emden09

nie angepasst

Archive for the ‘Globalisierung’ Category

Italienische Zahlen – eine Räuberpistole

leave a comment »

Wer sich heute in die eine oder andere Richtung mit Maßnahmen gegen Corona beschäftigt, bekommt immer wieder ein Totschlagargument zu hören: „Wir wollen doch alle keine italienischen Verhältnisse“.

Tatsächlich gibt es für die enorm hohe Inzidenz (Fälle pro 100.000 Einwohner) und Mortalität (Sterblichkeit), die sich aus den „italienischen Zahlen“ errechnen lässt, einige wissenschaftliche Erklärungsansätze aber keine tatsächlich plausiblen Erklärungen. Wissenschaftler sind geneigt, solche Datenpunkte, die zu weit von den mittleren Werten abweichen (Gausverteilung), aus Ihren Erklärungen für ein Phänomen zunächst auszuschließen. Zu einem späteren Zeitpunkt sagen sie, könne man diese Abweichungen (in Jahrelanger Kleinarbeit) genauer erforschen. Zur Erklärung des aktuellen Tagesgeschehens in anderen Ländern würden sie jedenfalls nichts beisteuern.

Dennoch ziehen verschiedene populistische Politiker (z.B. Söder) diese Zahlen immer wieder zur Begründung von Maßnahmen heran, die äußerst umstritten (Ihren Publikumserfolg im Unfragen aber durchaus zuträglich) sind. Mit den „italienischen Verhältnissen“ wird irrationale Panik geschürt und Freiheitseinschränkenden Maßnahmen das Wort geredet. Freiheitseinschränkenden Maßnahmen dazu (Handyortung durch Behörden), welche man nach Ende der Epidemie sicher nict wieder zurücknehmen wird.

Darum hier mal eine Hypothese. Eine Hypothese, die sämtliche Zahlen aus Italien oder auch aus besonders betroffenen Regionen von China deutlich plausibler erklärt, als alle aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Ansätze. Dennoch ist diese Hypothese nichts weiter als eine Räuberpistole im Stil eines Dan Brown (DaVinci Code). Tatsächlich zeigt diese Hypothese vorallem eines: aktuell Zahlen aus China oder Italien für Maßnahmen in irgendeinem anderen Land heranzuziehen ist fahrlässiger UNfug.

Hier die Hypothese: Das Corona Virus befällt vor allem tiefreligiöse Menschen.

Und hier noch ein bisschen Garnitur: Bei Krankheit und Seuchengefahr suchen diese tiefreligiösen Menschen in besonders großer Zahl ihre Tempel (aka Kirchen) auf. Dort berühren viele die selben Gegenstände (Weihwasser, Kruzifixe, Reliquien, heilige …) mit Händen und Lippen an den immer selben Stellen und geben so die Infektion weiter. Und noch: in Deutschland tritt eine Häufung von Fällen auch besonders in solchen Regionen auf, in denen besonders viele gläubige Menschen leben bzw. die (Kölner Dom) von besonders vielen gläubigen Menschen aufgesucht werden.

Wie gesagt wären damit die Zahlen aus Wuhan, jene aus Italien und die aus Teilen Deutschlands plausibler erklärt als mit sämtlichen (pseudo)wissenschaftlichen Erklärungen dieser Tage.

Ich werde diese Hypothese wie bereits erwähnt hier weder verteidigen noch weiter ausschmücken. Für mich ist diese Hypothese, die ich mir (zur Veranschaulichung) einfach mal so ausgedacht habe, eine Räuberpistole. Aber eben eine, die zeigt, jeder der heute schon versucht die Ausreißer bei den Zahlen in Italien und China wissenschaftlich (und ohne weitere wahrscheinlich jahrelange Forschung) zu erklären, greift in seinem Erklärungsversuch kürzer als eine solche Räuberpistole. Für eine Einschränkung unseres Freiheitlichen Gemeinwesens zumindest taugen diese Zahlen nicht. Die Niederlande und Schweden haben das gerlernt. Wir Deutsche hingegen fröhnen offenbar gerne weiter der Obrigkeitshörigkeit.

Written by emden09

23.03.2020 at 09:14

Widerspruch

leave a comment »

Da muss ich die Tage hören, wie ein „Ärztepräsident“ Montgomery bei einer dieser austauschbaren Talkshowjournalistinnen verzweifelt stöhnt: „Ich verstehe das gar nicht, die haben wir doch erzogen“. Und bin plötzlich stolz. Ja, tatsächlich, auch ich habe einen Teil dieser jungen Generation erzogen. Und ja, tatsächlich ich bin stolz, dass denen der typisch Deutsche Untertanengeist, die typisch Deutsche Obrigkeitshöhrigkeit fehlt.

 

Eine Kanzlerin, ein Gesundheitsminister die nichts zur Aufklärung beitragen, die mit einer inkonsistenten Politik Verwirrung stiften, statt die Menschen zu überzeugen „salbungsvolle Worte ans Volk“ richten, finden keine Follower mehr. Und das ist gut so.

 

Welche Widersprüche es aufzuklären gälte? Oh da sind viele. Ich zähle mal nur drei auf.

  1. Da steht eine junge Generation und darf zusehen, wie unsere Bundesregierung plötzlich 500 Milliarden Euro (eine halbe Billion) mit der Bazooka gegen einen Virus verschießen will, der bei dieser jungen Generation bestenfalls ein Hüsteln auslösen wird. Das ist die selbe junge Generation, der die selben Politiker noch vor wenigen Wochen erklärt haben, für den Schutz des Klimas sei kein Geld da. Die schwarze Null werde selbstverständlich nicht angetastet und man müssen auf die Wirtschaft Rücksicht nehmen. Die selbe junge Generation in der nicht ein paar tausend sondern hunderte Millionen ihr Leben lassen werden, wenn die Politik so weitermacht wie bisher und der Klimawandel so eintritt wie abzusehen. Wenn eine halbherzige Klimapolitik Langfristziele für 2050, 2038 usw. setzt, ohne heute damit anzufangen, auch nur Schritte in Richtung der Erreichbarkeit dieser Ziele zu gehen, ist das schlicht eine Politikerkaste, die nicht verlangen kann, dass man ihr vertraut für kurzfristige Herausforderungen die richtigen Maßnahmen zu treffen.Diese jungen Generation soll zusehen, wie man für ein Virus, das sie zum größten Teil nicht betrifft, mit leichter Hand bereit ist die Wirtschaft entweder zu ruinieren oder mit 500 Milliarden Staatsgeld aus der Gießkanne zu unterstützen? Was die einsehen ist, dass sie Oma und Opa im Moment nicht so oft besuchen können. Auch dass sie Freunde aus Risikogruppen aus ihren Aktivitäten eine Weile ausschließen müssen – wenn die das wollen. Den Rest hat Ihnen und mir bis heute keiner erklärt.
  2. Da ist die Regierung im Nachbarland, den Niederlanden. Eine Regierung die mindestens so rechts gerichtet ist, wie die von Merkel. Die aber macht eine ganz andere Politik.Die Regierung der Niederlande schützt Risikogruppen gezielt. Die sind leicht zu überzeugen, bestimmte Maßnahmen zum Eigenschutz zu ergreifen und dafür auch Einschnitte in ihren Alltag hinzunehmen.Bzgl. der Gruppe der jungen und gesunden Menschen geht diese Regierung aber hin und sagt, wir warten darauf dass sich in dieser Gruppe eine Herdenimmunität ausbildet – also 60-70 % dieser jungen und gesunden Menschen, die selbst kein großes Risiko tragen die Infektion innerhalb weniger Woche durchmachen und danach dagegen immun sind. Die können dann also auch die Gruppen die ein höheres Risiko tragen nicht mehr anstecken.

