emden09

nie angepasst

Asyl: ein neues Konjunkturprogramm

with 4 comments

Erfurts Bürgermeister ist Mitglied der SPD. Das heißt nicht, dass er mehr Verstand hat als ein durchschnittlicher Nazi. Dass er weniger hat, demonstriert er heute früh. „Kindern von Asylsuchenden soll das Recht eine Schule zu besuchen verwehrt bleiben, bis ihr Aufenthaltsstatus endgültig geklärt ist“ fordert er. Darüber hinaus betont er „Das Asylrecht ist kein Zuwanderungsrecht“.

 

Würde er das umgekehrt fordern: „Das Asylrecht muss ein Zuwanderungsrecht werden“ und „wir brauchen mehr Lehrer und Geld für Schulen, um auch die Flüchtlingskinder unterrichten zu können“, dann, ja dann hätte er Verstand.

 

Die Misere, es sind nicht genug Schulen und Lehrer da, um Flüchtlingskinder zu unterrichten, beweist doch nur eins: Zuwanderung schafft Arbeit! Zuwanderung könnte ein Konjunkturprogramm für ganz Deutschland werden. Daher sollte man fordern: „Das Asylrecht muss ein Zuwanderungsrecht werden“!

 

Der nächste Fehler den solche Politiker machen ist doch: „Flüchtlinge und Zuwanderer dürfen hier nicht arbeiten bis ihr Aufenthaltsstatus geklärt ist“. Gleichzeitig schimpfen sie „unser Rentensystem ist in Gefahr, weil die Gesellschaft überaltert“. Ja merkt denn niemand den Widerspruch? Übers Meer kommen keine alten Leutchen, die Rentenkassen belasten. Das war anders als seinerzeit die Mauer fiel und die DDR der BRD beitrat. Da hatten wir plötzlich ein Loch in der Rentenkasse, weil aus der DDR natürlich genauso viele Alte wie Junge der BRD beitraten.

 

Flucht aber ist im Wesentlichen was für Junge, Starke, für Kämpfernaturen, die optimistisch in die Zukunft blicken, den Schrecken hinter sich lassen wollen und glauben etwas bewegen zu können in ihrem Leben. Lasst sie hier etwas bewegen. Gebt ihnen Arbeit. Lasst sie in die Rentenkasse, die Sozialkasse einzahlen und schon ist das Problem, das Kohl aus Machtpolitischem Kalkül der Rentenkasse aufbürdete gelöst.

 

Das was diese Zuwanderer diese Flüchtlinge vom Beitritt der DDR zur BRD unterscheidet ist: da kommen keine Rentner. Da kommen, wenn wir es richtig machen und die Menschen für ihren Lebensunterhalt arbeiten lassen, Nettozahler für die Sozialkassen. Nein, die müssen zunächst nicht einmal Deutsch können, um hier Arbeit zu finden. Es werden sich genug Arbeitgeber finden, die in der Lage sind auf Englisch oder Arabisch mit ihren Mitarbeitern zu kommunizieren.

 

Forscher der in Sachen Ausländerfreundlichkeit unverdächtigen ultrakonservativen Bertelsmann-Stiftung haben ausgerechnet, dass heute schon pro Zuwanderer ein sattes Plus von 3.300 Euro jährlich in den Sozialkassen entsteht. Wir könnten also unsere Sozialkassen mit Hilfe der Flüchtlinge sanieren.

 

Nein, das sind keine „edlen“ „Rettermotive“. Das ist aber wurscht! Was uns hilft und gleichzeitig den Flüchtlingen hilft ist gut. Denn Arbeit schafft Arbeit. Flüchtlinge die hier Geld verdienen, werden es auch wieder ausgeben. Sie werden eine Wohnung für sich und die Familie mieten. Wenn sie gut verdienen werden sie Häuser kaufen oder gar bauen. Sie werden von dem Geld, das sie verdienen Nahrungsmittel, Kosmetikartikel und all das andere kaufen, was so zum täglichen Bedarf gehört. Sie werden, um zur Arbeit zu kommen Infrastruktur (Busse, Bahnen, Straßen) benutzen und bezahlen. Sie werden Dienstleistungen (Ärzte, Therapeuten, Steuerberater) in Anspruch nehmen und bezahlen.

 

Ja, ja ich weiß, das gängige Vorurteil lautet: „die sparen alles uns schicken das Geld in die Heimat, die geben hier gar nix aus“. Genau diesen Traum hatten viele Zuwanderer der 50er, 60ger und 70ger Jahre. Es war der Traum, der als erstes platzte. Denn nachdem das Leben hier bezahlt war, blieb nur noch wenig übrig, das sie „nach Hause“ schicken konnten. Das Leben hier bestand aber damals und besteht noch heute aus all dem oben beschriebenen: Arbeit, Steuern, Sozialabgaben, Miete, Konsum von Gütern und Dienstleistungen kurz ein riesiges Konjunkturprogramm.

 

Die Deutschen damals nannten es „Wirtschaftswunder“. Es war nie ein Wunder! Es war aktive Einwanderungspolitik! Und nach wenigen Jahren schon war für die meisten Zuwanderer „hier“ „zu Hause“ geworden. Dabei spielt es m.E. keine Rolle ob sie sich in die hiesige Kultur integrierten oder ihre eigene Kultur mitbrachten.

 

Der Japanische Supermarkt in Düsseldorf zahlt im selben Maß Steuern (MwSt, Lohnsteuer, Gewerbesteuer) und Miete ja sogar Zoll für die eingeführten Waren, wie die türkische Teestube in Neuss auf der Furth, das italienische Eiscafe und der Dönerladen ein paar hundert Meter weiter. Das wird auf Dauer für Syrische, Albanische und Serbische Geschäftsleute im selben Maß gelten.

 

D.h. wenn wir aus dem Asylrecht ein Zuwanderungsrecht machen, haben wir es verstanden. Das ist ein Konjunkturprogramm für Deutschland wie es lange keines gegeben hat. Wer wie Erfurts Bürgermeister dieses Konjunkturprogramm schon abwürgt, wenn es eigentlich die ersten Arbeitsplätze beim Bau von Schulen und Kindergärten und zusätzlich Arbeitsplätze für Lehrer schaffen könnte, der ist m.E. einfach nur unterirdisch dumm.

 

Die einzig intelligente Kritik: „Wir bluten diese Länder aus, wenn wir hemmungslos Einwanderung erlauben“, ist aktuell auch unwesentlich. Diese Länder bluten im Augenblick eh aus, auch wenn wir, wie Erfurts Bürgermeister, die Flüchtlinge hier wie Dreck behandeln. Denn dort werden sie noch schlimmer behandelt – sonst würden sie nicht fliehen. Also können wir die Menschen, die aus ihrer heimat flohen stattdessen auch einfach gut behandeln und den Migrationsdruck zu unserem und gleichzeitig ihrem Vorteil nutzen.

 

Dass wir den Migrationsdruck mit Teilen unserer verfehlten Außenpolitik mit verursacht haben, bedeutet ja nicht, dass wir uns jetzt, wo er besteht, in der Innen- und Zuwanderungspolitik noch dümmer verhalten müssen als damals.

Advertisements

4 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Interessante Ansichten. Wirklich. Wenigstens einmal ein lösungsorientierter. Nur würde die Bertelsmannstiftung schon widerlegt bzw in ihrer Wiedergabe nicht korrekt zitiert. Denn es entsteht ein Finanzierungsdefizit und kein Überschuss. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/ifo-chef-sinn-migration-ist-verlustgeschaeft-fuer-deutschland-13344263.html

    Da auch in Deutschland die Arbeitslosenquote bei geringqualifizierten stetig steigt, wird sich das wohl bei zunehmender Zuwanderung ähnlich gebildeter Menschen wohl kaum verbessern. Daher ein generelles Zuwanderungsrecht auszurufen ohne es in irgendeiner Art und Weise zu gewichten bzw. zu selektieren, wird gesellschaftliche Zustände eher erschweren als verbessern.

    Gefällt mir

    Michael

    28.08.2015 at 21:51

    • es wäre mir neu, dass die Studie der Bertelsmannstiftung widerlegt worden wäre. Gerade heute erst hat die Zeit wieder Zahlen aus einer anderen Quelle genannt: Gesamtertrag aus Einwanderung nach Deutschland heute schon 220 Mrd p.a., Gesamtkosten 1,4 Mrd p.a. Wäre ja auch volkswirtschaftlich komplett widersinnig, ein Finanzierungsdefizit anzunehmen. Insofern: vielleicht einfach noch mal Deine Quellen prüfen. Tipp: Hans Olaf Henkel ist als Afd-Mitglied intellektuell nicht satisfaktionsfähig.

      Gefällt mir

      emden09

      28.08.2015 at 23:30

      • Stimmt. Du hast Recht. Entschuldige. Ich habe gerade nochmal nachgelesen. Die Bertelsmann-Studie kommt selbst zu einem Finanzierungsdefizit: „[…] schlägt für jeden lebenden Ausländer ein langfristiges Staatsdefizit von 79.100 Euro zu Buche. […]“. Diese Studie wird derart aus dem Zusammenhang gerissen, dass ein vollkommen verzerrtes Bild der Einwanderung gezeigt wird. Die 3.300 Plus, die du nennst, beziehen sich auf bereits vollkommen integrierte und langjährig hier lebende Migranten. Das ist kein pauschales Urteil über Zuwanderung. Des Weiteren kommt die Bertelsmann-Studie zu dem Schluss, dass eine qualifizierte Zuwanderung tatsächlich ein Gewinn ist. Diese Schlussfolgerung ist ja logisch! Nur das bestätigt eben nicht dein Argument des pauschalen Einwanderungsrechts für alle und alles wird bunt und schön. Eben nicht. Weiter heißt es in der Studie „[…] Würde sich Deutschland zum Beispiel ein ambitioniertes, aber nicht völlig unrealistisches Ziel setzen und ent- sprechend steuern, dass künftig 20 Prozent seiner 200.000 Zuwanderer niedrig (Schulbildung unter 10,5 Jahre), 50 Prozent mittel (Schulbildung 10,5 bis 12 Jahre) und 30 Prozent hoch qualifiziert wären (Schulbildung über 12 Jahre), würde die Bevölkerung fiskalisch sogar in einer Größenordnung von 406 Euro pro Kopf entlastet. Diese Projektionen machen deutlich, wie stark sich bereits relativ geringe Verschiebungen zugunsten mittlerer und hoch qualifizierter Zuwanderinnen und Zuwanderer fiskalisch niederschlagen.[…]“ Und jetzt nur am Beispiel der Einwanderer/Flüchtlinge aus dem Senegal: „Ein großer Teil der Bevölkerung besteht aus Analphabeten. Etwa 34 % der Männer und 60 % der Frauen konnten 2011 nicht, oder nicht richtig lesen und schreiben“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Senegal#Bildung). Die Behauptung es würde ein hoher Anteil von Fachkräften zuwandern, was im Sinne der Bertelsmann-Studie erstrebenswert wäre, lässt sich damit wohl kaum stützen. Übrigens gilt für Eritrea genau das Gleiche. „[…] nur rund 21 Prozent besuchen eine weiterführende Schule. […] der Anteil der Analphabeten liegt bei 30 Prozent. […]“. (Quelle:https://de.wikipedia.org/wiki/Eritrea#Bildung) Was würdest du jetzt daraus schlussfolgern? Die angeführte Bertelsmann betont ausdrücklich qualifizierte Zuwanderung.

        Schlimm ist nur eines: es ist einfach keine vernünftige Debatte zu diesem Thema möglich. Derjenige, der von der Notwendigkeit der Zuwanderung im Sinne des „Gutmenschen“-Begriffes überzeugt ist, stempelt alle Andersdenkende gleich als Nazi ab und das kann ja wohl kaum der richtige Umgang sein.

        Gefällt mir

        Michael

        29.08.2015 at 06:55

        • Das Problem ist doch, dass eine vernünftige Debatte nur darum gehen kann, wie wir möglichst viele Menschen zu uns lotsen. Jede andere Art der Debatte ist von Vorurteilen (meist rassistischer oder mind. Fremdenfeindlicher Natur) geprägt.

          Wenn Du in Deinem ersten Kommentar schon anfängst einen Menschen wie H.W. Sinn zu zitieren, kannst Du auch gleich SSarrazin aus dem Hut zaubern, dann stellst Du doch schon in Frage, wie sehr Du an einer vernünftigen Debatte interessiert bist.

          Auch Deine jetzigen Einlassungen zur Studie der Bertelsmann Stiftung sind wieder tendenziös und offenbar von keinerlei ökonomischem Sachverstand geprägt.
          Die Stiftung gibt u.a. selbst an, warum aktuell die Integrationskosten mit knapp 80k Euro zu Buche schlagen. Nämlich weil wir Migranten und besonders Flüchtlingen NICHT erlauben vom ersten Tag an für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten. Würden wir ihnen das erlauben – und die sogen. „Wirtschaftsflüchtlinge“ kommen ja angeblich nur deshalb zu uns – würden Sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse entstehen. Sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse dazu, denen in den ersten Jahren in den meisten Bereichen der Sozialversicherung ja kein Recht auf Leistungen aus diesen Töpfen oder nur ein eingeschränktes Recht auf Leistungen gegenüber stünde.

          Dann ziehst Du Senegal und Eritrea aus dem Hut. Da muss ich tatsächlich erstmal recherchieren, um herauszufinden welche Nachkommastelle der aktuell in Deutschland ankommenden Flüchtlinge aus diesen Ländern kommen. Um dann fest zustellen, dass der Senegal es nicht mal unter die Top 10 schafft und Eritrea mit gerade mal 5% der für dieses Jahr erwarteten 800.000 Flüchtlinge zu Buche schlägt. Dabei sind diese 800.000 natürlich nicht einmal die Summe der Gesamtmigration sondern ausschließlich Asylsuchende. Was soll dieser tendenziöser Mist? Da musst Du Dich doch nicht wundern, wenn man Dich in die Ecke stellst, in die Du gehörst, statt mit Dir zu debattieren.

          Aber weiter. Du wünschst Dir eine „vernünftige Debatte“ und arbeitest selbst bei diesen Randgruppen „Senegal“ und „Eritrea“ noch mit völlig unzulänglichen Scheinargumenten. Wen interessiert bei uns die Alphabetisierungsquote der dortigen Bevölkerung? Hast Du Dir mal klar gemacht, was eine Flucht von dort nach hier kostet, wenn man sie überleben will? Du kannst das doch nicht mit den Kosten einer Pauschalreise vergleichen und dann eine „vernünftige Debatte“ fordern. Aus Eritrea und dem Senegal (die beide wie erwähnt für das hier diskutierte nahezu keine Rolle spielen) flieht nicht die Unterschicht. Die wissen ggf. nicht einmal, dass es Deutschland gibt. Da fliehen Mittel- und Teile der Oberschicht. Was ich in meinem Argument „Diese Länder ausbluten“ auch aufnehme. Wer in Senegal und in Eritrea nicht einigermaßen gebildet ist, weiß nicht nur nichts von den Fluchtmöglichkeiten, der ist, selbst wenn er diese kennen würde so bitterarm, dass nicht einmal die zynischsten Schlepperbanden auch nur ein Schlauchboot zur Verfügung stellen – geschweige denn, ihn bis an die Küste bringen.

          Im Übrigen benötigen wir für den Deutschen Arbeitsmarkt nicht ausschließlich Ingenieure, Lehrer und Doktoren. In den nächsten 10 Jahren wird das Netto-Arbeitskräfteangebot aus Altersgründen in Deutschland um > 600.000 Menschen sinken. Während gleichzeitig das Heer der Rentner im selben Umfang steigen dürfte.

          Eine boomende Konjunktur hingegen bräuchte ein Netto-Wachstum des Arbeitskräfteangebotes. Es fehlen im Augenblick neben Ingenieuren vor allem Handwerker und Facharbeiter. Aus dem Kosovo, Albanien und Serbien kommen viele gute Handwerker und Facharbeiter. Die fliehen von dort, weil die Wirtschaft durch den von uns mit ausgelösten (Joschka Fischer) und geführten Balkankrieg am Boden liegt. Die könnten nach einem ohnehin bevorstehenden Beitritt ihrer Länder in wenigen Jahren sowieso nach Deutschland kommen. Dann aber wird es uns mit ihnen gehen, wie zuvor mit Polen oder Rumänen. Sobald die EU-Fördermittel fließen und die Wirtschaft in den Heimatländern wieder ins Rollen kommt, hat kaum noch wer Lust, von dort wegzugehen. Schon gar nicht die gut ausgebildeten, die heute kommen, weil sie sich hier Arbeit versprechen. Stattdessen sind wir so blöd, verbieten ihnen zu arbeiten, müssen sie entsprechen alimentieren und schieben sie dann wieder ab.

          Wie soll darüber eine „vernünftige Debatte“ möglich sein. Das entzieht sich jeder Vernunft was da passiert. Da ist nur zu erklären mit einer latenten Fremdenfeindlichkeit und einem latenten Rassismus, der z.B. einen CSU-Innenminister formulieren lässt „Roberto Blanko war immer ein guter Neger“. Leute wie diesen Herrn Herrmann müsste man ausbürgern. Das würde auch einige Probleme lösen. Eine Debatte mit solchen Rassisten führt nicht nur zu nichts. Sie ist schädlich, weil sie Zeit kostet. Zeit, die nicht zur Verfügung steht, das wirklich wichtige zu tun.

          Gefällt mir

          emden09

          01.09.2015 at 11:09


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: