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Merkels Fall Guillaume (Der Spion der aus der FDP kam)

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Die USA unterwanderten 2009 durch einen Spion aus den Reihen der FDP die Koalitionsverhandlungen der schwarz-gelben Koalition – wie der Spiegel in seiner gestern Abend erschienenen Ausgabe berichtet. Die Erkenntnisse des Spiegel stammen aus der Durchsicht US-Amerikanischer Botschafts-Depeschen, die Wikileaks gleichzeitig zu veröffentlichen beabsichtigt.

Dort heißt es aus der Feder der Mitarbeiter des US-Botschafters Murphy „ein junger aufstrebender Parteigänger“ der FDP habe ab dem 7.10.2009 die US-Botschaft regelmäßig mit internen Papieren aus den Strategiesitzungen der FDP-Verhandlungskommision und aus den Koalitionsverhandlungen selbst beliefert. Der FDP-Spion saß dabei selbst als Protokollant für die FDP in einer der Arbeitsgruppen bei den Koalitionsverhandlungen.

Nun scheint es ganz einfach zu werden.

Während einige gerne Phillip Rössler (1979) als Spion für die US-Amerikaner outen wollen, ist doch eher die Quelle Spiegel selbst aufschlussreich. Schon am 6.10.2009 berichtete SPON über die Liste der Teilnehmer in der Arbeitsgruppe „Außenpolitik, Verteidigung, Europa…“. Dies dürfte am Ende die Arbeitsgruppe gewesen sein, in der es unter anderem, wie  vom FDP-Spion an die USA berichtet, um die verbliebenen US-Amerikanischen Atomsprengköpfe in Deutschland ging.Es ist dagegen kaum anzunehmen, dass Rösslers Arbeitsgruppe „Gesundheit/Pflege“ die US-Amerikaner großartig interessiert haben könnte.

Die Mitglieder, die die FDP in diese Arbeitsgruppe „Außenpolitik“ der Koalitionsverhandlungen entsandte waren: Birgit Homburger (FDP), Wolfgang Gerhardt (FDP), Hellmut Königshaus (FDP), Michael Georg Link (FDP) und Florian Toncar (FDP). Während die vier erstgenannten alle zwischen Anfang 40 und Mitte 60 sind, fällt aus dieser Arbeitsgruppe nur einer als „jung“ und „aufstrebend auf: Florian Toncar (1979).

Während Botschafter Murphy sich in einem Interview mit dem Spiegel nicht etwa schämt, einen Vertrauensbruch begangen zu haben, indem er einen Spion in die Koalitionsverhandlungen eines, wie er selbst sagt „wichtigen Verbündeten“ einschlesute, kann er sich dennnoch echauffieren. Für Murphy ist nicht etwa das Verbrechen Landesverrat, dem er durch Abschöpfen seiner FPD-Quelle Vorschub leistete, was in wütend macht. Er glaubt stattdessen das Vertrauensverhältnis zwischen der BRD und den USA würde durch die Veröffentlichung seines Verbrechens gestört und ist nur deshalb „stinksauer“.

Tja verratene Verräter trifft es dann halt besonders hart.

Warum allerdings der Spiegel selbst nicht Ross und Reiter oder eher Rössler oder Toncar beim Namen nennt, darf gefragt werden. Auch wenn die US-Amerikaner Ihren FDP-Spion als „Quelle – unbedingt schützen“ markierten, stand doch seinerzeit gerade der Spiegel nicht an, mit Günther Guillaume den DDR-Spion im Kanzleramt zu entlarven.

Merkels Fall Toncar oder Fall Rössler oder wie auch immer er am Ende heißen wird, wird sich m.E. zu Merkels Fall Guillaume entwickeln.

Eine Koalitionärsrunde in Spe, die sich von einem fremden Geheimdienst abschöpfen lässt, sollte politische Verantwortung für diesen Fauxpax übernehmen. Willy Brandt jedenfalls hatte seinerzeit den Anstand, mit weniger als zwei Wochen Frist nach Entdeckung des Spions im Kanzleramt zurückzutreten. Von Merkel und der heutigen Politikergeneration darf soviel politischer Anstand und Gefühl für die Würde des verratenen Amtes wohl kaum noch erwartet werden.

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Written by emden09

29.11.2010 um 13:22

Eine Antwort

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  1. Unsinn. Hier der Originaltext: „FDP source is a young, up-and-coming party loyalist, who has offered Emboffs internal party documents in the past. Excited with his role as FDP negotiations notetaker, he seemed happy to share his observations and insights and read to us directly from his notes. He also provided copies of documents from his „negotiations“ binder.“

    Ein Protokollant. Also kein Abgeordneter, sondern einer von deren Kofferträgern. Weitersuchen.

    Gefällt mir

    MP

    29.11.2010 at 13:25


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