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Wirtschaftswunder Zuwanderung

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Hier nur ein kleiner Nachtrag zum gestrigen Thema:

Ein Dorf in Italien wird von Zuwanderern vorm sicheren Tod bewahrt. Eben weil man dort im Gegensatz zu Deutschland oder mindestens zum deutschen Osten kapiert hat Fremdenfreundlichkeit zahlt sich aus. und zwar in bar. Für mich ist es auch kein Wunder, dass ein Springer-Blatt (Welt) lediglich über den Niedergang der Dörfer im Deutschen Osten lamentiert.

Asylmissbrauch? Euer Deutsch sein kotzt mich an.

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Ich bin nicht so richtig Deutsch. Meine Familie kommt aus der Westpfalz – seit Generationen und in Teilen aus der Vorderpfalz.

Dort in der Pfalz fühlt man sich heute so richtig urdeutsch. Müsste man sich nicht doch eher Ur-Französisch fühlen? Die Grenze jedenfalls schwappte Jahrhunderte hin und her und her und hin. Mal gehörten die Vorfahren zu Frankreich und mal zu Deutschland (Halt zum „heiligen römischen Reich deutscher Nation“ natürlich auch noch – also Italiener? LOL.).

Zwischenzeitlich wurden die Pfälzer auch von Bayern-Königen regiert, denn auch Bayerisch war die Pfalz mal. Selbst Pfälzer Separatisten gab es mal. Also so richtig Deutsch, wird sich ein Pfälzer, wie ich ihn verstehe wohl nie fühlen können – nicht einmal wenn er keinen einzigen Brocken Französisch spricht und nur eine einzige Schulstunde Französisch in seinem Leben mitgemacht hat (Insider!).

Einer meiner Großväter flüchtete. Er flüchte Anfang des letzten Jahrhunderts aus der Vorderpfalz nach Bayern. Er freute sich, später heimkehren zu können. Warum er flüchtete kann mir vermutlich niemand mehr erzählen – es heißt, er sei aus politischen Gründen geflohen und er „habe halt was falsches gesagt“. In der Fremde machte er eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer und fuhr seither für viele Jahre Postomnibus.  War er also doch ein „Wirtschaftsflüchtling“, der Ausbildung wegen und gar nicht aus „politischen Gründen“ geflohen? Als Busfahrer lernte er meine Großmutter kennen und ohne seine Flucht und seine Ausbildung gäbe es meinen Zweig der Familie und mich also wohl nicht – jedenfalls nicht so, wie ich heute bin.

Der andere Großvater floh auch. Mit einem gefälschten Ausweis, der ihn als Sanitäter auswies. Sanitäter war er ganz sicher nicht. Aber er entkam so (ganz „legal“) als Deutscher Lanzer aus einem russischen Kriegs-Gefangenenlager. Sie gaben ihm noch einen Eselskarren, einen Passierschein und ein paar Verwundete mit auf seinen Weg nach Westen. In den Augen heutiger Gesetzeshüter war er also so etwas wie ein Fluchthelfer und gleichzeitig ein Flüchtling mit falschen Papieren.

Kein Wunder, dass ich so wurde wie ich bin. Ich bin Fluchthelfer und Asylbefürworter. Ich bin gegen Asylmissbrauch!

Der einzige „Asylmissbrauch“, den ich aktuell erkennen kann, geht allerdings von denen aus, die dieses Wort ständig im Munde führen. Von denen, die das grundgesetzliche garantierte Asylrecht missbrauchen, um ihr, in unterschiedlichen Brauntönen changierendes politisches Süppchen auf der Not von Flüchtlingen zu kochen. Diese Menschen und Politiker missbrauchen das Asylrecht. Sie missbrauchen Ihre Vorurteile als Rechtfertigung für eine politische Ansicht, die zwischen 1933 und 1945 zwölf Jahre Zeit hatte, zu beweisen, dass sie falsch ist. Ich sage nicht „Meinung“. Fremdenfeindlichkeit ist keine Meinung! Fremdenfeindlich sein ist Arschloch sein! Sonst nichts!

Die Deutschen aber, die heute in Deutschland das Asylrecht für ihre politischen Zwecke missbrauchen, haben ein ganz anderes Ziel. Sie wollen, dass die Menschen „diskutieren“. Nicht um wirkliche Probleme diskutieren. Nicht um den immer weiter ausufernden Überwachungsstaat. Behördenverselbständigung (zuletzt z.B. Verfassungsschutz) und Behördenwillkür. Nicht um die Verfassungsmäßigkeit von Sanktionen gegen Bezieher von Leistungen nach Hartz4. Bild, Seehofer, Afd, Lucke und wie sie alle heißen tun so, als ob einen Zahl von weit weniger als einem Asylbewerber (1%) auf einhundert Einwohner ein Problem („Asylantenschwemme“ – Danke für den Hinweis an @susen_ ) darstellten. Sie hetzten Menschen im Land auf. Wer mit den „Pegida“- und den „Asylkritik“-Nazis gegen Schwächere (Asylbewerber) auf die Straße geht, ist abgelenkt. Die demonstriren gegen ein Nichts und kommen gar nicht drauf, welche Spielchen die Mächtigen, die Anzeigenkunden der Presse aus der Wirtschaft, Teile dieser Presse und Politiker mit ihnen spielen. Sie merken nicht, welche Gesetze und Verträge (z.B. TTIP) diese Politiker und Wirtschaftsbosse heimlich in Hinterzimmern zum Schaden der Bürger verabschieden. Ja, die Machthaber haben es mit der Scheindebatte um die Flüchtlinge geschafft, Teile der Bevölkerung gegen die Schwächsten der Schwachen (gegen Asylbewerber) aufzuhetzen. Sie haben diese leicht ablenkbaren Menschen damit von den wirklichen Verursachern, echter Probleme: sich selbst, den Mächtigen (!) abgelenkt. Die jedenfalls müssen keine Proteste befürchten. Wenn am Ende mal ein Politikerauto brennt, dann das eines Oppositionspolitikers. <zyn>Da war doch die RAF aus einem ganz anderen Holz geschnitzt </zyn>.

Und ja, es ist auch Asylmissbrauch, zu behaupten, es ginge einem in Deutschland schlecht, man habe nichts zu essen, weil die Flüchtlinge zuerst zu essen bekämen. Das ist nicht nur gelogen. Nein, interessanter Weise stellen oft Leute diese Behauptung auf („posten“ und „liken“ diese – gestern erst wieder auf Facebook), die schon auf den ersten Blick ein erhebliches Problem mit zuviel (!) Essen, zuviel Trinken und Übergewicht haben. Ja sie behaupten, ihre Kinder bekämen zu wenig zu essen, obwohl auch diese oft aussehen, als ob sie das Problem mit der Fettsucht von den Eltern geerbt hätten.

Und dann gibt es da noch die richtigen Vollidioten. Gestern laß ich, man könne ja auch mal „Schulen und Kindergärten renovieren, statt Asylbewerberunterkünfte zu bauen“. Ja, wie blöd ist das denn? Wenn Euch die Asylbewerber-Unterkünfte so attraktiv erscheinen, warum verlegt Ihr dann nicht Eure angeblich so maroden Schulen und Kindergärten in diese Abbruchhäuser, Container- und Zeltstädte und lasst den Asylbewerbern die dann leerstehenden Kindergärten und Schulen als feste Behausung?

Diese ganze, vermeintlich „Asylkritische“ Naziargumentation, die sich aus Neid, Unlust oder Unfähigkeit selbst etwas zu unternehmen und Rechtfertigung für das eigene Versagen speist, sich verharmlosend „Asylkritik“ nennt, weckt in mir nur einen Wunsch: Diesen Menschen möge es eines Tages wie Schuppen von den Augen fallen, sie mögen eines Tages die Dummheit ihrer eigenen Argumente von heute verstehen und sich dafür schämen!

Die Pointe Eurer Argumente ist nämlich wie der Bumerang von Joachim Ringelnatz (eigentl. Hans Bötticher)

Bumerang

War einmal ein Bumerang;
war ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.
Publikum – noch stundenlang –
Wartete auf den Bumerang.

PS: Die Enkel jener „Deutschen“, die einst aus dem heutigen Polen flohen. Die Enkel jener Jugoslawen, die seinerzeit als Gastarbeiter dem wirtschaftlichen Elend Ihres Landes entflohen. Die also, die mit Ihren Facebook-Posts und Facebook-Likes des oben zitiertem Schwachsinns, gestern, dieses Wutposting heute auslösten, dürfen sich gerne angesprochen fühlen. Leute: Eure Art Deutsch zu sein kotzt mich an! Ihr seid wie ne Schwiele am Arsch! Ihr merkt es nicht einmal! Ich bin froh, um jeden Flüchtling, egal woher, auf welchem Weg und egal aus welchem Grund er kam, dass er mich mit Euch in diesem Land nicht alleine lässt.

PPS: Ich kenne unter Euch und Euren Geschwistern mehr Drogendealer (und nein, ich meine keine Bierhändler) und Drogenabhängige, die sich um Job und Gesundheit gesoffen und gekifft haben, als ich solche unter Flüchtlingen kenne.

PPPS: Für all die Unterbelichteten, die sich nicht trauen hier einen Kommentar zu hinterlassen und andernorts „aus Gründen“ längst geblockt sind: ich hasse keine Deutschen. Ich liebe (oder mag zumindest 😉 97% aller Deutschen! Nur die 3% Nazis, die hasse ich! Aus tiefstem Herzen. Man könnte auch sagen: „Ich habe nichts gegen Nazis. Leider! An dem Mittel wird ja noch geforscht.“ (in Anlehnung an V. Pispers)

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