emden09

nie angepasst

Krisengewinner Kurzarbeit

leave a comment »

Der größte Teil der Krisengewinner in der Corona-Pandemie sind in Deutschland die Kurzarbeiter.

Die größten Verlierer sind jene Gewerbetreibenden, deren Geschäfte am längsten geschlossen bleiben, deren Kosten aber (bis auf Personalkosten und die Miete) zum größten Teil weiterlaufen. Also zum Beispiel Gastwirte, Hoteliers und Inhaber kleiner Geschäfte. Sie können zwar bei Null Prozent Arbeit in Sicherheit zu Hause sein, zahlen aber noch drauf, haben also weniger als Null Prozent ihres Einkommens. Für diese Gruppe wurden übrigens bisher keine staatlichen Hilfen beschlossen.

Die größten Verlierer sind zusätzlich auch die Arbeitenden in den Systemrelevanten Berufen. Während Müllwerker, Landwirte, FahrerInnen von öffentlichen Verkehrsmitteln, TechnikerInnen in Elektrizitäts-, Kraft-, Wasser-, Kraftwerken und Fernmeldeberufen (vulgo IT-Techniker in Rechenzentren und im Außeneinsatz), Feuerwehrleute und PolizistInnen und Last but not Least Beschäftigte in den Kranken- und Pflegeberufen* täglich mindestens 100% ihrer Leistung erbringen müssen, bekommen sie dafür nur 100% ihres Lohnes. Gleichzeitig sind sie aber diejenigen, die das größte Risiko tragen an Corona zu erkranken – für sich und ihr persönliches Umfeld.

Die Kurzarbeiter als Krisengewinner können den größten Teil ihrer Zeit zu Hause in Sicherheit bleiben und bekommen dafür mindestens 60% ihres Nettolohnes (die meisten mehr, weil Arbeitgeber das KUG oft Aufstocken). Kein „Berufsstand“ profitiert also aktuell mehr von der Krise.

Und nein, die Argumentation, die heutigen „Kurzarbeiter“ haben ja auch ein Leben lang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt greift zu kurz. Denn die oben erwähnten Arbeitenden in Systemrelevanten Berufen zahlen auch jetzt noch weiterhin in die Arbeitslosenversicherung ein – ohne trotz ihrer zusätzlichen Leistungen zusätzlich etwas herauszubekommen. Und dennoch wird das Geld der Arbeitslosenversicherung, wie wir lesen dürfen nicht ausreichen und ein Bundeszuschuss aus Steuermitteln das Kurzarbeitergeld stützen müssen. Steuern aber zahlen aktuell? Richtig: Nur noch die Arbeitenden in den Systemrelevanten Berufen. Vom KUG gehen ja weder Steuern noch Sozialabgaben ab.

Dazwischen tummeln sich KünstlerInnen, Kleingewerbetreibende die auch zu Hause in Sicherheit bleiben dürfen und eine geringfügige staatliche Unterstützung bekommen, sowie ggf. durch Social-Media und andere Verkäufe von Kunstwerken noch etwas hinzuverdienen können. Dazwischen tummeln sich auch VermieterInnen, denen evtl. ein kleiner Teil ihrer Mieteinnahmen verloren geht (den größten Teil müssen sie ja „nur“ stunden), die aber auch zu Hause in Sicherheit bewegen dürfen.

Ich finde es seltsam, dass wir so selten lesen, dass die große Masse der Krisengewinner in Deutschland nicht die wenigen Maskenbetrüger oder Impfstoff-Spekulanten (jene, die in Aktien von Pharmafirmen investieren) sind sondern eben die Kurzarbeiter. Vielleicht trauen unsere Politiker sich einfach nicht, das offen auszusprechen – weil sie wiedergewählt werden wollen. Ich nicht.
—-
*Eine herzliche Entschuldigung an alle, deren Berufe ich in dieser Aufzählung vergessen habe

Written by emden09

28.04.2020 at 09:37

Veröffentlicht in Allgemein, Innenpolitik

Italienische Zahlen – eine Räuberpistole

leave a comment »

Wer sich heute in die eine oder andere Richtung mit Maßnahmen gegen Corona beschäftigt, bekommt immer wieder ein Totschlagargument zu hören: „Wir wollen doch alle keine italienischen Verhältnisse“.

Tatsächlich gibt es für die enorm hohe Inzidenz (Fälle pro 100.000 Einwohner) und Mortalität (Sterblichkeit), die sich aus den „italienischen Zahlen“ errechnen lässt, einige wissenschaftliche Erklärungsansätze aber keine tatsächlich plausiblen Erklärungen. Wissenschaftler sind geneigt, solche Datenpunkte, die zu weit von den mittleren Werten abweichen (Gausverteilung), aus Ihren Erklärungen für ein Phänomen zunächst auszuschließen. Zu einem späteren Zeitpunkt sagen sie, könne man diese Abweichungen (in Jahrelanger Kleinarbeit) genauer erforschen. Zur Erklärung des aktuellen Tagesgeschehens in anderen Ländern würden sie jedenfalls nichts beisteuern.

Dennoch ziehen verschiedene populistische Politiker (z.B. Söder) diese Zahlen immer wieder zur Begründung von Maßnahmen heran, die äußerst umstritten (Ihren Publikumserfolg im Unfragen aber durchaus zuträglich) sind. Mit den „italienischen Verhältnissen“ wird irrationale Panik geschürt und Freiheitseinschränkenden Maßnahmen das Wort geredet. Freiheitseinschränkenden Maßnahmen dazu (Handyortung durch Behörden), welche man nach Ende der Epidemie sicher nict wieder zurücknehmen wird.

Darum hier mal eine Hypothese. Eine Hypothese, die sämtliche Zahlen aus Italien oder auch aus besonders betroffenen Regionen von China deutlich plausibler erklärt, als alle aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Ansätze. Dennoch ist diese Hypothese nichts weiter als eine Räuberpistole im Stil eines Dan Brown (DaVinci Code). Tatsächlich zeigt diese Hypothese vorallem eines: aktuell Zahlen aus China oder Italien für Maßnahmen in irgendeinem anderen Land heranzuziehen ist fahrlässiger UNfug.

Hier die Hypothese: Das Corona Virus befällt vor allem tiefreligiöse Menschen.

Und hier noch ein bisschen Garnitur: Bei Krankheit und Seuchengefahr suchen diese tiefreligiösen Menschen in besonders großer Zahl ihre Tempel (aka Kirchen) auf. Dort berühren viele die selben Gegenstände (Weihwasser, Kruzifixe, Reliquien, heilige …) mit Händen und Lippen an den immer selben Stellen und geben so die Infektion weiter. Und noch: in Deutschland tritt eine Häufung von Fällen auch besonders in solchen Regionen auf, in denen besonders viele gläubige Menschen leben bzw. die (Kölner Dom) von besonders vielen gläubigen Menschen aufgesucht werden.

Wie gesagt wären damit die Zahlen aus Wuhan, jene aus Italien und die aus Teilen Deutschlands plausibler erklärt als mit sämtlichen (pseudo)wissenschaftlichen Erklärungen dieser Tage.

Ich werde diese Hypothese wie bereits erwähnt hier weder verteidigen noch weiter ausschmücken. Für mich ist diese Hypothese, die ich mir (zur Veranschaulichung) einfach mal so ausgedacht habe, eine Räuberpistole. Aber eben eine, die zeigt, jeder der heute schon versucht die Ausreißer bei den Zahlen in Italien und China wissenschaftlich (und ohne weitere wahrscheinlich jahrelange Forschung) zu erklären, greift in seinem Erklärungsversuch kürzer als eine solche Räuberpistole. Für eine Einschränkung unseres Freiheitlichen Gemeinwesens zumindest taugen diese Zahlen nicht. Die Niederlande und Schweden haben das gerlernt. Wir Deutsche hingegen fröhnen offenbar gerne weiter der Obrigkeitshörigkeit.

Written by emden09

23.03.2020 at 09:14

Widerspruch

leave a comment »

Da muss ich die Tage hören, wie ein „Ärztepräsident“ Montgomery bei einer dieser austauschbaren Talkshowjournalistinnen verzweifelt stöhnt: „Ich verstehe das gar nicht, die haben wir doch erzogen“. Und bin plötzlich stolz. Ja, tatsächlich, auch ich habe einen Teil dieser jungen Generation erzogen. Und ja, tatsächlich ich bin stolz, dass denen der typisch Deutsche Untertanengeist, die typisch Deutsche Obrigkeitshöhrigkeit fehlt.

 

Eine Kanzlerin, ein Gesundheitsminister die nichts zur Aufklärung beitragen, die mit einer inkonsistenten Politik Verwirrung stiften, statt die Menschen zu überzeugen „salbungsvolle Worte ans Volk“ richten, finden keine Follower mehr. Und das ist gut so.

 

Welche Widersprüche es aufzuklären gälte? Oh da sind viele. Ich zähle mal nur drei auf.

  1. Da steht eine junge Generation und darf zusehen, wie unsere Bundesregierung plötzlich 500 Milliarden Euro (eine halbe Billion) mit der Bazooka gegen einen Virus verschießen will, der bei dieser jungen Generation bestenfalls ein Hüsteln auslösen wird. Das ist die selbe junge Generation, der die selben Politiker noch vor wenigen Wochen erklärt haben, für den Schutz des Klimas sei kein Geld da. Die schwarze Null werde selbstverständlich nicht angetastet und man müssen auf die Wirtschaft Rücksicht nehmen. Die selbe junge Generation in der nicht ein paar tausend sondern hunderte Millionen ihr Leben lassen werden, wenn die Politik so weitermacht wie bisher und der Klimawandel so eintritt wie abzusehen. Wenn eine halbherzige Klimapolitik Langfristziele für 2050, 2038 usw. setzt, ohne heute damit anzufangen, auch nur Schritte in Richtung der Erreichbarkeit dieser Ziele zu gehen, ist das schlicht eine Politikerkaste, die nicht verlangen kann, dass man ihr vertraut für kurzfristige Herausforderungen die richtigen Maßnahmen zu treffen.Diese jungen Generation soll zusehen, wie man für ein Virus, das sie zum größten Teil nicht betrifft, mit leichter Hand bereit ist die Wirtschaft entweder zu ruinieren oder mit 500 Milliarden Staatsgeld aus der Gießkanne zu unterstützen? Was die einsehen ist, dass sie Oma und Opa im Moment nicht so oft besuchen können. Auch dass sie Freunde aus Risikogruppen aus ihren Aktivitäten eine Weile ausschließen müssen – wenn die das wollen. Den Rest hat Ihnen und mir bis heute keiner erklärt.
  2. Da ist die Regierung im Nachbarland, den Niederlanden. Eine Regierung die mindestens so rechts gerichtet ist, wie die von Merkel. Die aber macht eine ganz andere Politik.Die Regierung der Niederlande schützt Risikogruppen gezielt. Die sind leicht zu überzeugen, bestimmte Maßnahmen zum Eigenschutz zu ergreifen und dafür auch Einschnitte in ihren Alltag hinzunehmen.Bzgl. der Gruppe der jungen und gesunden Menschen geht diese Regierung aber hin und sagt, wir warten darauf dass sich in dieser Gruppe eine Herdenimmunität ausbildet – also 60-70 % dieser jungen und gesunden Menschen, die selbst kein großes Risiko tragen die Infektion innerhalb weniger Woche durchmachen und danach dagegen immun sind. Die können dann also auch die Gruppen die ein höheres Risiko tragen nicht mehr anstecken.

