emden09

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Das macht Sinn!

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Nein, die Formulierung „das macht Sinn“ ist an sich natürlich völlig sinnlos. Selbst das englische „make sense“ („Sinn ergeben“) aus dem diese Formulierung wohl wörtlich ins Deutsche übertragen wurde ist für sich genommen nicht besser. Wir könnten jetzt also fluchen: ich hasse diese fucking Anglizismen. Ha, ha!

 Doch andererseits ist die Formulierung „das macht Sinn“ inzwischen „eingebürgert“. Jeder weiß, dass sie ein Idiom, ja fast schon ein Synonym ist, für die grammatikalisch richtige Formulierung „das halte ich für sinnvoll“. Natürlich können wir uns jetzt an den verstaubten Duden, seine überbezahlte Redaktion und unser Schulwissen von vor vierzig Jahren klammern und in holdem Altersstarrsinn behaupten: „nein, diese Formulierung ist für mich sinnlos“.

 Wir können uns aber auch einfach daran gewöhnen, dass eine lebendige Sprache, lebt und sich wie jeder lebende Organismus verändert. Dass eine solche lebendige Sprache unter Umständen neu Idiome ausbildet, die uns genauso gut gefallen, wie ein Pickel am Gesäß, ist sicher richtig. Am Ende aber bleibt eben dieses „Gefallen an etwas finden“ Geschmackssache. Für jeden verständliche Idiome also als „falsch“ abzulehnen, weil sie nicht dem persönlichen Geschmack entsprechen, ist irgendwie hochnäsig, überheblich und manieristisch – macht also keinen Sinn 😉

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Written by emden09

07.02.2017 at 09:20

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Streetfotografie – Eine Ernüchterung

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Wir waren gestern in der Ausstellungseröffnung im NRW Forum „Lindbergh / Winogrand: Women on Street“.

 

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Ich war am Ende sehr enttäuscht – oder sagen wir lieber ernüchtert.

Ja, es war voll und es war meine erste Vernissage in diesem „Forum“.

Positiv: Wir kamen um 18:30 am Forum an und konnten deshalb schon mit dem ersten Schwung Leute rein.

Die ausgestellten Werke von Lindbergh waren dann die erste Ernüchterung. Er hatte sich scheinbar einfach ein Model genommen und seine Modefotografie auf die Straße verlegt. Die Dame durfte sich im Laufe des Shooting 2-5 mal umziehen. Aber die „Street“ war ausschließlich Staffage und das Model wirkte in den meisten Fotografien wie ein Fremdkörper. Man hätte sie in die meisten Fotos sogar mit Photoshop reinmontieren können, so wenig Interaktion  von Ihr mit der „Street“ aber auch so wenig Reaktion der „Street“ auf sie war zu sehen. Das Titelbild dieses Beitrages mag  da exemplarisch sein. Dass Lindbergh dann ab und zu die Kamera schief gehalten hat empfand ich schon fast als eine manieristische Frechheit. Sei’s drum, er ist ein großer Fotograf und wenn er sowas darf, dürfen wir das in Zukunft auch. Wir nenne es dann halt „lindbergh“-Style. Warum mir die ganze Zeit zum bekannten Partysong die Textzeile „Das sind keine 35 mm, nie im Leben lieber Peter“ durch den Kopf ging weiß ich selbst nicht so genau.

Winograd gefiel mir deutlich besser. Aber da sind wir dann wieder bei meiner „üblichen“ Kritik am Forum, das ich despektierlich gerne auch als „Club der toten Dichter“ bezeichne. Ich war wg. Lindbergh gekommen, weil er eben noch als „contemporary“ gelten kann.

Die eigentliche Enttäuschung des Abends aber war das Publikum. Als es so weit war, dass der Kurator und später auch Lindbergh selbst das Wort ergriffen, demonstrierte die schicki micki gekleidete Bussi-Tussi-Meute Desinteresse vom Feinsten. Statt mal eben das dumme Plappermaul zu halten, sich nicht mehr über den Geschmack der gereichten alkoholischen Kaltgetränke oder Tante Helgas Hämorrhoiden zu unterhalten, wurde einfach munter über sämtliche Belanglosigkeiten des Lebens – nicht etwa mit gesenkter Stimme sondern in voller Lautstärke weitergeplappert.

Sehen diese Leute sich im normalen Leben nicht? Haben sie keine Accounts auf sozialen Medien, wo sie ihren Klatsch-und-Tratsch-Müll austauschen können? Sorry, wenn ich zu einer Vernissage gehe und der „Künstler“ das Wort ergreift, würde ich gerne hören, was er zu sagen hat. Aber so viel „Kultur“ oder sollte man sagen „Kultiviertheit“ hat bei dem Pack im Forum offensichtlich noch nicht Einzug gehalten. Unnötig zu erwähnen, dass sie Lindbergh als er sein Statement beendet hatte, artig Beifall spendeten – besonders laut jene, die zuvor nicht zugehört sondern mundert weitergeplaudert hatten.

Written by emden09

03.02.2017 at 15:04

Veröffentlicht in Allgemein, Fotografie, Internet

Postfaktisch – selten so gelacht.

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Wir reden von „Postfaktisch“. Damit ist dann wohl der Zustand „nach“ (post) einem anderen gemeint. Welche Vergangenheit also bedauern die Erfinder dieses Begriffes? Es gab offenbar eine Zeit, welche diese Leute für „faktisch“ halten. „Faktisch“ also Fakten-bezogen. Wann soll diese Zeit gewesen sein?

 

Nun vor der Post-Faktischen wohl. Welche Zeit lag denn nun vor der sogen. „Post-Faktischen“.
Ich erinnere mich an eine Zeit vor den sozialen Medien. Eine Zeit vor dem Internet. Damals hatte eine kleine Gruppe von Menschen die Macht über die Fakten. Politiker und Journalisten waren damals die Menschen, welche die „Fakten“ kontrollierten, die veröffentlicht wurden.

 

Mir fällt da gerade ein Beispiel ein. 1983 gingen wir in Bonn auf die Straße. Damals gab es den sogen. „Nato-Doppelbeschluss“. Der bestand im Wesentlichen darin, dass die USA neue Raketen mit nuklearen Sprengköpfen (Atomraketen) sogen. „Pershing“ in Deutschland stationieren wollten. Die Flugzeiten dieser Pershing-Raketen bis Moskau lagen deutlich unterhalb der Flugzeiten der Russischen SS20-Raketen bis Washington oder New York. Es war also möglich mit diesen Pershing einen Atomaren „Enthauptungsschlag“ zu führen. So nannte man zu der Zeit die Möglichekit, die Atomwaffenabschussbasen des Gegners zu zerstören, bevor dieser in der Lage war das eigene Territorium (die USA) mit Nuklearwaffen zu verwüsten.

 

Helmut Schmidt, Bundeskanzler der SPD hatte diesen Nato-Doppelbeschluss gegen den Widerstand seiner eigenen Partei durchgedrückt. Er hatte auch die propagandistische „Sprachregelung“ der Bundesregierung „erfunden“, welche die „Pershing“-Raketen im Gegensatz zu den „Enthauptungsschlag“-Fakten als „Verteidigungswaffen“ apostrophierte. Gleichzeitig bedachte Schmidt die SS20 der Sowjetunion wahrheitswidrig mit dem Begriff „Angriffswaffen“. tagesschau, tagesthemen, heute, heute-journal. Springer, Zeit, FAZ, nein, alle deutschen „Qualitätsjournalisten“ übernahmen seinerzeit diese „Sprachregelung“ der Bundesregierung. Fakten sprachen und sprechen bis heute eine andere Sprache als der „Qualitätsjournalismus“ der 80ger Jahre. Aber Umfragen aus der damaligen Zeit zeigen, dass die staatlich gelenkte Propaganda, welche mit Hilfe der „Qualitätsjournalisten“ verbreitet wurde, trotz ihrer faktischen Unrichtigkeit das Meinungsbild in der deutschen Öffentlichkeit zum Nato-Nachrüstungsbeschluss innerhalb weniger Monate drehte.

 
Damals also hatten „Qualitätsjournalisten“ und Regierung die Deutungshoheit über die „Fakten“. Diese ist ihnen heute abhanden gekommen. Also kein Post-Faktisches sondern ein Post-Regierunsgpropagandistisches und ein Post-Profimedien-Propagandistisches Zeitalter?

