emden09

nie angepasst

Urheberrecht und Creative Commons

leave a comment »

Am 8.8.2017 möchte uns ein Herr Sascha Rheker auf seinem Blog weismachen, dass Nutzer einer Creative Commons-Lizenz auf ihr Urheberrecht verzichten und daher jeden Gebrauch/Missbrauch ihrer Werke dulden müssen.

Das ist natürlich Unsinn. Die Motivation von Herrn Rheker solche falschen Behauptungen (Fake News) in die Welt zu setzen ist auch durchsichtig. Herr Rheker ist Berufsfotograf. Für Berufsfotografen ist es natürlich ärgerlich, wenn von Motiven, von denen Sie gerne Bilder verkaufen würden (Stockfotos) all zu viele Fotos unter freien lizenzen wie z.B. CC im Umlauf sind. das dürfte auch der Grund sein, warum Herr Rheker meinen diesbezüglichen Kommentar auf seinem Blog nicht freigibt und entsprechend eine widersprechende Meinung unterdrücken will. Es ist eben auch der Grund warum ich diesen eigenen Blogartikel als Kommentaer zu seinem Unfug verfasse.

Die Argumentation von Herrn Rheker und anderen, auf die er sich bezieht ist schlicht inhaltlich falsch. Wer ein Werk unter einer „Creative Commons“ Lizenz freigibt verzichtet damit gerade nicht auf sein Urheberrecht. Auf ein Urheberrecht kann man nämlich gar nicht nicht verzichten. Man hat es lebenslänglich. Man kann schlimmstenfalls darauf Verzichten, aus seinem Urheberrecht andere Rechte (z.B. auf Bezahlung der Nutzung eines Werkes) abzuleiten.

Darüber hinaus macht die Argumentation von Hern Rhekers Artikel auch keinen Sinn. Er behauptet, ein Bild unter Creative Commons Lizenz könne von jedem, zu jedem Zweck benutzt werden und der Urheber habe dabei kein Mitspracherecht. Das ist falsch. Allerdings ein netter Versuch von Herrn Rheker im Sinne seines Berufsstandes durch Fakenews Verunsicherung bei unbedarften Hobbyfotografen zu streuen.

Nehmen wir z.B. die von mir regelmäßig verwendete CC BY-NC-SA 4.0, so kann ich diese Nutzung dieser Lizenz, wie auch die Gewährung der Lizenz an sich, jederzeit gegenüber jedermann widerrufen. Wie übrigens jeder Urheber unter Berufung auf sein Urheberrecht Nutzungslizenzen jederzeit gegenüber jedermann widerrufen kann.

Das scheint nicht so einfach. Denn problematisch wird das Widerrufen von Lizenzen natürlich für Urheber, die Lizenzen gegen Geld gewähren. Die müssen nämlich ggf. für die ursprüngliche Lizenz-Gewährung erhaltene Geldbeträge ganz oder teilweise zurückerstatten wenn sie Lizenzrechte nachträglich widerrufen oder einschränken. Ja, sie müssen ggf. sogar Schadensersatz leisten.

Genau das aber kann beim Widerrufen der o.g CC-Lizenz nicht passieren, da diese ja ausschließlich für nichtkommerzielle Zwecke gewährt wird. Also kann beim Nutzer des Werkes unter der Lizenz auch kein wirtschaftlicher Schaden entstehen. Würde der Nutzer des Werkes nämlich behaupten ihm sei durch Widerruf der CC BY-NC-SA 4. Lizenz ein wirtschaftlicher Schaden entstanden, würde das im Umkehrschluss bedeuten, dass er zuvor das Werk unter der Lizenz wirtschaftlich (also kommerziell) nutzte. Damit hätte der Nutzer des Werkes ohnehin gegen die Lizenzbestimmungen verstoßen und wäre seinerseits schadensersatzpflichtig ohne jedoch durch den Schadenersatz ein zukünftiges Nutzungsrecht im Sinne einer Lizenz zu erlangen.