    Nun schließt unsere Regierung aber die Grenze zum Nachbarland den Niederlanden nicht etwa – sondern lässt diese offen. Gleichzeitig schließt die Regierung die Grenze zum Nachbarland Frankreich, das inzwischen eine Ausgangssperre verhängt hat. Das ist politisch inkonsistent. Dieser Widerspruch wird uns nicht erklärt und das sorgt dafür, dass salbungsvolle Worte ungehört im Wind verhallen.

  3. Wir schließen Geschäfte und nicht unbedingt benötigte Betriebe. Aber schon wieder verstehen wir nicht, dass Restaurants Mittags offen bleiben, sich dort die Risikogruppe der über 70 jährigen fröhlich zum Mittagessen und Kaffee trifft, während abends nach 18:00 wenn die Nichtrisikogruppe der jungen und arbeitsfähigen Menschen von der Arbeit kommt und evtl. im gleichen Restaurant zusammensitzen möchte, dieses Restaurant geschlossen bleiben muss.Und dann sind da noch die Friseure. Der Teeladen um die Ecke, in den sich pro Tag 10-20 Kunden verirren bleibt geschlossen. Beim Friseur zwei Türen weiter herrscht den ganzen Tag Hochbetrieb mit mind. 20 Leuten *gleichzeitig* in dem Laden.Alle sollen von zu Hause arbeiten, lernen usw. aber die Kinder von IT-Technikern dürfen nicht in die Notgruppen im Kindergarten.

    Nein, das versteht nicht nur die von Herrn Montgomery erzogene Generation nicht, sondern auch die von mir erzogene.

    Ja, wir verstehen, dass in der Kommission, die das beschlossen hat vermutlich ein Meister der Friseurinnung saß. Wir verstehen, dass IT-Techniker für diese Regierung Neuland sind und schlicht vergessen wurden.

    Aber eben das ist genau die inkonsistente Politik, die wir ablehnen und für deren salbungsvolles Geseiber wir kein Verständnis mehr haben.

Ich beschränke mich hier bewusst auf drei Punkte obwohl mir viele weitere einfallen würden. Ich will an diesen drei Punkten exemplarisch zeigen, wie inkonsistent das ist, was unsere Politiker abliefern und wieso sie nicht mit „Folgsamkeit“ der „Untertanen“ rechnen können, wenn sie nicht in der Lage sind plausibel zu erklären, warum genau sie was von den Einzelnen verlangen. Politik per Verodnung von oben ohne plausible Erklkärung hat Gottseidank ausgedient.

Ich selbst könnte mich locker in eine Risikogruppe hineinrechnen oder hineinpanikisieren. Jenseits der Mitte 50, leicht übergewichtig, viele Sozialkontakte durch meine Arbeit. Dennoch muss ich gestehen, dass mir das fern liegt und ein weiteres Mal die Politik der Regierung der kaum 50 km entfernten Niederlande um Längen sympathischer ist, als alles, was die hiesige Regierung zu verbreiten gewillt ist. Und ja, diese junge Generation, wo sie sich Politikern und Obrigkeiten nicht per se gläubig unterwirft sondern deren Maßnahmen kritisch in Frage stellt, ist uns gut gelungen Herr Montgomery.

Tatsächlich ist und bleibt ziviler ungehorsam *die* Nummer eins beste Maßnahme gegen eine Politik, die nicht schlüssig – mithin willkürlich – entscheidet und handelt.

Ja, ich verstehe, dass Covid-19 für bestimmte Risikogruppen sehr gefährlich ist. Dass wir unser Gesundheitssystem überlasten könnten, wenn die alle gleichzeitig auf die Intensivstation müssten. Ich verstehe sogar die Mathematik dahinter und dass es mitnichten um ein exponentielles Wachstum geht. Schon wieder eine dieser Inkonsistenzen, die ein Mathematik-Youtuber (s.o.) erklären muss, während diesbezüglich ungebildete Politiker von einem exponentiellen Wachstum reden und sich weiter unglaubwürdig machen.

Ich verstehe, dass wir mit Menschen aus Risikogruppen solidarisch sein müssen.

Aber Solidarität heißt halt nicht, dass ich mich nicht anstecken darf. Solidarität heißt nicht, dass ich beim kleinsten Kratzen im Hals zum Arzt renne, die 116117 anrufe und in Panik Hotline-, Arzt- und Testkapazitäten blockiere, die für echte Risikopatienten dringend benötigt werden.

Solidarität heißt, dass ich – sogar für die verhasste Nachbarin – ein paar Tüten vom Supermarkt mittbringen würde, wenn sie freundlich zu fragen in der Lage wäre. Solidarität heißt, dass ich auf mein Geld für diese Tüten gerne ein halbes Jahr warten würde, bis es für sie wieder sicher ist mir das zu übergeben (nein, sie hat kein paypal). Solidarität heißt auch, dass ich die Tüten vor ihrer Tür abstellen würde und für ihr Klopapier durch zig Supermärkte laufen würde, bis ich endlich welches gefunden hätte. Solidarität heißt, dass ich eine OP, die ich im Moment nicht wirklich dringend brauche gerne ein bis zwei Jahre aufschiebe. Solidarität heißt, dass ich jeden morgen auf dem Weg in die Arbeit in den Supermarkt und zum Bäcker gehe und mich dort mit dem eindecke, was ich heute benötige (ein paar Beeren, ein Joghurt, ein Brötchen) und eben nicht in Panik Hamsterkäufe tätige. Solidarität heißt sogar, dass ich in meinem Unternehmen vieles umorganisiere. Aber Solidarität heißt nicht, dass ich verstehen muss, warum die Bauarbeiter aus der Ukraine und Polen vor unserem Fenster täglich kräftig werkeln und wir gleichzeitig zwei Meter weiter die Büro-Arbeit einstellen sollten.

Macht eine konsistente Politik für alle Menschen oder akzeptiert, dass die für die ihr nicht da seid, Euch auch nicht glauben und ihr Widerspruch erntet.

Written by emden09

19.03.2020 at 09:31

Veröffentlicht in Allgemein, Globalisierung, Innenpolitik

It‘s the data stupid!

leave a comment »

Als Fahrer eines Elektroautos und Besitzer von Aktien eines Elektroautoherstellers, werde ich immer wieder gefragt: „Glaubst Du nicht, dass der Tesla Aktien-Kurs völlig übertrieben hoch ist?“ Die Antwort habe ich schon vorweggenommen. Würde ich glauben, der Kurs sei übertrieben hoch, hätte ich die Aktien wohl schon verkauft. Nachfrage des Gegenüber: „Aber wie kann eine Firma, die nur wenige hunderttausend Autos jährlich ausliefert wertvoller sein, als zwei deutsche Automobilhersteller, die zusammen mehr mehrere Millionen Fahrzeuge ausliefern?“ Meine Antwort: [siehe Überschrift]

 

Tatsächlich ist die Vision von Tesla nicht ausschließlich Elektroautos auszuliefern. Das wäre schließlich auch ein fataler Fehler. Elektroautos haben einen viel geringeren Wartungsbedarf, als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, weil sie um Größenordnungen weniger Verschleißsteile haben. Die klassischen Automobilhersteller aber leben nicht vom „verkaufen“ von Autos. Sie leben vom Teilehandel. Glaubt mir, ich habe mal an der Software für den Teilehandel eines Deutschen Automobilherstellers gearbeitet. Es gibt bis heute nichts in diesen Unternehmen was lukrativer wäre. Vom Teilehandel wird also ein Hersteller von Elektroautos auf Dauer nicht leben können. Was also ist die Vision?

 

Die Vision von Tesla ist eine autonom fahrende Taxiflotte auf der Straße zu haben. Als erster! Wer meinen vorherigen Rant über die aktuellen Fähigkeiten des Tesla „Autopiloten“ gelesen hat, weiß, wie weit wir davon noch entfernt sind. Aber tatsächlich habe ich bisher kein kommerziell verfügbares Fahrzeug gefahren, das in diesem Punkt besser ist.

 

Was aber benötigt man um „autonomes Fahren“ auf Basis eines Computersystems (mit „künstlicher Intelligenz“) besser zu machen? Da sind sich ausnahmsweise alle, die daran forschen einig: man benötigt Daten! Riesige Mengen Sensordaten (Video ab ca 21:00) und nach Möglichkeit dazugehöriger Videoaufzeichnungen von Milliarden gefahrenen Kilometer, mit allen nur erdenklichen Verkehrssituationen.

 

Wer aber sammelt diese Daten seit Jahren und vor allem heute schon in dieser Form? Schauen wir mal in Deutschland bei Volkswagen. Laut einem länglichen Artikel im Handelsblatt vom 31.1.2020 beschäftigt Volkswagen heute 5.000 Softwareentwickler. Tesla „nur“ 3.000. Volkswagen steuert mit diesen 5.000 Softwareentwicklern gerade mal 10% der relevanten IT-Systeme (Sensoren und soweit vorhanden Kameras) in seinen Fahrzeugen. Tesla hingegen beherrscht mit 3.000 Entwicklern 100% der von Fahrzeug erhobenen Daten. Volkswagens Ziel: In 5 Jahren will man 10.000 Softwareentwickler beschäftigen, die dann 50% der im Fahrzeug produzierten Datenmenge beherrschen sollen (What?). Das heißt, bis in fünf Jahren wird Tesla täglich, bei jedem gefahrenen Kilometer 10 Mal so viele Daten sammeln wie Volkswagen. In Wirklichkeit sieht die Situation noch viel verheerender aus. Denn die wenigsten Fahrzeuge, die Volkswagen heute freiverkäuflich auf der Straße hat, sind überhaupt in der Lage Livedaten der Sensorik (zusammen mit Videos der jeweiligen Verkehrsituation) zu erfassen und zurück nach Wolfsburg zu liefern.

 

Selbst in 5 Jahren wird sich die Situation für Volkswagen bestenfalls soweit gebessert haben, dass der tägliche Vorsprung bei der Sammlung klassifizierter Datensätze von Tesla pro Fahrzeug und gefahrenemn Kilometer nicht mehr um Faktor Zehn sondern nur noch um das doppelte wächst. Denn natürlich können die Softwareentwickler von Volkswagen die Daten von Systemen, die sie nicht programmieren auch nicht gezielt und bezogen auf eine bestimmte Verkehrssituation auswerten. Das heißt sämtliche Fahrzeuge, die Volkswagen bis dahin *neu* auf die Straße bringt, werden nicht in der Lage sein, den Vorsprung von Tesla bei der Sammlung von Daten zu verkürzen.

 

Nun können wir glauben, dass VW halt ein bisschen rückständig sei und die anderen deutschen Automobilhersteller (bleiben BMW und Mercedes) hier wesentlich weiter wären. Aber weit gefehlt. Fragen sie mal BMW, wie man die Systeme zum autonomen Fahren heute testet. Antwort: Ja es gibt da eine „Normbaustelle“ (ich musste aufpassen nicht laut loszuprusten) auf der A9 ….“ Mehr muss sicher niemand wissen. Tatsächlich haben weder BMW noch Mercedes bis heute eine Plattform für elektrisch betriebene Fahrzeuge sondern bieten im Markt lediglich halbherzig umgebaute Benzinfahrzeuge an.

 

Zugegeben, bei einem Tesla muss der Fahrer auch aktiv entscheiden, dass er bereit ist, diese Daten und vor allem Videos an Tesla zu übertragen. Aber: die Mehrzahl der mir bekannten Fahrer macht das ausgesprochen gerne? Warum? Nein, nicht weil „teilen“ seit Facebook Konjunktur hat! Weil jeder sich einbilden kann, dass sein individuelles Fahrverhalten Einfluss findet auf das zukünftige Fahrverhalten autonom gesteuerter Tesla-Fahrzeuge. Wie geil ist das denn? Jeder Autofahrer glaubt doch, dass er der einzige im Straßenverkehr ist, der sich richtig verhält. Und bei Tesla kann er tatsächlich Einfluss nehmen, indem er die Daten seines Fahrverhaltens an den Hersteller liefert. Da machen doch alle gerne mit!

 

Der wertvoller Teil der Daten entsteht übrigens immer dann, wenn die Softwaregesteuerte Automatik gerade etwas ganz, ganz anderes tun würde als das, was der Fahrer tatsächlich macht. Kommt es in solchen Situationen nicht zum Unfall oder einer gefährlichen Verkehrssituation, hat der Fahrer gerade das getan, worauf alle KI-Entwickler komplett abfahren: er hat nicht nur Daten gesammelt, er hat sie auch klassifiziert. Kurz: Klassifizierte Daten sind das Potential, aus dem KI-Systeme enstehen. Ja, ja, ich weiß es gibt auch andere KIs. Aber ehrlich: wer Milliarden klassifizierte Datensätze zur Verfügung hat, dessen KI wird sicher schneller „lernen“, als jede andere KI. Ein bekanntes Beispiel aus der Gegenwart dürfte hier GPT-2 sein – eine KI, die anfing, erwünschte Dinge zu tun, für die sie nie programmiert war – nur weil sie es aufgrund der riesigien Datenmenge (ca. 1,6 Milliarden Datensätze) konnte.

 

Resüme: Der Tesla Datenbestand an klassifizierten KI geeigneten Datensätzen zum Fahrverhalten von Autofahrern in alltäglichen Verkehrssituationen wächst aktuell ZEHN mal schneller als der Datenbestand jedes anderen Automobilherstellers auf der Welt. Aufgrund der vergleichsweise riesigen Fahrzeugflotte, wächst der Tesla-Datenbestand sogar deutlich schneller als der von Waymo oder Uber. Jetzt noch zu fragen, warum ich glaube dass die Zukunftsperspektive von Tesla mehr wert ist als die sämtlicher anderen Automobilhersteller zusammen, dürfte sich erübrigen.

 

Es gibt darüber hinaus einen weiteren Punkt, den man nicht außer Acht lassen darf: Tesla wird – im Gegensatz zu allen anderen börsennotierten Automobilherstellern – von einem Unternehmer geführt. Das Problem eines (Deutschen) AG-Vorstandes (in meinen Augen „Unterlasser“) ist, dass ein Großteil seiner jährlichen Bezüge für die kurze Zeit (max. 5 Jahre) die er jeweils aktuell zum Vorstand berufen ist, nicht von Zielen abhängt, die in 10 oder 15 Jahren erreicht werden können. Diese Vorstände schielen ausschließlich auf das Ergebnis des nächsten Quartals, bestenfalls des nächsten Jahres und natürlich auf Shareholder-Value.

 

Die Shareholder-Value Denke hat Deutschland ja schon zu Zeiten der Dotcoms richtig weitergebracht </zyn>. Ja., richtig, die Dotcom-Blase ist geplatzt. Aber was ist davon geblieben? In den USA sind geblieben: Facebook, Google, Amazon, Twitter, Instagram, Whatsapp, paypal, Netflix und mit Abstand Apple und Microsoft… in Deutschland? Nichts! Was aber ist das Kapital all dieser Unternehmen, die „geblieben“ sind? Value? Growth? Shareholder Value? Nein, das Kapital all dieser Unternehmen ist ein riesiger Datenbestand, der genutzt werden kann, um Geld zu verdienen:

 

„It’s the data stupid!“ Das möchte ich all denen zurufen, die nicht verstehen, wieso Tesla faktisch mehr wert ist, als sämtliche Automobilhersteller.