    Nun schließt unsere Regierung aber die Grenze zum Nachbarland den Niederlanden nicht etwa – sondern lässt diese offen. Gleichzeitig schließt die Regierung die Grenze zum Nachbarland Frankreich, das inzwischen eine Ausgangssperre verhängt hat. Das ist politisch inkonsistent. Dieser Widerspruch wird uns nicht erklärt und das sorgt dafür, dass salbungsvolle Worte ungehört im Wind verhallen.

  3. Wir schließen Geschäfte und nicht unbedingt benötigte Betriebe. Aber schon wieder verstehen wir nicht, dass Restaurants Mittags offen bleiben, sich dort die Risikogruppe der über 70 jährigen fröhlich zum Mittagessen und Kaffee trifft, während abends nach 18:00 wenn die Nichtrisikogruppe der jungen und arbeitsfähigen Menschen von der Arbeit kommt und evtl. im gleichen Restaurant zusammensitzen möchte, dieses Restaurant geschlossen bleiben muss.Und dann sind da noch die Friseure. Der Teeladen um die Ecke, in den sich pro Tag 10-20 Kunden verirren bleibt geschlossen. Beim Friseur zwei Türen weiter herrscht den ganzen Tag Hochbetrieb mit mind. 20 Leuten *gleichzeitig* in dem Laden.Alle sollen von zu Hause arbeiten, lernen usw. aber die Kinder von IT-Technikern dürfen nicht in die Notgruppen im Kindergarten.

    Nein, das versteht nicht nur die von Herrn Montgomery erzogene Generation nicht, sondern auch die von mir erzogene.

    Ja, wir verstehen, dass in der Kommission, die das beschlossen hat vermutlich ein Meister der Friseurinnung saß. Wir verstehen, dass IT-Techniker für diese Regierung Neuland sind und schlicht vergessen wurden.

    Aber eben das ist genau die inkonsistente Politik, die wir ablehnen und für deren salbungsvolles Geseiber wir kein Verständnis mehr haben.

Ich beschränke mich hier bewusst auf drei Punkte obwohl mir viele weitere einfallen würden. Ich will an diesen drei Punkten exemplarisch zeigen, wie inkonsistent das ist, was unsere Politiker abliefern und wieso sie nicht mit „Folgsamkeit“ der „Untertanen“ rechnen können, wenn sie nicht in der Lage sind plausibel zu erklären, warum genau sie was von den Einzelnen verlangen. Politik per Verodnung von oben ohne plausible Erklkärung hat Gottseidank ausgedient.

Ich selbst könnte mich locker in eine Risikogruppe hineinrechnen oder hineinpanikisieren. Jenseits der Mitte 50, leicht übergewichtig, viele Sozialkontakte durch meine Arbeit. Dennoch muss ich gestehen, dass mir das fern liegt und ein weiteres Mal die Politik der Regierung der kaum 50 km entfernten Niederlande um Längen sympathischer ist, als alles, was die hiesige Regierung zu verbreiten gewillt ist. Und ja, diese junge Generation, wo sie sich Politikern und Obrigkeiten nicht per se gläubig unterwirft sondern deren Maßnahmen kritisch in Frage stellt, ist uns gut gelungen Herr Montgomery.

Tatsächlich ist und bleibt ziviler ungehorsam *die* Nummer eins beste Maßnahme gegen eine Politik, die nicht schlüssig – mithin willkürlich – entscheidet und handelt.

Ja, ich verstehe, dass Covid-19 für bestimmte Risikogruppen sehr gefährlich ist. Dass wir unser Gesundheitssystem überlasten könnten, wenn die alle gleichzeitig auf die Intensivstation müssten. Ich verstehe sogar die Mathematik dahinter und dass es mitnichten um ein exponentielles Wachstum geht. Schon wieder eine dieser Inkonsistenzen, die ein Mathematik-Youtuber (s.o.) erklären muss, während diesbezüglich ungebildete Politiker von einem exponentiellen Wachstum reden und sich weiter unglaubwürdig machen.

Ich verstehe, dass wir mit Menschen aus Risikogruppen solidarisch sein müssen.

Aber Solidarität heißt halt nicht, dass ich mich nicht anstecken darf. Solidarität heißt nicht, dass ich beim kleinsten Kratzen im Hals zum Arzt renne, die 116117 anrufe und in Panik Hotline-, Arzt- und Testkapazitäten blockiere, die für echte Risikopatienten dringend benötigt werden.

Solidarität heißt, dass ich – sogar für die verhasste Nachbarin – ein paar Tüten vom Supermarkt mittbringen würde, wenn sie freundlich zu fragen in der Lage wäre. Solidarität heißt, dass ich auf mein Geld für diese Tüten gerne ein halbes Jahr warten würde, bis es für sie wieder sicher ist mir das zu übergeben (nein, sie hat kein paypal). Solidarität heißt auch, dass ich die Tüten vor ihrer Tür abstellen würde und für ihr Klopapier durch zig Supermärkte laufen würde, bis ich endlich welches gefunden hätte. Solidarität heißt, dass ich eine OP, die ich im Moment nicht wirklich dringend brauche gerne ein bis zwei Jahre aufschiebe. Solidarität heißt, dass ich jeden morgen auf dem Weg in die Arbeit in den Supermarkt und zum Bäcker gehe und mich dort mit dem eindecke, was ich heute benötige (ein paar Beeren, ein Joghurt, ein Brötchen) und eben nicht in Panik Hamsterkäufe tätige. Solidarität heißt sogar, dass ich in meinem Unternehmen vieles umorganisiere. Aber Solidarität heißt nicht, dass ich verstehen muss, warum die Bauarbeiter aus der Ukraine und Polen vor unserem Fenster täglich kräftig werkeln und wir gleichzeitig zwei Meter weiter die Büro-Arbeit einstellen sollten.

Macht eine konsistente Politik für alle Menschen oder akzeptiert, dass die für die ihr nicht da seid, Euch auch nicht glauben und ihr Widerspruch erntet.

Written by emden09

19.03.2020 at 09:31

Veröffentlicht in Allgemein, Globalisierung, Innenpolitik

It‘s the data stupid!

leave a comment »

Als Fahrer eines Elektroautos und Besitzer von Aktien eines Elektroautoherstellers, werde ich immer wieder gefragt: „Glaubst Du nicht, dass der Tesla Aktien-Kurs völlig übertrieben hoch ist?“ Die Antwort habe ich schon vorweggenommen. Würde ich glauben, der Kurs sei übertrieben hoch, hätte ich die Aktien wohl schon verkauft. Nachfrage des Gegenüber: „Aber wie kann eine Firma, die nur wenige hunderttausend Autos jährlich ausliefert wertvoller sein, als zwei deutsche Automobilhersteller, die zusammen mehr mehrere Millionen Fahrzeuge ausliefern?“ Meine Antwort: [siehe Überschrift]

 

Tatsächlich ist die Vision von Tesla nicht ausschließlich Elektroautos auszuliefern. Das wäre schließlich auch ein fataler Fehler. Elektroautos haben einen viel geringeren Wartungsbedarf, als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, weil sie um Größenordnungen weniger Verschleißsteile haben. Die klassischen Automobilhersteller aber leben nicht vom „verkaufen“ von Autos. Sie leben vom Teilehandel. Glaubt mir, ich habe mal an der Software für den Teilehandel eines Deutschen Automobilherstellers gearbeitet. Es gibt bis heute nichts in diesen Unternehmen was lukrativer wäre. Vom Teilehandel wird also ein Hersteller von Elektroautos auf Dauer nicht leben können. Was also ist die Vision?

 

Die Vision von Tesla ist eine autonom fahrende Taxiflotte auf der Straße zu haben. Als erster! Wer meinen vorherigen Rant über die aktuellen Fähigkeiten des Tesla „Autopiloten“ gelesen hat, weiß, wie weit wir davon noch entfernt sind. Aber tatsächlich habe ich bisher kein kommerziell verfügbares Fahrzeug gefahren, das in diesem Punkt besser ist.

 

Was aber benötigt man um „autonomes Fahren“ auf Basis eines Computersystems (mit „künstlicher Intelligenz“) besser zu machen? Da sind sich ausnahmsweise alle, die daran forschen einig: man benötigt Daten! Riesige Mengen Sensordaten (Video ab ca 21:00) und nach Möglichkeit dazugehöriger Videoaufzeichnungen von Milliarden gefahrenen Kilometer, mit allen nur erdenklichen Verkehrssituationen.

 

Wer aber sammelt diese Daten seit Jahren und vor allem heute schon in dieser Form? Schauen wir mal in Deutschland bei Volkswagen. Laut einem länglichen Artikel im Handelsblatt vom 31.1.2020 beschäftigt Volkswagen heute 5.000 Softwareentwickler. Tesla „nur“ 3.000. Volkswagen steuert mit diesen 5.000 Softwareentwicklern gerade mal 10% der relevanten IT-Systeme (Sensoren und soweit vorhanden Kameras) in seinen Fahrzeugen. Tesla hingegen beherrscht mit 3.000 Entwicklern 100% der von Fahrzeug erhobenen Daten. Volkswagens Ziel: In 5 Jahren will man 10.000 Softwareentwickler beschäftigen, die dann 50% der im Fahrzeug produzierten Datenmenge beherrschen sollen (What?). Das heißt, bis in fünf Jahren wird Tesla täglich, bei jedem gefahrenen Kilometer 10 Mal so viele Daten sammeln wie Volkswagen. In Wirklichkeit sieht die Situation noch viel verheerender aus. Denn die wenigsten Fahrzeuge, die Volkswagen heute freiverkäuflich auf der Straße hat, sind überhaupt in der Lage Livedaten der Sensorik (zusammen mit Videos der jeweiligen Verkehrsituation) zu erfassen und zurück nach Wolfsburg zu liefern.

 

Selbst in 5 Jahren wird sich die Situation für Volkswagen bestenfalls soweit gebessert haben, dass der tägliche Vorsprung bei der Sammlung klassifizierter Datensätze von Tesla pro Fahrzeug und gefahrenemn Kilometer nicht mehr um Faktor Zehn sondern nur noch um das doppelte wächst. Denn natürlich können die Softwareentwickler von Volkswagen die Daten von Systemen, die sie nicht programmieren auch nicht gezielt und bezogen auf eine bestimmte Verkehrssituation auswerten. Das heißt sämtliche Fahrzeuge, die Volkswagen bis dahin *neu* auf die Straße bringt, werden nicht in der Lage sein, den Vorsprung von Tesla bei der Sammlung von Daten zu verkürzen.

 

Nun können wir glauben, dass VW halt ein bisschen rückständig sei und die anderen deutschen Automobilhersteller (bleiben BMW und Mercedes) hier wesentlich weiter wären. Aber weit gefehlt. Fragen sie mal BMW, wie man die Systeme zum autonomen Fahren heute testet. Antwort: Ja es gibt da eine „Normbaustelle“ (ich musste aufpassen nicht laut loszuprusten) auf der A9 ….“ Mehr muss sicher niemand wissen. Tatsächlich haben weder BMW noch Mercedes bis heute eine Plattform für elektrisch betriebene Fahrzeuge sondern bieten im Markt lediglich halbherzig umgebaute Benzinfahrzeuge an.

 

Zugegeben, bei einem Tesla muss der Fahrer auch aktiv entscheiden, dass er bereit ist, diese Daten und vor allem Videos an Tesla zu übertragen. Aber: die Mehrzahl der mir bekannten Fahrer macht das ausgesprochen gerne? Warum? Nein, nicht weil „teilen“ seit Facebook Konjunktur hat! Weil jeder sich einbilden kann, dass sein individuelles Fahrverhalten Einfluss findet auf das zukünftige Fahrverhalten autonom gesteuerter Tesla-Fahrzeuge. Wie geil ist das denn? Jeder Autofahrer glaubt doch, dass er der einzige im Straßenverkehr ist, der sich richtig verhält. Und bei Tesla kann er tatsächlich Einfluss nehmen, indem er die Daten seines Fahrverhaltens an den Hersteller liefert. Da machen doch alle gerne mit!

 

Der wertvoller Teil der Daten entsteht übrigens immer dann, wenn die Softwaregesteuerte Automatik gerade etwas ganz, ganz anderes tun würde als das, was der Fahrer tatsächlich macht. Kommt es in solchen Situationen nicht zum Unfall oder einer gefährlichen Verkehrssituation, hat der Fahrer gerade das getan, worauf alle KI-Entwickler komplett abfahren: er hat nicht nur Daten gesammelt, er hat sie auch klassifiziert. Kurz: Klassifizierte Daten sind das Potential, aus dem KI-Systeme enstehen. Ja, ja, ich weiß es gibt auch andere KIs. Aber ehrlich: wer Milliarden klassifizierte Datensätze zur Verfügung hat, dessen KI wird sicher schneller „lernen“, als jede andere KI. Ein bekanntes Beispiel aus der Gegenwart dürfte hier GPT-2 sein – eine KI, die anfing, erwünschte Dinge zu tun, für die sie nie programmiert war – nur weil sie es aufgrund der riesigien Datenmenge (ca. 1,6 Milliarden Datensätze) konnte.

 

Resüme: Der Tesla Datenbestand an klassifizierten KI geeigneten Datensätzen zum Fahrverhalten von Autofahrern in alltäglichen Verkehrssituationen wächst aktuell ZEHN mal schneller als der Datenbestand jedes anderen Automobilherstellers auf der Welt. Aufgrund der vergleichsweise riesigen Fahrzeugflotte, wächst der Tesla-Datenbestand sogar deutlich schneller als der von Waymo oder Uber. Jetzt noch zu fragen, warum ich glaube dass die Zukunftsperspektive von Tesla mehr wert ist als die sämtlicher anderen Automobilhersteller zusammen, dürfte sich erübrigen.

 

Es gibt darüber hinaus einen weiteren Punkt, den man nicht außer Acht lassen darf: Tesla wird – im Gegensatz zu allen anderen börsennotierten Automobilherstellern – von einem Unternehmer geführt. Das Problem eines (Deutschen) AG-Vorstandes (in meinen Augen „Unterlasser“) ist, dass ein Großteil seiner jährlichen Bezüge für die kurze Zeit (max. 5 Jahre) die er jeweils aktuell zum Vorstand berufen ist, nicht von Zielen abhängt, die in 10 oder 15 Jahren erreicht werden können. Diese Vorstände schielen ausschließlich auf das Ergebnis des nächsten Quartals, bestenfalls des nächsten Jahres und natürlich auf Shareholder-Value.

 

Die Shareholder-Value Denke hat Deutschland ja schon zu Zeiten der Dotcoms richtig weitergebracht </zyn>. Ja., richtig, die Dotcom-Blase ist geplatzt. Aber was ist davon geblieben? In den USA sind geblieben: Facebook, Google, Amazon, Twitter, Instagram, Whatsapp, paypal, Netflix und mit Abstand Apple und Microsoft… in Deutschland? Nichts! Was aber ist das Kapital all dieser Unternehmen, die „geblieben“ sind? Value? Growth? Shareholder Value? Nein, das Kapital all dieser Unternehmen ist ein riesiger Datenbestand, der genutzt werden kann, um Geld zu verdienen:

 

„It’s the data stupid!“ Das möchte ich all denen zurufen, die nicht verstehen, wieso Tesla faktisch mehr wert ist, als sämtliche Automobilhersteller.

 

Und dann das noch:

 

Bei Tesla sitzt kein Deutscher AG-Vorstand an der Spitze sondern ein  (ja umstrittener) Unternehmer, der zum ersten Mal richtig abkassieren wird, wenn der Aktienkurs bei über 3.000 USD liegt (aktuell sind es 700-800 USD die optimistischsten Progrnosen sehen 1.500 USD für 2024). Bis dahin bezieht der Mann nicht einmal ein Gehalt von Tesla. Trotzdem übernachtet er – wie man hört – wenn es hart auf hart kommt immer mal wieder im Werk oder auf der Baustelle. Ich lache mich gerade scheckig bei der Vorstellung, dass jemand so viel Engagement (ohne Gehalt nur auf Basis einer Hoffnung auf die Zukunft im Werk oder auf der Baustelle übernachten) von einem Diess, Zetsche, Källenius oder Zipse fordern könnte. So hochkant wäre sicher noch kein Berater dieser Welt gefeuert worden. Unternehmer vs. Unterlasser wenn ich sonst keinen Grund hätte Aktien von Tesla zu kaufen.

 

PS: selbstverständlich ist es in unser aller Interesse dafür zu sorgen, dass diese gesammelten Daten genutzt und nicht wie z.B. bei Facebook gegen uns und unsere Gesellschaftssysteme missbraucht werden. Aber gut, dass habe ich jetzt schon so oft gesagt und es interessiert kaum jemanden – warum dann hier? Oder hast DU Whatsapp, Instagram und Facebook gelöscht? Verschlüsselst Du jede Nachricht die Du sendest? – sicher? – E2E? Wenn ja: Du gehörst zu einer veschwindenden Minderheit!

Written by emden09

18.02.2020 at 09:56

Nach Freiheit fragt Ihr?*

with one comment

Eine längere Geschichte – sozusagen als Einleitung. Wir betreiben ein AirBNB – zwei Zimmer, in unserem Haus. Diese Zimmer wurden früher von meinen Kindern bewohnt. Wohnzimmer, Küche, Bad. Keller, Garage, Garten, Parkplätze dürfen von den Gästen mitbenutzt werden. Also eine Art AirBNB mit Familienanschluss. Dort wohnt eine junge Frau, die sich letztes Jahr und auch dieses Jahr mehrfach für jeweils einen Monat bei uns einmietete. Das erste Mal: sie hatte sich von Ihrem Freund getrennt. Im Wesentlichen, weil der keine Kinder haben wollte – wie sie sagt. Bei einem der folgenden Mietverhältnisse: Sie hat die Chance für mind. ein Jahr nach Übersee (23 Flugstunden von hier) zu gehen und ihren Beruf dort auszuüben. Sie wurde von dort angefragt. Wow, die Ehre, dass jemand aus dem Ausland gefragt hat, ob ich nicht dort für ihn arbeiten will, wurde mir nie zuteil.

1973. Ich bin gerade mal 10 Jahre alt. Die Eltern fragen uns, ob wir uns vorstellen können, für einige Zeit mit Ihnen in die USA zu gehen. Mind. ein Jahr. Vielleicht auch mehr. Die Großeltern hatten uns Angst gemacht. Es gäbe dort „Indianer“, die uns fangen und „an den Füßen aufhängen“ und foltern würden, bis wir tot seien. Warum sollten wir den Großeltern misstrauen? Mein zwei Jahre jüngerer Bruder und ich entscheiden uns gegen den Umzug in die USA. Die Eltern respektieren das. Wir bleiben in Deutschland.

Diese zuletzt erzählte Geschichte habe ich unserer jungen Mieterin erzählt. Auch um ihr zu erklären, warum für mich die Entscheidung eigene Kinder haben zu wollen auch eine Entscheidung gegen meine individuelle Freiheit war, die mir damals 1992 schwerfiel – als ich in meinem Leben an jener Weggabelung im Leben stand, wo sie mit ihrem Freund letztes Jahr angekommen war. Und natürlich um sie zu ermutigen, das Angebot für ein Jahr in Übersee unbedingt zu anzunehmen. (Sie hatte nach unserem Rat gefragt, sonst hätten wir wohl gar nichts dazu gesagt.)

Am Samstag in dieser Woche wird sie bei uns ausziehen und wir werden sie mindestens ein Jahr nicht wiedersehen. Meine Kinder sind längst erwachsen. Aber ich würde nicht so weit von ihnen weg sein wollen. Nicht einmal von meinen Eltern, die 220 km entfernt wohnen, wollte ich für so lange Zeit mehr als ein paar wenige Reisestunden entfernt sein wollen.

Ich schränke also meine Freiheit, freiwillig ein. Zu Gunsten von was?

Ich denke es ist vergleichsweise einfach. Ich schränke meine Freiheit freiwillig ein, zu Gunsten der Bequemlichkeit. Meiner Bequemlichkeit in meiner Beziehung zu anderen Menschen (in diesem Fall meinen Kindern/Eltern).

Absolute Freiheit wäre also für mich, jede Entscheidung, jederzeit treffen zu können, ohne mit den Konsequenzen leben zu müssen (Beamen, das wärs doch 😉 ). Diesen Satz habe ich mit 20 anders formuliert: „Freiheit: Jeder, kann jederzeit, jede Entscheidung treffen, wenn er bereit ist, mit den Konsequenzen zu leben“.

Ja, es ist mir bewusst, was für ein Scheiß-Luxus meine Art Freiheit zu erleben ist.

  1. (Fast) Keine finanziellen Zwänge und Abhängigkeiten: Geld werde ich mit meinem Know How jederzeit überall auf diesem Planeten verdienen können (das ist meine feste Überzeugung).
  2. Kein Hunger oder Durst.
  3. Keine staatlichen Institutionen, kein römischer Kaiser, mittelalterlicher Lehnsherr, Warlord, Revolutionswächter oder Diktator, der über mein Leben bestimmen könnte.
  4. Nicht einmal ein General, Hauptmann oder Vorgesetzter der mir Befehle geben könnte, denen ich zu gehorchen hätte.

Ja, die aufgezählten Beispiele zeigen, an wie vielen Orten, für wie viele Menschen dieser Welt, die Freiheit viel stärker eingeschränkt ist, als meine Freiheit.

Ja, meine Freiheit lebe ich auf Kosten sehr vieler dieser Menschen. Ich kann nicht in einem der reichsten Länder der Welt in Freiheit leben und gleichzeitig Brecht ignorieren.

Reicher Mann und Armer Mann, standen da und sahn sich an und der Arme sagte bleich: wär ich nicht arm, wärst Du nicht reich.

In meiner Stadt kann ich nicht in kein einziges Geschäft gehen, indem ich nicht Güter kaufen würde, welche die Freiheit anderer Menschen auf der Welt einschränken. Ich rede jetzt nicht von den ganz offensichtlichen Möbeln, die mit 1-Euro-Jobs produziert werden, Klamotten aus Kinderarbeit, Mobiltelefonen und anderer Elektronik mit Rohstoffen aus Sklavenarbeit. Nicht von den Zinsen auf mein Sparbuch oder meinen Rentenvertrag, die mit Hilfe von weltweit frei zirkulierendem Kapital und frei zirkulierenden Gütern zu Lasten von Menschen erwirtschaftet werden, die nicht frei sein dürfen. Nicht frei über die ganze Welt „zirkulieren“ dürfen.

Nein, nicht einmal in den Hofladen des Bio-Bauernhofes kann ich einkaufen gehen, ohne die Freiheit anderer Menschen auf diesem Planeten zu beschneiden. Selbst wenn ich dort einen Liter Bio-Milch oder ein Kilo Bio-Getreide kaufe, bewirke ich damit Unfreiheit für andere. Für den Liter Milch, das Kilo Getreide aus konventioneller Landwirtschaft, das ich nicht kaufe, subventioniert nämlich der Staat, in dem ich lebe, konventionell wirtschaftende Landwirte, welche einen Liter Milch bzw. einen Liter Getreide weniger (an mich) verkaufen. Die so subventionierten Überschüsse an Milch- und Getreideprodukten wandern dann in Länder (z.B. in Afrika) mit denen mein Land sogen. „Freihandelsabkommen“ geschlossen hat. Die dortigen Landwirte können gegen die Billigpreise unserer subventionierten Lebensmittel nicht anstinken und verlieren ihre bäuerliche Existenz.

Auch im Internet kann ich kein Produkt kaufen, das ohne die Einschränkung der Freiheit anderer Menschen zu mir gelangen würde. Und sei es am Ende der Paketbote, der statt Mindestlohn in Akkordarbeit Pakete zustellen muss. Da helfen auch recyclebare oder mehrfach benutzbare Verpackungen nicht.

Ich kann meine Freiheit in diesem Land gar nicht so weit einschränken, dass ich nicht gleichzeitig zur Unfreiheit anderer, anderswo beitragen würde. Sobald ich den Wasserhahn öffne, Wasser aus einem sauberen Bach trinke oder auch nur einen sicheren befestigten Weg benutze, nutze ich Vorteile, die die Gesellschaft in meinem Land mir zu Lasten der Freiheit von Menschen in anderen Gesellschaften bereitstellt.

Was also bedeutet diese Scheiß-Luxus-Freiheit, die ich in diesem Land genieße für mich?

Sie bedeutet, dass ich mich verpflichtet fühle.

Ich fühle mich jeder Person verpflichtet, die aus den Verhältnissen der Unfreiheit flieht, die mein Konsum, meine Freiheit unweigerlich verursacht.

Ich fühle mich verantwortlich, dass diese Person nicht in (ja sagen wir es ruhig wie es ist) Konzentrationslagern in irgendwelchen Failed-States wie z.B. Libyen oder Tunesien verrottet, vergewaltigt und erpresst wird.

Ich fühle mich verantwortlich, dass diese Person nicht auf ihrer Flucht vor der von mir mit-verursachten Unfreiheit, in der Wüste verdurstet oder im Meer ertrinkt.

Ich fühle mich verantwortlich, dass diese Person am Ende ihrer Flucht, in unserem Land angekommen, nicht von Behörden schikaniert, um ihr Asylrecht betrogen oder von Nazi-Dummköpfen erschlagen wird.

—-

*Danke Astrid und Mario für Eure #BlogparadeFreiheit und die Möglichkeit mich in diesem Konztext zu äußern.

Written by emden09

09.08.2018 at 13:45

Fluchtursachen bekämpfen – am eigenen Leib!

with one comment

Menschen, die in Deutschland oder allgemein in der EU leben glauben also, sie selbst hätten nicht massiv profitiert, als die Fluchtursachen in Asien, Afrika und Südamerika geschaffen wurden.

 

Wenn Sie es ernst meinen mit dem Denken, darf ich Sie bitten, schauen Sie sich um.

 

Welches der Geräte, die Sie benutzen, um diese Nachricht zu lesen, ist Ihr Eigentum oder wird Ihnen unentgeltlich zur Verfügung gestellt? Wissen Sie oder können Sie sich vorstellen, wie viele der Arbeiter*innen, welche die Rohstoffe für diese Geräte fördern, diese Geräte zusammenbauen, testen, verpacken und bis zu Ihnen befördern wenigstens den in Deutschland üblichen Mindestlohn erhalten? Der letzte, Ihr Paketbote – in der Mehrzahl der Fälle vermutlich auch nicht. Ja, das gilt auch, wenn Sie das Gerät in einem Ladengeschäft erworben haben.

 

Schauen Sie an sich herab. Welches der Kleidungsstücke die Sie tragen wurde inkl. der Fasern in Deutschland – oder einem anderen Land produziert von Menschen, die wenigstens den Deutschen Mindestlohn erhalten, nach hiesigen Sozial- und Sicherheitsstandards arbeiten oder wohnen?

 

Was haben Sie heute gefrühstückt? Was hatten Sie gestern zum Abendessen? Sind Sie sicher, dass keine Ihrer Mahlzeiten Menschen in den o.g. Kontinenten ausbeutet oder aus Deutschland stammende Nahrungsmittel (z.B. Milchprodukte) hier nur deshalb so billig sein können, weil wir die landwirtschaftliche Rohstoffproduktion (z.B. Milchwirtschaft) in den Ländern, aus denen Menschen fliehen ruinieren? Woher kommt das sprichwörtliche „Salz in der Suppe“?

 

Warum funktioniert die Infrastruktur, Busse, Bahnen, Rettungs- und Pflegedienste um Sie herum? Ja, weil wir deren Aufbau „mit unseren Steuergeldern finanziert“ haben. Aber warum haben unsere Steuergelder ausgereicht, um all das zu finanzieren? Richtig, weil unsere Bundeswehr oder Armeen anderer Ländern zu unserem Nutzen in den Herkunftsländern der Geflüchteten seit Jahren Kriege führen oder Stellvertreterkriege unterstützen, damit Rohstoffe (z.B. Erdöl, Lithium) für diese Art von Wohlstand billig produziert werden. Keine*r der Arbeiter*innen, die diese Rohstoffe fördern, veredeln und bis zu uns befördern, arbeiten für den Deutschen Mindestlohn unter den in Deutschland üblichen vergleichsweise sicheren Arbeitsbedingungen und mit der hier üblichen sozialen Absicherung.

 

Wenn Sie glauben, Sie hätten es verdient, all diese Menschen auszubeuten oder durch Unternehmer für sich ausbeuten zu lassen, weil Sie hier in Deutschland geboren sind, ist dieser Artikel nicht für Sie geschrieben. In dem Fall sind Sie einer der rechten Vollidioten, die einfach weitergehen sollten und auf meinen Blog nichts zu suchen haben. Aber auch in diesem Fall gehören Sie natürlich zu den Ausbeutern, den Profiteuren und Förderern der Fluchtursachen und müssen sich eingestehen, dass Ihr relativer Reichtum, ihre relative Sicherheit, im Vergleich zur Armut der Menschen in den Herkunftsländern der Geflüchteten nur existiert, weil Sie die Fluchtursachen mitverursachen.

Written by emden09

13.07.2018 at 08:55

#deleteFacebook ist #deleteHirn (#DestroyTracking wäre mit Hirn!)

leave a comment »

Also, ihr seid so richtige echte Aktivisten, denn ihr habt Euren Facebook-Account sofort gelöscht: „deleteFacebook“! Jetzt sind Eure Daten wirklich sicher! Ihr habt so richtig was für den Datenschutz getan und es Facebook zusätzlich noch so richtig gezeigt? „Vergiß es“ würde Bernd das Brot dazu wohl sagen.

Facebook haben die Verluste an der Börse Millionenmal mehr geschmerzt als all Eure Abmeldungen zusammen. Warum? Weil die Börse keine Abstimmung über ethisches Grundsätze und ethisches Verhalten ist. An der Börse wird spekuliert, wie erfolgreich ein Unternehmen sein kann. Wenn also unethisches Verhalten des Unternehmens plötzlich ruchbar wird, ist bei einer Datenkrake wie Facebook der Gewinn in Gefahr. Denn Gewinn macht Facebook nicht mit den Nutzern. Gewinn macht Facebook mit Tracking.

Tracking?

So leid es mir tut Euch das sagen zu müssen: Facebook trackt Euch auch, wenn ihr abgemeldet seid und Euer Account gelöscht ist oder ihr nie einen Facebook Account hattet. Hier im Tracking von Facebook und zig anderen weltweit operierenden Firmen entshen die wirklich wertvollen Daten. #deleteFacebook ist für diese Leute eine willkommene Nebelkerze, hinter der sie ihre Geschäfte weiter in Ruhe betreiben können, weil das eigentliche problem „Tracking“ aus dem Fokus gerät.

Es interessiert auch keine Sau, ob ihr gerade ein Foto aus den Dolomiten postet. Das ist bestenfalls für die auf Facebook selbst geschaltete Werbung interessant -kann man ein bisschen mehr Geld mit verdienen als mit nichtpersonalilsierter Werbung: that’s it.. Bezahlt aber werden Tracking-Firmen wie Facebook, Google uvam. hauptsächlich von Firmen die wissen wollen:

  • Wo geht ihr hin, wenn ihr deren Webseite verlasst?
  • Welche Webseiten besucht Ihr gleichzeitig ggf. in anderen Tabs?
  • Wie häufig besucht Ihr bestimmte Webseiten?
  • Welche Suchbegriffe gebt Ihr bei Google ein?
  • Wer A mag, mag außerdem eher B,C,D, oder E?
  • Wer A nicht mag, mag was von C, D, E oder F auch nicht?
  • usw.usf.

Was viele aus dem Snowden-Skandal nicht gelernt haben: Die Metadaten sind interessant (interessanter als alles andere) und dabei größtenteils nicht der Einzelne sondern die Summe der Teile. Zu wissen, dass 50% der Leute, die mit der AfD sympathisieren gerne Nutella essen ist wichtiger als dass Oma Müller aus Rostock gerade von der Seite der AfD direkt zu Nutella weitergesurft ist. Wenn dann morgen in der Bild steht: „Wegen Flüchtlingen, Schokolade jetzt doppel so teuer“, dann wisst Ihr was Tracking macht. Dann wisst Ihr, wie Facebook-Kunden ticken und wofür diese Leute Facebook jede Menge gutes Geld bezahlen. Dann wisst Ihr warum Börsianer aktuell Facebook-Aktien verkaufen.

Könnte sein, dass bestimmte Auftraggeber von Facebook und anderen Tracking-Diensten die Öffentlichkeit scheuen wie der Teufel das Weihwasser? Genau das ist der Punkt. Für die Facebook-Kunden ist es nicht wichtig ob Facebook sich ethisch verhält, sondern dass nicht rauskommt, dass Facebook sich unenthisch verhält. Wenn es nämlich rauskommt, könnten diese Facebook-Kunden ggf. plötzlich selbst als „unethisch“ im Fadenkreuz der Öffentlichkeit stehen.

D.h. dass die Trump-Wahlkampagne wegen des unethischen Verhaltens eines Facebook Kunden (Cambridge Analytica aka SCL-Group) im Fadenkreuz der Öffentlichkeit steht, schreckt andere Kunden dieser Unternehmen ab, nicht dass Facebook sich unethisch verhalten hat als es SCL die Daten weitergab.

Ein vergleichsweise „seriöser“ Anbieter wie heiseonline trackt Euch im Auftrag von bis zu 32 Firmen gleichzeitig. Die machen das nicht einmal selbst. Die haben schlicht Platz auf ihrer Website an eine Werbefirma verkauft. Die schaltet dort automatisiert Werbung und die Werbung jubelt Euch Tracker unter.

Aktiv werden statt Aktionismus (auch wer auf Facebook bleibt kann etwas gegen App-Tracking tun.)

Was also können wir machen statt mit dem Facebook-Account auch unser Hirn zu löschen? Wir können vier Tools (Browser-Plugins) gleichzeitig einsetzen:

Das macht uns zwar nicht 100% sicher vor Tracking aber es macht Tracking um viele Größenordnungen weniger interessant.

 

Wenn morgen rauskommt, dass weltweit 50% der Internetnutzer diese Tools einsetzen, sinken nicht nur die Aktien von Facebook um mehrere zig Milliarden. Versprochen! Das wäre dann  DESTROY TRACKING statt DeleteFacebook.

Ja, diese AdOns sind nicht bequem. Viele Webseiten werden gar nicht mehr oder nur noch verstümmelt angezeigt (speziell ohne Javascript). Schaltet Javascript, wenn Ihr diese Websites benutzen wollt „benutsam“ wieder zu und vor allem nur „temporär“. Spiegel Online z.B könnt ihr auch lesen, wenn ihr gar kein Javascipt freigebt und gleichzeitig Adblock-Plus aktiv habt.

Guter Journalismus braucht Werbung?

Und lasst Euch jetzt nicht von den Journalismus-„Experten“ erzählen, dass guter Journalismus nur funktioniert, wenn ihr Werbung akzeptiert. Wenn Ihr Werbung online akzeptiert werdet ihr getrackt. Mit Traking durch Werbung verdienen schlechte Verleger, die nicht in der Lage sind, sich angemessene Geschäftsmodelle für die Online-Welt zu überlegen und zu entwickeln (Stichworte z.B. Micropayment) Geld und bezahlen damit Journalismus, der in ihrem Sinne berichtet. Da mag sogar das eine oder andere Stück brauchbarer oder gute Journalismus drunter sein. Der Link „guter Journalismus braucht Werbung“ jedenfalls ist genau der, von dem Cambridge Analytica, SCL Group, Google uvam. hoffen, dass ihr auf ihn hereinfallt.

Browsereinstellungen

Dann sind da noch die Cookies. Schon Oma und Opa haben uns erzählt, wir sollen von Fremden keine Kekse annehmen. Das selbe Verhalten sollten wir jetzt im Web an den Tag legen. Cookies ganz vermeiden geht für uns als User vermutlich nicht. Viele Webshops funktionieren nicht, wenn wir ihre Cookies nicht akzeptieren. Aber, wir können die Einstellungen im Browser so ändern, dass Cookies jedes Mal gelöscht werden, wenn wir den Browser verlassen (Im Firefox z.B. befinden sich die entsprechenden Einstellungen unter „Extras-Einstellungen-Datenschutz und Sicherheit-Chronik“. Da einfach mal auf „nach Benutzerdefinierten Einstellungen…“ klicken und schon seht Ihr die Möglichkeit sowohl Cookies zu löschen, als auch die Chronik zu löschen, wenn Firefox geschlossen wird.

„Schutz vor Aktivitätenverfolgung“ wäre der nächste Punkt im Datenschutzmenü vom Firefox, mit dem wir der Tracking-Mafia das Fürchten lehren können. Der „Schutz vor Aktivitätenverfolgung sollte auf „IMMER“ stehen. Die „Blockierliste Ändern“ Einstellung sollte „Disconnect me – Strenger Schutz“ sein. „Webseiten eine ‚Do Not Track‘-Information senden“ sollte auf „Immer“ eingestellt sein.

Und mehr

Auch auf Mobilgeräten gibt es viele Einstellungen, die Euch erlauben Eure Daten privat zu halten. Informiert Euch!

E-Mail. Jede nicht „Ende zu Ende“ verschlüsselte Mail wird spätestens von Mailserver-zu Mailserver im Klartext übertragen. Mindestens die Metadaten (wer kommuniziert mit wem) sind selbst bei verschlüsselten mails noch mitzulesen.

Benutzt starke Verschlüsselung!

  • Posteo macht Euch verschlüsselten Mailverkehr vergleichsweise einfach.
  • Signal und Telegram ermöglichen Euch Verschlüsselung über das E-Mail-Protokoll hinaus

Fazit

Wenn Ihr Euren Facebook-Account löscht, mag das ein Signal sein. Aber wofür? Facebook sammelt und verkauft Eure Daten weiterhin (und zwar den wirklich wertvollen Teil – siehe das oben stehende fiktive Beispiel „AfD und Nutella“) und macht genau so viel Geschäft an Euch wie zuvor. Wenn Ihr stattdessen massenhaft das Tracking im Web verweigert, Werbung blockt und starke Verschlüsselung nutzt, dann schreckt ihr damit genau die Leute auf, die Facebookgate ausgelöst haben.

Von mir aus löscht Eueren Facebook-Account, aber löscht nicht gleichzeitig Euer Hirn:

(Nicht nur) Facebook verdient mit Leuten die ihre Accounts löschen und dennoch Tracking nicht verweigern genauso viel Geld wie zuvor.


PS: auch dieser Artikel „überwacht“ Sie!

Von mir nicht beeinflussbar, spielt WordPress Ihnen Werbung ein. Diese enthält Tracker (ich weiß nichtmal welchen Typs noch von wem – sonst würde ich es genauer benennen.)Dazu kann das bei jedem von Ihnen liebe LeserInnen unterschiedlich sein, je nachdem, welche Werbung ihnen gerade von wem angezeigt wird, enthält diese unterschiedliche Tracker unterschiedlicher Auftraggeber. Ja, es kann sogar sein, dass eine (oberflächlich) gleich aussehende Werbung, wenn sie über unterschiedliche Kampagnenkanäle (Werbeanbieter) eingespielt wird unterschiedliche Trakcer beinhaltet. Mal mehr, mal weniger. Mal den einen nicht, dafür den anderen.

Darüber hinaus benutzt WordPress google-analytics, um Ihr Surverhalten auszuwerten.

Die Buttons von Facebook und Twitter können beliebig mit Trackern belegt werden – von WordPress!

Und das „schönste“ ich als Betreiber dieses Blogs erfahre weder, welche Daten gesammelt wurden, noch wer diese erhalten hat. Das mitzuteien würde ganz alleine den Werbefirmen obliegen, die für WordPress Werbung auf diesem Blog „einspielen“. Da aber weder Sie noch ich zu den Kunden dieser Firmen zählen und auch WordPress nicht deren Kunde, sondern deren Lieferant ist, dürfen Sie davon ausgehen, dass die Mehrzahl der Daten nicht einmal WordPress selbst zur Verfügung stehen.

So funktioniert nun einmal Social Media – jeder bezahlt mit seinen Daten (und Metadaten!) dafür, dass ihm Dienste kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Hier also bezahlen Sie mit Ihren Daten und Metadaten die Dienstleistung von WordPress, eine Softwareplattform zu entwickeln und auf ihren Servern zu betreiben.

Edit Life

with 2 comments

Was mich heute Nacht nicht schlafen lässt sind die positivsten möglichen Folgen von Gene-editing mittels CRISPR/cas9. (Lest bitte selbst nach, was das ist – einfach Googeln).

Auch wenn die bisheriger Entwicklung der Menschheit gezeigt hat, dass sie in der Lage ist, aus jeder neuen (technischen) Möglichkeit zunächst einmal eine maximal mögliche Katastrophe zu machen, will ich diesen Teil der Betrachtungen, also jede Form denkbarer Kriege, Verbrechen, ethnischer Säuberungen etc. durch Gene-editing zunächst außen vor lassen.

Auch die Tatsache, dass wieder einige ungebildete Konservative glauben werden, sie könnten Gene-editing verbieten oder sonstwie verhindern, werde ich hier außen vor lassen. Wenn ihr zu denen gehört, die das glauben, denkt oder lest kurz nach. Jeden nicht all zu dummen Gedankengang dazu werde ich gerne in den Kommentaren beantworten. Nein, auch einzelne Individuen werden auf Dauer nicht die Wahl haben, ob ihre Gene-editiert werden oder nicht.

Das „positivste“ denkbare Ergebnis von Gene-editing wird entsprechend die Ausrottung sämtlicher Krankheiten innerhalb der nächsten wenigen Jahrzehnte sein. Nach dem Krankheitsbedingten Tod von Menschen wird Gene-editing als nächstes den Altersbedingten Tod von Menschen verhindern. Bei diesem Gedankengang gehe ich davon aus, dass sich auf der genetischen Ebene längst erwiesen hat, dass Alter ausschließlich ein Phänomen fortschreitend mangelhafterer Zellteilung ist. D.h. die technische Möglichkeit „ewigen Lebens“ steht kurz bevor. Mit kurz, meine ich wenige Jahrzehnte. Die Probleme aber werden wesentlich früher beginnen.

1. Rente

Bereits eine kurzfristige Erhöhung der Lebenserwartung um wenige Jahre (10?) durch Gene-editing wird sämtliche finanzmathematischen Modelle kippen, die heute unserer Altersvorsorge zu Grunde liegen. Rente – egal ob staatlich oder privat finanziert wird lange vor 2050 abgeschafft werden. Wer „ewig lebt“, wird ewig arbeiten müssen. Dass er gesund genug sein wird, um ewig arbeiten zu können, wird aus diesem Szenario vorläufig ein wenig den sozialen Druck herausnehmen. Dennoch müssen wir uns bereits heute damit befassen, wann der Zeitpunkt gekommen sein wird, Renten abzuschaffen und die Reintegration ins Arbeitsleben der dann bereits bestehenden Rentnergeneration anzugehen. Und damit meine ich vor allem, wir müssen die rechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen und die Menschen darüber aufklären, dass es dazu kommen wird. Wer heute unter 40 ist, wird kein nennenswertes Rentnerdasein mehr erleben.

2. Recht auf Geburt

25.000 Menschen sterben aktuell in Deutschland pro Jahr durch Unfälle. Wir müssen davon ausgehen, dass Gene-editing Unfälle über kurz oder lang zur einzigen Todesursache machen wird. Aktuell gibt es in Deutschland ca 800.000 Geburten pro Jahr. Das bedeutet im „Endstadium“ (ewiges Leben) von Gene-editing einen jährlichen Überschuss von über 775.000 Menschen pro Jahr alleine in Deutschland. Die daraus entstehende Überbevölkerung wird binnen kurzem nicht hinnehmbar sein. D.h. wird werden nur noch wenigen Menschen (nach heutigem Stand bestenfalls 25.000 pro Jahr) das Recht auf Geburt einräumen können. Wann wollen wir die rechtlichen Grundlagen dafür schaffen. Wann die Philosophischen Grundlagen? 97% aller heutigen Geburten müssen zukünftig verhindert werden. Durch Zwangssterilisation? Durch massenhafte Abtreibung?

3. Recht auf Tod

Gene-editing wird menschliche Körper bei ewiger Jugend unsterblich machen. Doch für welche maximale Lebenserwartung ist eigentlich die menschliche Psyche die menschliche Seele bereit? Wann werden die ersten 100 jährigen im wahrsten Sinne des Wortes des Lebens müde sein und entscheiden wollen bei bester Gesundheit und Jugend zu sterben? Können wir das hinnehmen? Im Sinne der vorhergehenden Überlegungen zur Überbevölkerung wäre es vielleicht nicht schlecht, Menschen das Recht auf selbstbestimmtes Sterben einzuräumen. Aber mit zunehmendem Alter wird ein Gene-editierter also gesunder und jugendlicher Mensch für die Gesellschaft immer wertvoller werden. Sein sprichwörtlicher Erfahrungsschatz wird ihn „unverzichtbar/unbezahlbar“ machen. Oder anders ausgedrückt, die Gesellschaft wird sich nicht erlauben können einfach allen lebensmüden Alten das Sterben zu erlauben. Wenn wir es nicht „allen“ Alten erlauben können, wie wird das Recht auf Sterben erworben werden können?

4. Recht auf Bildung

In der Vergangenheit mit einem zeitlich begrenzten menschlichen Leben und entsprechenden Alterserscheinungen bzgl. der Lernfähigkeiten, war Bildung einer kurzen Phase in der Jugend vorbehalten. Schon in den jetzt vergangenen Jahrzehnten verlangte der Arbeitsmarkt von Menschen „lebenslanges Lernen“. Durch die altersbedingt abnehmenden Lernfähigkeit (bzgl. bestimmter Inhalte zumindest) wurde das immerhin bisher noch begrenzt. Ein Gene-editierter Mensch hingegen wird zukünftig für immer in gleicher Wiese jung und lernfähig sein. Was zunächst wie ein Segen klingt: keine dummen Menschen mehr, wird bei genauerer Betrachtung schließlich zum Fluch werden. Jeder wird zu jedem Zeitpunkt in seinem Leben beliebig viel Zeit haben, um beliebige Lerninhalte aufzunehmen. Eine Menschheit, die spätestens in 100 bis 200 Jahren nur noch aus Individuen mit Universalbildung auf professoralem Niveau bestehen wird, dürfte mit bisherigen Gesellschaftssystemen nicht in Einklang zu bringen sein. Immerhin beruhen all diese Gesellschaftssysteme immernoch (trot Demokratie) auf Hierarchien. Im demokratisch verfassten Kapitalismus des 21. Jahrhunderts, werden die Hierarchien vor allem durch Kapital einerseits und Bildung andererseits geschaffen. In einer Gesellschaft, in der jeder, zu jedem Zeitpunkt beliebige Bildung beliebiger Qualität erwerben kann und gleichzeitig beliebig lange Kapital ansammeln kann, dürften diese Hierachien zerfallen. Ist also der Anarchismus für eine solche Gesellschaft das einzig mögliche Sozialsystem? Wo sind die Philosophen, die Sozialsysteme für eine solche Gesellschaft entwickeln? Werden wir jedem erlauben, jegliche Bildung und in jeder beliebigen Reihenfolge zu erwerben? Welche Bildung wird vorrangig zu erwerben sein? Wieviel Bildung werden Menschen überhaupt erwerben dürfen? s.u.

5. Recht auf Arbeit

Durch immer intelligentere Maschinen schaffen wir aktuell die Mehrzahl aller klassischen Berufe ab. In der gleichen Zeit werden wir (s.o.) Rentnern wieder erlauben müssen, durch Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen – sie ins Arbeitsleben reintegrieren müssen. Aber welche Arbeit soll das dann noch sein? Die Antwort der Zeit vor Gene-editing war: „Sozialberufe“. Da waren vor allem Alten-/Krankenpflege einerseits und andererseits Kindererziehung (Kindergarten, Schule, Sportvereine) gemeint. Mit Gene-editing werden auch diese Berufe über kurz oder lang der Vergangenheit angehören. Pflegebedürftige Alte oder – Kranke wird es nicht mehr in nennenswertem Maß geben. Kinder (s.o.) wird es nicht mehr in nennenswertem Maß geben dürfen. Was also sollen die Menschen arbeiten? JA, Nahrung wird ein Problem werden. Aber wie wollen wir Universalgelehrte auf professoralem Niveau dazu bringen in der Landwirtschaft zu arbeiten. Zumal auch dort durch Gene-editing von Pflanzen und Tieren einerseits und immer intelligentere Maschinen (bis hin zu Nanorobotern, die jede einzelne Pflanze und jedes Tier versorgen) andererseits binnen kurzem keine Arbeitsplätze mehr existieren dürften. Psychotherapie? Wie viele mehr Menschen als heute werden durch ewiges Leben psychisch krank werden? Werden sich psychische Krankheiten nicht ebenfalls weitgehend mittels Gene-editing verhindern oder gar beseitigen lassen? Wird Psychotherapie und vor allem Psychiatrie der eine, wesentliche Beruf der Zukunft werden?

6. Recht auf körperliche Unversehrtheit / Individualität

Edititerte Gene sind nicht im eigentlichen Sinn Genmanipulationen. Nichts unterscheidet sie im lebenden Organismus von zufälligen Mutationen. Bleiben wir beim positivsten möglichen Szenario. Nehmen wir an Gene-editing wird ausschließlich zur Verbesserung der Menschlichen Gesundheit eingesetzt werden. Dann werden wir uns nicht mehr erlauben können, dass Menschen körperlich krank werden. Wir werden uns körperlich Kranke Menschen in unserer Gesellschaft schlicht nicht mehr leisten können. Wenn jede Krankheit mit einem Gene-edit zu beseitigen sein wird, wird es ein Recht auf körperliche Krankheit für die Mehrzahl der Menschen nicht geben können. Die Mehrzahl der Menschen wird sich körperliche Krankheit, die durch Gene-editing zu beseitigen ist, einfach nicht leisten können. Ein Gene-edit bei bestehender körperlicher Krankheit wird also früher oder später für jeden zur Pflicht werden.

Das Recht auf körperliche (Un-)Versehrtheit ist damit bereits heute – in eben jenem Jahr in dem gezieltes Gene-editing möglich wurde – in einer absehbaren Zukunft beerdigt. Ändern wir also gefälligst unser Grundgesetz dahingehend, bevor wir Fakten schaffen und sie erst nachträglich ins Gesetz schreiben.

Durch Gene-editing wird jede einzelne Zelle des lebenden menschlichen Organismus veränderbar. Heute bereits verändern sogen. Gene Hacker damit ihre eigenen Zellen. Irgendwann wird klar werden, dass es „infektiöse“ Gene-edits gibt. D.h. bestimmte Gene-edits werden nicht im Körper des Individuums verbleiben, in dem sie vorgenommen wurden. Ähnlich wie bei jeder Virusinfektion, nein schlimmer ähnlich wie bei BSE werden sich bestimmte Gene-edits nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern zusätzlich über die Nahrungskette in jeden einzelnen Menschen manifestieren.

Selbst wenn wir im bestmöglichen Szenario bleiben, in dem Gene-edits ausschließlich Gesundheit verbreiten, wird mit dem schwindenden Recht auf Krankheit und der Möglichkeit der infektiösen Übertragung von Gene-edits über kurz oder lang kein genetisch individueller Mensch mehr existieren. Binnen weniger Jahrhunderte werden sich bestenfalls wenige, schlimmstenfalls eine einzige durch Gene-editing optimierte menschliche DNA in den ewig lebenden Individuen manifestieren.

So, jetzt geh ich wieder schlafen. Warum nur fällt mir Aldous Huxley ein?

Written by emden09

23.12.2017 at 06:24

%d Bloggern gefällt das: