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Das „Ethos“ des Journalismus

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Angesichts der Scoop 14 spült mir gerade wieder ein „Lars Wienand“ genannter Twitterer das Märchen vom „Ethos des Journalismus“ , der nicht sterben dürfe in die Timeline bei Twitter.

Und ich frage mich, wann zu meinen Lebzeiten, also seit 1963 dieser „Ethos“ jemals existiert haben soll.

An die Highlights meiner Entjungferung bzgl. des „Ethos des Journalismus“ erinnere ich (50) mich wie folgt.

1971 Spätherbst. Ich(7) wohne in Mainz, auf dem Lerchenberg in einem der Hochhäuser im 19. Stock. Dort wird gerade das ZDF gebaut. Eines Tages steht ein Kamerateam vor unserem Haus. Sie fragen meinen Freund Rainer und mich, ob wir ins Fernsehen wollen. Klar wollen wir. Was müssen wir dafür tun. Ach, nur für die Kamera ein wenig raufen: „Ihr seid doch Jungs, die kämpfen doch bestimmt auch mal miteinander“. Im Spaß nehme ich als Rainer für die Kamera in den Schwitzkasten. Kaum einer Viertelstunde später sind wir „abgedreht“ und hören nie wieder was von dem Kamerateam oder unseren Aufnahmen. Oh halt. Eines Tages wird meine Mama von meiner Tante angesprochen, sie habe mich im Fernsehen gesehen. In einem Bericht über „Schlüsselkinder“. Ein Begriff, den die Journalisten damals prägten, um berufstätigen Müttern, deren Kinder einen Haustürschlüssel (in unserem Fall oft an einem Band um den Hals) mit sich trugen, ein schlechtes Gewissen zu machen und sie öffentlich zu desavouieren. Die „ungezügelt zum Ausbruch kommenden Aggressionen der Kinder“ waren der Part, den mein Freund und ich in unserem „Spaßkämpfchen“ vor der Kamera darzustellen hatten. Mein Vater und meine Mutter diskutieren in der Folge oft über deren Berufstätigkeit. Sie ließ sich gottseidank nie beeindrucken und ging bis zum Rentenalter arbeiten. Die Journalisten haben bis heute nie nach einer Genehmigung zur Veröffentlichung ihres Materials gefragt oder sich gar für die Verletzung meines Persönlichkeitsrechtes oder ihre Lügen entschuldigt.

1972 ich war gerade mal 9 Jahre alt, verhängt die Bundesregierung (Schmidt) eine „Nachrichtensperre“. „Aber die senden doch noch Nachrichten“, sage ich naiv zu meinem Vater. „Klar, aber nur noch das was die Regierung erlaubt“. „Und was ist mit Pressefreiheit“, frage ich 9-jähriger Pimpf verdutzt. „Die Journalisten senden freiwillig nur das was die Regierung erlaubt. Das ist Pressefreiheit“, sagt mein Vater. Der dankbarer Weise zynische Unterton meines Vaters wird mir erst mit den Berichten über „Bilderberg“ und den Chefredakteur der „Zeit“ im Jahr 2014 wieder bewusst.

1976 Mogadischu, RAF, Tote in Stammheim. Ich bin jetzt 13. Wieder Nachrichtensperre. Jahre später finde ich eine Dokumentation über diese Tage, die meine Eltern dankbarer Weise erworben haben. Daraus wird klar. Schmidt und seine Regierung haben den Journalisten nicht nur eine Nachrichtensperre auferlegt. Die Journalisten haben BEWUSST Falschinformationen gesendet und gedruckt.

1981 Längst habe ich Wallraff gelesen. Längst in der Schule gelernt, nicht nur „Bild“ und „Welt“ sondern auch „Spiegel“, „Stern“, „Zeit“ und „FAZ“ nach Lügen im Stil der Bild zu durchforsten und in jeder einzelnen Ausgabe mehr als einmal fündig zu werden. Der Journalismus ist inzwischen auf „Sprachregelungen“ eingestiegen. Die Regierung gibt die Worte vor und ganz Deutschland druckt und lügt sie bereitwillig nach. Die amerikanischen Pershing-Raketen sind danach „Verteidigungswaffen“ die russischen SS-20 ein „Aggressionspotetial“.

1982 Rheinauen. Bonn. Ich bin einer von 500.000. Kohl wird nachher sagen „Ich werde mich dem Druck der Straße nicht beugen“ während er sich – wie vielen erst später klar wird, dem Druck des Geldes durchaus jederzeit bereitwillig beugte um es sich hinten reinstecken zu lassen (Entscheidend war was hinten rein kam, nicht „raus“). Die Presse berichtet bundesweit von nur „400.000 Menschen“. Die hat angeblich die Polizei gezählt. Die Polizei lügt also und der Journalismus folgt.

1991 „Der Focus“ erscheint. Dieses Schmierblatt so wird mir klar, hätte eigentlich für jeden einzelnen Text eine Rüge des deutschen Presserates verdient. Nichts dergleichen geschieht. Und mir ist spätestens zu diesem Zeitpunkt bewusst. Der „Ethos des Journalismus“ ist eine Hure, die für den meistbietenden Verlagsboss und gleichzeitig für die Anzeigenkunden die Beine breit macht.

2014 Wir haben inzwischen in alle Richtungen weiter geschaut. Gelernt, dass auch schon vor den 50 Jahren, die ich selbst überblicken kann, z.B. zu Zeiten von Abraham Lincoln die gesamte US-Amerikanische Presse gelogen hat und eine Frau deshalb am Galgen sterben musste. Gelernt, dass der Moderator einer Wettersendung von der gesamten Presse eines Landes fertig gemacht und mit Berufsverbot belegt wurde – obwohl er vor Gericht freigesprochen wurde – unschuldig ist! Gelernt dass die treibende Kraft dieser Lügenkampagne – oder darf man das im „Print“ auch schon „Shitstorm“ bezeichnen – Alice Schwarzer eben nicht unschuldig ist. Sondern schuldig eben dessen was oben erwähnt wurde: Frau Schwarzer hat mit hinterzogenem Steuergeld den „Ethos des Journalismus“ erneut zu eben der Hure gemacht, die für das Schwarzgeld jeder Verlegerin und jedes Anzeigenkunden die Beine breit macht. Gelernt, dass Propaganda, Lüge und Betrug von jeher Sinn der Gründung jedes einzelnen Presseorgans waren. Gelernt, wie und warum „Krautreporter“ sich zwar von Herrn Augstein schmieren lassen, aber keine Frau im Team wollen.

Und in diesem Jahr 2014 muss ich mir folgenden Dreck in die Timeline spülen lassen:

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Ich bin froh, dass ich 1982 auf den Rheinauen in Bonn dabei war. Ich weiß deshalb was und wen Wolfgang Niedecken mit dem verbal ausgestrecken Mittelfinger im „Plant und bloß net bei üsch in“-Refrain seines BAP-Songs „10. Juni“ meinte. Er meinte Menschen wie Lars Wienand – oder wie der Volksmund heute sagt #Vollpfostenjournalisten.

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Written by emden09

04.09.2014 um 11:24

Veröffentlicht in Allgemein

Eine Antwort

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  1. Lange habe ich mir eingebildet/erhofft, daß sich Journalisten an ihren Pressekodex halten und ein ethisches Korrektiv in Gesellschaft und Politik wären. Schon lange ist mir klar, daß die Medienhuren für Geld schreiben und daß Fakten, Berufsehre und Ethik nur leere Begriffe für die meisten Journalisten sind.

    Manche Journalisten würden vielleicht sogar gerne saubere, journalistische Arbeit abliefern, aber die Medienkonzerne lassen sie nicht.

    Die wenigen Journalisten, die wenigstens etwas Berufs-Ehre und Verantwortungsbewusstsein besitzen findet man nur im Internet … und auch da muß man oft noch selbst nach Quellen und Fakten suchen. Denn blindes Vertrauen auf die Medienindustrie wird zuverlässig enttäuscht.

    Gefällt mir

    lawgunsandfreedom

    04.09.2014 at 12:10


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