emden09

nie angepasst

Fotograf Jörg

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Da haben wir jetzt also diesen Fotografen. Nennen wir ihn »Jörg«. Jener, der meine Kommentare auf Facebook immer erst (wg. angeblicher „Irrelevanz“ 😉 löscht, bevor er sie seitenlang kommentiert. Der will mir erneut einen Bären aufbinden. Sei es wie es ist. Wer nicht mit mir reden und diskutieren will, wird wohl in Kauf nehmen müssen, dass ich über ihn rede (schreibe).

 

Zunächst einmal glaubt Fotograf Jörg, es sei uninteressant, welche Bild-Qualität ein Profi-Fotograf im Einzelfall abliefere. Wichtig sei, dass ein Berufsfotograf Kunden fände und gleichbleibende Qualität abliefere. Er wiederholt dabei, freilich ohne es zu bemerken, genau mein Argument. Menschen, die mit dem Herzen und ohne kommerziellen Hintergedanken bei der Sache sind, wollen das „beste“ Bild, die beste Bild-Qualität. Der Berufsfotograf möchte „nur“ das „gut genug“-Bild. Mehr ist für ihn wirtschaftlich nicht vertretbar. Warum sollte er mehr Leistung bringen, als jene, die seinen Kunden zufrieden stellt und mit weiteren Aufträgen wiederkommen lässt? Schon gar nicht mehr Qualität als der Kunde zu bezahlen bereit ist. Nebenbei bemerkt: Das erinnert mich an Microsoft, die von ihren Mitarbeitern immer „Good enough“-Software fordern. Die Software, die dabei herauskommt entspricht in der Qualität dem, was wir in den Schaufenstern der profitorientierten Fotoateliers zu sehen bekommen.

Das führt uns zum zweiten Argument. Berufsfotografen behauptet Fotograf Jörg, würden in Summe nur deswegen immer schlechtere Qualität liefern „müssen“, weil Amateure die Preise kaputt gemacht hätten. Da haben wir das Problem mit der Änderungsresistenz, das ich im Blogbeitrag zuvor ansprach. Berufsfotografen, die nicht in der Lage sind, ihr Geschäftsmodell einem sich ändernden Markt anzupassen haben kein Geschäft mehr. Meines Erachtens zu recht. Denn das gilt verallgemeinert für Profis in allen Lebensbereichen. Wenn ein Markt sich wandelt und der Profi nicht in der Lage ist, ein adäquates Angebot für den veränderten Markt zu entwickeln, hat er kein Geschäft mehr. (Punkt)

Wir können uns an dieser Stelle gerne über ein BGE unterhalten, das ich sehr befürworte und das diesen rein kapitalistischen Druck aus den Tätigkeiten des Alltages ein wenig herausnehmen würde. Wir können auch noch ein bisschen Kapitalismuskritik einstreuen. Da würde ich mich wirklich sehr zu Hause fühlen. Aber ich glaube das führt hier vom Thema weg.

Wir landen schließlich bei den „kommerziellen Projekten“. Hier glaubt Fotograf Jörg, dass nur ein Idiot ein kommerzielles Fotografie-Projekt an einen Amateur vergeben würde. Er argumentiert: Die Projektmanagementfähigkeiten, die von einem Berufsfotografen gefordert seien, könnten von Amateuren nicht geleistet werden. Falsch! Ich kenne inzwischen viele Amateurfotografen. Zahlreiche, die in ihrem Hauptberuf Projekte von bedeutender Größe und Komplexität managen. Kurz: Projektdimensionen, die im Fotografie-Geschäft bis heute nie erreicht wurden. Das heißt die besseren Projektmanager gibt es sicherlich außerhalb des Fotobusiness. Ob diese Amateurfotografen dann bei ihren Fotoprojekten auf die Projektmanagementkenntnisse aus ihrer beruflichen Praxis zurückgreifen, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich jedenfalls würde das tun.

Und: Nein Fotograf Jörg, als Amateure haben wir bei einer Hochzeit nicht mit „einem“ Backup-Body und „einem“ Backup-Fotografen gearbeitet. Tatsächlich hatten wir reichlich Backup-Hardware, zwei Backup-Fotografen und eine Lichtassistentin am Start. Tatsächlich hatten wir zwei Vorbereitungstage mit dem Hochzeitspaar. Dazu einen Nachbereitungsnachmittag. Ja, tatsächlich, das kann ein Berufsfotograf bei den Preisen, die für Hochzeitsfotografie aufgerufen werden, nicht leisten. Aber (s.o.) dann sind Hochzeiten einfach und schlicht für Profis kein Geschäftsfeld (mehr). Oder anders ausgedrückt, man muss eben hinnehmen, dass Profis aus wirtschaftlichen Gründen bei einer Hochzeit schlechtere Arbeit abliefern *müssen* als Freizeitkünstler.

Schließlich glaubt Fotograf Jörg er könne uns Neid unterstellen, weil wir mit unserer Fotografie keinen („Cent“) Geld verdienen. Das Gegenteil ist der Fall! Wir sind im Hauptberuf erfolgreich. Geld zu bekommen und zu haben ist nach der Arbeit keine Herausforderung mehr. Wir können und *wollen* es genießen, in der Freizeit unser Bestes zu geben ohne dabei an „Geld“ und „verdienen“ auch nur zu denken. Es ist für mich geradezu entspannend, das Maximum an künstlerischer Kreativität und Organisationstalent aus mir herauszuholen, nur so, zum Spaß. Weil ich es aus tiefster Überzeugung und mit reinem Herzen und NICHT für profanes Geld mache. Das ist übrigens bei fast allen Freizeitbeschäftigungen anderer Art für fast alle anderen Menschen ebenso.

Ob ich auf Fotograf Jörgs Argument noch eingehen möchte, ein Berufsfotograf habe die „Cochones“ aus der Fotografie ein Geschäft zu machen. Der Amateur besäße diesen Mut nicht. Ich weiß nicht so recht. Diese Schwanzlängenvergleiche (und darauf läuft das Wort „Cochones“ ja nun mal hinaus) liegen mir am Ende nicht wirklich. Andererseits könnte das Argument sehr leicht als Bumerang zu Fotograf Jörg zurückkommen. Ein Amateur, hat, wie das Wort schon sagt den Mut, sein Herz (und seine Freizeit) zu investieren, während der Profi lediglich profanes Geld und Arbeitszeit investiert.

Vielleicht können wir damit die dümmliche Argumentationskette: Profifotografen werde von Amateuren das Geschäft und sogar die kostenlosen Geschäftsmodelle (TfP) kaputt gemacht, endgültig zum Abschluss bringen. Niemand, der Kunst aus freier Überzeugung, mit dem Herzen betreibt, nimmt jemandem, der sie „nur“ für Geld betreiben will irgendein „Geschäft“ weg. Denn: Dieses „Geschäft“ existierte nur in der Phantasie. In der Praxis hat es dieses Business nie gegeben. Denn niemand war je bereit, einen Auftrag zu erteilen, in dem so viel investiertes Herz mit einem adäquaten Geldbetrag abgegolten worden wäre.

Allgemeiner: Niemand, der sich friedlich daran beteiligt, dass die Welt sich ändert, macht damit etwas kaputt. Wer allerdings stehen bleibt, weil er die Änderung nicht (mehr) begreift, sich nicht (mehr) darauf einzustellen vermag, glaubt es würde etwas zerstört. Dieses etwas ist aber nur eine vermeintliche »heile Welt« die es, so wie gefühlt, nie gab. Es gab lediglich diesen einen Menschen, der bereit war Veränderungen bis zu einem gewissen Punkt mitzumachen. Während dieser Zeit bemerkte er nicht, was sich tatsächlich für andere, die zu dieser Zeit bereits stehen blieben, veränderte. Als er selbst stehen blieb, enteilten ihm die Veränderungen. Ihnen nachzulaufen, den Anschluss wieder zu finden wird ihm zu mühsam. Also sucht er Schuldige, auf die er schimpfen kann, weil sie etwas änderten, ohne ihn zu fragen. Das mit Verlaub ist lächerlich. Die Kommentare jener, die es anmerken unter den Facebook-Posts mit dem Geschimpfe zu löschen, ist kümmerlich. Die gelöschten Kommentare dann unvollständig wiederzugeben, ja ohne es zu merken, die Argumente teilweise 1:1 zu wiederholen und zu behaupten man widerlege sie damit, ist unverschämt.

Ja, ich bin sicher, wir alle könnten von Fotograf Jörg noch etwas lernen. Dieses etwas ist aber nicht das meckern. Würde er sich auf das konzentrieren, was wir – fotografisch von ihm lernen könnten, wäre nicht nur er, nein wir alle wären einen gewaltigen Schritt weiter.

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Written by emden09

07.11.2016 um 16:59

Veröffentlicht in Allgemein, Fotografie

3 Antworten

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  1. Wir nennen „Jörg“ Pussycat und Du bleibst bei Deinem Stil 😀

    Gefällt 1 Person

    e-leo1969

    07.11.2016 at 19:00

  2. “ Wir können und wollen es genießen, in der Freizeit unser Bestes zu geben ohne dabei an „Geld“ und „verdienen“ auch nur zu denken. Es ist für mich geradezu entspannend, das Maximum an künstlerischer Kreativität und Organisationstalent aus mir herauszuholen, nur so, zum Spaß. Weil ich es aus tiefster Überzeugung und mit reinem Herzen und NICHT für profanes Geld mache.“ Schön ausgedrückt.
    Anderer Blickwinkel noch: Manchmal ist es Menschen unverständlich, dass wir „Nichtprofis“ so viel Aufwand betreiben, um besondere Ergebnisse zu erzielen, und nichts dafür verlangen, so viel Equipment bereitstellen, anschleppen, die Zeit investieren, auch in der Nachbearbeitung und das alles ohne Geld zu verlangen. (Natürlich sind die Bilder unser Lohn! Aber die sind nicht monetär) aus Liebe zum Werk, zu unserem Hobby. Einfach so.
    BG Olaf

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    miesvandenbergh

    12.11.2016 at 12:27

  3. […] rät zur De-Installation von AV-Software Kleinstadtästhetik /2 Interessant zu lesen: Fotograf Jörg Flughafen Tempelhof 1954 Freier Foto-Entwickler RawTherapee 5 erschienen Das große Fressen: Der […]

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