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Die „Frischetheke“ ist das Gammelbecken

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In diesen Tagen musste ich feststellen, dass mir im Kühlschrank meiner dienstliche genutzten Wohnung in Nürnberg zwei Packungen mit ungeschnittenen jeweils ca 250 – 500g großen Käsestücken schimmlig geworden waren noch bevor ich die Packung geöffnet hatte. Ich schaute aufs Mindeshaltbarkeitsdatum und war erstaunt, die eine Packung war schon Anfang Juni „abgelaufen“, die andere erst Mitte Juli.

Nun gehöre ich nicht zu den Leuten, die Massenweise Zeugs kaufen, das sie viele Monate lang nicht essen. Und bei verpacktem Käse mit nicht unterbrochener Kühlkette war ich unbesehen von Mindesthaltbarkeiten von mehreren Monaten je nach Käsesorte ausgegangen. So beschloss ich beim nächsten Besuch im hiesigen Supermarkt genauer nachzusehen. Es ist der real,- Markt in der „Äußeren Bayreuther Straße“ in Nürnberg.

Natürlich bediente ich mich nicht an den großen geschlossenen Kühlschränken, wo ich die weniger frische Ware wähnte. Stattdessen ging ich an die Käsetheke, wo freundliche Verkäuferinnen den „frischen“ Käse verkaufen und ggf. auch in Stücken abpacken. Da gerade keine Verkäuferin anwesend war, schnappte ich mir ein abgepacktes Stück Leerdamer und schaute aufs Mindesthaltbarkeitsdatum: 6.8.2019 stand da. „WHAT?“, dachte ich. „nein, da nimmst Du ein anderes Stück. Das lief dann schon am 7.8.2019 ab. „WTF? Hallo, das ist nichtmal ne Woche“, dachte ich. Habe ich mich so getäuscht, kann man Käse wirklich nur so kurz aufheben. Liegt es vielleicht am extrem heißen Sommer? Nach mehr als 50 Lebensjahren widerspricht das jeder Lebenserfahrung.

Ich hatte entsprechend einen anderen Verdacht: „Ähnlich wie bei Großpackungen in denen sich ja oft die je Mengeneinheit viel teurere Waren versteckt, ähnlich wie bei Luftverpackungen, in denen 20% Luft zusätzlich zur Ware mehr Packungsinhalt vorgaukeln und ähnlich wie bei Abgaswerteangaben von Volkswagen, ist es vermutlich auch bei den sogen. „Frischetheken“. Kann das sein?“, fragte ich mich. Sind die Frischetheken in Wirklichkeit das Gammelbecken des Einzelhandels? Ich ging mit mulmigem Gefühl zu den großen Kühlschränken. Dort griff ich zu einem Stück fertig abgepacktem Maasdamer der real,- Eigenmarke „Tip“. Mindesthalbarkeit 5.9.2019. Fünf Mal so lange wie der vermeintlich „frische“ Käse? „Tip Gouda mittelalt“: 17.10.2019. „Tip Emmentaler“ 17.11.2019.

Es drängen sich drei verschiedene Verdachtsmomente auf.

Der erste und vermnutlich zutreffende weil er zu der Art passt, wie der Handel Verbraucher mit Großpackungen, Abgaswerten und ähnlichem seit Jahren betrügt und verarscht: „An der sogen. „Frischetheke“ wird Ware verkauft, die kurz vorm Vergammeln steht. Die Verkäuferinnen, die offene appetitlich präsentierte Ware und natürlich das überall präsente Wort „frisch“ sollen uns darüber hinwegtäuschen, dass hier geschickte Viehhändler die ansonsten unverkäuflichen Reste als vermeintlich „frisch“ verkaufen“, ist meine Vermutung.

Oder zweitens: die hygienischen Bedingungen in den Käsefabriken beim Verpacken sind soviel besser als jene unter denen der Käse an den Käsetheken behandelt wird, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum statt einer Woche mehrere Monate beträgt. Bäh, das ist in meiner Vorstellung nur noch schlimmer. Verkäuferinnen mit ungewaschenen Fingern und schmuddeligen Käsemessern verpacken den Käse in unter hygienisch zweifelhaften Bedingungen gelagerten Folien? Ich mag mir den Rest der vermutlich schaurigen Wahrheit gar nicht vorstellen.

Oder drittens (evtl. in Kombination mit zweitens, beim Schneiden und Verpacken des Käses an der sogen „Frischetheke“ wird zusätzlich zu mangelhaften hygienischen Bedingungen die Kühlkette unterbrochen?

Wie dem auch sei. In Zeiten, in denen ich möglichst wenig ab Werk in Plastik verpackte Ware kaufen möchte, bin ich entsetzt über so viel Dreistigkeit: unverpackte, vermeintlich frische Ware vergammelt schneller und trägt zur Wegwerfgesellschaft bei?

Wie ist das in Eurem Supermarkt. Ist dort die handverpackte, frische, teure Ware auch die, die laut Mindesthaltbarkeitsdatum zuerst vergammeln wird? Schreibt mir dazu bitte Kommis. Es interessiert mich einfach. Ich werde bei meinem nächsten besuchen in anderen Lebensmittelgeschäften ebenfalls nachsehen und hier berichten. Besonders gespannt bin ich auf Edeka, die lieben ja bekanntlich Lebensmittel.

Nein, ich interessiere mich nicht für Kommentare zu diesem Artikel, die mir die Vorteile eines veganen oder vegetarischen Lebensstils nahebringen wollen. Ich kenne diese Vorteile und kaufe trotzdem Käse und Wurst. Ich esse tatsächlich viel weniger davon, als viele andere Menschen, die ich kenne. Gerade deshalb möchte ich Ware, die ich lange lagern und in kleinen Portionen verbrauchen kann.

Written by emden09

31.07.2019 at 20:33

Veröffentlicht in Allgemein

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