emden09

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Darf man die noch schauen

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„Darf man die noch schauen?“  fragt Spiegle Online aktuell zu den Werken von Polanski, Weinstein, Spacey, Kinski uvam.

Ich habe ein Riesenproblem damit, wie in diesem Zusammenhang eine Hexenjagd im Stil von McCarthy veranstaltet wird.

Ja, ich bin der Meinung, es ist gut, dass sich die Opfer von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung hier endlich aus der Deckung trauen. Die Geständnisse der Täter lassen auch keinen Zweifel daran, dass es diese Straftaten gegeben hat. Ich bin auch dafür, dass speziell Straftaten in diesem Bereich nicht verjähren sollen und dass sie strafrechtlich verfolgt werden sollen. Gerade der Fall Weinstein oder auch Spacey zeigen, warum es wichtig ist, hier einer möglichen strafrechtlichen Verjährung einen Riegel vorzuschieben. Die Opfer sind eben tatsächlich – und das wissen Psychotherapeuten nun wirklich nicht erst seit gestern – über Jahre und Jahrzehnte in einer Weise traumatisiert, die sie nicht in die Lage versetzt, die Taten einer Strafrechtlichen Verfolgung zuzuführen.

Gerade als Links denkender Mensch aber bin ich der dringenden Meinung, dass einem bestraften Straftäter auch die Möglichkeit zur Resozialisierung gegeben werden muss. Als rehabilitiert muss ein Straftäter gelten, wenn er seine Strafe verbüßt hat. Es kann und darf nicht die Aufgabe einer Jody Foster (trotz all ihrer Verdienste) sein einen Menschen (hier ist Gibson gemeint) zu rehabilitieren! Es kann und darf auch nicht die Aufgabe von Arbeitgebern, Studios und anderen sein, einen Straftäter über das strafrechtliche Maß hinaus zu bestrafen. Zu der Zeit, in der ich juristischen ausgebildet wurde (nein kein Studium!), waren all diese Aussagen unter Sozialisten (ja sogar unter Sozialdemokraten) unumstritten.

Und ja, ich schaue mir Kunstwerke trotz und teilweise wg. der Biografie des Künstlers an. Dabei vergesse ich die Biografie nicht, sondern beziehe mein Wissen um diese in den Kunst“genuss“ mit ein. Werke eines Arno Breker, Woody Allen, Weinstein, Spacey, Kinski auf meinen persönlichen Index zu setzen, käme mir vor wie die Bilderstürmerei der Taliban. Auf diesem Niveau müssten wir dann die Mehrzahl aller gotischen Kirchen inkl. des Kölner Doms sprengen und dem Erdboden gleichmachen, könnten uns Picasso, Schiele und viele andere mehr nicht mehr anschauen. Ich glaube, die Biografie eines Künstlers ist nicht von seiner Kunst zu trennen, ihre Kenntnis trägt zum zusätzlichen Verständnis der Kunstwerke bei, kann aber nicht Teil einer persönlichen Zensurliste sein.

Written by emden09

07.11.2017 um 10:48

Veröffentlicht in Allgemein

Eine Antwort

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  1. „Jeder Schuldige hat eine Zukunft
    Jeder Heilige eine Vergangenheit
    und das wird ewig so sein.“
    (Letzte Instanz – Ewig)

    Auf diesem Erdenball wird man niemals einen Menschen finden, der in den Augen aller tadellos ist. Und gerade unter den Genies findet jeder, der danach sucht, oft auch den Wahnsinn. Vielleicht ist gerade dieses Thema das beste Beispiel, dass schwarz und weiß Illusionen sind. Das Leben besteht eher aus vielen Grauschattierungen.
    Auch ein gestrauchelter Mensch kann wieder zur Besinnung kommen und sich bessern. Macht es dann Sinn, jemanden auf einem solchen Weg Steine der Vergangenheit in den Weg zur Zukunft zu legen?

    Gefällt mir

    Felis Saeva

    07.11.2017 at 14:15


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