emden09

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Vergewaltigung, Mord, Freiburg

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Ich möchte gerne unten eingefügter Videobotschaft Christian Streichs, des Trainers des SC Freiburg noch einen Gedanken hinzufügen. Oder wie Ihr mich kennt vielleicht auch zwei.

Was mich gerade besonders umtreibt, ist wie Nazis und rechter Pöbel unter Zustimmung einer schweigenden „bürgerlichen“ Mehrheit mit dem Mord an Maria L. aus Freiburg und der vorhergehenden Vergewaltigung umgeht.

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Wow, nun muss ich als kleine nachträgliche Ergänzung feststellen, dass ich zum ersten Mal im Leben mit Christian Pfeiffer einer Meinung bin (wird der Mann etwa altersweise?)

Laut polizeilicher Kriminalstatistik (also ohne Berücksichtigung von Dunkelziffern usw.) gab es am selben Tag statistisch betrachtet in Deutschland acht (8!) weitere Tötungsdelikte („Straftaten gegen das Leben“) davon vier weitere „Morde“. Tatverdächtig waren dabei in sechs Fällen Deutsche und in zwei Fällen (einer davon in Freiburg) „nicht Deutsche“. In jeweils 1-2 Fällen könnten Frauen die Täterinnen gewesen sein in  den restlichen Fällen Männer.

Aus der selben Quelle können wir entnehmen, dass es am selben Tag statistisch betrachtet 126 „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ davon 34 unter Gewaltanwendung und 19 als „Vergewaltigung“ eingestufte gab. Tatverdächtig und später als Täter überführt waren in weit über 90% aller Fälle Männer. Bei den Sexualmorden (Morde im Zusammenhang mit Sexualdelikten) führen übrigens deutsche Männer (jährlich) mit zehn zu eins gegen nichtdeutsche Tatverdächtige!

Sitzen wir jetzt also dem geistigen Kurzschluss auf, den Nazis von AfD, Pegida und „besorgten Bürgern“, rechtem Pöbel aus CDU und CSU und der „schweigende bürgerliche Mehrheit“ vertreten? Die „Logik“, dass ein afghanischer Tatverdächtiger Vorurteile und Vorverurteilungen aller Menschen, die aus Afghanistan zu uns kommen rechtfertige. Was gilt dann für Männer?

Ja, richtig, ich lasse völlig außer acht, dass kein Tatverdächtiger“ schon ein überführter „Täter“ ist. Das obwohl uns ein Fall wie der von Jörg Kachelmann lehren sollte, dass jede Vorverurteilung von Tatverdächtigen erhebliche Gefahren für die Beurteilung der geistigen Zurechnungsfähigkeit (und Reputation) derjenigen mit sich bringt, die zu solchen Vorverurteilungen neigen.

Gerade der stern, der seine Vorverurteilung eines aus Afghanistan eingereisten Tatverdächtigen zum Anlass nahm, die tagesschau anzugreifen hat mit den „Hitlertagebüchern“ bereits einmal gezeigt, wie es um die geistige Zurechnungsfähigkeit seiner offenbar krankhaft Sensationsgeilen Redakteure bestellt ist. Ausgerechnet dieses Drecksblatt schließt sich jetzt der rechten Hetze an? Pfui!

Ich habe NULL (in Ziffern: 0) Verständnis für jeden, der so undifferenziert denkt (und handelt), wie die Redaktion des stern. Ebenso wenig Verständnis habe ich für alle, die sich der „tagesschau-Kritik“ in diesem Fall anschließen. Ich kann dagegen einer feministischen Richtung, welche die rechte Ausländerhetze zum Anlass nimmt, (wenn auch oft scherzhaft verpackt) mit der selben Logik „Ausweisung aller Männer“ zu fordern, nicht viel entgegensetzen, das einen Gedanken wert wäre. Außer eben das was der rechten „Logik“ insgesamt entgegenzusetzen ist – die Unmenschlichkeit!

Dass eine Mehrzahl aller Menschen in diesem Land zu einer solch einfachen, logischen Kette nicht all zu komplexer Gedanken nicht mehr fähig scheint, lässt mich an eine Seuche glauben. Solltet Ihr also so denken, wie Afd, Pegida, „besorgte Bürger“, CDU/CSU, stern,m „schweigende bürgerliche Mehrheit“ & Co. lasst Euch doch bitte dringend auf geistige Gesundheit untersuchen. Auch auf die Gefahr hin, dass Therapieplätze in Zukunft noch schwieriger zu bekommen sein werden als heute schon.