 

Und dann das noch:

 

Bei Tesla sitzt kein Deutscher AG-Vorstand an der Spitze sondern ein  (ja umstrittener) Unternehmer, der zum ersten Mal richtig abkassieren wird, wenn der Aktienkurs bei über 3.000 USD liegt (aktuell sind es 700-800 USD die optimistischsten Progrnosen sehen 1.500 USD für 2024). Bis dahin bezieht der Mann nicht einmal ein Gehalt von Tesla. Trotzdem übernachtet er – wie man hört – wenn es hart auf hart kommt immer mal wieder im Werk oder auf der Baustelle. Ich lache mich gerade scheckig bei der Vorstellung, dass jemand so viel Engagement (ohne Gehalt nur auf Basis einer Hoffnung auf die Zukunft im Werk oder auf der Baustelle übernachten) von einem Diess, Zetsche, Källenius oder Zipse fordern könnte. So hochkant wäre sicher noch kein Berater dieser Welt gefeuert worden. Unternehmer vs. Unterlasser wenn ich sonst keinen Grund hätte Aktien von Tesla zu kaufen.

 

PS: selbstverständlich ist es in unser aller Interesse dafür zu sorgen, dass diese gesammelten Daten genutzt und nicht wie z.B. bei Facebook gegen uns und unsere Gesellschaftssysteme missbraucht werden. Aber gut, dass habe ich jetzt schon so oft gesagt und es interessiert kaum jemanden – warum dann hier? Oder hast DU Whatsapp, Instagram und Facebook gelöscht? Verschlüsselst Du jede Nachricht die Du sendest? – sicher? – E2E? Wenn ja: Du gehörst zu einer veschwindenden Minderheit!

Written by emden09

18.02.2020 at 09:56

Nimby

leave a comment »

Sie sind also Windkraft-Kritiker oder gar Windkraft-Gegner? Sie sind „natürlich“ kein Veganer? Dann sind sie ein Nimby*.

Sie sind einer jener wenig sozialen Zeitgenossen, der die „Segnungen“ einer modernen Industriegesellschaft genießt, während er deren Zumutungen gerne anderen überlässt. Natürlich wird für das Fleisch, das Sie essen mehr Wald gerodet und für den Futtermittelanbau mehr Landschaft verschandelt, als irgend ein Windrad das je vermöchte. Aber eben nicht vor Ihrer Haustür. Typisch Nimby halt.

Selbstverständlich hat das Haus in dem Sie leben Glasscheiben. Natürlich ohne Vogelschutzaufkleber, weil diese Ihnen ja den unverbaubaren Blick in die freie Natur verschandeln würden. Aber gegen Windräder sind Sie schon des Vogelschutzes wegen. Glasscheiben töten im Jahr 1.000-fach mehr Vögel (ca. 115 Mio. pro Jahr) als Windkraftanlagen (selbst nach den pessimistischsten Schätzungen der „Vogelschützer“ unter den Windkraftgegnern). Das interessiert Sie einen Scheiß. Sie sind ja ein Nimby.

Übrigens würden selbst Vogelschutzaufkleber, welche Ihre Glasscheiben nicht haben, nach optimistischsten Schätzungen der Vogelschützer maximal 98% aller tödlichen Vogelunfälle (nein nicht Vögelunfälle 😉 verhindern. Sie können rechnen? Genau dann liegen Glasscheiben – selbst mit Vogelschutzaufklebern immer noch um Faktor 20 als Todesursache für Vögel vor Windrädern. Also 20 Mal so viele tote Vögel durch Glasscheiben (mit Volgeschutzaufklebern) als durch Windräder – Nimby.

Ihre Kleidung stammt nicht von ausschließlich selbst gezüchteten und selbst geschorenen Schafen? Für Leinen, Baumwolle und Kunststoffe, aus denen Ihre Kleidung besteht, wird ja nicht die Umwelt in Ihrem Hinterhof verschandelt: Nimby!

Natürlich benötigen Sie einen PKW. Der ÖPNV bei Ihnen auf dem Land ist ja so schlecht ausgebaut, dass es eine Zumutung und unzulässige Beschneidung Ihrer persönlichen Freiheiten wäre, keinen PKW zu besitzen. Wenn Städter sich über NoX und Feinstaub beklagen, die Sie erzeugen, sollen die doch gefälligst aus den Städten wegziehen. Der Krach der tausende PKW vom Lande in den Städten und auf dem Weg dorthin über Autobahnen und x-spurige Schnellstraßen ist übrigens wissenschtlich anerkannt: Lärm (!). Es ist kein, von Menschen nicht wahrnehmbarer Infraschall und Lärm kann auch außerhalb pseudowissenschaftlicher Halbwahrheiten krank machen. Die Städter sollen da weg, die haben sich das doch ausgesucht da zu wohnen, wo Sie nur arbeiten, Lärm machen und natürlich die Luft verpesten: Nimby.

Selbstverständlich sitzen Sie bei Dunkelheit nicht bei Kerzenschein und erzählen sich gegenseitig Geschichten oder waschen Ihre Wäsche wie annodazumal von Hand im Bach, weil Sie keinen elektrischen Strom, keine elektrischen Geräte, kein fließendes Wasser und keine Bücher haben. Ist Ihnen doch egal, ob für die Braunkohle aus der Ihr Strom entsteht ganze Dörfer weggebuddelt werden? Für Bücher ganzer Wälder abgeholzt? Wie wird eigentlich die Chemie und die Filter produziert mit denen Ihr Trinkwasser aufbereitet wird? Ihnen egal – gell? Ja auch Umweltschäden durch Abbau von Öl, Gas und Uran sowie die Endlagerung der (strahlenden und sonstwie giftigen) Abfälle kann Ihnen egal sein, das betrifft ja nur andere Menschen und noch dazu größtenteils andere Menschen in anderen Generationen, nicht Sie. Ja, Sie sind ein Nimby.

Ihr Kamin und Holzofen, den Sie angeschafft haben, um nicht von elektrischer Energie aus den Städten abhängig zu sein, produziert wieviel Feinstaub in Ihrer unmittelbaren Umgebung? Feinstaub, den Ihre Kinder und die Ihrer Nachbarn beim Spielen einatmen und über weiß Gott welche Wege sonst noch zu sich nehmen? Feinstaub macht krank, das wissen Sie schon Nimby?

Ihr Arbeitsplatz? Ihnen scheißegal, wer die Kunden Ihres Arbeitgebers sind. Die Deutsche Industrie? Führend in der Herstellung hochpräziesere Maschinen, wie sie für Windkraftanlagen und deren Herstellung benötigt werden, ja wie Windkraftanlagen selbst welche sind. Weltweit führend in Innovation für solche Maschinen und Kraftwerke? Ihnen Scheißegal! Der alte Sack soll gefälligst am Monatsende Ihr Gehalt zahlen und zur Not leben Sie halt von Hartz4. Ihnen doch egal welchen Job die Leute machen, die das Geld in die Sozialkassen einzahlen. Sie müssen es ja nur rausnehmen: Nimby.

Ach, wenn Sie gerade dabei sind, sich über schlecht messbare, für den Menschen nicht wahrnehmbare Phänomene wie angeblichen Infraschall und dessen krankmachende Wirkung zu echauffieren: Wie wäre es, wenn Sie sich mal über kosmische Hintergrundstrahlung im Mikrowellenbereich informieren. Evtl. wäre eine zweite Kariere als Urknall-Kritiker oder Kosmo-Gegner was für Sie – Nimby.

Sie wollen – wie all Ihre Kumpel bei der AfD/CSU – weiterhin Windkraft-Gegner, aber kein Nimby mehr sein? Werden Sie endlich konsequent! Aber: Dann können Sie bei uns in Mitteleuropa nicht überleben. Schließlich müssten Sie nackt und ausschließlich vegan ernährt ohne Heizung und Feuer den Winter in einem Haus ohne Fenster überstehen. Wobei Häuser? Sind Sie auch Haus-Kritiker, Architektur-Gegner? Wissen Sie, wieviel Feinstaub, NoX und andere Umweltgifte alleine die Baustoffproduktion für das Haus in dem Sie leben (und natürlich der Bau selbst) erzeugt hat? Ok, ebenfalls größtenteils andernorts und nicht vor Ihrer Haustüre – Nimby. Aber: Glauben Sie mir, so warm und tief ist keine Höhle in Mitteleuropa, dass Sie ohne ein Nimby zu sein, hier als Windkraft-Gegner überleben könnten.

Ach? Sie wollen (jetzt plötzlich doch) auswandern? In ein Land ohne Windkraft, in dem es warm genug ist? Gute Idee. Wir freuen uns drauf! Aber bleiben Sie bitte weiterhin Kritiker des „angeblich von Menschen gemachten“ Klimawandels, den können Sie nach Ihrer Auswanderung gar nicht brauchen! Sie könnten auf dem höchsten Berg Ihrer Südseeinsel sonst nackt und vegan schneller bis zu den Knien im (SALZ!)Wasser stehen, als Sie hier erfroren wären – Nimby.

—-

*Ein Nimby ist ein „Not in my Backyard“-Befürworter. Also eine jener traurigen Gestalten, die alle Vorteile der Moderne genießen, die Zumutungen aber ausschließlich bei anderen abladen wollen. Derzeit häufig gesichtet in Reihen von AfD und CSU.

Written by emden09

18.11.2019 at 08:44

Veröffentlicht in Allgemein

Rassismus in Rheda und Gelsenkirchen

leave a comment »

Da glaubt also der Präsident des Gelsenkirchener Fußballvereins Schalke04, das Fortpflanzungsverhalten von Menschen hinge von der Verfügbarkeit von elektrischem Licht ab. Nebenbei bemerkt ist alleine der Blick, den er uns damit auf seine eigene Sexualität gewährt, zum fremdschämen. Sei’s drum. Da er allen Afrikanern unterstellt, ihre Sexualität, ihr Fortpflanzungsverhalten sei genauso verklemmt, pubertär, unterentwickelt, wie seine eigene es offenbar ist, darf diese Äußerung zweifelsohne als „offen rassistisch“ bezeichnet werden.

Fußballspieler mit afrikanischen Wurzeln, welche einst für den Gelsenkirchener Fußballverein spielten und dem Verein bis heute verbunden sind, äußerten sich empört über diese (so wörtlich) „rassistischen“ Äußerungen des Präsidenten Clemens Tönnies.

So „entschuldigte“ sich Tönnies schließlich bei den Mitgliedern des Schalker Fußballvereins, jedoch nicht für seinen Rasssismus sondern für die „Verletzung der Standards des Vereines“. Auch entschuldigte er sich nicht bei seinen Opfern, den von ihm rassistisch beleidigten Afrikanern. Auch nicht bei all den Deutschen, die sich wegen seiner Äußerungen und dem gesamtgesellschaftlichen Umgang damit, für das Land, in den sie leben schämen müssen. Diese „Entschuldigung“ war also eher eine Bekräftigung der rassistischen Äußerungen, die Tönnies zuvor getan hatte, eine Art Signal an seine rassistischen Kumpane, dass er sich seinen Rasssismus nicht verbieten lassen will und dass er sich bei den Opfern seines Rassismus nicht entschuldigen werde.

Nun tagte also gestern ein Gremium, des Fußballvereins. Ein Gremium dessen gesellschaftliche Bedeutung außerhalb des Vereins kaum unterschätzt werden kann: es hat keine! Dieses „Ehrenrat“ genannte Gremium stufte die Äußerungen des Präsidenten als *nicht* rassistisch ein. Daraus müssen wir nun also schließen, dass dieses Gremium selbst offenbar mehrheitlich mit Rassisten besetzt ist. Rassisitischen Beledigungen einzuordnen obliegt ja nunmal nicht den Tätern und ihren Helfershelfern und Wasserträgern in irgendwelchen sogen. „Ehrenräten“. Rassitisch beleigt wurden hier Menschen mit afrikanischen Wurzeln, sie sind die Opfer und können alleine entscheiden, wie sie die Tat einordnen. Wie bereits oben berichten haben hier mindestens Sarpei und Assamoa alles notwendige gesagt.

Den Blick aber jetzt ausschließlich auf den Fußballverein zu richten, greift sicherlich viel zu kurz.

Dieser Tönies ist Milliardär. Ein Milliardär zudem der sich an sogen. Cum-Ex-Geschäften bereichert hat – das nur um seine moralischen Standards außerhalb des Rassismus zu beleuchten. Er ist Milliardär, weil er eine Großmetzgerei seines verstorbenen Bruders in Rheda leitet.

Die gesellschaftliche Frage, die weit über den Gelsenkirchener Fußballverein hinausgeht muss also heute lauten, welcher Einkäufer bei Supermarktketten und Kaufhausbetreibern ist weiterhin bereit Waren dieses von einem offenen Rassisten geleiteten Betriebes einzukaufen und seinen Kunden zuzumuten, diese ggf. ohne Wissen um die Herkunft zu verkaufen. Wie ich lese sind Marken wie Böklunder, Könecke und Zur-Mühlen betroffen. Welche noch? Wer ist heute noch bereit Waren dieser Marken, an denen sich ein Rassist bereichert, zu kaufen. Das ist eine gesellschaftliche Frage, die in diesen Tagen gestellt werden muss.

Aber auch umgekehrt muss gefragt werden, welche Rinderzüchter und Verkäufer landwirtschaftlicher Genossenschaften sind bereit hier zur Tagesordnung überzugehen und einem, von einem offenen Rassisten geleiteten Betrieb ihre Tiere zur Schlachtung und Verwertung zu überantworten. Also ich würde mit so jemandem keine Geschäfte machen wollen.

Was war das für eine Wirtschaftvereinigung die den „Tag des Handwerks“ veranstaltet, vor der Tönnies diese rassistischen Äußerungen getan hat. Wer war dort verantwortlich dafür, dass Tönnies Rede nicht unmittelbar nach diesem rassitischen Eklat abgebrochen wurde. Wer war überhaupt dafür verantworlich einen Rassisten als Redner zu so einer Veranstaltung einzuladen? Welche Konsequenzen zieht der Veranstalter?

Wenn dieser Tönnies wirklich damit davonkommt, dass er sich selbst eine Auszeit von drei Monaten von seiner Tätigkeit als Präsident des Schalker Fußballverbandes auferlegt und ihn sonst niemand belangt, er sonst keinerlei Konsequenzen ziehen muss, dann ist der Rassismus in diesem Land wieder hoffähig geworden. Politiker, Sportfunktionäre, Staatsanwälte aber auch wir als Verbraucher müssen uns dann fragen lassen: wie können wir sojemanden in unserer Gesellschaft akzeptieren, mit ihm Handel treiben, mit ihm Sportveranstaltungen besuchen und Produkte von Unternehmen kaufen, die er leitet?

Written by emden09

07.08.2019 at 21:18

Veröffentlicht in Allgemein

Your Baseband is watching you

leave a comment »

So, 3 Jahre alt aber dennoch was für alle Paranoiker unter uns: Dass Ihr unter Paranoja leidet heißt nicht, dass Ihr nicht verfolgt werdet.

Your baseband is watching you. Highlights

Jedes mobile Telefon ( auch Featurephone) ist abhörbar, als Wanze missbrauchbar, ggf. auch im Flugmodus/ ausgeschaltetem Zustand und liefert ggf. auch ohne Akku Metadaten an (auch kommerziell) interessierte Dritte. Das gleiche dürfte für *alle* WiFi- und kabelgebundene Netzwerkkarten gelten.

https://media.ccc.de/v/CC16_-_109_-__-_sub_lounge_-_201605211815_-_your_baseband_is_watching_you_-_dan

Danke dem T-Systems Security-Experten, der aktuell in einem Büro mit mir sitzt und solche Sachen teilt.

PS: teilt dieses Video kräftig und vor allem ladet es herunter. Ich bin gespannt, wie lange das noch online sein darf, wenn es eine größere Öffentlichkeit erreichen sollte.

Written by emden09

06.08.2019 at 21:42

Veröffentlicht in Allgemein

%d Bloggern gefällt das: