emden09

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Archive for März 2018

Hirn ist eine Heimat

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Die Kultur eines Landes das zwei Weltkriege angezettelt, den Holocaust mit breiter Mehrheit getragen hat und in dem bis heute Waffenexporte in Kriegsgebiete zur legalen und legitimen wirtschaftlichen Tätigkeit gehören, ist nicht seit Jahrhunderten von Jesus Christus geprägt.

Nun mag es sein, dass die Dobrindts, Seehofers und FAZs dieser Welt mit „Christentum“ etwas anderes meinen als die überlieferten Lehren des Jesus von Nazareth genannt Christus. Dann sollen Sie es uns bitte erklären, welche Form von Christentum sie meinen.

Dieses Deutschland hat einen Artikel 4 in seiner Verfassung den ich hier für alle des Googelns unfähigen Leser mal vollständig zitiere.

  1. Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
  2. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.
  3. Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.

Das heißt zu diesem land GEHÖRT jeder Glaube, den irgendjemand ausüben will! Dazu gehört qua Verfassung auch der ISLAM! Ich selbst bin Ateist auch das ist ein Glaube und auch dieser gehört damit zu DEUTSCHLAND.

Ja, tatsächlich die Ausübung der Glaubensfreiheit ist auch in Deutschland eingeschränkt und zwar durch höherwertige Rechtsgüter, wie die Artikel 1 bis 3 des Grundgesetzes sie vorgeben. D.h. wenn man über eine einzige mögliche Einschränkung des Islam in Deutschland sprechen will, muss man sich gleichzeitig mit den Juden anlegen. Denn das Recht auf körperliche Unversehrtheit wird durch die Beschneidung von männlichen Nachkommen im Kindesalter eingeschränkt. Diese Diskussion aber möchte, aus durchsichtigen Gründen keiner der o.g. Populisten führen.

Der Staat – also speziell auch ein Minister – ist (spätestens) durch Spruch des Bundesverfassungsgerichtes zur strikten Neutralität in Fragen der Religion und Religionsausübung verpflichtet. Wer das als Innenminister nicht kann, wie Herr Seehofer, sollte vom Amt zurücktreten.

Politische Korrektheit mag keine Heimat sein, aber Hirn – Herr Dobrindt – könnte eine Heimat sein für geistig heimatlose Gesellen wie Sie.

 

Written by emden09

26.03.2018 at 18:20

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Sommerzeit?

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Da fordert also eine kleine unqualifizierte Populistenpartei vom rechten Rand (aka FDP), Deutschland solle auf eigene Faust im Alleingang und entgegen sämtlicher EU-Richtlinien die Zeitumstellung im Sommer abschaffen.

 

Nun will ich gar nicht über Sinn und Unsinn der Sommer- bzw. Winterzeit diskutieren. Eine einheitliche Regelung in ganz Europa hingegen ist sinnvoll. Nicht zuletzt die Richtlinie des europäischen Parlamentes 2000/84/EG vom 19.1.2001 stellt dies wiederholt fest.

 

Wenn nun das Land mit den (gefühlt) meisten Binnengrenzen innerhalb der EU von dieser EU-Richtlinie abweichen würde, würde der maximale Schaden, den diese EU-Richtlinie verhindern soll sofort eintreten. Entsprechend haben im Bundestag außer den Populisten alle Parteien diese unsinnige Initiative geschlossen abgelehnt.

 

Stattdessen ist es sinnvoll, dieses Thema auf europäischer Ebene, wo es seit der Einführung der MEZ seit 125 Jahren hingehört gemeinsam zu diskutieren und zu regeln.

 

Dass es weder im Sinne der Sicherheit des Verkehrs (auf Straße, Bahn und in der Luft) noch im Sinne der Betriebssicherheit von IT-Systemen sein kann, wenn ein einzelnes Land hiervon abweicht dürfte jedem denkenden Menschen binnen kurzer Zeit klar werden. Wie gesagt, in die Einführung der MEZ – also einer einheitlichen Zeitzone abhängig vom Längengrad (15) hatten sämtliche denkenden menschen in Europa schon vor 125 ein Einsehen. Damals wurden grenzüberschreitende Eisenbahnverbindungen noch von wenigen menschen benutzt, der KfZ-Schwerlastverkehr spielte für die Industrie noch fast keine Rolle und IT-Systeme im heutigen Sinne gab es noch gar nicht. Dennoch kapierten die Menschen, dass unterschiedliche Zeitzonen innerhalb eines Längengrades sich auf ihre Leben ausschließlich hinderlich auswirken.

