals die CC BY-NC-SA 4.0 – damals noch in Version 2.0 nutzte) mit einem erfahrenen Medienrechtler abgestimmt. Er und ich warten nur darauf, dass irgendein Naziverein (aka AfD) auf das Zurückziehen einer Lizenz durch mich zickig reagiert und die Nutzung meines Werkes nicht unverzüglich beendet. Abmahnung, Schadenersatz und Rechtsvertretungskosten für die Herrschaften werden die unmittelbare und rechtlich einschlägige Folge sein.

Schlussendlich noch folgende Schlussfolgerung: Wenn die Nutzung von Werken unter CC BY-NC-SA 4.0  durch den Urheber – wie oben ausführlich erläutert – jederzeit widerrufen werden kann, dann besteht darin ggf. für möglich Nutzer der Werke das einzige wirkliche Gegenargument gegen die Nutzung solcher Werke. Das gilt besonders für das mit der Lizenz gewährte Recht, eigene Werke auf Basis des lizenzierten Werkes zu schaffen und sie unter der selben Lizenz zu veröffentlichen. Wird für ein solches eigenes Werk (z.B. Fotographisches Composing aka Fotomontage) nämlich die Lizenz für die Nutzung eines Bestandteils (z.B. Textur) nachträglich entzogen, muss dieser Bestandteil unverzüglich aus dem eigenen Werk entfernt werden. Soweit die Lizenz für die Textur also nicht käuflich erworben wurde, sondern lediglich unter CC BY-NC-SA 4.0 erteilt wurde, besteht für das abgeleitete Werk also tatsächlich einer Gefahr, nicht aber für den, der das ursprünglich unter CC BY-NC-SA 4.0 veröffentlichte Werk schuf und lizenzierte.

 

Written by emden09

11.08.2017 at 09:59

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