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Journalismus naiv: Handelsblatt-Morning Briefing

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Das politisch äußerst (um es im Rahmen meiner Möglichkeiten vorsichtig auszudrücken) tendenziöse Handelsblatt –Morning Briefing (Handelsblatt-MorningBriefing@kompakt.handelsblatt-service.com) schreibt heute:

 

„Es gibt eine Gegenwelt zu den Staaten und ihrer notorischen Neigung, alles auf Kredit zu beschaffen. Diese Gegenwelt wird von den deutschen Konzernen bewohnt, wie unser jährlicher Unternehmens-Check zu Tage förderte.“

 

Nun frage ich mich, sind das jene Konzerne, die noch vor Wochen eine neuerliche Kreditklemme befürchteten und beklagten?

 

Wenn die Konzerne so „unabhängig“ von Finanzierungsinstrumenten wären, wie das Handelsblatt-MorningBriefing glauben machen will, was interessiert sie dann die „Kreditklemme“?

 

Nun ja, das ist ganz einfach. Die deutschen Konzerne finanzieren sich inzwischen zu nahe 100% über sogen. Lieferantenkredite.

 

Und das geht so: Wer einen dieser Konzerne beliefern will muss mit mindestens 30 Tagen zwischen Rechnungseingang beim Konzern und Zahlung an den Lieferanten warten. Das nennt sich dann kaufmännisch und „politically correct“ ein „gewährtes“ „Zahlungsziel“. Die Marktmacht der Konzerne ist allerdings dergestalt ausgeprägt, dass sie sich die Zahlungsziele faktisch selbst einräumen. Bei Volkswagen z.B. werden Lieferanten, die 90 Tage Zahlungsziel nicht akzeptieren wollen überhaupt nicht erst berücksichtigt.

 

Wo aber ist nun der Link zur Kreditklemme? Na der liegt aber sowas von auf der Hand. Die Lieferanten der Konzerne sind nämlich meist selbst keine Konzerne, sondern zu großen Teilen kleine und mittelständische Unternehmen. Kriegen die aber für ihre Leistungen, die sie oft um mehr als 120 Tage (Zahlungsziel) vorfinanzieren müssen keine Kredite mehr, können sie die Konzerne nicht mehr beliefern und gehen pleite.

 

Alle deutschen Konzerne haben mit der Bankenkriese begonnen, die selbsteingeräumten Zahlungsziele massiv auszubauen. Eine Verdopplung (z.B Deutsche Telekom) und Verdreifachung war da keine Seltenheit. Im Schatten der Bankenkriese sind so kleine und Mittelständische Unternehmen zum Sekundärmarkt als Kreditgeber für Konzerne geworden. Hier ist also quasi ein grauer Kreditmarkt (ohne Zinsen) entstanden den die Konzerne der Wirtschaft abgepresst haben.

 

Nur so übrigens kriegt wiederum die Bankenbranche den Staat an die Kandarre. Würde nämlich der Staat konsequent jene Banken pleitegehen lassen, die sich verspekuliert haben, würde er damit tausende und abertausende kleiner und mitteständischer Kreditnehmer dieser Banken in den Konkurs treiben und so der Bundesdeutschen Wirtschaft das Genick brechen.

 

Es darf also davon ausgegangen werden, dass hier sogar eine Verabredung der Konzerne und Banken vorliegt, mit Hilfe derer sie die Politik geschickt in die Zange genommen haben. Die Wirtschafts- und Bankendiktatur wird mit Lieferantenkrediten gepflastert und zementiert.

 

Dazu passt übrigens, dass die Überweisung von Sparkasse zu Sparkasse ca 0,5 Stunden benötigt, wären eine Überweisung von Sparkasse auf ein Konto bei der Deutsche Bank drei (3!) Tage läuft. Ein Schelm wer nicht weiß, was die Deutsche Bank in den drei Tagen mit dem Geld macht.

 

Eine Politik, welche die Laufzeit von Lieferantenkrediten nicht per Gesetzt beschränkt erzeugt so nicht nur einen unkontrollierten grauen Kreditmarkt, der sich der Kontrolle jeder Bankenaufsicht entzieht. Eine solche Politik begibt sich regelrecht sehenden Auges in die Zwangsjacke die Konzerne und Banken für sie bereithalten.

 

Blauäugig, wie das Handelsblatt nun also – mit politischer Motivation zu behaupten, die Kozerne finanzierten sich aus Cash und die Staaten aus Krediten, muss als pure Demagogie entlarvt gelten: Das bei den Konzernen vorhandene Cash stammt direkt von den Banken, die den Kreditgebern der Konzerne (deren Lieferanten) Kredite zur Vorfinanzierung der Zahlungsziele einräumen.

 

Dass hier ein grauer (Lieferanten-) Kreditmarkt in Form von kleinen und mittelständischen Kreditgebern in den Frondienst der Konzerne gepresst wurde macht die Argumentation des Handelsblatt-MorningBriefing nur umso falscher und verwerflicher. Oder sollten die „Journalisten“ beim Handelsblatt inzwischen so blauäugig naiv sein, dass sie die Lieferantenkredite in den Bilanzen nicht mehr als solche erkennen und werten können?

 

Interessanter Weise gibt es eine Gruppe an Großabnehmern, die sich schon vor Jahren gesetzlich selbst verpflichtete wenigstens Handwerksleistungen innerhalb von 30 Tagen zu zahlen. Diese Gruppe bilden die Bundesrepublik Deutschland und ihre Bundesländer sowie Kommunalen Gliederungen. Es gibt also offensichtlich eine Gegenwelt zur notorischen Neigung der Konzerne, alles und jeden anzupumpen (um das mindeste zu sagen) der nicht bei drei auf dem Baum ist und diese bewohnt der Staat!

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Written by emden09

29.11.2011 um 13:12

Veröffentlicht in Globalisierung, Innenpolitik

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