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Archive for the ‘Globalisierung’ Category

Fluchtursachen bekämpfen – am eigenen Leib!

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Menschen, die in Deutschland oder allgemein in der EU leben glauben also, sie selbst hätten nicht massiv profitiert, als die Fluchtursachen in Asien, Afrika und Südamerika geschaffen wurden.

 

Wenn Sie es ernst meinen mit dem Denken, darf ich Sie bitten, schauen Sie sich um.

 

Welches der Geräte, die Sie benutzen, um diese Nachricht zu lesen, ist Ihr Eigentum oder wird Ihnen unentgeltlich zur Verfügung gestellt? Wissen Sie oder können Sie sich vorstellen, wie viele der Arbeiter*innen, welche die Rohstoffe für diese Geräte fördern, diese Geräte zusammenbauen, testen, verpacken und bis zu Ihnen befördern wenigstens den in Deutschland üblichen Mindestlohn erhalten? Der letzte, Ihr Paketbote – in der Mehrzahl der Fälle vermutlich auch nicht. Ja, das gilt auch, wenn Sie das Gerät in einem Ladengeschäft erworben haben.

 

Schauen Sie an sich herab. Welches der Kleidungsstücke die Sie tragen wurde inkl. der Fasern in Deutschland – oder einem anderen Land produziert von Menschen, die wenigstens den Deutschen Mindestlohn erhalten, nach hiesigen Sozial- und Sicherheitsstandards arbeiten oder wohnen?

 

Was haben Sie heute gefrühstückt? Was hatten Sie gestern zum Abendessen? Sind Sie sicher, dass keine Ihrer Mahlzeiten Menschen in den o.g. Kontinenten ausbeutet oder aus Deutschland stammende Nahrungsmittel (z.B. Milchprodukte) hier nur deshalb so billig sein können, weil wir die landwirtschaftliche Rohstoffproduktion (z.B. Milchwirtschaft) in den Ländern, aus denen Menschen fliehen ruinieren? Woher kommt das sprichwörtliche „Salz in der Suppe“?

 

Warum funktioniert die Infrastruktur, Busse, Bahnen, Rettungs- und Pflegedienste um Sie herum? Ja, weil wir deren Aufbau „mit unseren Steuergeldern finanziert“ haben. Aber warum haben unsere Steuergelder ausgereicht, um all das zu finanzieren? Richtig, weil unsere Bundeswehr oder Armeen anderer Ländern zu unserem Nutzen in den Herkunftsländern der Geflüchteten seit Jahren Kriege führen oder Stellvertreterkriege unterstützen, damit Rohstoffe (z.B. Erdöl, Lithium) für diese Art von Wohlstand billig produziert werden. Keine*r der Arbeiter*innen, die diese Rohstoffe fördern, veredeln und bis zu uns befördern, arbeiten für den Deutschen Mindestlohn unter den in Deutschland üblichen vergleichsweise sicheren Arbeitsbedingungen und mit der hier üblichen sozialen Absicherung.

 

Wenn Sie glauben, Sie hätten es verdient, all diese Menschen auszubeuten oder durch Unternehmer für sich ausbeuten zu lassen, weil Sie hier in Deutschland geboren sind, ist dieser Artikel nicht für Sie geschrieben. In dem Fall sind Sie einer der rechten Vollidioten, die einfach weitergehen sollten und auf meinen Blog nichts zu suchen haben. Aber auch in diesem Fall gehören Sie natürlich zu den Ausbeutern, den Profiteuren und Förderern der Fluchtursachen und müssen sich eingestehen, dass Ihr relativer Reichtum, ihre relative Sicherheit, im Vergleich zur Armut der Menschen in den Herkunftsländern der Geflüchteten nur existiert, weil Sie die Fluchtursachen mitverursachen.

Written by emden09

13.07.2018 at 08:55

#deleteFacebook ist #deleteHirn (#DestroyTracking wäre mit Hirn!)

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Also, ihr seid so richtige echte Aktivisten, denn ihr habt Euren Facebook-Account sofort gelöscht: „deleteFacebook“! Jetzt sind Eure Daten wirklich sicher! Ihr habt so richtig was für den Datenschutz getan und es Facebook zusätzlich noch so richtig gezeigt? „Vergiß es“ würde Bernd das Brot dazu wohl sagen.

Facebook haben die Verluste an der Börse Millionenmal mehr geschmerzt als all Eure Abmeldungen zusammen. Warum? Weil die Börse keine Abstimmung über ethisches Grundsätze und ethisches Verhalten ist. An der Börse wird spekuliert, wie erfolgreich ein Unternehmen sein kann. Wenn also unethisches Verhalten des Unternehmens plötzlich ruchbar wird, ist bei einer Datenkrake wie Facebook der Gewinn in Gefahr. Denn Gewinn macht Facebook nicht mit den Nutzern. Gewinn macht Facebook mit Tracking.

Tracking?

So leid es mir tut Euch das sagen zu müssen: Facebook trackt Euch auch, wenn ihr abgemeldet seid und Euer Account gelöscht ist oder ihr nie einen Facebook Account hattet. Hier im Tracking von Facebook und zig anderen weltweit operierenden Firmen entshen die wirklich wertvollen Daten. #deleteFacebook ist für diese Leute eine willkommene Nebelkerze, hinter der sie ihre Geschäfte weiter in Ruhe betreiben können, weil das eigentliche problem „Tracking“ aus dem Fokus gerät.

Es interessiert auch keine Sau, ob ihr gerade ein Foto aus den Dolomiten postet. Das ist bestenfalls für die auf Facebook selbst geschaltete Werbung interessant -kann man ein bisschen mehr Geld mit verdienen als mit nichtpersonalilsierter Werbung: that’s it.. Bezahlt aber werden Tracking-Firmen wie Facebook, Google uvam. hauptsächlich von Firmen die wissen wollen:

  • Wo geht ihr hin, wenn ihr deren Webseite verlasst?
  • Welche Webseiten besucht Ihr gleichzeitig ggf. in anderen Tabs?
  • Wie häufig besucht Ihr bestimmte Webseiten?
  • Welche Suchbegriffe gebt Ihr bei Google ein?
  • Wer A mag, mag außerdem eher B,C,D, oder E?
  • Wer A nicht mag, mag was von C, D, E oder F auch nicht?
  • usw.usf.