 

Heute, wo die Grenzen zwischen den Ländern in Europa – zum Segen aller – weitgehend offen sind ist entsprechend eine einheitliche europäische Regelung ausschließlich sinnvoll. Im Land mit den meisten Binnengrenzen innerhalb der EU ist eine andere als eine einheitliche Lösung überhaupt nicht denkbar Dennoch fordert ausgerechnet eine Partei, deren Klientel vor allem von dieser einheitlichen Zeitzone profitiert eine Abschaffung dieser Einheitlichkeit für jeweils ein halbes Jahr. Dass weder die Klientel der FDP noch sonst ein denkender Mensch wollen kann, dass Deutschland eine andere Zeitzone hat als seine Nachbarn ist also klar.

 

Was also will die FDP mit ihrer Gesetzesinitiative ausgerechnet im März? Genau: es geht um Populismus! Die Umstellung auf Sommerzeit ist für jeden Menschen unbequem. Ihre Nützlichkeit ist zu recht umstritten. Speziell zum Zeitpunkt der Umstellung darüber abstimmen zu lassen, bringt also viel öffentliche Aufmerksamkeit. Offenbar eint es die Populisten im Bundestag diese Aufmerksamkeit mit einer ansonsten völlig unsinnigen Initiative für sich gewinnen zu wollen.

 

Die FDP zeigt hier, dass sie eben gerade nicht gegen die Verschwendung von Steuergeldern ist. Für eine Initiative, die ausschließlich populistische, aber keine sinnvollen Gründe haben kann, im Bundestag Geld für eine Abstimmung und alle damit verbundenen aufwändigen Verwaltungsprozesse rauszuwerfen dürfte genau die Art Steuerverschwendung sein, welche die FDP gut heißt. Geld rausschmeißen für nix. Dafür steht also die FDP zusammen mit AfD und der Linke (die diesem Schwachsinn auch noch zustimmte).

 

Gut dass diese Initiative im Bundestag mit breiter Mehrheit abgelehnt wurde. Zum ersten Mal freue ich mich, dass wir wieder eine GroKo haben und das obwohl ich ansonsten in das NoGroKo-Lager gehöre. Nun kann im Sinne der Sache (einer einheitlichen mitteleuropäischen Zeitzone) in dem Rahmen der dafür geeignet ist (EU) in der gebotenen Ruhe und Sachlichkeit weiterdiskutiert werden. Und das ist gut so!

Written by emden09

26.03.2018 at 11:48

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#deleteFacebook ist #deleteHirn (#DestroyTracking wäre mit Hirn!)

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Also, ihr seid so richtige echte Aktivisten, denn ihr habt Euren Facebook-Account sofort gelöscht: „deleteFacebook“! Jetzt sind Eure Daten wirklich sicher! Ihr habt so richtig was für den Datenschutz getan und es Facebook zusätzlich noch so richtig gezeigt? „Vergiß es“ würde Bernd das Brot dazu wohl sagen.

Facebook haben die Verluste an der Börse Millionenmal mehr geschmerzt als all Eure Abmeldungen zusammen. Warum? Weil die Börse keine Abstimmung über ethisches Grundsätze und ethisches Verhalten ist. An der Börse wird spekuliert, wie erfolgreich ein Unternehmen sein kann. Wenn also unethisches Verhalten des Unternehmens plötzlich ruchbar wird, ist bei einer Datenkrake wie Facebook der Gewinn in Gefahr. Denn Gewinn macht Facebook nicht mit den Nutzern. Gewinn macht Facebook mit Tracking.

Tracking?

So leid es mir tut Euch das sagen zu müssen: Facebook trackt Euch auch, wenn ihr abgemeldet seid und Euer Account gelöscht ist oder ihr nie einen Facebook Account hattet. Hier im Tracking von Facebook und zig anderen weltweit operierenden Firmen entshen die wirklich wertvollen Daten. #deleteFacebook ist für diese Leute eine willkommene Nebelkerze, hinter der sie ihre Geschäfte weiter in Ruhe betreiben können, weil das eigentliche problem „Tracking“ aus dem Fokus gerät.

Es interessiert auch keine Sau, ob ihr gerade ein Foto aus den Dolomiten postet. Das ist bestenfalls für die auf Facebook selbst geschaltete Werbung interessant -kann man ein bisschen mehr Geld mit verdienen als mit nichtpersonalilsierter Werbung: that’s it.. Bezahlt aber werden Tracking-Firmen wie Facebook, Google uvam. hauptsächlich von Firmen die wissen wollen:

  • Wo geht ihr hin, wenn ihr deren Webseite verlasst?
  • Welche Webseiten besucht Ihr gleichzeitig ggf. in anderen Tabs?
  • Wie häufig besucht Ihr bestimmte Webseiten?
  • Welche Suchbegriffe gebt Ihr bei Google ein?
  • Wer A mag, mag außerdem eher B,C,D, oder E?
  • Wer A nicht mag, mag was von C, D, E oder F auch nicht?
  • usw.usf.

Was viele aus dem Snowden-Skandal nicht gelernt haben: Die Metadaten sind interessant (interessanter als alles andere) und dabei größtenteils nicht der Einzelne sondern die Summe der Teile. Zu wissen, dass 50% der Leute, die mit der AfD sympathisieren gerne Nutella essen ist wichtiger als dass Oma Müller aus Rostock gerade von der Seite der AfD direkt zu Nutella weitergesurft ist. Wenn dann morgen in der Bild steht: „Wegen Flüchtlingen, Schokolade jetzt doppel so teuer“, dann wisst Ihr was Tracking macht. Dann wisst Ihr, wie Facebook-Kunden ticken und wofür diese Leute Facebook jede Menge gutes Geld bezahlen. Dann wisst Ihr warum Börsianer aktuell Facebook-Aktien verkaufen.

Könnte sein, dass bestimmte Auftraggeber von Facebook und anderen Tracking-Diensten die Öffentlichkeit scheuen wie der Teufel das Weihwasser? Genau das ist der Punkt. Für die Facebook-Kunden ist es nicht wichtig ob Facebook sich ethisch verhält, sondern dass nicht rauskommt, dass Facebook sich unenthisch verhält. Wenn es nämlich rauskommt, könnten diese Facebook-Kunden ggf. plötzlich selbst als „unethisch“ im Fadenkreuz der Öffentlichkeit stehen.

D.h. dass die Trump-Wahlkampagne wegen des unethischen Verhaltens eines Facebook Kunden (Cambridge Analytica aka SCL-Group) im Fadenkreuz der Öffentlichkeit steht, schreckt andere Kunden dieser Unternehmen ab, nicht dass Facebook sich unethisch verhalten hat als es SCL die Daten weitergab.

Ein vergleichsweise „seriöser“ Anbieter wie heiseonline trackt Euch im Auftrag von bis zu 32 Firmen gleichzeitig. Die machen das nicht einmal selbst. Die haben schlicht Platz auf ihrer Website an eine Werbefirma verkauft. Die schaltet dort automatisiert Werbung und die Werbung jubelt Euch Tracker unter.

Aktiv werden statt Aktionismus (auch wer auf Facebook bleibt kann etwas gegen App-Tracking tun.)

Was also können wir machen statt mit dem Facebook-Account auch unser Hirn zu löschen? Wir können vier Tools (Browser-Plugins) gleichzeitig einsetzen:

Das macht uns zwar nicht 100% sicher vor Tracking aber es macht Tracking um viele Größenordnungen weniger interessant.

 

Wenn morgen rauskommt, dass weltweit 50% der Internetnutzer diese Tools einsetzen, sinken nicht nur die Aktien von Facebook um mehrere zig Milliarden. Versprochen! Das wäre dann  DESTROY TRACKING statt DeleteFacebook.

Ja, diese AdOns sind nicht bequem. Viele Webseiten werden gar nicht mehr oder nur noch verstümmelt angezeigt (speziell ohne Javascript). Schaltet Javascript, wenn Ihr diese Websites benutzen wollt „benutsam“ wieder zu und vor allem nur „temporär“. Spiegel Online z.B könnt ihr auch lesen, wenn ihr gar kein Javascipt freigebt und gleichzeitig Adblock-Plus aktiv habt.

Guter Journalismus braucht Werbung?

Und lasst Euch jetzt nicht von den Journalismus-„Experten“ erzählen, dass guter Journalismus nur funktioniert, wenn ihr Werbung akzeptiert. Wenn Ihr Werbung online akzeptiert werdet ihr getrackt. Mit Traking durch Werbung verdienen schlechte Verleger, die nicht in der Lage sind, sich angemessene Geschäftsmodelle für die Online-Welt zu überlegen und zu entwickeln (Stichworte z.B. Micropayment) Geld und bezahlen damit Journalismus, der in ihrem Sinne berichtet. Da mag sogar das eine oder andere Stück brauchbarer oder gute Journalismus drunter sein. Der Link „guter Journalismus braucht Werbung“ jedenfalls ist genau der, von dem Cambridge Analytica, SCL Group, Google uvam. hoffen, dass ihr auf ihn hereinfallt.

Browsereinstellungen

Dann sind da noch die Cookies. Schon Oma und Opa haben uns erzählt, wir sollen von Fremden keine Kekse annehmen. Das selbe Verhalten sollten wir jetzt im Web an den Tag legen. Cookies ganz vermeiden geht für uns als User vermutlich nicht. Viele Webshops funktionieren nicht, wenn wir ihre Cookies nicht akzeptieren. Aber, wir können die Einstellungen im Browser so ändern, dass Cookies jedes Mal gelöscht werden, wenn wir den Browser verlassen (Im Firefox z.B. befinden sich die entsprechenden Einstellungen unter „Extras-Einstellungen-Datenschutz und Sicherheit-Chronik“. Da einfach mal auf „nach Benutzerdefinierten Einstellungen…“ klicken und schon seht Ihr die Möglichkeit sowohl Cookies zu löschen, als auch die Chronik zu löschen, wenn Firefox geschlossen wird.

„Schutz vor Aktivitätenverfolgung“ wäre der nächste Punkt im Datenschutzmenü vom Firefox, mit dem wir der Tracking-Mafia das Fürchten lehren können. Der „Schutz vor Aktivitätenverfolgung sollte auf „IMMER“ stehen. Die „Blockierliste Ändern“ Einstellung sollte „Disconnect me – Strenger Schutz“ sein. „Webseiten eine ‚Do Not Track‘-Information senden“ sollte auf „Immer“ eingestellt sein.

Und mehr

Auch auf Mobilgeräten gibt es viele Einstellungen, die Euch erlauben Eure Daten privat zu halten. Informiert Euch!

E-Mail. Jede nicht „Ende zu Ende“ verschlüsselte Mail wird spätestens von Mailserver-zu Mailserver im Klartext übertragen. Mindestens die Metadaten (wer kommuniziert mit wem) sind selbst bei verschlüsselten mails noch mitzulesen.

Benutzt starke Verschlüsselung!

  • Posteo macht Euch verschlüsselten Mailverkehr vergleichsweise einfach.
  • Signal und Telegram ermöglichen Euch Verschlüsselung über das E-Mail-Protokoll hinaus

Fazit

Wenn Ihr Euren Facebook-Account löscht, mag das ein Signal sein. Aber wofür? Facebook sammelt und verkauft Eure Daten weiterhin (und zwar den wirklich wertvollen Teil – siehe das oben stehende fiktive Beispiel „AfD und Nutella“) und macht genau so viel Geschäft an Euch wie zuvor. Wenn Ihr stattdessen massenhaft das Tracking im Web verweigert, Werbung blockt und starke Verschlüsselung nutzt, dann schreckt ihr damit genau die Leute auf, die Facebookgate ausgelöst haben.

Von mir aus löscht Eueren Facebook-Account, aber löscht nicht gleichzeitig Euer Hirn:

(Nicht nur) Facebook verdient mit Leuten die ihre Accounts löschen und dennoch Tracking nicht verweigern genauso viel Geld wie zuvor.


PS: auch dieser Artikel „überwacht“ Sie!

Von mir nicht beeinflussbar, spielt WordPress Ihnen Werbung ein. Diese enthält Tracker (ich weiß nichtmal welchen Typs noch von wem – sonst würde ich es genauer benennen.)Dazu kann das bei jedem von Ihnen liebe LeserInnen unterschiedlich sein, je nachdem, welche Werbung ihnen gerade von wem angezeigt wird, enthält diese unterschiedliche Tracker unterschiedlicher Auftraggeber. Ja, es kann sogar sein, dass eine (oberflächlich) gleich aussehende Werbung, wenn sie über unterschiedliche Kampagnenkanäle (Werbeanbieter) eingespielt wird unterschiedliche Trakcer beinhaltet. Mal mehr, mal weniger. Mal den einen nicht, dafür den anderen.

Darüber hinaus benutzt WordPress google-analytics, um Ihr Surverhalten auszuwerten.

Die Buttons von Facebook und Twitter können beliebig mit Trackern belegt werden – von WordPress!

Und das „schönste“ ich als Betreiber dieses Blogs erfahre weder, welche Daten gesammelt wurden, noch wer diese erhalten hat. Das mitzuteien würde ganz alleine den Werbefirmen obliegen, die für WordPress Werbung auf diesem Blog „einspielen“. Da aber weder Sie noch ich zu den Kunden dieser Firmen zählen und auch WordPress nicht deren Kunde, sondern deren Lieferant ist, dürfen Sie davon ausgehen, dass die Mehrzahl der Daten nicht einmal WordPress selbst zur Verfügung stehen.

So funktioniert nun einmal Social Media – jeder bezahlt mit seinen Daten (und Metadaten!) dafür, dass ihm Dienste kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Hier also bezahlen Sie mit Ihren Daten und Metadaten die Dienstleistung von WordPress, eine Softwareplattform zu entwickeln und auf ihren Servern zu betreiben.

Essen ist Rassismus

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Da ist dieser Polizist Daniel Nivel bei der Fußball-WM 1998 in Frankreich. Er wurde von einem Deutschen so zusammengeschlagen, dass er bis heute unter körperlichen Behinderungen (halbseitige Lähmung) leidet. Ich schreibe bewusst: „von einem Deutschen“, nicht von einem Deutschen „Hooligan“ oder Deutschen „Ultra“ oder Deutschen „Fußballfan“. Genau das ist nämlich schon eine der Differenzierungen, die uns bei der Diskussion um die Tafel in Essen und ihren Vorstand längst verloren gehen.

Dabei könnte man evtl. aus dieser Geschichte eine sehr schöne Parabel machen, wenn man sich klar macht, dass es in Frankreich rechtsradikale Hooligans waren, die Nivel zum Krüppel prügelten. Dass einer der Haupttäter nach VIER Jahren im Französischen „Luxusknast“ wegen „guter Führung“ entlassen wurde, würde die Parabel schön abrunden. Zudem evtl. ein Hinweis, dass vier der damaligen sechs Täter in Essen verurteilt wurden (also wohl von dort stammen).

Wie also, wenn Frankreich seinerzeit entschieden hätte, zukünftig keine Tickets für Fußballspiele mehr an Deutsche zu verkaufen und Deutsche nicht mehr in französischen Stadien zu lassen? Wie hätte wir das empfunden? Als Sippenhaft? Als Grenzrassimus? Welche Form hätten die Diskussionen um diese Art Sippenhaft, um diesen Grenzrassismus angenommen, wenn Frankreich nicht nur Deutsche sondern (wie in Essen geschehen) Ausländer allgemein für den Vorfall verantwortlich gemacht und vom Kartenverkauf für alle Fußballspiele in Frankreich ausgeschlossen hätte? Die FIFA wäre eingeschaltet worden, Frankreich aus dem internationalen Verband ausgeschlossen worden. Und womit? Mit Recht.

Was nun ist in Essen geschehen?

Tafel

In Essen hat – wie in ganz Deutschland – über Jahrzehnte die Bundesregierung im Auftrag des Kapitalismus die Armut gefördert. Kapitalismus funktioniert (einfach besser), wenn Menschen bereit sind aus Angst vor sozialem Abstieg und Armut jede noch so unsinnige und unbefriedigende Arbeit anzunehmen. Beteiligt waren an dieser Politik federführend SPD, Grüne, CDU/CSU und FDP. Von Staatsversagen könnte man hier übrigens nur reden, wenn die Entstehung eines Prekariats seinerzeit nicht (schon) von der ROT GRÜNEN Regierung Schröder quasi als Wirtschaftsförderung absichtlich vorangetrieben und generalstabsmäßig geplant worden wäre (und Schröder diese Absicht stolz verkündete). Es handelt sich bei der Entstehung von Tafeln also nicht um eine Reaktion auf angebliches „Staatsversagen“ sondern um die Reaktion auf einen bewussten Rückzug des Staates aus der Versorgung der Armen. Um eine Reaktion auf eine bewusste und systematische Produktion von Armen durch den Staat.

Irgendwann konnten das selbst die Kapitalisten nicht mehr mit ansehen und haben Almosen gespendet. Das macht die herrschende Klasse seit Alters her so, wenn sie die Armen von der Revolte abhalten will. Staatliche Armutsbekämpfung ist nämlich logisch mit Budget verbunden. Budget, das über Steuern von den Reichen zuvor hereingeholt werden muss. Mit Almosen kann man entsprechend diese Steuern vermeiden. Oder wie Pestalozzi es bereits an der Schwelle vom 18. zum 19. Jahrhundert sagte: „Wohltätigkeit ist das Ersäufen des Rechts im Mistloch der Gnade.

Natürlich musste auch jemand her, der die Almosen an die Armen verteilt. Das macht der Almosengeber heute nicht mehr selbst. Er gründet dazu einen „gemeinnützigen“ Verein. Der wiederum beschäftigt 1-Euro-Jobber mit der Verteilung der Spenden. So bleiben die Armen bei der Verteilung der Almosen unter sich und der Kapitalist muss das Elend, das er zwar nicht bekämpft (er ist ja nicht blöd) aber mindestens mit Almosen lindert, nicht selbst mit ansehen. Den gemeinnützigen Verein benötigt der Almosen-Kapitalist, weil die Tafel natürlich auch Einnahmen hat. Dort werden schließlich keine Güter und Lebensmittel an die Armen verschenkt, sondern Güter (wenn auch – oft stark – verbilligt) verkauft. Für diese Einnahmen will der mildtätige Kapitalist natürlich nicht zusätzliche Steuern bezahlen.

Flüchtlinge

Es wird behauptet, die bedürftigen Flüchtlinge, die ebenfalls an der (Essener) Tafel bedient wurden (kaufen durften), hätten keine „Anstellkultur“. Nun muss man vermutlich Deutsche sein, um „sich in einer Reihe anstellen“ und „Kultur“ in einem Wort in irgendeinen Zusammenhang zu bringen. Zumal diese Reihen strikt nach „First come, first serve“ und nicht nach Bedürftigkeit gebildet werden. Das dürfte in den Augen der Menschen, die Reihen fordern kein zusätzliches Problem sein. Denn in Deutschland ist ja auch „früh aufstehen“ und „zuerst da sein“, eine Kulturleistung. Es ist in diesem Zusammenhang natürlich wichtiger, dass adipöse, frühaufstehende Deutsche Laufwunder mit Gütern (Essen) versorgt werden, als abgemagerte, traumatisierte Bürgerkriegsflüchtlinge. Sei’s drum.

In jedem Flughafen und an fast jeder größeren Sehenswürdigkeit ist man in der Lage, mit ein bisschen Flatterband dafür zu sorgen, dass jedem klar wird, hier ist Schlangestehen („Anstellkultur“) erwünscht und wird quasi mit physischen Barrieren erzwungen. Evtl. Würde es genügen, das in den Verteilstellen der Tafeln auch so zu machen oder gar einfach mal zu erklären, dass Anstehen erwünscht ist – egal von wem.

Ich stelle übrigens an der SB-Kasse beim real,- auch immer wieder fest, dass die „Anstellkultur“ der Deutschen selbst leidet. Da sind vier SB-Kassen, zwei rechts zwei links und eine Schlange. Immer wieder kommen ausgerechnet ältere Deutsche Frauen auf die Idee, sie könnten sich doch ganz vorne links neben diese eine Schlange stellen und postulieren, es gäbe jetzt zwei Schlangen. Eine für die beiden rechten und eine für die beiden linken Kassen und die Leute, die in der längeren rechten Schlange stünden, könnten ja einfach zu ihnen rüberkommen und sich hinter ihnen anstellen.

Vereinzelt hätten die Flüchtlinge in den Verteilstellen der Essener Tafel sogar Deutsche Frauen geschubst. <zyn>Das geht natürlich gar nicht. Ein Flüchtling darf in Deutschland niemanden schubsen und schon gar keine Deutschen Frauen. Das Rumschubsen von Frauen behält sich der Deutsche Mann, wie auch die Deutsche Frau seit jeher selbst vor.</zyn>

Natürlich müssen diese Fälle, in denen Deutschen Frauen offenbar bitteres Unrecht durch ausländische Horden zugefügt wurde (Achtung bitterer Zynismus) nicht – wie seinerzeit bei der WM in Frankreich – einzeln aufgeklärt werden. Natürlich werden auch nicht jene Personen, die dort „geschubst“ haben sollen, dingfest gemacht und vom Bezug von Gütern an der Tafel ausgeschlossen. Es interessiert am Ende auch nicht, welche Nationalität der „Täter“ war. War es ein Syrer, ein Afghane, ein „Nafri“ (wie der Deutsche Rassist einfach mal alle nicht weißhäutigen Bewohner Nordafrikas zusammenfasst)? Oder war es am Ende ein Deutscher ein Deutscher mit russischem Migrationshintergrund (Rassistendeutsch: Russlanddeutscher, Spätaussiedler)?

Das ist auch egal. Es war ein Ausländer, also mindestens kein „Arier“, der dort eine Deutsche Frau geschubst hat. Grund genug zukünftig ALLE (neu dazukommenden) Ausländer von den Almosen der Deutschen Kapitalisten auszuschließen.

Wenn wir uns beim Fußball einig waren, dann sind wir es auch hier: eindeutig Grenzrassismus. Ganz alltäglicher Grenzrassismus im Deutschland des 21. Jahrhunderts dazu. Alles Nichtdeutsche muss weg.

Wo bleibt jetzt die FIFA – ach, die ist hier gar nicht zuständig. Das Deutsche Finanzamt, das evtl. für die Aberkennung der „Gemeinnnützigkeit“ zuständig wäre, geht selbstverständlich nicht gegen die Almosenverteilvereine Deutscher Kapitalisten vor – schon gar nicht, wenn diese so brav Deutsch rassistisch sind

Konsequenz

Ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag von Kapitalisten Almosen verteilt, darf im Deutschland des 21. Jahrhunderts also mit behördlicher Erlaubnis rassistisch sein, ohne dass ihm die Gemeinnützigkeit aberkannt wird. Das wichtigste Argument: Außer denen würde es ja keiner machen. Und Du Kritiker: was tust Du eigentlich außer kritisieren? Verteilst Du auch Almosen? Tatsächlich mache ich – aber das tut hier nix zur Sache. Es gilt das gemeingültige Gesetz: Der Kritiker muss keine Eier legen können, damit er faule Eier kritisieren darf.

Rassismus (alltäglicher Rassismus zumal) ist ein Zustand, den gerade in Deutschland JEDER kritisieren darf, soll und MUSS der noch ein Stückchen Restverstand hat. Zumal dieser Rassismus gerade wieder Mehrheitsfähig zu werden scheint.

Fazit

Nein natürlich stimmt die Überschrift nicht. Essen ist als Stadt insgesamt nicht rassistisch (-er als andere Städte auch) und auch die Mehrzahl der Essener Bürger sind (hoffentlich noch) nicht rassistisch. Die Tatsache aber, dass der Vorstand des Vereins hinter der Essener „Tafel“ beschlossen hat, in Zukunft nur noch Deutschen Neuzugang zu seinem Angebot zu gewähren, ist Rassismus. Es ist Rassismus der kritisiert gehört. Er gehört so lange und intensiv kritisiert, bis die adipösen Rassisten an der Spitze dieses Vereins aus dem öffentlichen Leben in Deutschland vertrieben sind. Denn soviel muss klar sein: Rassisten haben im öffentlichen Leben Deutschlands nichts verloren auch nicht als Teile eines kapitalistischen Almosenverteilvereines.

Armer Mann und reicher Mann, standen da und sah´n sich an. Und der Arme  sagte bleich: Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.
Bert Brecht

 

Written by emden09

06.03.2018 at 12:41

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