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Archive for November 2017

TfP-Vertrag Sinn oder Unsinn

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Da immer wieder die Diskussion aufkommt, wozu man einen TfP-Vertrag brauche, wenn man hobbymäßig unentgeltlich (auf TfP-Basis) Menschen fotografiert, hier mal ein paar Anregungen.

Vorweg soviel: Ja auch ich bin der Meinung, dass es keinen Sinn macht zivilrechtliche Ansprüche auf Basis eines TfP-Vertrages einzuklagen. Wenn ein Model die Bilder nachträglich nicht im Netz sehen will, nehm ich sie raus. Nein, ich schreib ihr dann keine Rechnung für meine fotografischen Leistungen und versuche auch nicht, die Bezahlung dieser Rechnung einzuklagen.

Dennoch mache ich für JEDES Shooting einen TfP-Vertrag. Auch und besonders, wenn ich Menschen fotografiere, die ich gut kenne, die meine Freunde oder Lebenspartner sind. Warum?

Nein, ich bin nicht paranoid. Und wenn ich es wäre würde es nicht bedeuten, dass ich nicht verfolgt werde 😉

Zunächst einmal ist ein TfP-Vertrag ja nicht nur eine zivilrechtliche Einigung zwischen zwei oder mehr Personen. Er bindet im Gegenteil auch alle Personen, die jemals in der Zukunft Rechte aus dem Handeln der beiden Personen ableiten wollen.

Das Wort Vertrag sagt etwas wesentliches, nämlich, was haben zwei (oder mehr) Menschen gedacht, als sie sich noch »vertragen« haben. Was diese Menschen aber auch Dritte sich evtl. denken könnten, wenn sie zu einem späteren Zeitpunkt die Ergebnisse der Zusammenarbeit, also die Bilder sehen kann u.U. etwas ganz anderes sein.

Ein TfP-Vertrag entfaltet z.B. auch eine strafrechtliche Exkulpationswirkung des Fotografen in Bezug auf § 201a StGB. Zwar handelt es sich beim §201a StGB »nur« um ein Antragsdelikt. Aber den Strafantrag kann bei weitem nicht nur das Model selbst stellen – was schlimm genug wäre. Hier sei auf Themen wie Erben, Angehörige etc. hingewiesen. Was wenn diese den Fotografen anzeigen und behaupten, es handle sich um „unerlaubte Aufnahmen“ oder eben die „unerlaubte Verbreitung“ von Aufnahmen? Besonders unschön ist ja auch der Absatz 5 des §201a StGB: »Die Bildträger sowie Bildaufnahmegeräte oder andere technische Mittel, die der Täter oder Teilnehmer verwendet hat, können eingezogen werden.« Da liegt dann man schnell eine aktuelle Kamera oder ein aktueller PC, NAS oder sonstiges bis zum Abschluss eines Verfahrens monate- oder jahrelang in den Asservatenkammern (ohne dass es später bei einem auch ohne TfP-Vertrag möglichen Freispruch für den zwischenzeitlichen Wertverlust zu einer Entschädigungszahlung in angemessener Höhe kommen wird).

Wer andererseits schützt ein Model, das ohne TfP-Vertrag arbeitet, vor möglichen Forderungen der Erben eines Fotografen. Was wenn diese zwischen hunderten bezahlter Shootings am Ende seines Lebens 200 Shootings finden, die (weil TfP aber halt ohne Vertrag) nie abgerechnet wurden. Was wenn diese Erben nun mit Hilfe eines findigen Anwaltes die jeweiligen Models verklagen. 200.000 Euro (also 200 Models x 1.000 Euro pro Shooting) könnten da schon für den einen oder anderen Erben ein Anreiz sein. Das ganze kann natürlich auch umgekehrt passieren. Wie will der Fotograf ohne Vertrag gegenüber Dritten nachweisen, dass das Model ausgerechnet für ihn kostenlos (TfP) gearbeitet hat („wo sie doch sonst nur Payshootings gemacht hat“)? Von Behörden wie Finanz-, Ordnungsämtern und Arbeitsagenturen möchte ich hier gar nicht erst anfangen.

Aber auch bei Freunden und Partnern, möchte ich die Fotos am Ende vielleicht gerade dann (wegen des Erinnerungswertes) behalten können, wenn diese nicht mehr unter uns weilen. Was aber, wenn deren Angehörige mich auf das Fortwirken der Persönlichkeitsrechte über den Tod hinaus (sogen. „Postmortaler Bildnisschutz“) in Anspruch nehmen wollen. Was wenn diese wollen, dass ich nicht nur die Verbreitung der Fotos beende, sondern diese auch lösche? Die Verbreitung zu beenden ist vermutlich für die Wenigsten Problem. Aber sie löschen?