 

Ein Beispiel nur? Natürlich. Wie viele diese Beispiele wollen Sie? Nur die prominentesten? Kohls „blühende Landschaften“, die er selbst inzwischen als Propagandalüge entlarvte? Schröders, Fischers (inkl. SPD und Grüne) Zustimmung zum Balkankrieg, auf Beweisen beruhend, die Scharping später selbst als „plumpe Fälschung“ entlarvte? Strucks „Verteidigung der Freiheit Deutschlands am Hindukusch“? Obamas Friedensnobelpreis und Obamas folgende tägliche Todesurteile ohne rechtstaatlichen Prozess durch Drohnenangriffe weltweit? Die ausgedachten Zahlen mit denen Bundeninnenminister De Maiziere im Staatsrundfunk bis heute ungestraft behauptete, Flüchtlinge würden von Ärzten zur Abwendung der Abschiebung krank geschrieben? Lächerlich. Nein, das sind keine Einzelfälle. Das ist die Realität. Politiker betreiben Propaganda. Unabhängig von Fakten. Professionelle Journalisten greifen diese Propaganda Tag für Tag bereitwillig auf und verbreiten sie durch abschreiben – einer vom anderen weiter. Nur selten kommt eine kritische Stimme und widerlegt die Propaganda. Natürlich schreibt keiner, der vorher die Propagandalüge verbreitete hernach die Gegendarstelung, die Wahrheit, die Fakten erneut ab. Dadruch würden sich diese „Medienschaffenden“ ja selbst der Lüge überführen.

 
Gleichzeitig glauben in Deutschland 22,3 Mio evangelische und 23,7 Mio katholische Christen an die „Schöpfungsgeschichte“ und die (vielfach protokolliert) gefälschte Geschichte des sogen. „Neuen Testamentes“. Weitere 6 Millionen Mitglieder anderer Glaubensgemeinschaften (Muslime, Orthodoxe Christen, Juden usw.) glauben offenbar ebenfalls an einen Schöpfergott. Diese Mehrheit der religiösen Menschen in Deutschland ignoriert also bis heute die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Physik zur Entstehung des Universums, der Biologie zur Evolution und der Enstehung der Menschen auf der Erde. Ja tatsächlich glaubt eine noch größere Mehrheit der Menschen in Deutschland an die „wissenschaftlichen“ Erkenntnisse der Pharmazie, welche fast ausschließlich durch die pharmazeutische Industrie und deren Wirtschaftliche Interessen gelenkt manipuliert werden.

 
Und in dieser Zeit, die tatsächlich, was die Fähigkeit der meisten Menschen zum Erkenntnisgewinnung betrifft, weiterhin eine PRÄ-FAKTISCHE ist, schwingt sich ein wissenschaftlich mehr als fragwürdiges Gremium* auf und erklärt den von Politik und „Qualitätsjournalismus“ erfundenen Propagandabegriff „post-faktisch“ zum Wort des Jahres? Sorry, Leutz, einmal Gehirn einschalten und dann: selten so gelacht. Muahahahhhaaaa.

 
Nein! Das alles rechtfertigt nicht die dümmlichen Propaganda-Erfindungen der Nazis aus AfD, Pegida und „besorgte Bürger“ über Einwanderer in den sozialen Medien! Nein, es rechtfertigt auch nicht, dass die CSU große Teile dieser Propagandalügen ungeprüft übernimmt. Es rechtfertigt auch nicht, dass ganz Deutschland (samt seiner „Qualitätsmedien“) seit Wochen ausschließlich über eine Vergewaltigung in Deutschland (Freiburg) diskutiert. Laut Kriminalitätsstatikstik eine von über 40.000 Vergewaltigungen von denen rund 90% durch DEUTSCHE Tatverdächtige begangen werden.

 
Sie haben diesen Blogpost bis hierhin gelesen? Dann haben Sie gute Chancen, den Fakten näher zu kommen. Aber Post-Faktisch sind wir als Gesellschaft allgemein damit noch lange nicht!

 

—————–
*Die Gesellschaft für Deutsch Sprache  welche dieses „Wort des Jahres“ jährlich kürt ist natürlich nicht umsonst ein Verein aus Wirtschaftsvertretern, politischen Beamten und parteinahen Institutionen sowie nicht zuletzt von „Qualitätsjournalisten“. Ja, wir dürfen über diesen armseligen Haufen Lord-Siegelbewahrer einer vergangenen Epoche an dieser Stelle erneut herzhaft lachen. Vergangen ist aber sicher nicht die „faktische“ Epoche.

Written by emden09

16.12.2016 at 11:49

Veröffentlicht in Allgemein, Innenpolitik

Vergewaltigung, Mord, Freiburg

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Ich möchte gerne unten eingefügter Videobotschaft Christian Streichs, des Trainers des SC Freiburg noch einen Gedanken hinzufügen. Oder wie Ihr mich kennt vielleicht auch zwei.

Was mich gerade besonders umtreibt, ist wie Nazis und rechter Pöbel unter Zustimmung einer schweigenden „bürgerlichen“ Mehrheit mit dem Mord an Maria L. aus Freiburg und der vorhergehenden Vergewaltigung umgeht.