 

Written by emden09

09.12.2016 at 16:16

BGE (B)edingungsloses (G)rund (E)inkommen

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Ja, es ist viel Arbeit da*. Aber gerade diese Arbeit zu bezahlen gelingt denen nicht, die durch Automatisierung (Computer und Roboter) Ihre Arbeitsplätze verlieren. Umschulung ist ein frommer Gedanke. Natürlich ist nicht jeder Müllwerker zur Pflegekraft geeignet, so wenig wie jeder Automechaniker als Chirurg oder Psychotherapeut. Abgekürzt: wie wir z.B. am Ruhrgebiet erkennen, dauert sogen. „Strukturwandel“ nicht eine Generation sondern mehrere Generationen. Damit wird er selbstverständlich zur Gemeinschaftsaufgabe. Diese durch Subventionierung von Arbeit, wie im Ruhrgebiet bei Kohle und Stahl geschehen, lösen zu wollen, dürfte für jeden klar denkenden Menschen, der das hier beobachtet hat von vornherein ausscheiden.

Den Menschen Freiraum zu schaffen am Leben teilzuhaben und ggf. zusätzlich gegen eine Aufwandsentschädigung ein Ehrenamt anzunehmen kann diesen Strukturwandel beschleunigen. Diese Aufgabe ist von der Gemeinschaft mit einem BGE an leichtesten (und gerechtesten!)  zu stemmen.

Wer dabei BGE mit „gleiche Löhne für alle“ übersetzt, sitzt einem weit verbreiteten Irrtum und Vorurteil über das BGE auf. Evtl. sollte er sich mit dem Konzept noch einmal neu beschäftigen. BGE bedeutet im Grundsatz, dass jeder, ob er Arbeit hat oder nicht, einen Betrag X (z.B. 1.000 Euro) im Monat frei von Steuern, Sozialabgaben etc. zum Leben haben soll. Gleichzeitig besteht kein Zwang zur Aufnahme von Arbeit. Also kein Rechtsstaatswidriges Sanktionsregime (wie bei Hartz4), das Menschen entweder in die Zwangsarbeit in ungeliebten Berufen presst oder ihnen alternativ das Existenzminimum verweigert. Wer nach der Einführung eines BGE zusätzliches Einkommen hat, wird dieses soweit es die Grenze des BGE übersteigt der Versteuerung und Sozialversicherung unterwerfen.

Dass BGE funktionieren kann ist inzwischen unter Wirtschaftsexperten unumstritten. So fordert inzwischen sogar der Siemens-Chef Kaeser ein BGE. Die Finanzierung wäre auch vergleichsweise einfach – und hier kommt der Punkt, warum Werner oder Siemens-Vorstand Kaeser ** sich für BGE stark machen. Die wollen nämlich ein BGE, das die Reichen von der Finanzierung ausnimmt. Stattdessen wird ein BGE leicht finanzierbar, wenn

  1. Sämtliche BGE übersteigenden Einkünfte der Bürger (BGE-Bezugsberechtigten)
  2. aus sämtlichen Einkunftsarten
  3. weltweit (Model Schweiz: aka „Welteinkommen“)
  4. in gleicher Höhe (zzgl. Progression!) und ohne Ausnahmen
  5. Steuerpflichtig UND
  6. Sozialversicherungspflichtig werden.
  7. Eine Finanztransaktionssteuer könnte zusätzlich helfen die betroffenen Budgets zu stabilisieren.

Wenn also Werner und Kaeser Ihren Einfluss auf die Gestaltung der Finanzierung eines BGE geltend machen wollen, müssen sie sich früh in das Boot setzen und kräftig mitrudern, um schließlich mindestens einen der sechs oben zuerst genannten Punkte zu streichen und damit ein Schlupfloch für Reiche und Superreiche zu schaffen. M.E. unsinnige Konstruktionen wie eine „Maschinensteuer“ statt Steuergerechtigkeit unter den Steuerpflichtigen werden jedenfalls ein BGE in adäquater Höhe nicht finanzieren können. Dabei ist die Sozialversicherung m.E. schlicht als eine Steuer zu betrachten sobald sie endlich auf alle Einkommen gleichermaßen erhoben wird..

Am Ende bleibt dann die Erkenntnis, dass BGE zum großen Teil selbstfinanzierend ist. Da es nämlich einen Mindest-Lebensstandard in einem Land absichert, wird das BGE eines jeden Bürgers innerhalb kürzester Zeit in Konsum zurückfließen. Konsum aber ist volkswirtschaftlich betrachtet und unter Beachtung der o.g. Punkte 1-7 am Ende des Wirtschaftskreislaufes immer zu 100% versteuert – oder eben wieder Teil des BGE anderer. Sollte das BGE trotz Negativzinspolitik der EZB die Sparquote erhöhen und damit nicht das BGE direkt oder indirekt finanzieren, wie manche unken, würde ich mich sehr wundern.

—–

*Der oben stehende Beitrag ist eine Reaktion auf einen Kommentar unter meinem Blogpost Old Economy schafft Arbeitsplätze. Ich denke er ist hier als eigener Blogposst richtiger aufgehoben.

** ich hätte hier lieber die Süddeutsche zitiert, die zeigt aber statt des Artikels eine Anleitung zum Ausschalten von Ad-Blockern. Wer mich liest, weiß, wie ich zu solchem Innovationsfeindlichen festhalten an alt-hergebrachten Geschäftsmodellen stehe. Daher hier ein Link auf eine Quelle, die das offenbar nicht nötig hat.

Written by emden09

24.11.2016 at 13:35

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Old Economy schafft Arbeitsplätze!

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Warum tu‘ ich mir das immer wieder an. Lese ich doch heute früh einen Beitrag der FAZ: New Economy schafft Börsenwert, Old-Economy schafft Jobs. Ja Herr je, wie dumm ist diese vermeintliche „Erkenntnis“? Automatisierung, Computer wurden seit jeher benutzt, um Arbeit zu erleichtern, Arbeit zu vermeiden. Dabei fielen und fallen weiterhin Arbeitsplätze weg. Wenn all die Arbeit, die durch Computer wegrationalisiert wird, bei der Herstellung der Computer wieder entstünde, wo wäre der wirtschaftliche Nutzen? Wo wäre die Existenzberechtigung für die Computerindustrie?

 

Nein FAZ, so wird aus dieser Argumentation kein Schuh. Die Menschen, die sich ob in Wahlen oder wo auch immer gegen Fortschritt wenden, weil der Jobs ruiniere, wollen in Wirklichkeit keine Jobs! Menschen wollen eine Existenzgrundlage und Menschen wollen eine Aufgabe – kurz Teilhabe an der Gesellschaft. Jobs waren die Antwort der Old-Economy auf dieses Bedürfnis der Menschen. BGE ist die Antwort der New-Economy.

 

Tatsächlich schafft die Rationalisierung durch Computer und Roboter einen riesigen Produktivitätszuwachs, ein riesiges Wachstum der Volkswirtschaftlichen Leistung. Der Ertrag dieses Fortschritts wird jedoch nicht zum ersten Mal in  der Menschheitsgeschichte nicht denen gut geschrieben, die bisher die Arbeit machten. Stattdessen wird er von jenen vereinnahmt, welche die Computer besitzen. Uuuups so schnell schon bei Marx? Richtig. Und das ist es, was den Apologeten des Anarchokapitalismus in der Redaktion der FAZ den Blick auf die Welt der Zukunft verstellt.

 

Selbst Großunternehmer wie Götz Werner, der Gründer der Drogeriemarkt-Kette DM fordern inzwischen ein BGE. Er postuliert: „Jedem ein gelingendes Leben ermöglichen. Das ist die primäre und finale Kulturaufgabe unserer Gesellschaft“. Also nicht: Jobs für Alle! Sondern Teilhabe für alle!

 

Natürlich geht diese Erkenntnis an der Redaktion der FAZ genauso spurlos vorüber wie an den Wählern rechter Politiker weltweit. Die FAZ als Apologetin des Sanktionsregimes von Hartz4 hat zusammen mit einer Regierung aus SPD und Grünen das Lumpenproletariat erst geschaffen, das heute Nationalsozialisten wie Frauke Petry, Bernd Höcke und Nazienkelin Storch politischen Auftrieb verleiht. Gleichzeitig hat man die Vermögen der Reichen in 10 Jahren vervielfacht.