Was viele aus dem Snowden-Skandal nicht gelernt haben: Die Metadaten sind interessant (interessanter als alles andere) und dabei größtenteils nicht der Einzelne sondern die Summe der Teile. Zu wissen, dass 50% der Leute, die mit der AfD sympathisieren gerne Nutella essen ist wichtiger als dass Oma Müller aus Rostock gerade von der Seite der AfD direkt zu Nutella weitergesurft ist. Wenn dann morgen in der Bild steht: „Wegen Flüchtlingen, Schokolade jetzt doppel so teuer“, dann wisst Ihr was Tracking macht. Dann wisst Ihr, wie Facebook-Kunden ticken und wofür diese Leute Facebook jede Menge gutes Geld bezahlen. Dann wisst Ihr warum Börsianer aktuell Facebook-Aktien verkaufen.

Könnte sein, dass bestimmte Auftraggeber von Facebook und anderen Tracking-Diensten die Öffentlichkeit scheuen wie der Teufel das Weihwasser? Genau das ist der Punkt. Für die Facebook-Kunden ist es nicht wichtig ob Facebook sich ethisch verhält, sondern dass nicht rauskommt, dass Facebook sich unenthisch verhält. Wenn es nämlich rauskommt, könnten diese Facebook-Kunden ggf. plötzlich selbst als „unethisch“ im Fadenkreuz der Öffentlichkeit stehen.

D.h. dass die Trump-Wahlkampagne wegen des unethischen Verhaltens eines Facebook Kunden (Cambridge Analytica aka SCL-Group) im Fadenkreuz der Öffentlichkeit steht, schreckt andere Kunden dieser Unternehmen ab, nicht dass Facebook sich unethisch verhalten hat als es SCL die Daten weitergab.

Ein vergleichsweise „seriöser“ Anbieter wie heiseonline trackt Euch im Auftrag von bis zu 32 Firmen gleichzeitig. Die machen das nicht einmal selbst. Die haben schlicht Platz auf ihrer Website an eine Werbefirma verkauft. Die schaltet dort automatisiert Werbung und die Werbung jubelt Euch Tracker unter.

Aktiv werden statt Aktionismus (auch wer auf Facebook bleibt kann etwas gegen App-Tracking tun.)

Was also können wir machen statt mit dem Facebook-Account auch unser Hirn zu löschen? Wir können vier Tools (Browser-Plugins) gleichzeitig einsetzen:

Das macht uns zwar nicht 100% sicher vor Tracking aber es macht Tracking um viele Größenordnungen weniger interessant.

 

Wenn morgen rauskommt, dass weltweit 50% der Internetnutzer diese Tools einsetzen, sinken nicht nur die Aktien von Facebook um mehrere zig Milliarden. Versprochen! Das wäre dann  DESTROY TRACKING statt DeleteFacebook.

Ja, diese AdOns sind nicht bequem. Viele Webseiten werden gar nicht mehr oder nur noch verstümmelt angezeigt (speziell ohne Javascript). Schaltet Javascript, wenn Ihr diese Websites benutzen wollt „benutsam“ wieder zu und vor allem nur „temporär“. Spiegel Online z.B könnt ihr auch lesen, wenn ihr gar kein Javascipt freigebt und gleichzeitig Adblock-Plus aktiv habt.

Guter Journalismus braucht Werbung?

Und lasst Euch jetzt nicht von den Journalismus-„Experten“ erzählen, dass guter Journalismus nur funktioniert, wenn ihr Werbung akzeptiert. Wenn Ihr Werbung online akzeptiert werdet ihr getrackt. Mit Traking durch Werbung verdienen schlechte Verleger, die nicht in der Lage sind, sich angemessene Geschäftsmodelle für die Online-Welt zu überlegen und zu entwickeln (Stichworte z.B. Micropayment) Geld und bezahlen damit Journalismus, der in ihrem Sinne berichtet. Da mag sogar das eine oder andere Stück brauchbarer oder gute Journalismus drunter sein. Der Link „guter Journalismus braucht Werbung“ jedenfalls ist genau der, von dem Cambridge Analytica, SCL Group, Google uvam. hoffen, dass ihr auf ihn hereinfallt.

Browsereinstellungen

Dann sind da noch die Cookies. Schon Oma und Opa haben uns erzählt, wir sollen von Fremden keine Kekse annehmen. Das selbe Verhalten sollten wir jetzt im Web an den Tag legen. Cookies ganz vermeiden geht für uns als User vermutlich nicht. Viele Webshops funktionieren nicht, wenn wir ihre Cookies nicht akzeptieren. Aber, wir können die Einstellungen im Browser so ändern, dass Cookies jedes Mal gelöscht werden, wenn wir den Browser verlassen (Im Firefox z.B. befinden sich die entsprechenden Einstellungen unter „Extras-Einstellungen-Datenschutz und Sicherheit-Chronik“. Da einfach mal auf „nach Benutzerdefinierten Einstellungen…“ klicken und schon seht Ihr die Möglichkeit sowohl Cookies zu löschen, als auch die Chronik zu löschen, wenn Firefox geschlossen wird.

„Schutz vor Aktivitätenverfolgung“ wäre der nächste Punkt im Datenschutzmenü vom Firefox, mit dem wir der Tracking-Mafia das Fürchten lehren können. Der „Schutz vor Aktivitätenverfolgung sollte auf „IMMER“ stehen. Die „Blockierliste Ändern“ Einstellung sollte „Disconnect me – Strenger Schutz“ sein. „Webseiten eine ‚Do Not Track‘-Information senden“ sollte auf „Immer“ eingestellt sein.

Und mehr

Auch auf Mobilgeräten gibt es viele Einstellungen, die Euch erlauben Eure Daten privat zu halten. Informiert Euch!

E-Mail. Jede nicht „Ende zu Ende“ verschlüsselte Mail wird spätestens von Mailserver-zu Mailserver im Klartext übertragen. Mindestens die Metadaten (wer kommuniziert mit wem) sind selbst bei verschlüsselten mails noch mitzulesen.

Benutzt starke Verschlüsselung!

  • Posteo macht Euch verschlüsselten Mailverkehr vergleichsweise einfach.
  • Signal und Telegram ermöglichen Euch Verschlüsselung über das E-Mail-Protokoll hinaus

Fazit

Wenn Ihr Euren Facebook-Account löscht, mag das ein Signal sein. Aber wofür? Facebook sammelt und verkauft Eure Daten weiterhin (und zwar den wirklich wertvollen Teil – siehe das oben stehende fiktive Beispiel „AfD und Nutella“) und macht genau so viel Geschäft an Euch wie zuvor. Wenn Ihr stattdessen massenhaft das Tracking im Web verweigert, Werbung blockt und starke Verschlüsselung nutzt, dann schreckt ihr damit genau die Leute auf, die Facebookgate ausgelöst haben.

Von mir aus löscht Eueren Facebook-Account, aber löscht nicht gleichzeitig Euer Hirn:

(Nicht nur) Facebook verdient mit Leuten die ihre Accounts löschen und dennoch Tracking nicht verweigern genauso viel Geld wie zuvor.


PS: auch dieser Artikel „überwacht“ Sie!

Von mir nicht beeinflussbar, spielt WordPress Ihnen Werbung ein. Diese enthält Tracker (ich weiß nichtmal welchen Typs noch von wem – sonst würde ich es genauer benennen.)Dazu kann das bei jedem von Ihnen liebe LeserInnen unterschiedlich sein, je nachdem, welche Werbung ihnen gerade von wem angezeigt wird, enthält diese unterschiedliche Tracker unterschiedlicher Auftraggeber. Ja, es kann sogar sein, dass eine (oberflächlich) gleich aussehende Werbung, wenn sie über unterschiedliche Kampagnenkanäle (Werbeanbieter) eingespielt wird unterschiedliche Trakcer beinhaltet. Mal mehr, mal weniger. Mal den einen nicht, dafür den anderen.

Darüber hinaus benutzt WordPress google-analytics, um Ihr Surverhalten auszuwerten.

Die Buttons von Facebook und Twitter können beliebig mit Trackern belegt werden – von WordPress!

Und das „schönste“ ich als Betreiber dieses Blogs erfahre weder, welche Daten gesammelt wurden, noch wer diese erhalten hat. Das mitzuteien würde ganz alleine den Werbefirmen obliegen, die für WordPress Werbung auf diesem Blog „einspielen“. Da aber weder Sie noch ich zu den Kunden dieser Firmen zählen und auch WordPress nicht deren Kunde, sondern deren Lieferant ist, dürfen Sie davon ausgehen, dass die Mehrzahl der Daten nicht einmal WordPress selbst zur Verfügung stehen.

So funktioniert nun einmal Social Media – jeder bezahlt mit seinen Daten (und Metadaten!) dafür, dass ihm Dienste kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Hier also bezahlen Sie mit Ihren Daten und Metadaten die Dienstleistung von WordPress, eine Softwareplattform zu entwickeln und auf ihren Servern zu betreiben.

Edit Life

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Was mich heute Nacht nicht schlafen lässt sind die positivsten möglichen Folgen von Gene-editing mittels CRISPR/cas9. (Lest bitte selbst nach, was das ist – einfach Googeln).

Auch wenn die bisheriger Entwicklung der Menschheit gezeigt hat, dass sie in der Lage ist, aus jeder neuen (technischen) Möglichkeit zunächst einmal eine maximal mögliche Katastrophe zu machen, will ich diesen Teil der Betrachtungen, also jede Form denkbarer Kriege, Verbrechen, ethnischer Säuberungen etc. durch Gene-editing zunächst außen vor lassen.

Auch die Tatsache, dass wieder einige ungebildete Konservative glauben werden, sie könnten Gene-editing verbieten oder sonstwie verhindern, werde ich hier außen vor lassen. Wenn ihr zu denen gehört, die das glauben, denkt oder lest kurz nach. Jeden nicht all zu dummen Gedankengang dazu werde ich gerne in den Kommentaren beantworten. Nein, auch einzelne Individuen werden auf Dauer nicht die Wahl haben, ob ihre Gene-editiert werden oder nicht.

Das „positivste“ denkbare Ergebnis von Gene-editing wird entsprechend die Ausrottung sämtlicher Krankheiten innerhalb der nächsten wenigen Jahrzehnte sein. Nach dem Krankheitsbedingten Tod von Menschen wird Gene-editing als nächstes den Altersbedingten Tod von Menschen verhindern. Bei diesem Gedankengang gehe ich davon aus, dass sich auf der genetischen Ebene längst erwiesen hat, dass Alter ausschließlich ein Phänomen fortschreitend mangelhafterer Zellteilung ist. D.h. die technische Möglichkeit „ewigen Lebens“ steht kurz bevor. Mit kurz, meine ich wenige Jahrzehnte. Die Probleme aber werden wesentlich früher beginnen.

1. Rente

Bereits eine kurzfristige Erhöhung der Lebenserwartung um wenige Jahre (10?) durch Gene-editing wird sämtliche finanzmathematischen Modelle kippen, die heute unserer Altersvorsorge zu Grunde liegen. Rente – egal ob staatlich oder privat finanziert wird lange vor 2050 abgeschafft werden. Wer „ewig lebt“, wird ewig arbeiten müssen. Dass er gesund genug sein wird, um ewig arbeiten zu können, wird aus diesem Szenario vorläufig ein wenig den sozialen Druck herausnehmen. Dennoch müssen wir uns bereits heute damit befassen, wann der Zeitpunkt gekommen sein wird, Renten abzuschaffen und die Reintegration ins Arbeitsleben der dann bereits bestehenden Rentnergeneration anzugehen. Und damit meine ich vor allem, wir müssen die rechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen und die Menschen darüber aufklären, dass es dazu kommen wird. Wer heute unter 40 ist, wird kein nennenswertes Rentnerdasein mehr erleben.

2. Recht auf Geburt

25.000 Menschen sterben aktuell in Deutschland pro Jahr durch Unfälle. Wir müssen davon ausgehen, dass Gene-editing Unfälle über kurz oder lang zur einzigen Todesursache machen wird. Aktuell gibt es in Deutschland ca 800.000 Geburten pro Jahr. Das bedeutet im „Endstadium“ (ewiges Leben) von Gene-editing einen jährlichen Überschuss von über 775.000 Menschen pro Jahr alleine in Deutschland. Die daraus entstehende Überbevölkerung wird binnen kurzem nicht hinnehmbar sein. D.h. wird werden nur noch wenigen Menschen (nach heutigem Stand bestenfalls 25.000 pro Jahr) das Recht auf Geburt einräumen können. Wann wollen wir die rechtlichen Grundlagen dafür schaffen. Wann die Philosophischen Grundlagen? 97% aller heutigen Geburten müssen zukünftig verhindert werden. Durch Zwangssterilisation? Durch massenhafte Abtreibung?

3. Recht auf Tod

Gene-editing wird menschliche Körper bei ewiger Jugend unsterblich machen. Doch für welche maximale Lebenserwartung ist eigentlich die menschliche Psyche die menschliche Seele bereit? Wann werden die ersten 100 jährigen im wahrsten Sinne des Wortes des Lebens müde sein und entscheiden wollen bei bester Gesundheit und Jugend zu sterben? Können wir das hinnehmen? Im Sinne der vorhergehenden Überlegungen zur Überbevölkerung wäre es vielleicht nicht schlecht, Menschen das Recht auf selbstbestimmtes Sterben einzuräumen. Aber mit zunehmendem Alter wird ein Gene-editierter also gesunder und jugendlicher Mensch für die Gesellschaft immer wertvoller werden. Sein sprichwörtlicher Erfahrungsschatz wird ihn „unverzichtbar/unbezahlbar“ machen. Oder anders ausgedrückt, die Gesellschaft wird sich nicht erlauben können einfach allen lebensmüden Alten das Sterben zu erlauben. Wenn wir es nicht „allen“ Alten erlauben können, wie wird das Recht auf Sterben erworben werden können?

4. Recht auf Bildung

In der Vergangenheit mit einem zeitlich begrenzten menschlichen Leben und entsprechenden Alterserscheinungen bzgl. der Lernfähigkeiten, war Bildung einer kurzen Phase in der Jugend vorbehalten. Schon in den jetzt vergangenen Jahrzehnten verlangte der Arbeitsmarkt von Menschen „lebenslanges Lernen“. Durch die altersbedingt abnehmenden Lernfähigkeit (bzgl. bestimmter Inhalte zumindest) wurde das immerhin bisher noch begrenzt. Ein Gene-editierter Mensch hingegen wird zukünftig für immer in gleicher Wiese jung und lernfähig sein. Was zunächst wie ein Segen klingt: keine dummen Menschen mehr, wird bei genauerer Betrachtung schließlich zum Fluch werden. Jeder wird zu jedem Zeitpunkt in seinem Leben beliebig viel Zeit haben, um beliebige Lerninhalte aufzunehmen. Eine Menschheit, die spätestens in 100 bis 200 Jahren nur noch aus Individuen mit Universalbildung auf professoralem Niveau bestehen wird, dürfte mit bisherigen Gesellschaftssystemen nicht in Einklang zu bringen sein. Immerhin beruhen all diese Gesellschaftssysteme immernoch (trot Demokratie) auf Hierarchien. Im demokratisch verfassten Kapitalismus des 21. Jahrhunderts, werden die Hierarchien vor allem durch Kapital einerseits und Bildung andererseits geschaffen. In einer Gesellschaft, in der jeder, zu jedem Zeitpunkt beliebige Bildung beliebiger Qualität erwerben kann und gleichzeitig beliebig lange Kapital ansammeln kann, dürften diese Hierachien zerfallen. Ist also der Anarchismus für eine solche Gesellschaft das einzig mögliche Sozialsystem? Wo sind die Philosophen, die Sozialsysteme für eine solche Gesellschaft entwickeln? Werden wir jedem erlauben, jegliche Bildung und in jeder beliebigen Reihenfolge zu erwerben? Welche Bildung wird vorrangig zu erwerben sein? Wieviel Bildung werden Menschen überhaupt erwerben dürfen? s.u.

5. Recht auf Arbeit

Durch immer intelligentere Maschinen schaffen wir aktuell die Mehrzahl aller klassischen Berufe ab. In der gleichen Zeit werden wir (s.o.) Rentnern wieder erlauben müssen, durch Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen – sie ins Arbeitsleben reintegrieren müssen. Aber welche Arbeit soll das dann noch sein? Die Antwort der Zeit vor Gene-editing war: „Sozialberufe“. Da waren vor allem Alten-/Krankenpflege einerseits und andererseits Kindererziehung (Kindergarten, Schule, Sportvereine) gemeint. Mit Gene-editing werden auch diese Berufe über kurz oder lang der Vergangenheit angehören. Pflegebedürftige Alte oder – Kranke wird es nicht mehr in nennenswertem Maß geben. Kinder (s.o.) wird es nicht mehr in nennenswertem Maß geben dürfen. Was also sollen die Menschen arbeiten? JA, Nahrung wird ein Problem werden. Aber wie wollen wir Universalgelehrte auf professoralem Niveau dazu bringen in der Landwirtschaft zu arbeiten. Zumal auch dort durch Gene-editing von Pflanzen und Tieren einerseits und immer intelligentere Maschinen (bis hin zu Nanorobotern, die jede einzelne Pflanze und jedes Tier versorgen) andererseits binnen kurzem keine Arbeitsplätze mehr existieren dürften. Psychotherapie? Wie viele mehr Menschen als heute werden durch ewiges Leben psychisch krank werden? Werden sich psychische Krankheiten nicht ebenfalls weitgehend mittels Gene-editing verhindern oder gar beseitigen lassen? Wird Psychotherapie und vor allem Psychiatrie der eine, wesentliche Beruf der Zukunft werden?

6. Recht auf körperliche Unversehrtheit / Individualität

Edititerte Gene sind nicht im eigentlichen Sinn Genmanipulationen. Nichts unterscheidet sie im lebenden Organismus von zufälligen Mutationen. Bleiben wir beim positivsten möglichen Szenario. Nehmen wir an Gene-editing wird ausschließlich zur Verbesserung der Menschlichen Gesundheit eingesetzt werden. Dann werden wir uns nicht mehr erlauben können, dass Menschen körperlich krank werden. Wir werden uns körperlich Kranke Menschen in unserer Gesellschaft schlicht nicht mehr leisten können. Wenn jede Krankheit mit einem Gene-edit zu beseitigen sein wird, wird es ein Recht auf körperliche Krankheit für die Mehrzahl der Menschen nicht geben können. Die Mehrzahl der Menschen wird sich körperliche Krankheit, die durch Gene-editing zu beseitigen ist, einfach nicht leisten können. Ein Gene-edit bei bestehender körperlicher Krankheit wird also früher oder später für jeden zur Pflicht werden.

Das Recht auf körperliche (Un-)Versehrtheit ist damit bereits heute – in eben jenem Jahr in dem gezieltes Gene-editing möglich wurde – in einer absehbaren Zukunft beerdigt. Ändern wir also gefälligst unser Grundgesetz dahingehend, bevor wir Fakten schaffen und sie erst nachträglich ins Gesetz schreiben.

Durch Gene-editing wird jede einzelne Zelle des lebenden menschlichen Organismus veränderbar. Heute bereits verändern sogen. Gene Hacker damit ihre eigenen Zellen. Irgendwann wird klar werden, dass es „infektiöse“ Gene-edits gibt. D.h. bestimmte Gene-edits werden nicht im Körper des Individuums verbleiben, in dem sie vorgenommen wurden. Ähnlich wie bei jeder Virusinfektion, nein schlimmer ähnlich wie bei BSE werden sich bestimmte Gene-edits nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern zusätzlich über die Nahrungskette in jeden einzelnen Menschen manifestieren.

Selbst wenn wir im bestmöglichen Szenario bleiben, in dem Gene-edits ausschließlich Gesundheit verbreiten, wird mit dem schwindenden Recht auf Krankheit und der Möglichkeit der infektiösen Übertragung von Gene-edits über kurz oder lang kein genetisch individueller Mensch mehr existieren. Binnen weniger Jahrhunderte werden sich bestenfalls wenige, schlimmstenfalls eine einzige durch Gene-editing optimierte menschliche DNA in den ewig lebenden Individuen manifestieren.

So, jetzt geh ich wieder schlafen. Warum nur fällt mir Aldous Huxley ein?

Written by emden09

23.12.2017 at 06:24

Wie die Schweiz sich einmal selbst abschaffte.

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Die Schweizer Bürger haben in verschiedenen Referenden immer wieder gegen einen Beitritt der Schweiz zur EU gestimmt. Trotz all der hochgelobten Schweizer Demokratie, hat das die Schweizer Regierung nicht daran gehindert, der EU de facto trotzdem beizutreten. Was die Schweizer Bürger Ihrer Regierung nämlich nicht verboten haben, war das Abschließen von Verträgen mit einzelnen Ländern der EU. Nun besteht aber diese EU im Wesentlichen aus nichts weiter als aus ebensolchen Verträgen. Nur dass die offiziellen EU-Mitglieder diese Verträge nicht einzeln miteinander abschließen sondern gesammelt jeder mit jedem. Genau das hat die Schweizer Regierung in den letzten Jahren auch gemacht nur eben in Einzelverträgen. So ist die Schweiz heute nicht nur Mitglied des Schengen-Raumes (zwar noch Zoll- aber keine Grenzkontrollen für Reisen von und nach der EU usw). Nein, bis hin zum Sozialversicherungsrecht bestehen Verträge, welche die Schweiz genauso stark oder schwach in die EU einbinden wie Deutschland, Frankreich, die Niederlande oder eben jedes andere Land der EU.

Wie aber kriegt die Schweizer Regierung jetzt den lästigen Franken (CHF) los und kann den Euro als Währung einführen. Dazu benötigte es offenbar eines längerfristigen Planes. Die Schweiz ist ein weitgehend Exportabhängiges Land. Nahezu die Hälfte des BIP werden durch Export erwirtschaftet. Die Schweizer Industrie und der Tourismus aber „produzieren“ zum größten Teil für Staaten der EU, die entweder den Euro als Währung haben oder aber ihre Währung direkt an den Euro gebunden haben. In 2013 gingen Exporte im Wert von 110 Mrd CHF (54%) in die EU, bei Gesamtexporten der Schweiz von lediglich 201 MRD CHF. Dieses Verhältnis verschiebt sich auch dann nicht wesentlich, wenn man den (sogen. Konjunkturunabhängigen) Handel mit Edelsteinen, Kunstgegenständen und Metallen noch mit einbezieht (116/212).

In der letzten Woche nun, gab die Schweizer Nationalbank (SNB) ihre Politik der sogen. „Stützung des Euro“ auf. Bis dahin hatte die Schweiz – vereinfach gesagt einfach so viele CHF „gedruckt“ und in Euro umgetauscht, dass der Kurs über Jahre stabil bei ca. 1,20 Euro pro CHF gehalten wurde. Als die SNB diese Bemühungen nun letzte Woche einstellte sackte vom 14. Auf den 15.1.2015 der Kurs des Euro auf nur noch 0,97 Euro pro CHF.

Was bewirkt dies nun. In Süddeutschen Städten wie Konstanz kann man das im „Kleinen“ ganz plastisch beobachten: Die Schweizer kaufen dort die Läden leer. Das geschieht in einem Stil, der nach Einschätzung von Menschen, die das noch mitbekommen haben, an Hamsterkäufe in Kriegszeiten erinnert. Was für die Bürger dieser Städte zunächst wie ein Problem aussieht, erweist sich für deren Wirtschaft (im Kleinen) als Glücksfall. Die Umsätze des Einzelhandels steigen in einem Maß, das dieser sich kaum träumen lies.

Was aber machen die Schweizer Bürger da? Sie importieren. Gleichzeitig schwächen sie die eigene Wirtschaft. Denn im selben Maß, in dem die Einzelhandelsumsätze im Deutschen Grenzgebiet steigen werden diese in der Schweiz sinken. Was hier offen sichtbar im Kleinen abläuft, dürfte gleichzeitig im Hintergrund und umgekehrt im Großen ablaufen. Große Auftraggeber der Schweizer Industrie- und Touristikbranche werden Aufträge entweder stornieren oder aber bereits seit Jahren deren Abwicklung in Euro vereinbart haben. Beides schwächt die Schweizer Wirtschaft enorm. Während nämlich die Kosten für Löhne und Gehälter weiterhin in CHF zu begleichen sind, sind die Waren nur mehr mit Abschlägen um > 20% verkäuflich. Dies wird die Schweizer Industrie nicht leisten können. Der Tourismus aber wird noch früher betroffen sein, weil nur wenige Europäer wohl Willens oder in der Lage sein werden, für Ihre Urlaubsreisen Aufschläge von (aus ihrer Sicht) ca. 24% zu zahlen. Dass die Russen seit dem Verfall des Rubel nicht mehr ganz so zahlreich kommen wie bisher, wird hier seinen Teil beisteuern.

Welche Möglichkeiten also hat die Schweiz jetzt, um den Zusammenbruch ihrer Exporte in die EU zu verhindern. Die Schweiz könnte im Handstreich den Schweizer Franken abschaffen und dabei für 1,20 CHF 1 Euro bezahlen. Das hätte den Vorteil, dass die Schweizer Bürger Lohneinbußen, sowie Einbußen bei Mieteinnahmen nicht direkt zu sehen bekämen. Natürlich könnte die Schweiz auch abwarten, dem Zusammenbruch ihrer Wirtschaft einfach zusehen, steigende Arbeitslosigkeit hinnehmen und so im Stil eines Deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder den Druck auf die Bürger Lohneinbußen hinzunehmen, so weit erhöhen, dass die Schweiz sich trotz CHF wirtschaftlich und finanziell im Euroraum wiederfände. Letzteres würde natürlich mindestens ein bis zwei Regierungen der Schweiz nacheinander den Kopf kosten. Zumal die Schweiz ja gerade erst beginnt, sich von einer enormen Wirtschaftskrise zu erholen. Abgewählt werden war aber sicher nicht das Ziel, als man die SNB anwies dieses enorme Defizit auflaufen zu lassen.

Im Gegenteil dürfen wir annehmen, dass die Schweizer Regierung genau die oben beschriebene Einführung des Euro und die Abschaffung des CHF im Sinn hatte. Bei einem jährlich um wenige Prozent sinkenden Euro aber, wäre der dazu notwendige Druck auf die Bevölkerung wahrscheinlich nicht im ausreichenden Maß entstanden. Bei Einem plötzlichen Verfall in diesem dramatischen Ausmaß von über 20% in einer Nacht jedoch, wird der Druck in der Schweiz, der Regierung freie Hand zu geben innerhalb kurzer Zeit enorm steigen.

Was übrigens auch enorm steigen wird ist der Fahndungsdruck deutscher Steuerfahnder auf Steuerflüchtlinge. Wer im vergangenen Jahr 100.000 Euro in die Schweiz brachte und dort in CHF anlegte, hat seit dem 15.1.2015 CHF im Wert von über 120.000 Euro in der Schweiz liegen, also > 20.000 Euro unversteuerte Erträge. Das wird den Ankauf von „Steuer-CDs“ durch den Deutschen Fiskus erheblich zusätzlich motivieren und die Kurse, die man bereit sein wird für solche Daten auszugeben werden den Export dieser Daten durch Schweizer Whistleblower erheblich zusätzlich motivieren. Ich bin sehr gespannt, welche prominenten Namen nach Hoeneß und Schwarzer sich in den nächsten Jahren auf den Fluren der Finanz- und Strafgerichte wiederfinden werden. Zumal ja jetzt schon weniger als (zum alten Kurs) umgerechnet 20 Mio. Eur Schwarzgeld in der Schweiz genügen jetzt, um die lt. BGH Knastnotorische Schwelle von 1 Mio hinterzogenen Steuern (25% Steuern auf > 20% Wertsteigerung von 20 Mio) in nur einem einzigen Jahr zu überschreiten.

Written by emden09

18.01.2015 at 09:23

Veröffentlicht in Allgemein, Außenpolitik, Globalisierung

Kreuzzüge #CharlieHebdo

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Die Kreuzzüge sind nicht vorüber. Wer im Zusammenhang mit dem Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo voreilig – bevor die Täter gefasst sind und sich bekannt haben, von islamistischer Gewalt spricht, möge sich das klar machen. Wir führen Krieg. Wir haben Ihn erklärt. Wir führen Krieg im Zeichen des christlichen Kreuzes. Wir führen Krieg Namens und im Auftrag der christlichen Kirchen! Wir? „Wir“ sind in diesem Zusammenhang westliche Regierungen, die wir alle legitimiert haben und täglich legitimieren.

Die Bundesregierung der BRD erkennt diese Regierungen der USA, Frankreichs, Großbritanniens und anderer Staaten an. Wir haben – wie ich, diese Bundesregierung nicht gewählt. Wir haben vielleicht gar nicht gewählt. Dennoch bewegen wir uns Tag für Tag, so lange wir unsere Deutsche Staatsbürgerschaft nicht ablegen oder in den Untergrund gehen und Widerstand leisten, auf den Boden eines Rechtssystems, das vom Grundgesetz für die BRD ausgeht und gestützt wird. Und dort legitimiert nun mal die Mehrheit der abgegebenen Stimmen die Wahl der Regierung durch den Bundestag, welcher sich proportional der vom „Volk“ abgegebenen gültigen Stimmen zusammensetzt. Es möge mir also keiner kommen und behaupten, er sei für die Kreuzzüge, die in unserem Namen unternommen werden nicht (mit)verantwortlich.

Westliche Regierungen führen in Afghanistan, in Syrien (gegen den IS) und vor Somalia gegen „Piraten“, führten im Irak nicht nur Krieg. Sie führen dort Kreuzzüge, Namens und im Auftrag christlicher Kirchen. Und nein, es war nicht George W. Bush und seine kleine radikal-evangelikale Gemeinde alleine, die diese Kriege zu „Kreuzzügen“ (wörtlich: „Crusade“) erklärte. Es sind bis heute von allen christlichen Kirchen legitimierte und zu diesem Zweck (gesalbte und) entsandte Geistliche (Feldgeistliche im Rahmen der Deutschen Bundeswehr), die bis heute Waffen und Mörder („Soldaten sind Mörder“ das wusste schon Tucholsky zu sagen) segnen, ihnen seelischen Beistand vor, bei und nach ihrem Mordhandwerk leisten.

Es sind Pfarrer und Pastoren der christlichen Kirchen, welche die Kriege, die unsere Regierung in unserem Namen führt, zu christlichen Kriegen – zu Kreuzzügen machen. Das hat gute christliche Tradition. Noch bevor Mohammed der Prophet des Islam geboren wurde, hatte das Morden, Vergewaltigen und Brandschatzen im Namen christlicher „Nächstenliebe“ und „Toleranz“ mehr als fünf Jahrhunderte große Teile von Europa, Kleinasien und Nordafrika heimgesucht. Als der erste „heilige Krieg“ des Islam ausgerufen wurde, konnten dessen Kämpfer sich auf hunderte Jahre Erfahrung aus der Führung von christlichen Kriegen stützen. Wir führend diese bis heute.

Wir legitimieren (nicht bekämpfen) also eine Regierung, welche zusammen mit anderen, im Namen und Auftrag christlicher Kirchen Kreuzzüge führt. Es ist die Tragik der Opfer von Charlie Hebdo, dass die dortige Redaktion diesen Zusammenhang mindestens ebenso klar erkannte, wie ich ihn hier benenne. Es ist die Tragik der Opfer von Charlie Hebdo, dass sie ihn wesentlich pointierter und spitzer auf den Punkt zu bringen wusste, als es mir jemals gelingen wird.

Wenn wir nicht erkennen, dass die monotheistischen Religionen – allen voran das Christentum, als die größte (was die Anzahl der Gläubigen weltweit betrifft) und zweitälteste, nicht die Lösung für das Problem von Ungerechtigkeit, Hunger, Krieg und Gewalt in unserer Welt sind, sondern die Hauptursache, dann haben wir nicht verstanden, was Charlie Hebdo uns sagen will, die Opfer bei Charlie Hebdo uns sagen wollten.

—-

BTW: ich erlaube mir den Hinweis nachzureichen, dass die „Meinungsfreiheit“ in Deutschland gerade im Zusammenhang mit religiöser Satire m.W. nicht zuletzt 1986 (also vor nicht einmal 30 Jahren) durch eine Klage der Weißblechindustrie eingeschränkt wurde. Soviel dazu, welchen „Werten“ wir uns verpflichtet fühlen. 

ich war eine Dose

Written by emden09

08.01.2015 at 09:56

Journalismus naiv: Handelsblatt-Morning Briefing

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Das politisch äußerst (um es im Rahmen meiner Möglichkeiten vorsichtig auszudrücken) tendenziöse Handelsblatt –Morning Briefing (Handelsblatt-MorningBriefing@kompakt.handelsblatt-service.com) schreibt heute:

 

„Es gibt eine Gegenwelt zu den Staaten und ihrer notorischen Neigung, alles auf Kredit zu beschaffen. Diese Gegenwelt wird von den deutschen Konzernen bewohnt, wie unser jährlicher Unternehmens-Check zu Tage förderte.“

 

Nun frage ich mich, sind das jene Konzerne, die noch vor Wochen eine neuerliche Kreditklemme befürchteten und beklagten?

 

Wenn die Konzerne so „unabhängig“ von Finanzierungsinstrumenten wären, wie das Handelsblatt-MorningBriefing glauben machen will, was interessiert sie dann die „Kreditklemme“?

 

Nun ja, das ist ganz einfach. Die deutschen Konzerne finanzieren sich inzwischen zu nahe 100% über sogen. Lieferantenkredite.

 

Und das geht so: Wer einen dieser Konzerne beliefern will muss mit mindestens 30 Tagen zwischen Rechnungseingang beim Konzern und Zahlung an den Lieferanten warten. Das nennt sich dann kaufmännisch und „politically correct“ ein „gewährtes“ „Zahlungsziel“. Die Marktmacht der Konzerne ist allerdings dergestalt ausgeprägt, dass sie sich die Zahlungsziele faktisch selbst einräumen. Bei Volkswagen z.B. werden Lieferanten, die 90 Tage Zahlungsziel nicht akzeptieren wollen überhaupt nicht erst berücksichtigt.

 

Wo aber ist nun der Link zur Kreditklemme? Na der liegt aber sowas von auf der Hand. Die Lieferanten der Konzerne sind nämlich meist selbst keine Konzerne, sondern zu großen Teilen kleine und mittelständische Unternehmen. Kriegen die aber für ihre Leistungen, die sie oft um mehr als 120 Tage (Zahlungsziel) vorfinanzieren müssen keine Kredite mehr, können sie die Konzerne nicht mehr beliefern und gehen pleite.

 

Alle deutschen Konzerne haben mit der Bankenkriese begonnen, die selbsteingeräumten Zahlungsziele massiv auszubauen. Eine Verdopplung (z.B Deutsche Telekom) und Verdreifachung war da keine Seltenheit. Im Schatten der Bankenkriese sind so kleine und Mittelständische Unternehmen zum Sekundärmarkt als Kreditgeber für Konzerne geworden. Hier ist also quasi ein grauer Kreditmarkt (ohne Zinsen) entstanden den die Konzerne der Wirtschaft abgepresst haben.

 

Nur so übrigens kriegt wiederum die Bankenbranche den Staat an die Kandarre. Würde nämlich der Staat konsequent jene Banken pleitegehen lassen, die sich verspekuliert haben, würde er damit tausende und abertausende kleiner und mitteständischer Kreditnehmer dieser Banken in den Konkurs treiben und so der Bundesdeutschen Wirtschaft das Genick brechen.

 

Es darf also davon ausgegangen werden, dass hier sogar eine Verabredung der Konzerne und Banken vorliegt, mit Hilfe derer sie die Politik geschickt in die Zange genommen haben. Die Wirtschafts- und Bankendiktatur wird mit Lieferantenkrediten gepflastert und zementiert.

 

Dazu passt übrigens, dass die Überweisung von Sparkasse zu Sparkasse ca 0,5 Stunden benötigt, wären eine Überweisung von Sparkasse auf ein Konto bei der Deutsche Bank drei (3!) Tage läuft. Ein Schelm wer nicht weiß, was die Deutsche Bank in den drei Tagen mit dem Geld macht.

 

Eine Politik, welche die Laufzeit von Lieferantenkrediten nicht per Gesetzt beschränkt erzeugt so nicht nur einen unkontrollierten grauen Kreditmarkt, der sich der Kontrolle jeder Bankenaufsicht entzieht. Eine solche Politik begibt sich regelrecht sehenden Auges in die Zwangsjacke die Konzerne und Banken für sie bereithalten.

 

Blauäugig, wie das Handelsblatt nun also – mit politischer Motivation zu behaupten, die Kozerne finanzierten sich aus Cash und die Staaten aus Krediten, muss als pure Demagogie entlarvt gelten: Das bei den Konzernen vorhandene Cash stammt direkt von den Banken, die den Kreditgebern der Konzerne (deren Lieferanten) Kredite zur Vorfinanzierung der Zahlungsziele einräumen.

 

Dass hier ein grauer (Lieferanten-) Kreditmarkt in Form von kleinen und mittelständischen Kreditgebern in den Frondienst der Konzerne gepresst wurde macht die Argumentation des Handelsblatt-MorningBriefing nur umso falscher und verwerflicher. Oder sollten die „Journalisten“ beim Handelsblatt inzwischen so blauäugig naiv sein, dass sie die Lieferantenkredite in den Bilanzen nicht mehr als solche erkennen und werten können?

 

Interessanter Weise gibt es eine Gruppe an Großabnehmern, die sich schon vor Jahren gesetzlich selbst verpflichtete wenigstens Handwerksleistungen innerhalb von 30 Tagen zu zahlen. Diese Gruppe bilden die Bundesrepublik Deutschland und ihre Bundesländer sowie Kommunalen Gliederungen. Es gibt also offensichtlich eine Gegenwelt zur notorischen Neigung der Konzerne, alles und jeden anzupumpen (um das mindeste zu sagen) der nicht bei drei auf dem Baum ist und diese bewohnt der Staat!

Written by emden09

29.11.2011 at 13:12

Veröffentlicht in Globalisierung, Innenpolitik

Piraterie: Notwehr der Ärmsten gegen die Ausbeuter

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Das Handelsblatt bringt, freilich offensichtlich ohne es zu wollen, das Problem der Piraterie am „Horn von Afrika“ brillant auf den Punkt:

[…] kann ein Pirat 150-mal mehr verdienen als die meisten seiner somalischen Landsleute. Während das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Somalis bei etwa 500 Dollar liegt, verdienen Piraten bis zu 79 000 Dollar (56000 Euro) pro Jahr – netto. Das entspricht etwa dem Doppelten des durchschnittlichen Nettoeinkommens eines Beschäftigten in Deutschland. […]

Wenn ein somalischer Pirat 150-mal mehr verdient als ein durchschnittlicher Somali, aber nur das Doppelte des durchschnittlichen Deutschen, dann verdienen Deutsche im Schnitt 75-mal mehr als Somali in ihrem eigenen Land. Und da liegt der „Hund“ der die Piraterie begründet begraben.

Natürlich ist weder der Deutsche noch seine Arbeitsleistung 75-mal mehr wert als der Somali. Sicher ist die Produktivität eines Deutschen im Schnitt höher als die eines Somali. Vielleicht Faktor 10 vielleicht sogar Faktor 20. Aber 75-mal so hoch ist sie nicht. Oder für einfacher gestrickte Gemüter: Ein Deutscher leistet nicht so viel wie 75 Somali. Unmöglich!

Gleichzeitig aber karren wir nicht nur unseren Müll – besonders gern Giftmüll nach Somalia und lassen dann die Menschen, die nicht mal wissen, was wir Ihnen da angekarrt haben, mit der Brühe alleine. Wir erlauben auch noch unseren Handelsschiffen unseren Reichtum vor den Augen der Bevölkerung eines der ärmsten Länder der Welt hin- und herzuschippern. Am Ende dann stellen wir auch noch die Waffen her, mit denen Piraten unsere Handelsschiffe kapern und schmuggeln diese nach Somalia.

Dass da der eine oder andere – nicht ganz auf den Kopf gefallene Somali auf die Idee verfällt, hier der Gerechtigkeit mal im Verfahren der Selbsthilfe Vorschub zu leisten, ist für mich leicht zu verstehen. Dass wir dies Piraterie nennen und als solche bekämpfen, ist der alte Krieg Reich gegen Arm. Selten haben die Reichen dauerhaft gesiegt. Soviel steht fest.

Piraterie wird man also nicht mit mehr Soldaten und Kriegsschiffen beseitigen können. In dieser globalen Revolution spielen alle Deutschen die Rolle des Reaktionärs und können froh sein dabei nicht gelegentlich den Kopf zu verlieren.

Wir haben den Scheiß mit der Globalisierung angefangen und zu verantworten. Jetzt werden wir wohl damit leben müssen, dass nicht nur unsere unbequeme, gesundheitsgefährdende Arbeit und unser Giftmüll exportiert, sondern eben auch unser Reichtum (gerecht) auf die Völker der Welt verteilt werden wird. Wenn wir es nicht tun, nehmen jene es eben selbst in die Hand.

Written by emden09

26.05.2011 at 14:19

Veröffentlicht in Allgemein, Außenpolitik, Globalisierung

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