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Wow, nun muss ich als kleine nachträgliche Ergänzung feststellen, dass ich zum ersten Mal im Leben mit Christian Pfeiffer einer Meinung bin (wird der Mann etwa altersweise?)

Laut polizeilicher Kriminalstatistik (also ohne Berücksichtigung von Dunkelziffern usw.) gab es am selben Tag statistisch betrachtet in Deutschland acht (8!) weitere Tötungsdelikte („Straftaten gegen das Leben“) davon vier weitere „Morde“. Tatverdächtig waren dabei in sechs Fällen Deutsche und in zwei Fällen (einer davon in Freiburg) „nicht Deutsche“. In jeweils 1-2 Fällen könnten Frauen die Täterinnen gewesen sein in  den restlichen Fällen Männer.

Aus der selben Quelle können wir entnehmen, dass es am selben Tag statistisch betrachtet 126 „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ davon 34 unter Gewaltanwendung und 19 als „Vergewaltigung“ eingestufte gab. Tatverdächtig und später als Täter überführt waren in weit über 90% aller Fälle Männer. Bei den Sexualmorden (Morde im Zusammenhang mit Sexualdelikten) führen übrigens deutsche Männer (jährlich) mit zehn zu eins gegen nichtdeutsche Tatverdächtige!

Sitzen wir jetzt also dem geistigen Kurzschluss auf, den Nazis von AfD, Pegida und „besorgten Bürgern“, rechtem Pöbel aus CDU und CSU und der „schweigende bürgerliche Mehrheit“ vertreten? Die „Logik“, dass ein afghanischer Tatverdächtiger Vorurteile und Vorverurteilungen aller Menschen, die aus Afghanistan zu uns kommen rechtfertige. Was gilt dann für Männer?

Ja, richtig, ich lasse völlig außer acht, dass kein Tatverdächtiger“ schon ein überführter „Täter“ ist. Das obwohl uns ein Fall wie der von Jörg Kachelmann lehren sollte, dass jede Vorverurteilung von Tatverdächtigen erhebliche Gefahren für die Beurteilung der geistigen Zurechnungsfähigkeit (und Reputation) derjenigen mit sich bringt, die zu solchen Vorverurteilungen neigen.

Gerade der stern, der seine Vorverurteilung eines aus Afghanistan eingereisten Tatverdächtigen zum Anlass nahm, die tagesschau anzugreifen hat mit den „Hitlertagebüchern“ bereits einmal gezeigt, wie es um die geistige Zurechnungsfähigkeit seiner offenbar krankhaft Sensationsgeilen Redakteure bestellt ist. Ausgerechnet dieses Drecksblatt schließt sich jetzt der rechten Hetze an? Pfui!

Ich habe NULL (in Ziffern: 0) Verständnis für jeden, der so undifferenziert denkt (und handelt), wie die Redaktion des stern. Ebenso wenig Verständnis habe ich für alle, die sich der „tagesschau-Kritik“ in diesem Fall anschließen. Ich kann dagegen einer feministischen Richtung, welche die rechte Ausländerhetze zum Anlass nimmt, (wenn auch oft scherzhaft verpackt) mit der selben Logik „Ausweisung aller Männer“ zu fordern, nicht viel entgegensetzen, das einen Gedanken wert wäre. Außer eben das was der rechten „Logik“ insgesamt entgegenzusetzen ist – die Unmenschlichkeit!

Dass eine Mehrzahl aller Menschen in diesem Land zu einer solch einfachen, logischen Kette nicht all zu komplexer Gedanken nicht mehr fähig scheint, lässt mich an eine Seuche glauben. Solltet Ihr also so denken, wie Afd, Pegida, „besorgte Bürger“, CDU/CSU, stern,m „schweigende bürgerliche Mehrheit“ & Co. lasst Euch doch bitte dringend auf geistige Gesundheit untersuchen. Auch auf die Gefahr hin, dass Therapieplätze in Zukunft noch schwieriger zu bekommen sein werden als heute schon.

 

Written by emden09

09.12.2016 at 16:16

BGE (B)edingungsloses (G)rund (E)inkommen

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Ja, es ist viel Arbeit da*. Aber gerade diese Arbeit zu bezahlen gelingt denen nicht, die durch Automatisierung (Computer und Roboter) Ihre Arbeitsplätze verlieren. Umschulung ist ein frommer Gedanke. Natürlich ist nicht jeder Müllwerker zur Pflegekraft geeignet, so wenig wie jeder Automechaniker als Chirurg oder Psychotherapeut. Abgekürzt: wie wir z.B. am Ruhrgebiet erkennen, dauert sogen. „Strukturwandel“ nicht eine Generation sondern mehrere Generationen. Damit wird er selbstverständlich zur Gemeinschaftsaufgabe. Diese durch Subventionierung von Arbeit, wie im Ruhrgebiet bei Kohle und Stahl geschehen, lösen zu wollen, dürfte für jeden klar denkenden Menschen, der das hier beobachtet hat von vornherein ausscheiden.

Den Menschen Freiraum zu schaffen am Leben teilzuhaben und ggf. zusätzlich gegen eine Aufwandsentschädigung ein Ehrenamt anzunehmen kann diesen Strukturwandel beschleunigen. Diese Aufgabe ist von der Gemeinschaft mit einem BGE an leichtesten (und gerechtesten!)  zu stemmen.

Wer dabei BGE mit „gleiche Löhne für alle“ übersetzt, sitzt einem weit verbreiteten Irrtum und Vorurteil über das BGE auf. Evtl. sollte er sich mit dem Konzept noch einmal neu beschäftigen. BGE bedeutet im Grundsatz, dass jeder, ob er Arbeit hat oder nicht, einen Betrag X (z.B. 1.000 Euro) im Monat frei von Steuern, Sozialabgaben etc. zum Leben haben soll. Gleichzeitig besteht kein Zwang zur Aufnahme von Arbeit. Also kein Rechtsstaatswidriges Sanktionsregime (wie bei Hartz4), das Menschen entweder in die Zwangsarbeit in ungeliebten Berufen presst oder ihnen alternativ das Existenzminimum verweigert. Wer nach der Einführung eines BGE zusätzliches Einkommen hat, wird dieses soweit es die Grenze des BGE übersteigt der Versteuerung und Sozialversicherung unterwerfen.

Dass BGE funktionieren kann ist inzwischen unter Wirtschaftsexperten unumstritten. So fordert inzwischen sogar der Siemens-Chef Kaeser ein BGE. Die Finanzierung wäre auch vergleichsweise einfach – und hier kommt der Punkt, warum Werner oder Siemens-Vorstand Kaeser ** sich für BGE stark machen. Die wollen nämlich ein BGE, das die Reichen von der Finanzierung ausnimmt. Stattdessen wird ein BGE leicht finanzierbar, wenn

  1. Sämtliche BGE übersteigenden Einkünfte der Bürger (BGE-Bezugsberechtigten)
  2. aus sämtlichen Einkunftsarten
  3. weltweit (Model Schweiz: aka „Welteinkommen“)
  4. in gleicher Höhe (zzgl. Progression!) und ohne Ausnahmen
  5. Steuerpflichtig UND
  6. Sozialversicherungspflichtig werden.
  7. Eine Finanztransaktionssteuer könnte zusätzlich helfen die betroffenen Budgets zu stabilisieren.

Wenn also Werner und Kaeser Ihren Einfluss auf die Gestaltung der Finanzierung eines BGE geltend machen wollen, müssen sie sich früh in das Boot setzen und kräftig mitrudern, um schließlich mindestens einen der sechs oben zuerst genannten Punkte zu streichen und damit ein Schlupfloch für Reiche und Superreiche zu schaffen. M.E. unsinnige Konstruktionen wie eine „Maschinensteuer“ statt Steuergerechtigkeit unter den Steuerpflichtigen werden jedenfalls ein BGE in adäquater Höhe nicht finanzieren können. Dabei ist die Sozialversicherung m.E. schlicht als eine Steuer zu betrachten sobald sie endlich auf alle Einkommen gleichermaßen erhoben wird..

Am Ende bleibt dann die Erkenntnis, dass BGE zum großen Teil selbstfinanzierend ist. Da es nämlich einen Mindest-Lebensstandard in einem Land absichert, wird das BGE eines jeden Bürgers innerhalb kürzester Zeit in Konsum zurückfließen. Konsum aber ist volkswirtschaftlich betrachtet und unter Beachtung der o.g. Punkte 1-7 am Ende des Wirtschaftskreislaufes immer zu 100% versteuert – oder eben wieder Teil des BGE anderer. Sollte das BGE trotz Negativzinspolitik der EZB die Sparquote erhöhen und damit nicht das BGE direkt oder indirekt finanzieren, wie manche unken, würde ich mich sehr wundern.

—–

*Der oben stehende Beitrag ist eine Reaktion auf einen Kommentar unter meinem Blogpost Old Economy schafft Arbeitsplätze. Ich denke er ist hier als eigener Blogposst richtiger aufgehoben.

** ich hätte hier lieber die Süddeutsche zitiert, die zeigt aber statt des Artikels eine Anleitung zum Ausschalten von Ad-Blockern. Wer mich liest, weiß, wie ich zu solchem Innovationsfeindlichen festhalten an alt-hergebrachten Geschäftsmodellen stehe. Daher hier ein Link auf eine Quelle, die das offenbar nicht nötig hat.

Written by emden09

24.11.2016 at 13:35

Veröffentlicht in Allgemein

Old Economy schafft Arbeitsplätze!

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Warum tu‘ ich mir das immer wieder an. Lese ich doch heute früh einen Beitrag der FAZ: New Economy schafft Börsenwert, Old-Economy schafft Jobs. Ja Herr je, wie dumm ist diese vermeintliche „Erkenntnis“? Automatisierung, Computer wurden seit jeher benutzt, um Arbeit zu erleichtern, Arbeit zu vermeiden. Dabei fielen und fallen weiterhin Arbeitsplätze weg. Wenn all die Arbeit, die durch Computer wegrationalisiert wird, bei der Herstellung der Computer wieder entstünde, wo wäre der wirtschaftliche Nutzen? Wo wäre die Existenzberechtigung für die Computerindustrie?

 

Nein FAZ, so wird aus dieser Argumentation kein Schuh. Die Menschen, die sich ob in Wahlen oder wo auch immer gegen Fortschritt wenden, weil der Jobs ruiniere, wollen in Wirklichkeit keine Jobs! Menschen wollen eine Existenzgrundlage und Menschen wollen eine Aufgabe – kurz Teilhabe an der Gesellschaft. Jobs waren die Antwort der Old-Economy auf dieses Bedürfnis der Menschen. BGE ist die Antwort der New-Economy.

 

Tatsächlich schafft die Rationalisierung durch Computer und Roboter einen riesigen Produktivitätszuwachs, ein riesiges Wachstum der Volkswirtschaftlichen Leistung. Der Ertrag dieses Fortschritts wird jedoch nicht zum ersten Mal in  der Menschheitsgeschichte nicht denen gut geschrieben, die bisher die Arbeit machten. Stattdessen wird er von jenen vereinnahmt, welche die Computer besitzen. Uuuups so schnell schon bei Marx? Richtig. Und das ist es, was den Apologeten des Anarchokapitalismus in der Redaktion der FAZ den Blick auf die Welt der Zukunft verstellt.

 

Selbst Großunternehmer wie Götz Werner, der Gründer der Drogeriemarkt-Kette DM fordern inzwischen ein BGE. Er postuliert: „Jedem ein gelingendes Leben ermöglichen. Das ist die primäre und finale Kulturaufgabe unserer Gesellschaft“. Also nicht: Jobs für Alle! Sondern Teilhabe für alle!

 

Natürlich geht diese Erkenntnis an der Redaktion der FAZ genauso spurlos vorüber wie an den Wählern rechter Politiker weltweit. Die FAZ als Apologetin des Sanktionsregimes von Hartz4 hat zusammen mit einer Regierung aus SPD und Grünen das Lumpenproletariat erst geschaffen, das heute Nationalsozialisten wie Frauke Petry, Bernd Höcke und Nazienkelin Storch politischen Auftrieb verleiht. Gleichzeitig hat man die Vermögen der Reichen in 10 Jahren vervielfacht.

 

Wer in dieser Weise die politischen Notwendigkeiten des Postindutriellen Zeitalters verpennt, kann natürlich schlussfolgern „Old-Economy schafft Arbeitsplätze“ und führe damit Leute wie Trump „zu Recht“ zu Mehrheiten. Liebe FAZ, einfach mal bei Götz Werner und anderen nachlesen, dass

  • BGE die unausweichliche Folge des Computerzeitalters sein wird;
  • Menschen keine Jobs wollen sondern Teilhabe
  • BGE die Antwort auf Pflegenotstand, Ehrenamtskrise uvam. ist

 

Die Computer und Roboter haben den Menschen Zeit verschafft. BGE verschafft ihnen die Möglichkeit diese Zeit sinnvoll zu nutzen, statt sinnlos vor den Büros von überforderten Arbeitsvermittlern herumzulungern.

 

Zu glauben, man könne „das Silicon Valley entmachten“, also den Fortschritt zurückdrehen, wie es jener verkrachte Mathematiker Roland Lindner von der FAZ heute wieder macht, ist ähnlich fruchtlos, wie es schon der Versuch war, die Eisenbahn aufzuhalten. Lindner ein typisches Beispiel jener Generation die aus Mangel an mathematischen Fähigkeiten in die Betriebswirtschaft wechselte und dort bis heute an der Addition von 1 und 1 scheitert.

Written by emden09

14.11.2016 at 10:59

Veröffentlicht in Allgemein, Internet

Fotograf Jörg

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Da haben wir jetzt also diesen Fotografen. Nennen wir ihn »Jörg«. Jener, der meine Kommentare auf Facebook immer erst (wg. angeblicher „Irrelevanz“ 😉 löscht, bevor er sie seitenlang kommentiert. Der will mir erneut einen Bären aufbinden. Sei es wie es ist. Wer nicht mit mir reden und diskutieren will, wird wohl in Kauf nehmen müssen, dass ich über ihn rede (schreibe).

 

Zunächst einmal glaubt Fotograf Jörg, es sei uninteressant, welche Bild-Qualität ein Profi-Fotograf im Einzelfall abliefere. Wichtig sei, dass ein Berufsfotograf Kunden fände und gleichbleibende Qualität abliefere. Er wiederholt dabei, freilich ohne es zu bemerken, genau mein Argument. Menschen, die mit dem Herzen und ohne kommerziellen Hintergedanken bei der Sache sind, wollen das „beste“ Bild, die beste Bild-Qualität. Der Berufsfotograf möchte „nur“ das „gut genug“-Bild. Mehr ist für ihn wirtschaftlich nicht vertretbar. Warum sollte er mehr Leistung bringen, als jene, die seinen Kunden zufrieden stellt und mit weiteren Aufträgen wiederkommen lässt? Schon gar nicht mehr Qualität als der Kunde zu bezahlen bereit ist. Nebenbei bemerkt: Das erinnert mich an Microsoft, die von ihren Mitarbeitern immer „Good enough“-Software fordern. Die Software, die dabei herauskommt entspricht in der Qualität dem, was wir in den Schaufenstern der profitorientierten Fotoateliers zu sehen bekommen.

Das führt uns zum zweiten Argument. Berufsfotografen behauptet Fotograf Jörg, würden in Summe nur deswegen immer schlechtere Qualität liefern „müssen“, weil Amateure die Preise kaputt gemacht hätten. Da haben wir das Problem mit der Änderungsresistenz, das ich im Blogbeitrag zuvor ansprach. Berufsfotografen, die nicht in der Lage sind, ihr Geschäftsmodell einem sich ändernden Markt anzupassen haben kein Geschäft mehr. Meines Erachtens zu recht. Denn das gilt verallgemeinert für Profis in allen Lebensbereichen. Wenn ein Markt sich wandelt und der Profi nicht in der Lage ist, ein adäquates Angebot für den veränderten Markt zu entwickeln, hat er kein Geschäft mehr. (Punkt)

Wir können uns an dieser Stelle gerne über ein BGE unterhalten, das ich sehr befürworte und das diesen rein kapitalistischen Druck aus den Tätigkeiten des Alltages ein wenig herausnehmen würde. Wir können auch noch ein bisschen Kapitalismuskritik einstreuen. Da würde ich mich wirklich sehr zu Hause fühlen. Aber ich glaube das führt hier vom Thema weg.

Wir landen schließlich bei den „kommerziellen Projekten“. Hier glaubt Fotograf Jörg, dass nur ein Idiot ein kommerzielles Fotografie-Projekt an einen Amateur vergeben würde. Er argumentiert: Die Projektmanagementfähigkeiten, die von einem Berufsfotografen gefordert seien, könnten von Amateuren nicht geleistet werden. Falsch! Ich kenne inzwischen viele Amateurfotografen. Zahlreiche, die in ihrem Hauptberuf Projekte von bedeutender Größe und Komplexität managen. Kurz: Projektdimensionen, die im Fotografie-Geschäft bis heute nie erreicht wurden. Das heißt die besseren Projektmanager gibt es sicherlich außerhalb des Fotobusiness. Ob diese Amateurfotografen dann bei ihren Fotoprojekten auf die Projektmanagementkenntnisse aus ihrer beruflichen Praxis zurückgreifen, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich jedenfalls würde das tun.

Und: Nein Fotograf Jörg, als Amateure haben wir bei einer Hochzeit nicht mit „einem“ Backup-Body und „einem“ Backup-Fotografen gearbeitet. Tatsächlich hatten wir reichlich Backup-Hardware, zwei Backup-Fotografen und eine Lichtassistentin am Start. Tatsächlich hatten wir zwei Vorbereitungstage mit dem Hochzeitspaar. Dazu einen Nachbereitungsnachmittag. Ja, tatsächlich, das kann ein Berufsfotograf bei den Preisen, die für Hochzeitsfotografie aufgerufen werden, nicht leisten. Aber (s.o.) dann sind Hochzeiten einfach und schlicht für Profis kein Geschäftsfeld (mehr). Oder anders ausgedrückt, man muss eben hinnehmen, dass Profis aus wirtschaftlichen Gründen bei einer Hochzeit schlechtere Arbeit abliefern *müssen* als Freizeitkünstler.

Schließlich glaubt Fotograf Jörg er könne uns Neid unterstellen, weil wir mit unserer Fotografie keinen („Cent“) Geld verdienen. Das Gegenteil ist der Fall! Wir sind im Hauptberuf erfolgreich. Geld zu bekommen und zu haben ist nach der Arbeit keine Herausforderung mehr. Wir können und *wollen* es genießen, in der Freizeit unser Bestes zu geben ohne dabei an „Geld“ und „verdienen“ auch nur zu denken. Es ist für mich geradezu entspannend, das Maximum an künstlerischer Kreativität und Organisationstalent aus mir herauszuholen, nur so, zum Spaß. Weil ich es aus tiefster Überzeugung und mit reinem Herzen und NICHT für profanes Geld mache. Das ist übrigens bei fast allen Freizeitbeschäftigungen anderer Art für fast alle anderen Menschen ebenso.

Ob ich auf Fotograf Jörgs Argument noch eingehen möchte, ein Berufsfotograf habe die „Cochones“ aus der Fotografie ein Geschäft zu machen. Der Amateur besäße diesen Mut nicht. Ich weiß nicht so recht. Diese Schwanzlängenvergleiche (und darauf läuft das Wort „Cochones“ ja nun mal hinaus) liegen mir am Ende nicht wirklich. Andererseits könnte das Argument sehr leicht als Bumerang zu Fotograf Jörg zurückkommen. Ein Amateur, hat, wie das Wort schon sagt den Mut, sein Herz (und seine Freizeit) zu investieren, während der Profi lediglich profanes Geld und Arbeitszeit investiert.

Vielleicht können wir damit die dümmliche Argumentationskette: Profifotografen werde von Amateuren das Geschäft und sogar die kostenlosen Geschäftsmodelle (TfP) kaputt gemacht, endgültig zum Abschluss bringen. Niemand, der Kunst aus freier Überzeugung, mit dem Herzen betreibt, nimmt jemandem, der sie „nur“ für Geld betreiben will irgendein „Geschäft“ weg. Denn: Dieses „Geschäft“ existierte nur in der Phantasie. In der Praxis hat es dieses Business nie gegeben. Denn niemand war je bereit, einen Auftrag zu erteilen, in dem so viel investiertes Herz mit einem adäquaten Geldbetrag abgegolten worden wäre.

Allgemeiner: Niemand, der sich friedlich daran beteiligt, dass die Welt sich ändert, macht damit etwas kaputt. Wer allerdings stehen bleibt, weil er die Änderung nicht (mehr) begreift, sich nicht (mehr) darauf einzustellen vermag, glaubt es würde etwas zerstört. Dieses etwas ist aber nur eine vermeintliche »heile Welt« die es, so wie gefühlt, nie gab. Es gab lediglich diesen einen Menschen, der bereit war Veränderungen bis zu einem gewissen Punkt mitzumachen. Während dieser Zeit bemerkte er nicht, was sich tatsächlich für andere, die zu dieser Zeit bereits stehen blieben, veränderte. Als er selbst stehen blieb, enteilten ihm die Veränderungen. Ihnen nachzulaufen, den Anschluss wieder zu finden wird ihm zu mühsam. Also sucht er Schuldige, auf die er schimpfen kann, weil sie etwas änderten, ohne ihn zu fragen. Das mit Verlaub ist lächerlich. Die Kommentare jener, die es anmerken unter den Facebook-Posts mit dem Geschimpfe zu löschen, ist kümmerlich. Die gelöschten Kommentare dann unvollständig wiederzugeben, ja ohne es zu merken, die Argumente teilweise 1:1 zu wiederholen und zu behaupten man widerlege sie damit, ist unverschämt.

Ja, ich bin sicher, wir alle könnten von Fotograf Jörg noch etwas lernen. Dieses etwas ist aber nicht das meckern. Würde er sich auf das konzentrieren, was wir – fotografisch von ihm lernen könnten, wäre nicht nur er, nein wir alle wären einen gewaltigen Schritt weiter.

Written by emden09

07.11.2016 at 16:59

Veröffentlicht in Allgemein, Fotografie

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