 

Wer in dieser Weise die politischen Notwendigkeiten des Postindutriellen Zeitalters verpennt, kann natürlich schlussfolgern „Old-Economy schafft Arbeitsplätze“ und führe damit Leute wie Trump „zu Recht“ zu Mehrheiten. Liebe FAZ, einfach mal bei Götz Werner und anderen nachlesen, dass

  • BGE die unausweichliche Folge des Computerzeitalters sein wird;
  • Menschen keine Jobs wollen sondern Teilhabe
  • BGE die Antwort auf Pflegenotstand, Ehrenamtskrise uvam. ist

 

Die Computer und Roboter haben den Menschen Zeit verschafft. BGE verschafft ihnen die Möglichkeit diese Zeit sinnvoll zu nutzen, statt sinnlos vor den Büros von überforderten Arbeitsvermittlern herumzulungern.

 

Zu glauben, man könne „das Silicon Valley entmachten“, also den Fortschritt zurückdrehen, wie es jener verkrachte Mathematiker Roland Lindner von der FAZ heute wieder macht, ist ähnlich fruchtlos, wie es schon der Versuch war, die Eisenbahn aufzuhalten. Lindner ein typisches Beispiel jener Generation die aus Mangel an mathematischen Fähigkeiten in die Betriebswirtschaft wechselte und dort bis heute an der Addition von 1 und 1 scheitert.

Written by emden09

14.11.2016 at 10:59

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Fotograf Jörg

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Da haben wir jetzt also diesen Fotografen. Nennen wir ihn »Jörg«. Jener, der meine Kommentare auf Facebook immer erst (wg. angeblicher „Irrelevanz“😉 löscht, bevor er sie seitenlang kommentiert. Der will mir erneut einen Bären aufbinden. Sei es wie es ist. Wer nicht mit mir reden und diskutieren will, wird wohl in Kauf nehmen müssen, dass ich über ihn rede (schreibe).

 

Zunächst einmal glaubt Fotograf Jörg, es sei uninteressant, welche Bild-Qualität ein Profi-Fotograf im Einzelfall abliefere. Wichtig sei, dass ein Berufsfotograf Kunden fände und gleichbleibende Qualität abliefere. Er wiederholt dabei, freilich ohne es zu bemerken, genau mein Argument. Menschen, die mit dem Herzen und ohne kommerziellen Hintergedanken bei der Sache sind, wollen das „beste“ Bild, die beste Bild-Qualität. Der Berufsfotograf möchte „nur“ das „gut genug“-Bild. Mehr ist für ihn wirtschaftlich nicht vertretbar. Warum sollte er mehr Leistung bringen, als jene, die seinen Kunden zufrieden stellt und mit weiteren Aufträgen wiederkommen lässt? Schon gar nicht mehr Qualität als der Kunde zu bezahlen bereit ist. Nebenbei bemerkt: Das erinnert mich an Microsoft, die von ihren Mitarbeitern immer „Good enough“-Software fordern. Die Software, die dabei herauskommt entspricht in der Qualität dem, was wir in den Schaufenstern der profitorientierten Fotoateliers zu sehen bekommen.

Das führt uns zum zweiten Argument. Berufsfotografen behauptet Fotograf Jörg, würden in Summe nur deswegen immer schlechtere Qualität liefern „müssen“, weil Amateure die Preise kaputt gemacht hätten. Da haben wir das Problem mit der Änderungsresistenz, das ich im Blogbeitrag zuvor ansprach. Berufsfotografen, die nicht in der Lage sind, ihr Geschäftsmodell einem sich ändernden Markt anzupassen haben kein Geschäft mehr. Meines Erachtens zu recht. Denn das gilt verallgemeinert für Profis in allen Lebensbereichen. Wenn ein Markt sich wandelt und der Profi nicht in der Lage ist, ein adäquates Angebot für den veränderten Markt zu entwickeln, hat er kein Geschäft mehr. (Punkt)

Wir können uns an dieser Stelle gerne über ein BGE unterhalten, das ich sehr befürworte und das diesen rein kapitalistischen Druck aus den Tätigkeiten des Alltages ein wenig herausnehmen würde. Wir können auch noch ein bisschen Kapitalismuskritik einstreuen. Da würde ich mich wirklich sehr zu Hause fühlen. Aber ich glaube das führt hier vom Thema weg.

Wir landen schließlich bei den „kommerziellen Projekten“. Hier glaubt Fotograf Jörg, dass nur ein Idiot ein kommerzielles Fotografie-Projekt an einen Amateur vergeben würde. Er argumentiert: Die Projektmanagementfähigkeiten, die von einem Berufsfotografen gefordert seien, könnten von Amateuren nicht geleistet werden. Falsch! Ich kenne inzwischen viele Amateurfotografen. Zahlreiche, die in ihrem Hauptberuf Projekte von bedeutender Größe und Komplexität managen. Kurz: Projektdimensionen, die im Fotografie-Geschäft bis heute nie erreicht wurden. Das heißt die besseren Projektmanager gibt es sicherlich außerhalb des Fotobusiness. Ob diese Amateurfotografen dann bei ihren Fotoprojekten auf die Projektmanagementkenntnisse aus ihrer beruflichen Praxis zurückgreifen, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich jedenfalls würde das tun.

Und: Nein Fotograf Jörg, als Amateure haben wir bei einer Hochzeit nicht mit „einem“ Backup-Body und „einem“ Backup-Fotografen gearbeitet. Tatsächlich hatten wir reichlich Backup-Hardware, zwei Backup-Fotografen und eine Lichtassistentin am Start. Tatsächlich hatten wir zwei Vorbereitungstage mit dem Hochzeitspaar. Dazu einen Nachbereitungsnachmittag. Ja, tatsächlich, das kann ein Berufsfotograf bei den Preisen, die für Hochzeitsfotografie aufgerufen werden, nicht leisten. Aber (s.o.) dann sind Hochzeiten einfach und schlicht für Profis kein Geschäftsfeld (mehr). Oder anders ausgedrückt, man muss eben hinnehmen, dass Profis aus wirtschaftlichen Gründen bei einer Hochzeit schlechtere Arbeit abliefern *müssen* als Freizeitkünstler.

Schließlich glaubt Fotograf Jörg er könne uns Neid unterstellen, weil wir mit unserer Fotografie keinen („Cent“) Geld verdienen. Das Gegenteil ist der Fall! Wir sind im Hauptberuf erfolgreich. Geld zu bekommen und zu haben ist nach der Arbeit keine Herausforderung mehr. Wir können und *wollen* es genießen, in der Freizeit unser Bestes zu geben ohne dabei an „Geld“ und „verdienen“ auch nur zu denken. Es ist für mich geradezu entspannend, das Maximum an künstlerischer Kreativität und Organisationstalent aus mir herauszuholen, nur so, zum Spaß. Weil ich es aus tiefster Überzeugung und mit reinem Herzen und NICHT für profanes Geld mache. Das ist übrigens bei fast allen Freizeitbeschäftigungen anderer Art für fast alle anderen Menschen ebenso.

Ob ich auf Fotograf Jörgs Argument noch eingehen möchte, ein Berufsfotograf habe die „Cochones“ aus der Fotografie ein Geschäft zu machen. Der Amateur besäße diesen Mut nicht. Ich weiß nicht so recht. Diese Schwanzlängenvergleiche (und darauf läuft das Wort „Cochones“ ja nun mal hinaus) liegen mir am Ende nicht wirklich. Andererseits könnte das Argument sehr leicht als Bumerang zu Fotograf Jörg zurückkommen. Ein Amateur, hat, wie das Wort schon sagt den Mut, sein Herz (und seine Freizeit) zu investieren, während der Profi lediglich profanes Geld und Arbeitszeit investiert.

Vielleicht können wir damit die dümmliche Argumentationskette: Profifotografen werde von Amateuren das Geschäft und sogar die kostenlosen Geschäftsmodelle (TfP) kaputt gemacht, endgültig zum Abschluss bringen. Niemand, der Kunst aus freier Überzeugung, mit dem Herzen betreibt, nimmt jemandem, der sie „nur“ für Geld betreiben will irgendein „Geschäft“ weg. Denn: Dieses „Geschäft“ existierte nur in der Phantasie. In der Praxis hat es dieses Business nie gegeben. Denn niemand war je bereit, einen Auftrag zu erteilen, in dem so viel investiertes Herz mit einem adäquaten Geldbetrag abgegolten worden wäre.

Allgemeiner: Niemand, der sich friedlich daran beteiligt, dass die Welt sich ändert, macht damit etwas kaputt. Wer allerdings stehen bleibt, weil er die Änderung nicht (mehr) begreift, sich nicht (mehr) darauf einzustellen vermag, glaubt es würde etwas zerstört. Dieses etwas ist aber nur eine vermeintliche »heile Welt« die es, so wie gefühlt, nie gab. Es gab lediglich diesen einen Menschen, der bereit war Veränderungen bis zu einem gewissen Punkt mitzumachen. Während dieser Zeit bemerkte er nicht, was sich tatsächlich für andere, die zu dieser Zeit bereits stehen blieben, veränderte. Als er selbst stehen blieb, enteilten ihm die Veränderungen. Ihnen nachzulaufen, den Anschluss wieder zu finden wird ihm zu mühsam. Also sucht er Schuldige, auf die er schimpfen kann, weil sie etwas änderten, ohne ihn zu fragen. Das mit Verlaub ist lächerlich. Die Kommentare jener, die es anmerken unter den Facebook-Posts mit dem Geschimpfe zu löschen, ist kümmerlich. Die gelöschten Kommentare dann unvollständig wiederzugeben, ja ohne es zu merken, die Argumente teilweise 1:1 zu wiederholen und zu behaupten man widerlege sie damit, ist unverschämt.

Ja, ich bin sicher, wir alle könnten von Fotograf Jörg noch etwas lernen. Dieses etwas ist aber nicht das meckern. Würde er sich auf das konzentrieren, was wir – fotografisch von ihm lernen könnten, wäre nicht nur er, nein wir alle wären einen gewaltigen Schritt weiter.

Written by emden09

07.11.2016 at 16:59

Veröffentlicht in Allgemein, Fotografie

Berufsfotografen

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Unter meinen Facebook-„Freunden“ sind welche, deren Welt sich verändert. „Ach? So?“, „Hab ich ja noch nie was von gehört.“ oder „Wir Deutschen sind doch so Änderungsresistent.“, werden einige von Euch ironisch anmerken. Leider ist es nicht so einfach. Würde ich diese Menschen nur von Facebook kennen, könnte ich es mir evtl. so leicht machen, mit eben dieser Ironie darüber hinwegzugehen. Jedoch kenne ich einige dieser Menschen auch persönlich. Da möchte ich nicht so einfältig wegsehen.

 
Ich finde es schlimm wenn Menschen Veränderung nicht annehmen können. Wenn der Wandel aus ihrer Sicht ihre „Welt“ zerstört. Besonders schlimm, wenn sie glauben „Schuldige“ gefunden zu haben. Das Stadium, mit dem ich mich im Moment zu beschäftigen habe: Das, in dem diese Menschen nur noch lamentieren (können oder wollen). Der Punkt an dem es nicht mehr darum geht, zu ergründen „Wie könnte ich mit der neuen Entwicklung der Dinge umgehen?“ oder „Wie könnte ich mich so neu erfinden, dass ich in dieser veränderten Welt zurechtkomme?“.

 
Ich selbst bin gelernter Buchhändler. Dort hatte ich schon vor mehr als 30 Jahren einen Riesenkrach. Im „Fachblatt“ „Buchmarkt“ hatte ich behauptet, das Hauptproblem vieler Buchhändler sei, dass sie nicht einsähen, was schon das Wort Buchhandel vorgebe. Es geht im Buchhandel nur zu 40% um „Buch“ und zu 60% um „Handel“. Nein, viele Buchhändler (von damals) waren ihrem Selbstverständnis nach „Schöngeister“, „Intellektuelle“. Sie meinten, sie hätten die Aufgabe eine Auswahl an guter Literatur für andere schöngeistige Intellektuelle bereitzuhalten. Solche eben, die hoffentlich bereit waren, diese Auswahl zu schätzen. Man hatte mit denen vortrefflich mit über die Inhalte und den großen Geist der Schriftsteller zu parlieren. Danach hatten die einfach den Geldbeutel zu öffnen, um einen Großteil dieser Auswahl zu kaufen. Am Horizont drohte der Versandhandel (in der späteren Ausprägung: Amazon). Ich hatte es gewagt, für die Buchhandlung in der ich gelernt hatte eine kleine Software zu schreiben. Das daraus folgende Zeugnis führte dazu, dass ich in jeder zukünftigen Buchhandlung nur noch für die Programmierung der Computer „missbraucht“ wurde.

