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Streetfotografie – Eine Ernüchterung

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Wir waren gestern in der Ausstellungseröffnung im NRW Forum „Lindbergh / Winogrand: Women on Street“.

 

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Ich war am Ende sehr enttäuscht – oder sagen wir lieber ernüchtert.

Ja, es war voll und es war meine erste Vernissage in diesem „Forum“.

Positiv: Wir kamen um 18:30 am Forum an und konnten deshalb schon mit dem ersten Schwung Leute rein.

Die ausgestellten Werke von Lindbergh waren dann die erste Ernüchterung. Er hatte sich scheinbar einfach ein Model genommen und seine Modefotografie auf die Straße verlegt. Die Dame durfte sich im Laufe des Shooting 2-5 mal umziehen. Aber die „Street“ war ausschließlich Staffage und das Model wirkte in den meisten Fotografien wie ein Fremdkörper. Man hätte sie in die meisten Fotos sogar mit Photoshop reinmontieren können, so wenig Interaktion  von Ihr mit der „Street“ aber auch so wenig Reaktion der „Street“ auf sie war zu sehen. Das Titelbild dieses Beitrages mag  da exemplarisch sein. Dass Lindbergh dann ab und zu die Kamera schief gehalten hat empfand ich schon fast als eine manieristische Frechheit. Sei’s drum, er ist ein großer Fotograf und wenn er sowas darf, dürfen wir das in Zukunft auch. Wir nenne es dann halt „lindbergh“-Style. Warum mir die ganze Zeit zum bekannten Partysong die Textzeile „Das sind keine 35 mm, nie im Leben lieber Peter“ durch den Kopf ging weiß ich selbst nicht so genau.

Winograd gefiel mir deutlich besser. Aber da sind wir dann wieder bei meiner „üblichen“ Kritik am Forum, das ich despektierlich gerne auch als „Club der toten Dichter“ bezeichne. Ich war wg. Lindbergh gekommen, weil er eben noch als „contemporary“ gelten kann.

Die eigentliche Enttäuschung des Abends aber war das Publikum. Als es so weit war, dass der Kurator und später auch Lindbergh selbst das Wort ergriffen, demonstrierte die schicki micki gekleidete Bussi-Tussi-Meute Desinteresse vom Feinsten. Statt mal eben das dumme Plappermaul zu halten, sich nicht mehr über den Geschmack der gereichten alkoholischen Kaltgetränke oder Tante Helgas Hämorrhoiden zu unterhalten, wurde einfach munter über sämtliche Belanglosigkeiten des Lebens – nicht etwa mit gesenkter Stimme sondern in voller Lautstärke weitergeplappert.

Sehen diese Leute sich im normalen Leben nicht? Haben sie keine Accounts auf sozialen Medien, wo sie ihren Klatsch-und-Tratsch-Müll austauschen können? Sorry, wenn ich zu einer Vernissage gehe und der „Künstler“ das Wort ergreift, würde ich gerne hören, was er zu sagen hat. Aber so viel „Kultur“ oder sollte man sagen „Kultiviertheit“ hat bei dem Pack im Forum offensichtlich noch nicht Einzug gehalten. Unnötig zu erwähnen, dass sie Lindbergh als er sein Statement beendet hatte, artig Beifall spendeten – besonders laut jene, die zuvor nicht zugehört sondern mundert weitergeplaudert hatten.

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Written by emden09

03.02.2017 um 15:04

Veröffentlicht in Allgemein, Fotografie, Internet

Eine Antwort

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  1. Ja, in der Tat ärgerlich, wenn Vorträge gehalten werden und das Publikum nicht nur nicht zuhört, sondern auch noch Krach macht. Da kann ich auch die Wut kriegen, denn dafür kommt man ja zur Vernissage um die Wortbeiträge zu hören.
    Über Lindbergh hast du berichtet, über Winograd nur eine Randnotiz.
    Da bin ich mal gespannt, ob ich deine Ansicht zu Lindbergh teile. In der kommenden Woche besuche ich die Ausstellung voller Erwartung. 😊

    Gefällt mir

    Joachim Dudek

    05.03.2017 at 11:20


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