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Archive for the ‘Innenpolitik’ Category

Krisengewinner Kurzarbeit

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Der größte Teil der Krisengewinner in der Corona-Pandemie sind in Deutschland die Kurzarbeiter.

Die größten Verlierer sind jene Gewerbetreibenden, deren Geschäfte am längsten geschlossen bleiben, deren Kosten aber (bis auf Personalkosten und die Miete) zum größten Teil weiterlaufen. Also zum Beispiel Gastwirte, Hoteliers und Inhaber kleiner Geschäfte. Sie können zwar bei Null Prozent Arbeit in Sicherheit zu Hause sein, zahlen aber noch drauf, haben also weniger als Null Prozent ihres Einkommens. Für diese Gruppe wurden übrigens bisher keine staatlichen Hilfen beschlossen.

Die größten Verlierer sind zusätzlich auch die Arbeitenden in den Systemrelevanten Berufen. Während Müllwerker, Landwirte, FahrerInnen von öffentlichen Verkehrsmitteln, TechnikerInnen in Elektrizitäts-, Kraft-, Wasser-, Kraftwerken und Fernmeldeberufen (vulgo IT-Techniker in Rechenzentren und im Außeneinsatz), Feuerwehrleute und PolizistInnen und Last but not Least Beschäftigte in den Kranken- und Pflegeberufen* täglich mindestens 100% ihrer Leistung erbringen müssen, bekommen sie dafür nur 100% ihres Lohnes. Gleichzeitig sind sie aber diejenigen, die das größte Risiko tragen an Corona zu erkranken – für sich und ihr persönliches Umfeld.

Die Kurzarbeiter als Krisengewinner können den größten Teil ihrer Zeit zu Hause in Sicherheit bleiben und bekommen dafür mindestens 60% ihres Nettolohnes (die meisten mehr, weil Arbeitgeber das KUG oft Aufstocken). Kein „Berufsstand“ profitiert also aktuell mehr von der Krise.

Und nein, die Argumentation, die heutigen „Kurzarbeiter“ haben ja auch ein Leben lang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt greift zu kurz. Denn die oben erwähnten Arbeitenden in Systemrelevanten Berufen zahlen auch jetzt noch weiterhin in die Arbeitslosenversicherung ein – ohne trotz ihrer zusätzlichen Leistungen zusätzlich etwas herauszubekommen. Und dennoch wird das Geld der Arbeitslosenversicherung, wie wir lesen dürfen nicht ausreichen und ein Bundeszuschuss aus Steuermitteln das Kurzarbeitergeld stützen müssen. Steuern aber zahlen aktuell? Richtig: Nur noch die Arbeitenden in den Systemrelevanten Berufen. Vom KUG gehen ja weder Steuern noch Sozialabgaben ab.

Dazwischen tummeln sich KünstlerInnen, Kleingewerbetreibende die auch zu Hause in Sicherheit bleiben dürfen und eine geringfügige staatliche Unterstützung bekommen, sowie ggf. durch Social-Media und andere Verkäufe von Kunstwerken noch etwas hinzuverdienen können. Dazwischen tummeln sich auch VermieterInnen, denen evtl. ein kleiner Teil ihrer Mieteinnahmen verloren geht (den größten Teil müssen sie ja „nur“ stunden), die aber auch zu Hause in Sicherheit bewegen dürfen.

Ich finde es seltsam, dass wir so selten lesen, dass die große Masse der Krisengewinner in Deutschland nicht die wenigen Maskenbetrüger oder Impfstoff-Spekulanten (jene, die in Aktien von Pharmafirmen investieren) sind sondern eben die Kurzarbeiter. Vielleicht trauen unsere Politiker sich einfach nicht, das offen auszusprechen – weil sie wiedergewählt werden wollen. Ich nicht.
—-
*Eine herzliche Entschuldigung an alle, deren Berufe ich in dieser Aufzählung vergessen habe

Written by emden09

28.04.2020 at 09:37

Veröffentlicht in Allgemein, Innenpolitik

Italienische Zahlen – eine Räuberpistole

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Wer sich heute in die eine oder andere Richtung mit Maßnahmen gegen Corona beschäftigt, bekommt immer wieder ein Totschlagargument zu hören: „Wir wollen doch alle keine italienischen Verhältnisse“.

Tatsächlich gibt es für die enorm hohe Inzidenz (Fälle pro 100.000 Einwohner) und Mortalität (Sterblichkeit), die sich aus den „italienischen Zahlen“ errechnen lässt, einige wissenschaftliche Erklärungsansätze aber keine tatsächlich plausiblen Erklärungen. Wissenschaftler sind geneigt, solche Datenpunkte, die zu weit von den mittleren Werten abweichen (Gausverteilung), aus Ihren Erklärungen für ein Phänomen zunächst auszuschließen. Zu einem späteren Zeitpunkt sagen sie, könne man diese Abweichungen (in Jahrelanger Kleinarbeit) genauer erforschen. Zur Erklärung des aktuellen Tagesgeschehens in anderen Ländern würden sie jedenfalls nichts beisteuern.

Dennoch ziehen verschiedene populistische Politiker (z.B. Söder) diese Zahlen immer wieder zur Begründung von Maßnahmen heran, die äußerst umstritten (Ihren Publikumserfolg im Unfragen aber durchaus zuträglich) sind. Mit den „italienischen Verhältnissen“ wird irrationale Panik geschürt und Freiheitseinschränkenden Maßnahmen das Wort geredet. Freiheitseinschränkenden Maßnahmen dazu (Handyortung durch Behörden), welche man nach Ende der Epidemie sicher nict wieder zurücknehmen wird.

Darum hier mal eine Hypothese. Eine Hypothese, die sämtliche Zahlen aus Italien oder auch aus besonders betroffenen Regionen von China deutlich plausibler erklärt, als alle aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Ansätze. Dennoch ist diese Hypothese nichts weiter als eine Räuberpistole im Stil eines Dan Brown (DaVinci Code). Tatsächlich zeigt diese Hypothese vorallem eines: aktuell Zahlen aus China oder Italien für Maßnahmen in irgendeinem anderen Land heranzuziehen ist fahrlässiger UNfug.

Hier die Hypothese: Das Corona Virus befällt vor allem tiefreligiöse Menschen.

Und hier noch ein bisschen Garnitur: Bei Krankheit und Seuchengefahr suchen diese tiefreligiösen Menschen in besonders großer Zahl ihre Tempel (aka Kirchen) auf. Dort berühren viele die selben Gegenstände (Weihwasser, Kruzifixe, Reliquien, heilige …) mit Händen und Lippen an den immer selben Stellen und geben so die Infektion weiter. Und noch: in Deutschland tritt eine Häufung von Fällen auch besonders in solchen Regionen auf, in denen besonders viele gläubige Menschen leben bzw. die (Kölner Dom) von besonders vielen gläubigen Menschen aufgesucht werden.

Wie gesagt wären damit die Zahlen aus Wuhan, jene aus Italien und die aus Teilen Deutschlands plausibler erklärt als mit sämtlichen (pseudo)wissenschaftlichen Erklärungen dieser Tage.

Ich werde diese Hypothese wie bereits erwähnt hier weder verteidigen noch weiter ausschmücken. Für mich ist diese Hypothese, die ich mir (zur Veranschaulichung) einfach mal so ausgedacht habe, eine Räuberpistole. Aber eben eine, die zeigt, jeder der heute schon versucht die Ausreißer bei den Zahlen in Italien und China wissenschaftlich (und ohne weitere wahrscheinlich jahrelange Forschung) zu erklären, greift in seinem Erklärungsversuch kürzer als eine solche Räuberpistole. Für eine Einschränkung unseres Freiheitlichen Gemeinwesens zumindest taugen diese Zahlen nicht. Die Niederlande und Schweden haben das gerlernt. Wir Deutsche hingegen fröhnen offenbar gerne weiter der Obrigkeitshörigkeit.

Written by emden09

23.03.2020 at 09:14

Widerspruch

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Da muss ich die Tage hören, wie ein „Ärztepräsident“ Montgomery bei einer dieser austauschbaren Talkshowjournalistinnen verzweifelt stöhnt: „Ich verstehe das gar nicht, die haben wir doch erzogen“. Und bin plötzlich stolz. Ja, tatsächlich, auch ich habe einen Teil dieser jungen Generation erzogen. Und ja, tatsächlich ich bin stolz, dass denen der typisch Deutsche Untertanengeist, die typisch Deutsche Obrigkeitshöhrigkeit fehlt.

 

Eine Kanzlerin, ein Gesundheitsminister die nichts zur Aufklärung beitragen, die mit einer inkonsistenten Politik Verwirrung stiften, statt die Menschen zu überzeugen „salbungsvolle Worte ans Volk“ richten, finden keine Follower mehr. Und das ist gut so.

 

Welche Widersprüche es aufzuklären gälte? Oh da sind viele. Ich zähle mal nur drei auf.

  1. Da steht eine junge Generation und darf zusehen, wie unsere Bundesregierung plötzlich 500 Milliarden Euro (eine halbe Billion) mit der Bazooka gegen einen Virus verschießen will, der bei dieser jungen Generation bestenfalls ein Hüsteln auslösen wird. Das ist die selbe junge Generation, der die selben Politiker noch vor wenigen Wochen erklärt haben, für den Schutz des Klimas sei kein Geld da. Die schwarze Null werde selbstverständlich nicht angetastet und man müssen auf die Wirtschaft Rücksicht nehmen. Die selbe junge Generation in der nicht ein paar tausend sondern hunderte Millionen ihr Leben lassen werden, wenn die Politik so weitermacht wie bisher und der Klimawandel so eintritt wie abzusehen. Wenn eine halbherzige Klimapolitik Langfristziele für 2050, 2038 usw. setzt, ohne heute damit anzufangen, auch nur Schritte in Richtung der Erreichbarkeit dieser Ziele zu gehen, ist das schlicht eine Politikerkaste, die nicht verlangen kann, dass man ihr vertraut für kurzfristige Herausforderungen die richtigen Maßnahmen zu treffen.Diese jungen Generation soll zusehen, wie man für ein Virus, das sie zum größten Teil nicht betrifft, mit leichter Hand bereit ist die Wirtschaft entweder zu ruinieren oder mit 500 Milliarden Staatsgeld aus der Gießkanne zu unterstützen? Was die einsehen ist, dass sie Oma und Opa im Moment nicht so oft besuchen können. Auch dass sie Freunde aus Risikogruppen aus ihren Aktivitäten eine Weile ausschließen müssen – wenn die das wollen. Den Rest hat Ihnen und mir bis heute keiner erklärt.
  2. Da ist die Regierung im Nachbarland, den Niederlanden. Eine Regierung die mindestens so rechts gerichtet ist, wie die von Merkel. Die aber macht eine ganz andere Politik.Die Regierung der Niederlande schützt Risikogruppen gezielt. Die sind leicht zu überzeugen, bestimmte Maßnahmen zum Eigenschutz zu ergreifen und dafür auch Einschnitte in ihren Alltag hinzunehmen.Bzgl. der Gruppe der jungen und gesunden Menschen geht diese Regierung aber hin und sagt, wir warten darauf dass sich in dieser Gruppe eine Herdenimmunität ausbildet – also 60-70 % dieser jungen und gesunden Menschen, die selbst kein großes Risiko tragen die Infektion innerhalb weniger Woche durchmachen und danach dagegen immun sind. Die können dann also auch die Gruppen die ein höheres Risiko tragen nicht mehr anstecken.

    Nun schließt unsere Regierung aber die Grenze zum Nachbarland den Niederlanden nicht etwa – sondern lässt diese offen. Gleichzeitig schließt die Regierung die Grenze zum Nachbarland Frankreich, das inzwischen eine Ausgangssperre verhängt hat. Das ist politisch inkonsistent. Dieser Widerspruch wird uns nicht erklärt und das sorgt dafür, dass salbungsvolle Worte ungehört im Wind verhallen.

  3. Wir schließen Geschäfte und nicht unbedingt benötigte Betriebe. Aber schon wieder verstehen wir nicht, dass Restaurants Mittags offen bleiben, sich dort die Risikogruppe der über 70 jährigen fröhlich zum Mittagessen und Kaffee trifft, während abends nach 18:00 wenn die Nichtrisikogruppe der jungen und arbeitsfähigen Menschen von der Arbeit kommt und evtl. im gleichen Restaurant zusammensitzen möchte, dieses Restaurant geschlossen bleiben muss.Und dann sind da noch die Friseure. Der Teeladen um die Ecke, in den sich pro Tag 10-20 Kunden verirren bleibt geschlossen. Beim Friseur zwei Türen weiter herrscht den ganzen Tag Hochbetrieb mit mind. 20 Leuten *gleichzeitig* in dem Laden.Alle sollen von zu Hause arbeiten, lernen usw. aber die Kinder von IT-Technikern dürfen nicht in die Notgruppen im Kindergarten.

    Nein, das versteht nicht nur die von Herrn Montgomery erzogene Generation nicht, sondern auch die von mir erzogene.

    Ja, wir verstehen, dass in der Kommission, die das beschlossen hat vermutlich ein Meister der Friseurinnung saß. Wir verstehen, dass IT-Techniker für diese Regierung Neuland sind und schlicht vergessen wurden.

    Aber eben das ist genau die inkonsistente Politik, die wir ablehnen und für deren salbungsvolles Geseiber wir kein Verständnis mehr haben.

Ich beschränke mich hier bewusst auf drei Punkte obwohl mir viele weitere einfallen würden. Ich will an diesen drei Punkten exemplarisch zeigen, wie inkonsistent das ist, was unsere Politiker abliefern und wieso sie nicht mit „Folgsamkeit“ der „Untertanen“ rechnen können, wenn sie nicht in der Lage sind plausibel zu erklären, warum genau sie was von den Einzelnen verlangen. Politik per Verodnung von oben ohne plausible Erklkärung hat Gottseidank ausgedient.

Ich selbst könnte mich locker in eine Risikogruppe hineinrechnen oder hineinpanikisieren. Jenseits der Mitte 50, leicht übergewichtig, viele Sozialkontakte durch meine Arbeit. Dennoch muss ich gestehen, dass mir das fern liegt und ein weiteres Mal die Politik der Regierung der kaum 50 km entfernten Niederlande um Längen sympathischer ist, als alles, was die hiesige Regierung zu verbreiten gewillt ist. Und ja, diese junge Generation, wo sie sich Politikern und Obrigkeiten nicht per se gläubig unterwirft sondern deren Maßnahmen kritisch in Frage stellt, ist uns gut gelungen Herr Montgomery.

Tatsächlich ist und bleibt ziviler ungehorsam *die* Nummer eins beste Maßnahme gegen eine Politik, die nicht schlüssig – mithin willkürlich – entscheidet und handelt.

Ja, ich verstehe, dass Covid-19 für bestimmte Risikogruppen sehr gefährlich ist. Dass wir unser Gesundheitssystem überlasten könnten, wenn die alle gleichzeitig auf die Intensivstation müssten. Ich verstehe sogar die Mathematik dahinter und dass es mitnichten um ein exponentielles Wachstum geht. Schon wieder eine dieser Inkonsistenzen, die ein Mathematik-Youtuber (s.o.) erklären muss, während diesbezüglich ungebildete Politiker von einem exponentiellen Wachstum reden und sich weiter unglaubwürdig machen.

Ich verstehe, dass wir mit Menschen aus Risikogruppen solidarisch sein müssen.

Aber Solidarität heißt halt nicht, dass ich mich nicht anstecken darf. Solidarität heißt nicht, dass ich beim kleinsten Kratzen im Hals zum Arzt renne, die 116117 anrufe und in Panik Hotline-, Arzt- und Testkapazitäten blockiere, die für echte Risikopatienten dringend benötigt werden.

Solidarität heißt, dass ich – sogar für die verhasste Nachbarin – ein paar Tüten vom Supermarkt mittbringen würde, wenn sie freundlich zu fragen in der Lage wäre. Solidarität heißt, dass ich auf mein Geld für diese Tüten gerne ein halbes Jahr warten würde, bis es für sie wieder sicher ist mir das zu übergeben (nein, sie hat kein paypal). Solidarität heißt auch, dass ich die Tüten vor ihrer Tür abstellen würde und für ihr Klopapier durch zig Supermärkte laufen würde, bis ich endlich welches gefunden hätte. Solidarität heißt, dass ich eine OP, die ich im Moment nicht wirklich dringend brauche gerne ein bis zwei Jahre aufschiebe. Solidarität heißt, dass ich jeden morgen auf dem Weg in die Arbeit in den Supermarkt und zum Bäcker gehe und mich dort mit dem eindecke, was ich heute benötige (ein paar Beeren, ein Joghurt, ein Brötchen) und eben nicht in Panik Hamsterkäufe tätige. Solidarität heißt sogar, dass ich in meinem Unternehmen vieles umorganisiere. Aber Solidarität heißt nicht, dass ich verstehen muss, warum die Bauarbeiter aus der Ukraine und Polen vor unserem Fenster täglich kräftig werkeln und wir gleichzeitig zwei Meter weiter die Büro-Arbeit einstellen sollten.

Macht eine konsistente Politik für alle Menschen oder akzeptiert, dass die für die ihr nicht da seid, Euch auch nicht glauben und ihr Widerspruch erntet.

Written by emden09

19.03.2020 at 09:31

Veröffentlicht in Allgemein, Globalisierung, Innenpolitik

Nach Freiheit fragt Ihr?*

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Eine längere Geschichte – sozusagen als Einleitung. Wir betreiben ein AirBNB – zwei Zimmer, in unserem Haus. Diese Zimmer wurden früher von meinen Kindern bewohnt. Wohnzimmer, Küche, Bad. Keller, Garage, Garten, Parkplätze dürfen von den Gästen mitbenutzt werden. Also eine Art AirBNB mit Familienanschluss. Dort wohnt eine junge Frau, die sich letztes Jahr und auch dieses Jahr mehrfach für jeweils einen Monat bei uns einmietete. Das erste Mal: sie hatte sich von Ihrem Freund getrennt. Im Wesentlichen, weil der keine Kinder haben wollte – wie sie sagt. Bei einem der folgenden Mietverhältnisse: Sie hat die Chance für mind. ein Jahr nach Übersee (23 Flugstunden von hier) zu gehen und ihren Beruf dort auszuüben. Sie wurde von dort angefragt. Wow, die Ehre, dass jemand aus dem Ausland gefragt hat, ob ich nicht dort für ihn arbeiten will, wurde mir nie zuteil.

1973. Ich bin gerade mal 10 Jahre alt. Die Eltern fragen uns, ob wir uns vorstellen können, für einige Zeit mit Ihnen in die USA zu gehen. Mind. ein Jahr. Vielleicht auch mehr. Die Großeltern hatten uns Angst gemacht. Es gäbe dort „Indianer“, die uns fangen und „an den Füßen aufhängen“ und foltern würden, bis wir tot seien. Warum sollten wir den Großeltern misstrauen? Mein zwei Jahre jüngerer Bruder und ich entscheiden uns gegen den Umzug in die USA. Die Eltern respektieren das. Wir bleiben in Deutschland.

Diese zuletzt erzählte Geschichte habe ich unserer jungen Mieterin erzählt. Auch um ihr zu erklären, warum für mich die Entscheidung eigene Kinder haben zu wollen auch eine Entscheidung gegen meine individuelle Freiheit war, die mir damals 1992 schwerfiel – als ich in meinem Leben an jener Weggabelung im Leben stand, wo sie mit ihrem Freund letztes Jahr angekommen war. Und natürlich um sie zu ermutigen, das Angebot für ein Jahr in Übersee unbedingt zu anzunehmen. (Sie hatte nach unserem Rat gefragt, sonst hätten wir wohl gar nichts dazu gesagt.)

Am Samstag in dieser Woche wird sie bei uns ausziehen und wir werden sie mindestens ein Jahr nicht wiedersehen. Meine Kinder sind längst erwachsen. Aber ich würde nicht so weit von ihnen weg sein wollen. Nicht einmal von meinen Eltern, die 220 km entfernt wohnen, wollte ich für so lange Zeit mehr als ein paar wenige Reisestunden entfernt sein wollen.

Ich schränke also meine Freiheit, freiwillig ein. Zu Gunsten von was?

Ich denke es ist vergleichsweise einfach. Ich schränke meine Freiheit freiwillig ein, zu Gunsten der Bequemlichkeit. Meiner Bequemlichkeit in meiner Beziehung zu anderen Menschen (in diesem Fall meinen Kindern/Eltern).

Absolute Freiheit wäre also für mich, jede Entscheidung, jederzeit treffen zu können, ohne mit den Konsequenzen leben zu müssen (Beamen, das wärs doch 😉 ). Diesen Satz habe ich mit 20 anders formuliert: „Freiheit: Jeder, kann jederzeit, jede Entscheidung treffen, wenn er bereit ist, mit den Konsequenzen zu leben“.

Ja, es ist mir bewusst, was für ein Scheiß-Luxus meine Art Freiheit zu erleben ist.

  1. (Fast) Keine finanziellen Zwänge und Abhängigkeiten: Geld werde ich mit meinem Know How jederzeit überall auf diesem Planeten verdienen können (das ist meine feste Überzeugung).
  2. Kein Hunger oder Durst.
  3. Keine staatlichen Institutionen, kein römischer Kaiser, mittelalterlicher Lehnsherr, Warlord, Revolutionswächter oder Diktator, der über mein Leben bestimmen könnte.
  4. Nicht einmal ein General, Hauptmann oder Vorgesetzter der mir Befehle geben könnte, denen ich zu gehorchen hätte.

Ja, die aufgezählten Beispiele zeigen, an wie vielen Orten, für wie viele Menschen dieser Welt, die Freiheit viel stärker eingeschränkt ist, als meine Freiheit.

Ja, meine Freiheit lebe ich auf Kosten sehr vieler dieser Menschen. Ich kann nicht in einem der reichsten Länder der Welt in Freiheit leben und gleichzeitig Brecht ignorieren.

Reicher Mann und Armer Mann, standen da und sahn sich an und der Arme sagte bleich: wär ich nicht arm, wärst Du nicht reich.

In meiner Stadt kann ich nicht in kein einziges Geschäft gehen, indem ich nicht Güter kaufen würde, welche die Freiheit anderer Menschen auf der Welt einschränken. Ich rede jetzt nicht von den ganz offensichtlichen Möbeln, die mit 1-Euro-Jobs produziert werden, Klamotten aus Kinderarbeit, Mobiltelefonen und anderer Elektronik mit Rohstoffen aus Sklavenarbeit. Nicht von den Zinsen auf mein Sparbuch oder meinen Rentenvertrag, die mit Hilfe von weltweit frei zirkulierendem Kapital und frei zirkulierenden Gütern zu Lasten von Menschen erwirtschaftet werden, die nicht frei sein dürfen. Nicht frei über die ganze Welt „zirkulieren“ dürfen.

Nein, nicht einmal in den Hofladen des Bio-Bauernhofes kann ich einkaufen gehen, ohne die Freiheit anderer Menschen auf diesem Planeten zu beschneiden. Selbst wenn ich dort einen Liter Bio-Milch oder ein Kilo Bio-Getreide kaufe, bewirke ich damit Unfreiheit für andere. Für den Liter Milch, das Kilo Getreide aus konventioneller Landwirtschaft, das ich nicht kaufe, subventioniert nämlich der Staat, in dem ich lebe, konventionell wirtschaftende Landwirte, welche einen Liter Milch bzw. einen Liter Getreide weniger (an mich) verkaufen. Die so subventionierten Überschüsse an Milch- und Getreideprodukten wandern dann in Länder (z.B. in Afrika) mit denen mein Land sogen. „Freihandelsabkommen“ geschlossen hat. Die dortigen Landwirte können gegen die Billigpreise unserer subventionierten Lebensmittel nicht anstinken und verlieren ihre bäuerliche Existenz.

Auch im Internet kann ich kein Produkt kaufen, das ohne die Einschränkung der Freiheit anderer Menschen zu mir gelangen würde. Und sei es am Ende der Paketbote, der statt Mindestlohn in Akkordarbeit Pakete zustellen muss. Da helfen auch recyclebare oder mehrfach benutzbare Verpackungen nicht.

Ich kann meine Freiheit in diesem Land gar nicht so weit einschränken, dass ich nicht gleichzeitig zur Unfreiheit anderer, anderswo beitragen würde. Sobald ich den Wasserhahn öffne, Wasser aus einem sauberen Bach trinke oder auch nur einen sicheren befestigten Weg benutze, nutze ich Vorteile, die die Gesellschaft in meinem Land mir zu Lasten der Freiheit von Menschen in anderen Gesellschaften bereitstellt.

Was also bedeutet diese Scheiß-Luxus-Freiheit, die ich in diesem Land genieße für mich?

Sie bedeutet, dass ich mich verpflichtet fühle.

Ich fühle mich jeder Person verpflichtet, die aus den Verhältnissen der Unfreiheit flieht, die mein Konsum, meine Freiheit unweigerlich verursacht.

Ich fühle mich verantwortlich, dass diese Person nicht in (ja sagen wir es ruhig wie es ist) Konzentrationslagern in irgendwelchen Failed-States wie z.B. Libyen oder Tunesien verrottet, vergewaltigt und erpresst wird.

Ich fühle mich verantwortlich, dass diese Person nicht auf ihrer Flucht vor der von mir mit-verursachten Unfreiheit, in der Wüste verdurstet oder im Meer ertrinkt.

Ich fühle mich verantwortlich, dass diese Person am Ende ihrer Flucht, in unserem Land angekommen, nicht von Behörden schikaniert, um ihr Asylrecht betrogen oder von Nazi-Dummköpfen erschlagen wird.

—-

*Danke Astrid und Mario für Eure #BlogparadeFreiheit und die Möglichkeit mich in diesem Konztext zu äußern.

Written by emden09

09.08.2018 at 13:45

Fluchtursachen bekämpfen – am eigenen Leib!

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Menschen, die in Deutschland oder allgemein in der EU leben glauben also, sie selbst hätten nicht massiv profitiert, als die Fluchtursachen in Asien, Afrika und Südamerika geschaffen wurden.

 

Wenn Sie es ernst meinen mit dem Denken, darf ich Sie bitten, schauen Sie sich um.

 

Welches der Geräte, die Sie benutzen, um diese Nachricht zu lesen, ist Ihr Eigentum oder wird Ihnen unentgeltlich zur Verfügung gestellt? Wissen Sie oder können Sie sich vorstellen, wie viele der Arbeiter*innen, welche die Rohstoffe für diese Geräte fördern, diese Geräte zusammenbauen, testen, verpacken und bis zu Ihnen befördern wenigstens den in Deutschland üblichen Mindestlohn erhalten? Der letzte, Ihr Paketbote – in der Mehrzahl der Fälle vermutlich auch nicht. Ja, das gilt auch, wenn Sie das Gerät in einem Ladengeschäft erworben haben.

 

Schauen Sie an sich herab. Welches der Kleidungsstücke die Sie tragen wurde inkl. der Fasern in Deutschland – oder einem anderen Land produziert von Menschen, die wenigstens den Deutschen Mindestlohn erhalten, nach hiesigen Sozial- und Sicherheitsstandards arbeiten oder wohnen?

 

Was haben Sie heute gefrühstückt? Was hatten Sie gestern zum Abendessen? Sind Sie sicher, dass keine Ihrer Mahlzeiten Menschen in den o.g. Kontinenten ausbeutet oder aus Deutschland stammende Nahrungsmittel (z.B. Milchprodukte) hier nur deshalb so billig sein können, weil wir die landwirtschaftliche Rohstoffproduktion (z.B. Milchwirtschaft) in den Ländern, aus denen Menschen fliehen ruinieren? Woher kommt das sprichwörtliche „Salz in der Suppe“?

 

Warum funktioniert die Infrastruktur, Busse, Bahnen, Rettungs- und Pflegedienste um Sie herum? Ja, weil wir deren Aufbau „mit unseren Steuergeldern finanziert“ haben. Aber warum haben unsere Steuergelder ausgereicht, um all das zu finanzieren? Richtig, weil unsere Bundeswehr oder Armeen anderer Ländern zu unserem Nutzen in den Herkunftsländern der Geflüchteten seit Jahren Kriege führen oder Stellvertreterkriege unterstützen, damit Rohstoffe (z.B. Erdöl, Lithium) für diese Art von Wohlstand billig produziert werden. Keine*r der Arbeiter*innen, die diese Rohstoffe fördern, veredeln und bis zu uns befördern, arbeiten für den Deutschen Mindestlohn unter den in Deutschland üblichen vergleichsweise sicheren Arbeitsbedingungen und mit der hier üblichen sozialen Absicherung.

 

Wenn Sie glauben, Sie hätten es verdient, all diese Menschen auszubeuten oder durch Unternehmer für sich ausbeuten zu lassen, weil Sie hier in Deutschland geboren sind, ist dieser Artikel nicht für Sie geschrieben. In dem Fall sind Sie einer der rechten Vollidioten, die einfach weitergehen sollten und auf meinen Blog nichts zu suchen haben. Aber auch in diesem Fall gehören Sie natürlich zu den Ausbeutern, den Profiteuren und Förderern der Fluchtursachen und müssen sich eingestehen, dass Ihr relativer Reichtum, ihre relative Sicherheit, im Vergleich zur Armut der Menschen in den Herkunftsländern der Geflüchteten nur existiert, weil Sie die Fluchtursachen mitverursachen.

Written by emden09

13.07.2018 at 08:55

Edit Life

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Was mich heute Nacht nicht schlafen lässt sind die positivsten möglichen Folgen von Gene-editing mittels CRISPR/cas9. (Lest bitte selbst nach, was das ist – einfach Googeln).

Auch wenn die bisheriger Entwicklung der Menschheit gezeigt hat, dass sie in der Lage ist, aus jeder neuen (technischen) Möglichkeit zunächst einmal eine maximal mögliche Katastrophe zu machen, will ich diesen Teil der Betrachtungen, also jede Form denkbarer Kriege, Verbrechen, ethnischer Säuberungen etc. durch Gene-editing zunächst außen vor lassen.

Auch die Tatsache, dass wieder einige ungebildete Konservative glauben werden, sie könnten Gene-editing verbieten oder sonstwie verhindern, werde ich hier außen vor lassen. Wenn ihr zu denen gehört, die das glauben, denkt oder lest kurz nach. Jeden nicht all zu dummen Gedankengang dazu werde ich gerne in den Kommentaren beantworten. Nein, auch einzelne Individuen werden auf Dauer nicht die Wahl haben, ob ihre Gene-editiert werden oder nicht.

Das „positivste“ denkbare Ergebnis von Gene-editing wird entsprechend die Ausrottung sämtlicher Krankheiten innerhalb der nächsten wenigen Jahrzehnte sein. Nach dem Krankheitsbedingten Tod von Menschen wird Gene-editing als nächstes den Altersbedingten Tod von Menschen verhindern. Bei diesem Gedankengang gehe ich davon aus, dass sich auf der genetischen Ebene längst erwiesen hat, dass Alter ausschließlich ein Phänomen fortschreitend mangelhafterer Zellteilung ist. D.h. die technische Möglichkeit „ewigen Lebens“ steht kurz bevor. Mit kurz, meine ich wenige Jahrzehnte. Die Probleme aber werden wesentlich früher beginnen.

1. Rente

Bereits eine kurzfristige Erhöhung der Lebenserwartung um wenige Jahre (10?) durch Gene-editing wird sämtliche finanzmathematischen Modelle kippen, die heute unserer Altersvorsorge zu Grunde liegen. Rente – egal ob staatlich oder privat finanziert wird lange vor 2050 abgeschafft werden. Wer „ewig lebt“, wird ewig arbeiten müssen. Dass er gesund genug sein wird, um ewig arbeiten zu können, wird aus diesem Szenario vorläufig ein wenig den sozialen Druck herausnehmen. Dennoch müssen wir uns bereits heute damit befassen, wann der Zeitpunkt gekommen sein wird, Renten abzuschaffen und die Reintegration ins Arbeitsleben der dann bereits bestehenden Rentnergeneration anzugehen. Und damit meine ich vor allem, wir müssen die rechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen und die Menschen darüber aufklären, dass es dazu kommen wird. Wer heute unter 40 ist, wird kein nennenswertes Rentnerdasein mehr erleben.

2. Recht auf Geburt

25.000 Menschen sterben aktuell in Deutschland pro Jahr durch Unfälle. Wir müssen davon ausgehen, dass Gene-editing Unfälle über kurz oder lang zur einzigen Todesursache machen wird. Aktuell gibt es in Deutschland ca 800.000 Geburten pro Jahr. Das bedeutet im „Endstadium“ (ewiges Leben) von Gene-editing einen jährlichen Überschuss von über 775.000 Menschen pro Jahr alleine in Deutschland. Die daraus entstehende Überbevölkerung wird binnen kurzem nicht hinnehmbar sein. D.h. wird werden nur noch wenigen Menschen (nach heutigem Stand bestenfalls 25.000 pro Jahr) das Recht auf Geburt einräumen können. Wann wollen wir die rechtlichen Grundlagen dafür schaffen. Wann die Philosophischen Grundlagen? 97% aller heutigen Geburten müssen zukünftig verhindert werden. Durch Zwangssterilisation? Durch massenhafte Abtreibung?

3. Recht auf Tod

Gene-editing wird menschliche Körper bei ewiger Jugend unsterblich machen. Doch für welche maximale Lebenserwartung ist eigentlich die menschliche Psyche die menschliche Seele bereit? Wann werden die ersten 100 jährigen im wahrsten Sinne des Wortes des Lebens müde sein und entscheiden wollen bei bester Gesundheit und Jugend zu sterben? Können wir das hinnehmen? Im Sinne der vorhergehenden Überlegungen zur Überbevölkerung wäre es vielleicht nicht schlecht, Menschen das Recht auf selbstbestimmtes Sterben einzuräumen. Aber mit zunehmendem Alter wird ein Gene-editierter also gesunder und jugendlicher Mensch für die Gesellschaft immer wertvoller werden. Sein sprichwörtlicher Erfahrungsschatz wird ihn „unverzichtbar/unbezahlbar“ machen. Oder anders ausgedrückt, die Gesellschaft wird sich nicht erlauben können einfach allen lebensmüden Alten das Sterben zu erlauben. Wenn wir es nicht „allen“ Alten erlauben können, wie wird das Recht auf Sterben erworben werden können?

4. Recht auf Bildung

In der Vergangenheit mit einem zeitlich begrenzten menschlichen Leben und entsprechenden Alterserscheinungen bzgl. der Lernfähigkeiten, war Bildung einer kurzen Phase in der Jugend vorbehalten. Schon in den jetzt vergangenen Jahrzehnten verlangte der Arbeitsmarkt von Menschen „lebenslanges Lernen“. Durch die altersbedingt abnehmenden Lernfähigkeit (bzgl. bestimmter Inhalte zumindest) wurde das immerhin bisher noch begrenzt. Ein Gene-editierter Mensch hingegen wird zukünftig für immer in gleicher Wiese jung und lernfähig sein. Was zunächst wie ein Segen klingt: keine dummen Menschen mehr, wird bei genauerer Betrachtung schließlich zum Fluch werden. Jeder wird zu jedem Zeitpunkt in seinem Leben beliebig viel Zeit haben, um beliebige Lerninhalte aufzunehmen. Eine Menschheit, die spätestens in 100 bis 200 Jahren nur noch aus Individuen mit Universalbildung auf professoralem Niveau bestehen wird, dürfte mit bisherigen Gesellschaftssystemen nicht in Einklang zu bringen sein. Immerhin beruhen all diese Gesellschaftssysteme immernoch (trot Demokratie) auf Hierarchien. Im demokratisch verfassten Kapitalismus des 21. Jahrhunderts, werden die Hierarchien vor allem durch Kapital einerseits und Bildung andererseits geschaffen. In einer Gesellschaft, in der jeder, zu jedem Zeitpunkt beliebige Bildung beliebiger Qualität erwerben kann und gleichzeitig beliebig lange Kapital ansammeln kann, dürften diese Hierachien zerfallen. Ist also der Anarchismus für eine solche Gesellschaft das einzig mögliche Sozialsystem? Wo sind die Philosophen, die Sozialsysteme für eine solche Gesellschaft entwickeln? Werden wir jedem erlauben, jegliche Bildung und in jeder beliebigen Reihenfolge zu erwerben? Welche Bildung wird vorrangig zu erwerben sein? Wieviel Bildung werden Menschen überhaupt erwerben dürfen? s.u.

5. Recht auf Arbeit

Durch immer intelligentere Maschinen schaffen wir aktuell die Mehrzahl aller klassischen Berufe ab. In der gleichen Zeit werden wir (s.o.) Rentnern wieder erlauben müssen, durch Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen – sie ins Arbeitsleben reintegrieren müssen. Aber welche Arbeit soll das dann noch sein? Die Antwort der Zeit vor Gene-editing war: „Sozialberufe“. Da waren vor allem Alten-/Krankenpflege einerseits und andererseits Kindererziehung (Kindergarten, Schule, Sportvereine) gemeint. Mit Gene-editing werden auch diese Berufe über kurz oder lang der Vergangenheit angehören. Pflegebedürftige Alte oder – Kranke wird es nicht mehr in nennenswertem Maß geben. Kinder (s.o.) wird es nicht mehr in nennenswertem Maß geben dürfen. Was also sollen die Menschen arbeiten? JA, Nahrung wird ein Problem werden. Aber wie wollen wir Universalgelehrte auf professoralem Niveau dazu bringen in der Landwirtschaft zu arbeiten. Zumal auch dort durch Gene-editing von Pflanzen und Tieren einerseits und immer intelligentere Maschinen (bis hin zu Nanorobotern, die jede einzelne Pflanze und jedes Tier versorgen) andererseits binnen kurzem keine Arbeitsplätze mehr existieren dürften. Psychotherapie? Wie viele mehr Menschen als heute werden durch ewiges Leben psychisch krank werden? Werden sich psychische Krankheiten nicht ebenfalls weitgehend mittels Gene-editing verhindern oder gar beseitigen lassen? Wird Psychotherapie und vor allem Psychiatrie der eine, wesentliche Beruf der Zukunft werden?

6. Recht auf körperliche Unversehrtheit / Individualität

Edititerte Gene sind nicht im eigentlichen Sinn Genmanipulationen. Nichts unterscheidet sie im lebenden Organismus von zufälligen Mutationen. Bleiben wir beim positivsten möglichen Szenario. Nehmen wir an Gene-editing wird ausschließlich zur Verbesserung der Menschlichen Gesundheit eingesetzt werden. Dann werden wir uns nicht mehr erlauben können, dass Menschen körperlich krank werden. Wir werden uns körperlich Kranke Menschen in unserer Gesellschaft schlicht nicht mehr leisten können. Wenn jede Krankheit mit einem Gene-edit zu beseitigen sein wird, wird es ein Recht auf körperliche Krankheit für die Mehrzahl der Menschen nicht geben können. Die Mehrzahl der Menschen wird sich körperliche Krankheit, die durch Gene-editing zu beseitigen ist, einfach nicht leisten können. Ein Gene-edit bei bestehender körperlicher Krankheit wird also früher oder später für jeden zur Pflicht werden.

Das Recht auf körperliche (Un-)Versehrtheit ist damit bereits heute – in eben jenem Jahr in dem gezieltes Gene-editing möglich wurde – in einer absehbaren Zukunft beerdigt. Ändern wir also gefälligst unser Grundgesetz dahingehend, bevor wir Fakten schaffen und sie erst nachträglich ins Gesetz schreiben.

Durch Gene-editing wird jede einzelne Zelle des lebenden menschlichen Organismus veränderbar. Heute bereits verändern sogen. Gene Hacker damit ihre eigenen Zellen. Irgendwann wird klar werden, dass es „infektiöse“ Gene-edits gibt. D.h. bestimmte Gene-edits werden nicht im Körper des Individuums verbleiben, in dem sie vorgenommen wurden. Ähnlich wie bei jeder Virusinfektion, nein schlimmer ähnlich wie bei BSE werden sich bestimmte Gene-edits nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern zusätzlich über die Nahrungskette in jeden einzelnen Menschen manifestieren.

Selbst wenn wir im bestmöglichen Szenario bleiben, in dem Gene-edits ausschließlich Gesundheit verbreiten, wird mit dem schwindenden Recht auf Krankheit und der Möglichkeit der infektiösen Übertragung von Gene-edits über kurz oder lang kein genetisch individueller Mensch mehr existieren. Binnen weniger Jahrhunderte werden sich bestenfalls wenige, schlimmstenfalls eine einzige durch Gene-editing optimierte menschliche DNA in den ewig lebenden Individuen manifestieren.

So, jetzt geh ich wieder schlafen. Warum nur fällt mir Aldous Huxley ein?

Written by emden09

23.12.2017 at 06:24

Homophobie? Homophobie!

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Da sind dann, auch in meiner Umgebung Menschen, die zunächst mal behaupten, sie hätten ja gar nichts gegen LGBT (such Dir was aus). Aber, …

 

Ja, Ihr Lieben und weniger Lieben, genau das ist Ausdruck von Homophobie.

 

„Aber … im Moment werden ja nur noch Gesetze für LGBT gemacht“, ist eine der gängigen Stammtischparolen. Tatsächlich? Hat die CDU/CSU es mit ihrer Dauerverweigerungshaltung zur gleichberechtigten Ehe für Alle geschafft, bei Euch diesen Eindruck zu erwecken? Wie auch immer, er ist FALSCH.

 

Es wurden Jahrhundertelang Gesetze gemacht um LGBT zu diskriminieren, zu jagen, zu foltern und zu töten! Ja, es wäre nur ein Federstrich notwendig, um die einfach mal so eben alle zu beseitigen. Es besteht in Deutschland sogar die gesetzliche Notwendigkeit ALLE LGBT diskriminierenden Gesetze aufzuheben:

 

Einfach mal die Artikel 2, 3 und 4 des Grundgesetzes zusammen mit den zugehörigen Urteilen des Bundesverfassungsgerichtes (z.B. vom 7.7.2009 ) zu dem Thema in Ruhe auf sich wirken lassen liebe CDU/CSU.

 

Jesus steht NICHT im Grundgesetz!

Christentum steht NICHT im Grundgesetz.

Weder Jesus noch Christentum sind die Grundlage des Zusammenlebens in dieser Gesellschaft!

Das DISKRIMINIERUNGSVERBOT steht im Grundgesetz und ist GRUNDLAGE des ZUSAMMENLEBENS in dieser Gesellschaft!

 

Oder wie es das Bundesverfassungsgericht vor nunmehr bald 8 Jahren schrieb:

 

Der allgemeine Gleichheitssatz (Art. 3 Abs. 1 GG) gebietet, alle Menschen vor dem Gesetz gleich zu behandeln […] Ungleichbehandlung von Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft ist verfassungsrechtlich nicht gerechtfertigt.

 

Heute am 18.5. ist internationaler Tag GEGEN HOMOPHOBIE.

 

Wär es das nicht trotz des dümmlichen Wahlkampfgetöses von Schäuble doch vielleicht ein guter Tag, einfach mal zu sagen: wir beseitigen heute noch ALLE gesetzlichen und sonstigen rechtlichen Regelungen, die LGBT diskriminieren und beenden damit diese Jahrzehntelange, von ach so liberal denkenden Christen mit fast missionarischem Eifer betriebene Diskussion für immer?

 

Nein, auch das Argument „das ist widernatürlich“ ist schon länger widerlegt, als die meisten, die es vorbringen existieren.

 

Unsere gesamte Existenz heute ist in stärkerem Maße widernatürlich, als es LGBT jemals sein könnten. Was außerdem widernatürlich (und dennoch menschlich und human) ist, sind die Herzschrittmacher, künstlichen Knie, Schultern und Hüften, versteiften Wirbelsäulen und Rollstühle (Herr Schäuble) all der Menschen, die solch dümmliche Argumente gegen LGBT vorbringen.

 

Und wenn Christen und solche die sich gerne so nennen ein neues missionarisches Betätigungsfeld suchen, Herr Schäuble: ZINSEN sind wirklich wider den Christlichen Glauben! Mindestens dort wo es um Notkredite geht.

 

 

Written by emden09

18.05.2017 at 10:13

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