 
Mit wurde nicht wirklich schnell klar, wos lang ging. Erst nach der dritten Stelle in der dritten Buchhandlung oder so dämmerte es. Mit dem Programmieren von Computern konnte ich mehr und bequemer Geld verdienen, wenn ich es nicht als schlecht bezahlter Buchhändler sondern als Programmierer machen würde. So machte ich das Programmieren von Software zu meinem Beruf. Nein, eigentlich machte ich Schulungen zu meinem Beruf. Denn es stellte sich schnell heraus, dass es noch lukrativer und interessanter war, all den Menschen, die in jenen Tagen in die IT strömten, beizubringen, wie man Computer programmiert, statt es selbst zu tun.

 
Plötzlich war 1989. Der Fall der Berliner Mauer war für das Geschäft der Schulung von Programmierern eine vorhersehbare Zäsur. Denn es fiel ja nicht nur die Berliner Mauer. Innerhalb kürzester Zeit zerfiel der ganze (damals sogenannte) „Ostblock“. Menschen aus Ungarn, der Ukraine oder Lettland, die bisher keine Chance gehabt hatten zu reisen, nutzten die neue Gelegenheit. Viele kamen in den folgenden Jahren mit Touristenvisa ins Land. Sie waren gute Verkäufer. Akquirierten hier Programmieraufträge und nahmen sie mit „nach Hause“. Dort war damals das Leben noch viel, viel billiger als bei uns. So konnte bei einem späteren Besuch ein „fertiges“ Softwareprodukt zu einem „Spottpreis“ abgeliefert werden. „Nearshoring“ nannten sie es in der IT. Kurz: Das Geschäft Programmierer in Deutschland zu schulen neigte sich langsam (über viele Jahre) aber sicher dem Ende zu. Was tun? Wie schon im Buchhandel mochte ich es nicht, einem Geschäft beim Sterben zuzusehen. Das Reiten toter Pferde ist nicht so meins.

 
Ich möchte Euch nicht mit den folgenden 25 Jahren meiner Lebensgeschichte langweilen. Aber ich darf Euch versichern, es folgten noch viele grundlegende Veränderungen. Jede von ihnen bot mir Chancen. Manche, die ich nicht sofort erkannte. Manche, die ich nicht nutzen wollte (SAP war so eine). Und einige, die ich nutzte. Immer wieder habe ich versucht dabei die Menschen mitzunehmen, die um mich herum noch nicht bereit waren Änderungen in ihre Leben zu lassen. Immer wieder habe ich dabei auch Menschen in meinem Leben verloren, weil sie nicht weitergehen, nicht mitgehen wollten. Am meisten lassen mich dabei bis heute die verzweifeln, die scheinbar „hilflos“ dastehen. Mit den Armen rudern und auf andere zeigen, die an der Veränderung schuld seien. Es macht mich immer noch ratlos, wenn jemand nur „meckern“ will, statt in Diskussionen Lösungen für sich zu finden.

 
Liebe Berufsfotografen, viele von Euch „Profis“ reiten ein totes Pferd. Es wird Zeit die Veränderung, die Ihr eh nicht aufhalten könnt anzunehmen. Wenn Ihr als Fotografen weiter arbeiten und Geld verdienen wollt, müsst ihr Euch – Euer Geschäftsmodell verändern. Es gibt hunderte Ideen, wie das gehen kann. Hunderte davon sind schon umgesetzt. Ihr könnt Euch also auf eines von vielen Quicklebendigen Pferden setzen und weiterreiten ohne eine einzige eigne neue Geschäftsidee zu entwickeln.

 
Wenn Ihr allerdings auf Eurem toten Pferd hocken bleiben und lamentieren wollt, kann ich Euch nicht daran hindern. Wenn Ihr Amateur- oder Hobby-Fotografen dafür verantwortlich machen wollt, dass Euer Pferd tot ist, kann ich Euch auch daran nicht hindern. Stunk gegen andere zu machen wir aber Euer Geschäftsmodell so wenig retten, wie das der Tante Emma Läden, der Qualitätsjournalisten oder der Heizer auf Dampflokomotiven. Wobei ich zu bedenken geben möchte, dass es eher die – durch omnipräsente Handykameras veränderten Sehgewohnheiten sind, die Euch zu schaffen machen als die Amateurfotografen. Es existiert dadurch eine derartige Flut an Bildern, dass es wirklich schwer wird sich mit qualitativ hochwertigen Fotografien durchzusetzen. Wie man sich diese veränderten Sehgewohnheiten zu Nutze machen könnte muss ich keinem von Euch erklären – oder? Ein geschultes Auge könnte andere Augen schulen – um nur mal ein Beispiel zu nennen. Es gibt Lösungen für Euer Problem. Meckern und Lamentieren ist keine. Niemand ist „schuld“, dass sich Eure Welt verändert hat, außer vielleicht der Zukunft, die ändert ja bekanntlich immer alles. Wollt Ihr vielleicht dieses Mal die „Zukunft“ sein?

Written by emden09

03.11.2016 at 09:51

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Irrsinn Religion

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Den völlige Irrsinn der Religionen erfasst Du am Besten indem Du eines ihrer „Gotteshäuser“ betrittst. Die einen glauben, Du musst Deine Kopfbedeckung ablegen, wenn es betrittst. Die anderen glauben, Du musst eine spezielle Kopfbedeckung tragen. Dritte schließlich glauben, Du musst die Schuhe ausziehen.

Religionen glauben also an einen Gott, der nackte Menschen erschafft, um dann Kleidervorschriften zu erlassen.

Entweder ist dieser Gott völlig irrsinnig oder aber die, welche sich religiöse Vorschriften ausdachten sind komplett irrsinnig. In beiden möglichen Fällen empfiehlt es sich also Religionen zu meiden.

Written by emden09

03.08.2016 at 09:45

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Böhmermann vs. Erdogang

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Nein, ich schreibe nicht Erdogan.

Denn es geht ja nicht um einen Mann.

Es geht in der Türkei, wie bei anderen Autokraten auch, um eine ganze Gang. Ein Verbrechersyndikat, das sich für kein Verbrechen zu schade ist und sich über Jahrzehnte an Staatsverbrechen bereichert.

Der Staatsterrorismus gg die Kurden der vom Türkischen Ministerpräsidenten federführend befohlen und beaufsichtigt wird, ist ja nur eines von vielen Verbrechen, die diesem Pack zur Last gelegt werden müssen. Die Finanzierung des IS direkt durch einen Sohn des türkischen MP ist ein zweites. Die Abschiebung von Flüchtlingen in ein Kriegsgebiet ist ein völkerrechtswidriges Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Und diese Aufzählung fände kein Ende, wenn das nicht schon reichen würde.

Also nochmal

Böhmermann vs. Erdogang

würde ja, wenn es meiner Wunschvorstellung nach liefe wie folgt laufen:

1. die Bundesregierung entscheidet sich die strafrechtliche Verfolgung von Herrn Böhmermann im Auftrag der Erdogang betreiben zu wollen.

2. In einer Serie von Benefizkonzerten tragen daraufhin sämtliche deutschen Sänger und Poeten solidarisch Schmähgesänge und Schmähgedichte gegen die Erdogang vor.*

3. Die Einnahmen fließen in einen Fonds zur Verteidigung der Kunstfreiheit gg. in- und ausländische Despoten.

4. Das so angestoßene Crowdfunding reicht aus die Kosten für die Verteidigung sämtlicher Künstler, die gegen die Erdogang singen und dichten zu bezahlen.

5. Der Deutsche Anwaltsverein erklärt daraufhin, dass seine Mitglieder sich mit den Künstlern solidarisch erklären und die Verteidigung kostenlos übernehmen.

6. Deutsche Gerichte weißen im gesamten Rechtszug die Klage ab und verweisen auf die Kunstfreiheit und die Nichtanwendbarkeit des §103 StGB wg. §103.1. 2. Halbsatz (“ das sich in amtlicher Eigenschaft im Inland aufhält“).

7. Die Erdogang geht daraufhin im Privatklageverfahren gg. die Künstler vor. Es wiederholt sich 5. und 6.

8. Die Kosten von 7. werden der Erdogang auferlegt.

9. Der Menschrechtsgerichtshof in Den Haag stellt einen internationalen Haftbefehl für führende Mitglieder der Erdogang aus und urteilt diese nach deren Verhaftung ab. m.E. ist „lebenslänglich“ zu wenig für das Erdogang-Pack.

*Denkbar z.B.
„Tote Hosen, Arschloch“
„Konstantin Wecker, der Richter“
„Reinhard Mey, Sei wachsam“
etc.
(in allen Fällen nur kleine Anpassungen notwendig um die Erdogang persönlich anzusprechen)

Written by emden09

11.04.2016 at 12:36

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