Weitergehend kann ich eine Lizenz nicht nur nachträglich widerrufen. Ich kann die Lizenz sogar gegenüber einzelnen für eine bestimmte Nutzung widerrufen. Nehmen wir an, ich hätte tatsächlich, wie im Fall, den Herr Rheker schildert, ein Bild von Dirk Bach unter der o.g. Lizenz auf Wiki-Commons veröffentlicht und ein Verein homophober Rechtsradikalinskis würde dieses Bild benutzen, um Stimmung gegen Homosexuelle Menschen zu machen. das würde mir natürlich nicht gefallen, Entsprechend könnte ich, durch einfachen Brief an diesen Verein (Einwurfeinschreiben ist besser, dann lässt sich der Zugang beweisen) mit sofortiger Wirkung einzig und alleine diesem Verein gegenüber die Nutzung meines Werkes durch diesen Verein untersagen. Das Werk könnte dann dennoch weiterhin unter der selben Lizenz Wiki-Commons und anderen Nutzern im Web zur Verfügung stehen. Ich bin nämlich als Urheber durchaus berechtigt, die ursprünglich gewährte Lizenz (auch eine CC) gegenüber einzelnen Nutzern oder auch nur bezogen auf einen einzelnen Verwendungszweck zu widerrufen ohne sie dadurch gleichzeitig für andere Nutzer zu widerrufen.

Ich verstehe ja gut, dass Berufsfotografen gerade auch wenn sie Stockfotografie betreiben ärgerlich sind, wenn zu viele kostenlose Werke im Umlauf sind, die sie daran hindern Lizenzen für ihre Werke (an nichtkommerzielle Nutzer – z.B. Sportvereine etc.) zu verkaufen. Dass diese Berufsfotografen gerne zu „Angstmache“ und Fake News greifen, um mit ihrer in diesem Fall unsinnigen Position Menschen mit weniger Rechtskenntnissen zu verunsichern, halte ich für verständlich im Rahmen dessen, wie heutzutage Propaganda halt so gemacht wird.

Jeder der obenstehende Rechtsposition argumentativ angreifen möchte, möge sich die Worte sparen und stattdessen einfach eines meiner Werke in einem Kontext wie im Rheker-Artikel beschrieben, veröffentlichen. Meine Rechtsposition ist (bevor ich erstmals die CC BY-NC-SA 4.0 – damals noch in Version 2.0 nutzte) mit einem erfahrenen Medienrechtler abgestimmt. Er und ich warten nur darauf, dass irgendein Naziverein (aka AfD) auf das Zurückziehen einer Lizenz durch mich zickig reagiert und die Nutzung meines Werkes nicht unverzüglich beendet. Abmahnung, Schadenersatz und Rechtsvertretungskosten für die Herrschaften werden die unmittelbare und rechtlich einschlägige Folge sein.

Schlussendlich noch folgende Schlussfolgerung: Wenn die Nutzung von Werken unter CC BY-NC-SA 4.0  durch den Urheber – wie oben ausführlich erläutert – jederzeit widerrufen werden kann, dann besteht darin ggf. für möglich Nutzer der Werke das einzige wirkliche Gegenargument gegen die Nutzung solcher Werke. Das gilt besonders für das mit der Lizenz gewährte Recht, eigene Werke auf Basis des lizenzierten Werkes zu schaffen und sie unter der selben Lizenz zu veröffentlichen. Wird für ein solches eigenes Werk (z.B. Fotographisches Composing aka Fotomontage) nämlich die Lizenz für die Nutzung eines Bestandteils (z.B. Textur) nachträglich entzogen, muss dieser Bestandteil unverzüglich aus dem eigenen Werk entfernt werden. Soweit die Lizenz für die Textur also nicht käuflich erworben wurde, sondern lediglich unter CC BY-NC-SA 4.0 erteilt wurde, besteht für das abgeleitete Werk also tatsächlich einer Gefahr, nicht aber für den, der das ursprünglich unter CC BY-NC-SA 4.0 veröffentlichte Werk schuf und lizenzierte.

 

Advertisements

Written by emden09

11.08.2017 um 09:59

Veröffentlicht in Allgemein

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: