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Piraterie: Notwehr der Ärmsten gegen die Ausbeuter

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Das Handelsblatt bringt, freilich offensichtlich ohne es zu wollen, das Problem der Piraterie am „Horn von Afrika“ brillant auf den Punkt:

[…] kann ein Pirat 150-mal mehr verdienen als die meisten seiner somalischen Landsleute. Während das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Somalis bei etwa 500 Dollar liegt, verdienen Piraten bis zu 79 000 Dollar (56000 Euro) pro Jahr – netto. Das entspricht etwa dem Doppelten des durchschnittlichen Nettoeinkommens eines Beschäftigten in Deutschland. […]

Wenn ein somalischer Pirat 150-mal mehr verdient als ein durchschnittlicher Somali, aber nur das Doppelte des durchschnittlichen Deutschen, dann verdienen Deutsche im Schnitt 75-mal mehr als Somali in ihrem eigenen Land. Und da liegt der „Hund“ der die Piraterie begründet begraben.

Natürlich ist weder der Deutsche noch seine Arbeitsleistung 75-mal mehr wert als der Somali. Sicher ist die Produktivität eines Deutschen im Schnitt höher als die eines Somali. Vielleicht Faktor 10 vielleicht sogar Faktor 20. Aber 75-mal so hoch ist sie nicht. Oder für einfacher gestrickte Gemüter: Ein Deutscher leistet nicht so viel wie 75 Somali. Unmöglich!

Gleichzeitig aber karren wir nicht nur unseren Müll – besonders gern Giftmüll nach Somalia und lassen dann die Menschen, die nicht mal wissen, was wir Ihnen da angekarrt haben, mit der Brühe alleine. Wir erlauben auch noch unseren Handelsschiffen unseren Reichtum vor den Augen der Bevölkerung eines der ärmsten Länder der Welt hin- und herzuschippern. Am Ende dann stellen wir auch noch die Waffen her, mit denen Piraten unsere Handelsschiffe kapern und schmuggeln diese nach Somalia.

Dass da der eine oder andere – nicht ganz auf den Kopf gefallene Somali auf die Idee verfällt, hier der Gerechtigkeit mal im Verfahren der Selbsthilfe Vorschub zu leisten, ist für mich leicht zu verstehen. Dass wir dies Piraterie nennen und als solche bekämpfen, ist der alte Krieg Reich gegen Arm. Selten haben die Reichen dauerhaft gesiegt. Soviel steht fest.

Piraterie wird man also nicht mit mehr Soldaten und Kriegsschiffen beseitigen können. In dieser globalen Revolution spielen alle Deutschen die Rolle des Reaktionärs und können froh sein dabei nicht gelegentlich den Kopf zu verlieren.

Wir haben den Scheiß mit der Globalisierung angefangen und zu verantworten. Jetzt werden wir wohl damit leben müssen, dass nicht nur unsere unbequeme, gesundheitsgefährdende Arbeit und unser Giftmüll exportiert, sondern eben auch unser Reichtum (gerecht) auf die Völker der Welt verteilt werden wird. Wenn wir es nicht tun, nehmen jene es eben selbst in die Hand.

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Written by emden09

26.05.2011 um 14:19

Veröffentlicht in Allgemein, Außenpolitik, Globalisierung

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