Fazit: Ein TfP-Vertrag betrifft und bindet wesentlich mehr Personen als nur die Parteien, die ihn schließen. Er sichert alle Parteien und eben auch viele zusätzliche Menschen aus deren Umfeld ab. Jeder weiß, wenn ihm dieser Vertrag vorliegt, was die Parteien gedacht und ggf. gemeint haben, als sie sich zu einer für beide Seiten unentgeltlichen (aber nicht unbedingt kostenlosen) Zusammenarbeit entschlossen haben. Ob das dann später zu Teilen anfechtbar ist und ob Gerichte das nachträglich aufheben können, steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. Ohne Vertrag aber begibt man sich mit der ersten Aufnahme auf verdammt dünnes Eis. Und das nicht erst seit der Verschärfung des §201a StGB. Dabei ist es völlig egal, ob Model und Fotograf sich zum Zeitpunkt als die Aufnahmen gemacht wurden blind vertrauen konnten. Unter Umständen sind es nämlich gar nicht die beiden, die sich nachher streiten.

Written by emden09

29.11.2017 at 11:11

Darf man die noch schauen

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„Darf man die noch schauen?“  fragt Spiegle Online aktuell zu den Werken von Polanski, Weinstein, Spacey, Kinski uvam.

Ich habe ein Riesenproblem damit, wie in diesem Zusammenhang eine Hexenjagd im Stil von McCarthy veranstaltet wird.

Ja, ich bin der Meinung, es ist gut, dass sich die Opfer von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung hier endlich aus der Deckung trauen. Die Geständnisse der Täter lassen auch keinen Zweifel daran, dass es diese Straftaten gegeben hat. Ich bin auch dafür, dass speziell Straftaten in diesem Bereich nicht verjähren sollen und dass sie strafrechtlich verfolgt werden sollen. Gerade der Fall Weinstein oder auch Spacey zeigen, warum es wichtig ist, hier einer möglichen strafrechtlichen Verjährung einen Riegel vorzuschieben. Die Opfer sind eben tatsächlich – und das wissen Psychotherapeuten nun wirklich nicht erst seit gestern – über Jahre und Jahrzehnte in einer Weise traumatisiert, die sie nicht in die Lage versetzt, die Taten einer Strafrechtlichen Verfolgung zuzuführen.

Gerade als Links denkender Mensch aber bin ich der dringenden Meinung, dass einem bestraften Straftäter auch die Möglichkeit zur Resozialisierung gegeben werden muss. Als rehabilitiert muss ein Straftäter gelten, wenn er seine Strafe verbüßt hat. Es kann und darf nicht die Aufgabe einer Jody Foster (trotz all ihrer Verdienste) sein einen Menschen (hier ist Gibson gemeint) zu rehabilitieren! Es kann und darf auch nicht die Aufgabe von Arbeitgebern, Studios und anderen sein, einen Straftäter über das strafrechtliche Maß hinaus zu bestrafen. Zu der Zeit, in der ich juristischen ausgebildet wurde (nein kein Studium!), waren all diese Aussagen unter Sozialisten (ja sogar unter Sozialdemokraten) unumstritten.

Und ja, ich schaue mir Kunstwerke trotz und teilweise wg. der Biografie des Künstlers an. Dabei vergesse ich die Biografie nicht, sondern beziehe mein Wissen um diese in den Kunst“genuss“ mit ein. Werke eines Arno Breker, Woody Allen, Weinstein, Spacey, Kinski auf meinen persönlichen Index zu setzen, käme mir vor wie die Bilderstürmerei der Taliban. Auf diesem Niveau müssten wir dann die Mehrzahl aller gotischen Kirchen inkl. des Kölner Doms sprengen und dem Erdboden gleichmachen, könnten uns Picasso, Schiele und viele andere mehr nicht mehr anschauen. Ich glaube, die Biografie eines Künstlers ist nicht von seiner Kunst zu trennen, ihre Kenntnis trägt zum zusätzlichen Verständnis der Kunstwerke bei, kann aber nicht Teil einer persönlichen Zensurliste sein.

Written by emden09

07.11.2017 at 10:48

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Rätselhafter „Shutter Count“

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Heute mal ein kleines Rätsel oder Hilfeersuchen zum Thema „Shutter Count“.

 

Nikon hat eine Funktion in seine Kameras eingebaut, die einen sogen. „Shutter Count“ (also die Anzahl Auslösungen) der Kamera in die EXIF-Daten schreibt. Wie ich gerade lese gibt es bei Canon und Sony ähnliches – teilweise unter anderen Namen. Zusammen mit dem Namen bzw. der Seriennummer der Kamera wäre das aus meiner Sicht der ideale Dateiname zur langfristigen Archivierung der Dateien (da dieser eindeutig wäre).

 

Leider finde ich ausgerechnet dieses EXIF-Feld „Shutter Count“ nicht in der Auswahl, die Lightroom, IrfanView oder XNView für die Benennung von Dateinamen anbietet. Bei IrfanView habe ich leider in der Doku keinen Platzhalter/Variablennamen für den „Shutter Count“ innerhalb der EXIF-Daten gefunden. Obwohl mir die Variablennamen, die mit $Exxxxx anfangen alle sehr danach aussehen als ob sie in der Art einer unbedingten Sprungadresse („goto“) einen Offset innerhalb der EXIF-Daten anspringen wollten.

 

Gibt es bei IrfanView, XNView, Lightroom o.ä. eine Dokumentation von , wie man (z.B. über Escape-Codes/Variablennamen) auf diese Felder zugreifen und sie für die Benennung der Dateien verwenden kann? Kennt jemand von Euch eine solche Möglichkeit?

Written by emden09

07.11.2017 at 10:14

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Adobe – die „hässliche Fratze des Kapitalismus“?

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Vorabbemerkung: Nein, ich bin kein Befürworter des Kapitalismus und ich bin auch keiner seiner Kritiker. Ich bin aber einer, der sich über die Menschen, die den Kapitalismus mehrheitlich wählen / wollen wundert.

Im Kapitalismus ist einer der wichtigsten anerkannten Kooperationsformen das kapitalistisch organisierte Unternehmen. Adobe ist ein solches Unternehmen. Dennoch ist der Aufschrei in der Gruppe der Nutzer der Softwareprodukte von Adobe jedes Mal groß, wenn eine neue Version auf den Markt kommt. Die einen beschweren sich über das „Abomodell“, weil sie lieber eine Kaufsoftware nutzen würden. Die anderen sehen gar ihre Dateien in Geiselhaft genommen oder glauben wie der Kommentator „sunrisemoon“ unter dem zuvor verlinkten Artikel Adobe benötige einen „Persilschein“ und würde andererseits die RAW-Dateiformate der Kamerahersteller hacken.

Jetzt mal ehrlich Leute, was läuft in Eurem Leben schief?

Es gibt ganz klar zwei Möglichkeiten.

Möglichkeit 1

Ihr benutzt eine Software, die von einem kapitalistischen Unternehmen zur Verfügung gestellt wird und bezahlt dafür Geld. Dann werdet Ihr akzeptieren müssen, dass dieses Unternehmen seine Produktpolitik (verfügbare Features und Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung oder Löschung aus dem Produkt) wie auch seine Marketingstrategie (z.B. Abomodell vs. Kaufsoftware) selbst bestimmt. Das kapitalistische Unternehmen wird sich dabei genau nach einem Faktor richten: Profitmaximierung. Und ja: zur Profitmaximierung gehört es auch, ab und an den Markt zu erforschen und Produktpolitik, wie auch Marketingstrategie so zu gestalten, dass die Kunden nicht Massenweise davonlaufen. Dabei gehört es selbstverständlich zum Kalkül des kapitalistischen Unternehmens, dass Nutzer einer Software eine Menge Geld und Zeit in den KnowHow –Aufbau investiert haben. Den Aufbau des KnowHow, wie sie die Software des kapitalistischen Unternehmens möglichst effektiv, produktiv und optimal nutzen. Dabei gehört es auch zum Kalkül des kapitalistischen Unternehmens Dateiformate zur Verfügung zu stellen, die es für den Benutzer möglichst attraktiv machen, die Software weiter zu nutzen und eine Migration auf eine andere Software nicht in Erwägung zu ziehen.

Nebenbemerkung 1: Adobe ist hier (wohl eher gezwungen durch das US-Amerikanische Verbraucherschutzrecht als aus kapitalistischem Antrieb) so „fair“ dateien in einem offenen, detailliert dokumentierten Dateiformate zu nutzen, auf die jeder Programmierer eines anderen kapitalistischen Unternehmens, wie auch jeder freie Programmierer uneingeschränkten Lese- und Schreibzugriff (z.B. für Migrationszwecke) nehmen kann.

Nebembemerkung 2: Wer Geld und Zeit investiert um KnowHow zur Nutzung einer proprietären Software eines kapitalistischen Unternehmens aufzubauen macht das freiwillig und im steten Wissen darum, dass er sich damit von der Produkt- und Marketingpolitik des Unternehmens abhängig macht. Wer hingegen sein Geld und/oder seine Zeit investiert, ohne sich dieser Problematik bewusst zu sein, hat vermutlich den Kapitalismus – den er mit einer gewissen hohen Wahrscheinlichkeit selbst gewählt hat und durch konkludentes Handeln permanent unterstützt, nicht verstanden. Hier wäre dann KnowHow-Aufbau zum Thema „kapitalistisches Wirtschaften“ angebracht.

Möglichkeit 2

Ihr benutzt eine Open Source Software (OSS). Alternativen zu den Adobe Produkten wären da z.B. Darktable (Statt Lightroom) oder GIMP (statt Photoshop) um nur die beiden bekanntesten zu nennen. Hier habt Ihr plötzlich das, was Ihr glaubt von Adobe fordern zu können: Einfluss auf die Produktpolitik. Ihr könnt investieren: Zeit, Geld, KnowHow, KnowHow-Aufbau, ohne den Kapitalismus durch Euer Verhalten zu fördern. Ihr könnt nach Herzenslust mitdiskutieren. Ja, wenn Ihr genügend KnowHow habt könnt Ihr sogar ein Feature, das durch die Community aus dem Hauptentwicklungszweig entfernt wurde selbst oder durch Freunde / Auftragsprogrammierer weiterentwickeln lassen oder gar einen Fork erzwingen, der ein komplett neues Produkt aus dem bestehenden, mit einem von Euch bestimmten Featureset beinhaltet.

Aber Vorsicht! OSS-Software mag in der Anschaffung kostenlos sein. Wer sie hingegen nutzt, wie die kostenlose Version, einer unter kapitalistischen Bedingungen erzeugten Softwarelösung (Lightroom, Photoshop) kann genauso gut gleich beim Kapitalismus bleiben.

 

Denn: die Programmierer einer OSS-Software müssen tatsächlich selbst ebenfalls unter kapitalistischen Bedingungen überleben. Auch wenn viele von diesen Programmierern einen Teil ihrer Freizeit beisteuern, um die OSS-Software weiterzuentwickeln, entstehen Kosten (z.B. Betrieb von Servern, Strukturierung und Unterstützung der Community, Internetanschlüsse usw.usf.). Ja, vieles davon sind Eh-Da-Kosten (also Kosten, welche die OSS-Entwickler ohnehin hätten, auch wenn sie nicht an der Software weiterentwickeln würden. Aber was wichtiger ist: die besten dieser OSS-Programmierer bauen (gerade im Bereich der Bildverarbeitung) ein ungeheures KnowHow auf, das sie für kapitalistische Unternehmen interessant macht. Sie könnten also über Kurz oder Lang dem „Ruf des Geldes“ erliegen. Und genau das geschieht mit nahezu jeder erfolgreichen OSS-Software früher oder später: Sie kann nicht mehr ohne die finanzielle Unterstützung eines kapitalistischen Unternehmens weiterentwickelt werden (schaut Euch dazu einfach Linux an).

D.h. würden die unzufriedenen Adobe-Benutzer sämtlich zu Darktable und GIMP wechseln und wären diese bereit, dort mindestens den Geldbetrag auszugeben, das Engagement zu zeigen, den sie zuvor der „Krake“ Adobe in den Rachen geworfen haben, dann könnten diese Produkte besser werden. Geld ausgeben heißt hier selbstverständlich nicht nur für die Anschaffung  der OSS-Software spenden. Geld ausgeben heißt hier VORALLEM auch: Zeit und Geld zu investieren, um KnowHow für die Benutzung dieser OSS-Produkte aufzubauen. UND auch: Zeit und Engagement in den Aufbau, die Pflege und die Diskussionen der Community zu investieren.

Viele kritisieren und was viele vom Wechsel zu den OSS-Alternativen abhält: „Die sind halt nicht so gut wie Lightroom und Photoshop“. Ja. Und warum nicht? Weil Ihr seid Jahren einem kapitalistischen Unternehmen Geld gebt, mit Hilfe dessen deren Produkte verbessert werden, ohne dass Ihr einen Einfluss darauf habt.

Fazit:
Meine Meinung: nehmt entweder Eure, Zeit, Energie und Euer Geld und gebt es für etwas aus, das Ihr tatsächlich beeinflussen könnt oder werft es einem kapitalistischen Unternehmen in den Rachen und findet Euch damit ab, dass vielleicht etwas herauskommen könnte, dass auch Euch nutzt (was vermutlich nur dort der Fall sein wird, wo Ihr zum Mainstream der Nutzer gehört). Im letztgenannten Fall ist jedoch nicht alleine Adobe die hässliche Fratze des Kapitalismus! Nein die „hässliche Fratze des Kapitalismus“ ist in diesem Fall eben und gerade auch Euer Konsumverhalten.

Written by emden09

06.11.2017 at 10:19

Veröffentlicht in Allgemein

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