emden09

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Postfaktisch – selten so gelacht.

with one comment

Wir reden von „Postfaktisch“. Damit ist dann wohl der Zustand „nach“ (post) einem anderen gemeint. Welche Vergangenheit also bedauern die Erfinder dieses Begriffes? Es gab offenbar eine Zeit, welche diese Leute für „faktisch“ halten. „Faktisch“ also Fakten-bezogen. Wann soll diese Zeit gewesen sein?

 

Nun vor der Post-Faktischen wohl. Welche Zeit lag denn nun vor der sogen. „Post-Faktischen“.
Ich erinnere mich an eine Zeit vor den sozialen Medien. Eine Zeit vor dem Internet. Damals hatte eine kleine Gruppe von Menschen die Macht über die Fakten. Politiker und Journalisten waren damals die Menschen, welche die „Fakten“ kontrollierten, die veröffentlicht wurden.

 

Mir fällt da gerade ein Beispiel ein. 1983 gingen wir in Bonn auf die Straße. Damals gab es den sogen. „Nato-Doppelbeschluss“. Der bestand im Wesentlichen darin, dass die USA neue Raketen mit nuklearen Sprengköpfen (Atomraketen) sogen. „Pershing“ in Deutschland stationieren wollten. Die Flugzeiten dieser Pershing-Raketen bis Moskau lagen deutlich unterhalb der Flugzeiten der Russischen SS20-Raketen bis Washington oder New York. Es war also möglich mit diesen Pershing einen Atomaren „Enthauptungsschlag“ zu führen. So nannte man zu der Zeit die Möglichekit, die Atomwaffenabschussbasen des Gegners zu zerstören, bevor dieser in der Lage war das eigene Territorium (die USA) mit Nuklearwaffen zu verwüsten.

 

Helmut Schmidt, Bundeskanzler der SPD hatte diesen Nato-Doppelbeschluss gegen den Widerstand seiner eigenen Partei durchgedrückt. Er hatte auch die propagandistische „Sprachregelung“ der Bundesregierung „erfunden“, welche die „Pershing“-Raketen im Gegensatz zu den „Enthauptungsschlag“-Fakten als „Verteidigungswaffen“ apostrophierte. Gleichzeitig bedachte Schmidt die SS20 der Sowjetunion wahrheitswidrig mit dem Begriff „Angriffswaffen“. tagesschau, tagesthemen, heute, heute-journal. Springer, Zeit, FAZ, nein, alle deutschen „Qualitätsjournalisten“ übernahmen seinerzeit diese „Sprachregelung“ der Bundesregierung. Fakten sprachen und sprechen bis heute eine andere Sprache als der „Qualitätsjournalismus“ der 80ger Jahre. Aber Umfragen aus der damaligen Zeit zeigen, dass die staatlich gelenkte Propaganda, welche mit Hilfe der „Qualitätsjournalisten“ verbreitet wurde, trotz ihrer faktischen Unrichtigkeit das Meinungsbild in der deutschen Öffentlichkeit zum Nato-Nachrüstungsbeschluss innerhalb weniger Monate drehte.

 
Damals also hatten „Qualitätsjournalisten“ und Regierung die Deutungshoheit über die „Fakten“. Diese ist ihnen heute abhanden gekommen. Also kein Post-Faktisches sondern ein Post-Regierunsgpropagandistisches und ein Post-Profimedien-Propagandistisches Zeitalter?

 

Ein Beispiel nur? Natürlich. Wie viele diese Beispiele wollen Sie? Nur die prominentesten? Kohls „blühende Landschaften“, die er selbst inzwischen als Propagandalüge entlarvte? Schröders, Fischers (inkl. SPD und Grüne) Zustimmung zum Balkankrieg, auf Beweisen beruhend, die Scharping später selbst als „plumpe Fälschung“ entlarvte? Strucks „Verteidigung der Freiheit Deutschlands am Hindukusch“? Obamas Friedensnobelpreis und Obamas folgende tägliche Todesurteile ohne rechtstaatlichen Prozess durch Drohnenangriffe weltweit? Die ausgedachten Zahlen mit denen Bundeninnenminister De Maiziere im Staatsrundfunk bis heute ungestraft behauptete, Flüchtlinge würden von Ärzten zur Abwendung der Abschiebung krank geschrieben? Lächerlich. Nein, das sind keine Einzelfälle. Das ist die Realität. Politiker betreiben Propaganda. Unabhängig von Fakten. Professionelle Journalisten greifen diese Propaganda Tag für Tag bereitwillig auf und verbreiten sie durch abschreiben – einer vom anderen weiter. Nur selten kommt eine kritische Stimme und widerlegt die Propaganda. Natürlich schreibt keiner, der vorher die Propagandalüge verbreitete hernach die Gegendarstelung, die Wahrheit, die Fakten erneut ab. Dadruch würden sich diese „Medienschaffenden“ ja selbst der Lüge überführen.

 
Gleichzeitig glauben in Deutschland 22,3 Mio evangelische und 23,7 Mio katholische Christen an die „Schöpfungsgeschichte“ und die (vielfach protokolliert) gefälschte Geschichte des sogen. „Neuen Testamentes“. Weitere 6 Millionen Mitglieder anderer Glaubensgemeinschaften (Muslime, Orthodoxe Christen, Juden usw.) glauben offenbar ebenfalls an einen Schöpfergott. Diese Mehrheit der religiösen Menschen in Deutschland ignoriert also bis heute die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Physik zur Entstehung des Universums, der Biologie zur Evolution und der Enstehung der Menschen auf der Erde. Ja tatsächlich glaubt eine noch größere Mehrheit der Menschen in Deutschland an die „wissenschaftlichen“ Erkenntnisse der Pharmazie, welche fast ausschließlich durch die pharmazeutische Industrie und deren Wirtschaftliche Interessen gelenkt manipuliert werden.

 
Und in dieser Zeit, die tatsächlich, was die Fähigkeit der meisten Menschen zum Erkenntnisgewinnung betrifft, weiterhin eine PRÄ-FAKTISCHE ist, schwingt sich ein wissenschaftlich mehr als fragwürdiges Gremium* auf und erklärt den von Politik und „Qualitätsjournalismus“ erfundenen Propagandabegriff „post-faktisch“ zum Wort des Jahres? Sorry, Leutz, einmal Gehirn einschalten und dann: selten so gelacht. Muahahahhhaaaa.

 
Nein! Das alles rechtfertigt nicht die dümmlichen Propaganda-Erfindungen der Nazis aus AfD, Pegida und „besorgte Bürger“ über Einwanderer in den sozialen Medien! Nein, es rechtfertigt auch nicht, dass die CSU große Teile dieser Propagandalügen ungeprüft übernimmt. Es rechtfertigt auch nicht, dass ganz Deutschland (samt seiner „Qualitätsmedien“) seit Wochen ausschließlich über eine Vergewaltigung in Deutschland (Freiburg) diskutiert. Laut Kriminalitätsstatikstik eine von über 40.000 Vergewaltigungen von denen rund 90% durch DEUTSCHE Tatverdächtige begangen werden.

 
Sie haben diesen Blogpost bis hierhin gelesen? Dann haben Sie gute Chancen, den Fakten näher zu kommen. Aber Post-Faktisch sind wir als Gesellschaft allgemein damit noch lange nicht!

 

—————–
*Die Gesellschaft für Deutsch Sprache  welche dieses „Wort des Jahres“ jährlich kürt ist natürlich nicht umsonst ein Verein aus Wirtschaftsvertretern, politischen Beamten und parteinahen Institutionen sowie nicht zuletzt von „Qualitätsjournalisten“. Ja, wir dürfen über diesen armseligen Haufen Lord-Siegelbewahrer einer vergangenen Epoche an dieser Stelle erneut herzhaft lachen. Vergangen ist aber sicher nicht die „faktische“ Epoche.

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Written by emden09

16.12.2016 um 11:49

Veröffentlicht in Allgemein, Innenpolitik

Eine Antwort

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  1. Da bleiben dann noch die Begriffe „Fakenews“ und „alternative Fakten“ in diesen Kontext zu bringen, nämlich der Versuch derer, die in den 80ern das Propagandamonopol hatten, dieses für sich wiederzugewinnen.

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    hensys2014

    29.01.2017 at 23:01


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