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Rassismus in Rheda und Gelsenkirchen

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Da glaubt also der Präsident des Gelsenkirchener Fußballvereins Schalke04, das Fortpflanzungsverhalten von Menschen hinge von der Verfügbarkeit von elektrischem Licht ab. Nebenbei bemerkt ist alleine der Blick, den er uns damit auf seine eigene Sexualität gewährt, zum fremdschämen. Sei’s drum. Da er allen Afrikanern unterstellt, ihre Sexualität, ihr Fortpflanzungsverhalten sei genauso verklemmt, pubertär, unterentwickelt, wie seine eigene es offenbar ist, darf diese Äußerung zweifelsohne als „offen rassistisch“ bezeichnet werden.

Fußballspieler mit afrikanischen Wurzeln, welche einst für den Gelsenkirchener Fußballverein spielten und dem Verein bis heute verbunden sind, äußerten sich empört über diese (so wörtlich) „rassistischen“ Äußerungen des Präsidenten Clemens Tönnies.

So „entschuldigte“ sich Tönnies schließlich bei den Mitgliedern des Schalker Fußballvereins, jedoch nicht für seinen Rasssismus sondern für die „Verletzung der Standards des Vereines“. Auch entschuldigte er sich nicht bei seinen Opfern, den von ihm rassistisch beleidigten Afrikanern. Auch nicht bei all den Deutschen, die sich wegen seiner Äußerungen und dem gesamtgesellschaftlichen Umgang damit, für das Land, in den sie leben schämen müssen. Diese „Entschuldigung“ war also eher eine Bekräftigung der rassistischen Äußerungen, die Tönnies zuvor getan hatte, eine Art Signal an seine rassistischen Kumpane, dass er sich seinen Rasssismus nicht verbieten lassen will und dass er sich bei den Opfern seines Rassismus nicht entschuldigen werde.

Nun tagte also gestern ein Gremium, des Fußballvereins. Ein Gremium dessen gesellschaftliche Bedeutung außerhalb des Vereins kaum unterschätzt werden kann: es hat keine! Dieses „Ehrenrat“ genannte Gremium stufte die Äußerungen des Präsidenten als *nicht* rassistisch ein. Daraus müssen wir nun also schließen, dass dieses Gremium selbst offenbar mehrheitlich mit Rassisten besetzt ist. Rassisitischen Beledigungen einzuordnen obliegt ja nunmal nicht den Tätern und ihren Helfershelfern und Wasserträgern in irgendwelchen sogen. „Ehrenräten“. Rassitisch beleigt wurden hier Menschen mit afrikanischen Wurzeln, sie sind die Opfer und können alleine entscheiden, wie sie die Tat einordnen. Wie bereits oben berichten haben hier mindestens Sarpei und Assamoa alles notwendige gesagt.

Den Blick aber jetzt ausschließlich auf den Fußballverein zu richten, greift sicherlich viel zu kurz.

Dieser Tönies ist Milliardär. Ein Milliardär zudem der sich an sogen. Cum-Ex-Geschäften bereichert hat – das nur um seine moralischen Standards außerhalb des Rassismus zu beleuchten. Er ist Milliardär, weil er eine Großmetzgerei seines verstorbenen Bruders in Rheda leitet.

Die gesellschaftliche Frage, die weit über den Gelsenkirchener Fußballverein hinausgeht muss also heute lauten, welcher Einkäufer bei Supermarktketten und Kaufhausbetreibern ist weiterhin bereit Waren dieses von einem offenen Rassisten geleiteten Betriebes einzukaufen und seinen Kunden zuzumuten, diese ggf. ohne Wissen um die Herkunft zu verkaufen. Wie ich lese sind Marken wie Böklunder, Könecke und Zur-Mühlen betroffen. Welche noch? Wer ist heute noch bereit Waren dieser Marken, an denen sich ein Rassist bereichert, zu kaufen. Das ist eine gesellschaftliche Frage, die in diesen Tagen gestellt werden muss.

Aber auch umgekehrt muss gefragt werden, welche Rinderzüchter und Verkäufer landwirtschaftlicher Genossenschaften sind bereit hier zur Tagesordnung überzugehen und einem, von einem offenen Rassisten geleiteten Betrieb ihre Tiere zur Schlachtung und Verwertung zu überantworten. Also ich würde mit so jemandem keine Geschäfte machen wollen.

Was war das für eine Wirtschaftvereinigung die den „Tag des Handwerks“ veranstaltet, vor der Tönnies diese rassistischen Äußerungen getan hat. Wer war dort verantwortlich dafür, dass Tönnies Rede nicht unmittelbar nach diesem rassitischen Eklat abgebrochen wurde. Wer war überhaupt dafür verantworlich einen Rassisten als Redner zu so einer Veranstaltung einzuladen? Welche Konsequenzen zieht der Veranstalter?

Wenn dieser Tönnies wirklich damit davonkommt, dass er sich selbst eine Auszeit von drei Monaten von seiner Tätigkeit als Präsident des Schalker Fußballverbandes auferlegt und ihn sonst niemand belangt, er sonst keinerlei Konsequenzen ziehen muss, dann ist der Rassismus in diesem Land wieder hoffähig geworden. Politiker, Sportfunktionäre, Staatsanwälte aber auch wir als Verbraucher müssen uns dann fragen lassen: wie können wir sojemanden in unserer Gesellschaft akzeptieren, mit ihm Handel treiben, mit ihm Sportveranstaltungen besuchen und Produkte von Unternehmen kaufen, die er leitet?

Written by emden09

07.08.2019 at 21:18

Veröffentlicht in Allgemein

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