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Berufsvertriebene raus aus der Politik

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Vor, im und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Das wird nicht bestritten. Deutsche waren bei Vertreibungen (oder wie sie es nannten Deportationen) im Zweiten Weltkrieg in mehr Fällen Täter als Opfer. Das wird auch niemand  bestreiten wollen.

Vertreibung ist schreckliches Unrecht. Unter diesem leiden manche Vertriebene lebenslang. Dieses Unrecht muss historisch aufgearbeitet und dokumentiert werden. Was geschehen ist und mit stattlicher staatlicher Förderung weiterhin geschieht.

Heute leben wir mehr als 65 Jahre nach diesem Krieg. Da kann es nicht mehr notwendig sein, dass sich ausgerechnet die Deutschen Opfer von Vertreibung politisch organisieren. Schon gar nicht, dass sie sich als Opfer politisch engagieren.

Den meisten dieser Menschen ist ihre vorhergehende Heimat fremder, als das bei jedem griechischen, türkischen oder italienischen Migranten der sechziger Jahre der Fall ist. Gerade für die Opfer von Vertreibung muss deshalb die Forderung gelten, dass diese sich in unsere Gesellschaft integrieren müssen, wenn sie hier einen Platz haben wollen. Denn aus Sicht der hiesigen sind sie Flüchtlinge, die aufgenommen und versorgt wurden und entsprechend Leistungen erhalten haben, die sie positiv vergelten sollten.

Ein Verband von Vertriebenen, der sich politisch organisiert, vertritt inzwischen weniger Mitglieder als jede muslimische Organisation in diesem Land. Er sollte seiner so skizzierten Bedeutung entsprechend behandelt werden. Als eine Organisation einer Minderheit nämlich. Einer Minderheit, die wie jede andere auch zu schützen ist. Eine Minderheit aber auch, die keinen wesentlichen Einfluss auf die Politik unseres Landes mehr haben sollte. Als Minderheit einen schädlichen Einfluss auf die Politik unseres Landes nicht einmal haben darf.

Jeder Einfluss, den eine solche politische Organisation auf die Politik haben kann, kann nur ein Revanchistischer sein. Versöhnung gelingt nämlich eben auch, ohne sich selbst öffentlich als Opfer zu gerieren. Revanchismus in Sachen Folgen des Zweiten Weltkrieges kann aber für Deutschland und die Deutschen nur und ausschließlich nach hinten losgehen.  Die Bundesrepublik Deutschland muss Revanche für das von Deutschen im Zweiten Weltkrieg begangene Unrecht mehr fürchten, als alles andere und Vergebung erbitten, wohin immer wir kommen.

Die Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnacholfolger des sogen. Dritten Reiches und die hier lebenden Flüchtlinge hat keinerlei moralische Grundlage, aufgrund derer sie an die Bevölkerung irgend eines anderen Landes, irgend eine Forderung richten könnten. Es sei denn, diese Forderung wäre als untertänigste Bitte um Vergebung für in ihrem und unserem Namen begangenes Unrecht formuliert.

Dabei schreibe ich „unserem Namen“ als Kind der 60ger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Wohl wissen, dass ich nur existiere, weil meine Vorfahren existierten und somit eine Verantwortung (nicht Schuld) für die Taten meiner Vorfahren nicht zurückweisen kann.

Am Ende darf eben auch nicht vergessen werden, dass gerade unter den Deutschen Vertriebenen des Zweiten Weltkrieges viele Täterfamilien der Vor- und Nazizeit zu finden sind. Da sind ehemalige Großgrundbesitzer, die „ihr“ Land oft unter rechtlich, wie viel mehr moralisch äußerst fragwürdigen Bedingungen in Besitz nahmen und dazu die darauf vor ihnen lebenden Menschen vertrieben oder ausbeuteten. Da sind Schergen des Naziregimes, die unsägliches Leid über die Länder brachten, aus denen sie später samt ihrer Familien vertrieben wurden.

Die Tatsache, dass im Westen des ehemaligen sogen. Dritten Reiches lebende Täterfamilien weniger hart von der Revanche der Opfer des sogen. Dritten Reiches getroffen wurden, als die aus dem Osten muss auch unter dem Aspekt gesehen werden, wie die im Osten überhaupt an den Besitz gelangten, den sie später durch Vertreibung wieder verloren. Dann bleibt bestenfalls noch ein Stoßgebet „der Herr hat‘s gegeben, der Herr hat‘s genommen“, aber sicher kein Revanchistischer Gedanke mehr.

Es sei denn man kann wie manche Berufsvertriebene heute noch jede Menge Kohle mit der politischen Organisation der vormaligen Opfer machen.

Unter jedem dieser Aspekte aber ist es nur zu begrüßen, wenn sich heute die Vorsitzende einer solchen politischen Organisation Deutscher Vertriebener aus dem Vorstand einer großen Volkspartei und gegenwärtigen Regierungspartei zurückzieht.  Sie entlastet damit die Politik dieses Landes vom Verdacht, der Organisation Revanchistischen Gedankengutes Vorschub zu leisten und erleichtert die Versöhnung mit unseren Nachbarn. Denn diese sind in der heute lebenden Generation zu ebenso geringem Anteil Opfer und Täter von Vertreibung, wie wir es in diesem Land sind. Der Gedanke an dieses auf beiden Seiten begangene Unrecht  darf entsprechend heute unser gegenseitiges Verhältnis nicht mehr beeinflussen.

Tschüss Frau Steinbach. Besser ein richtiger Schritt zu spät, als nie.

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Written by emden09

09.09.2010 um 17:43

Veröffentlicht in Allgemein, Innenpolitik

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