emden09

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Edit Life

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Was mich heute Nacht nicht schlafen lässt sind die positivsten möglichen Folgen von Gene-editing mittels CRISPR/cas9. (Lest bitte selbst nach, was das ist – einfach Googeln).

Auch wenn die bisheriger Entwicklung der Menschheit gezeigt hat, dass sie in der Lage ist, aus jeder neuen (technischen) Möglichkeit zunächst einmal eine maximal mögliche Katastrophe zu machen, will ich diesen Teil der Betrachtungen, also jede Form denkbarer Kriege, Verbrechen, ethnischer Säuberungen etc. durch Gene-editing zunächst außen vor lassen.

Auch die Tatsache, dass wieder einige ungebildete Konservative glauben werden, sie könnten Gene-editing verbieten oder sonstwie verhindern, werde ich hier außen vor lassen. Wenn ihr zu denen gehört, die das glauben, denkt oder lest kurz nach. Jeden nicht all zu dummen Gedankengang dazu werde ich gerne in den Kommentaren beantworten. Nein, auch einzelne Individuen werden auf Dauer nicht die Wahl haben, ob ihre Gene-editiert werden oder nicht.

Das „positivste“ denkbare Ergebnis von Gene-editing wird entsprechend die Ausrottung sämtlicher Krankheiten innerhalb der nächsten wenigen Jahrzehnte sein. Nach dem Krankheitsbedingten Tod von Menschen wird Gene-editing als nächstes den Altersbedingten Tod von Menschen verhindern. Bei diesem Gedankengang gehe ich davon aus, dass sich auf der genetischen Ebene längst erwiesen hat, dass Alter ausschließlich ein Phänomen fortschreitend mangelhafterer Zellteilung ist. D.h. die technische Möglichkeit „ewigen Lebens“ steht kurz bevor. Mit kurz, meine ich wenige Jahrzehnte. Die Probleme aber werden wesentlich früher beginnen.

1. Rente

Bereits eine kurzfristige Erhöhung der Lebenserwartung um wenige Jahre (10?) durch Gene-editing wird sämtliche finanzmathematischen Modelle kippen, die heute unserer Altersvorsorge zu Grunde liegen. Rente – egal ob staatlich oder privat finanziert wird lange vor 2050 abgeschafft werden. Wer „ewig lebt“, wird ewig arbeiten müssen. Dass er gesund genug sein wird, um ewig arbeiten zu können, wird aus diesem Szenario vorläufig ein wenig den sozialen Druck herausnehmen. Dennoch müssen wir uns bereits heute damit befassen, wann der Zeitpunkt gekommen sein wird, Renten abzuschaffen und die Reintegration ins Arbeitsleben der dann bereits bestehenden Rentnergeneration anzugehen. Und damit meine ich vor allem, wir müssen die rechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen und die Menschen darüber aufklären, dass es dazu kommen wird. Wer heute unter 40 ist, wird kein nennenswertes Rentnerdasein mehr erleben.

2. Recht auf Geburt

25.000 Menschen sterben aktuell in Deutschland pro Jahr durch Unfälle. Wir müssen davon ausgehen, dass Gene-editing Unfälle über kurz oder lang zur einzigen Todesursache machen wird. Aktuell gibt es in Deutschland ca 800.000 Geburten pro Jahr. Das bedeutet im „Endstadium“ (ewiges Leben) von Gene-editing einen jährlichen Überschuss von über 775.000 Menschen pro Jahr alleine in Deutschland. Die daraus entstehende Überbevölkerung wird binnen kurzem nicht hinnehmbar sein. D.h. wird werden nur noch wenigen Menschen (nach heutigem Stand bestenfalls 25.000 pro Jahr) das Recht auf Geburt einräumen können. Wann wollen wir die rechtlichen Grundlagen dafür schaffen. Wann die Philosophischen Grundlagen? 97% aller heutigen Geburten müssen zukünftig verhindert werden. Durch Zwangssterilisation? Durch massenhafte Abtreibung?

3. Recht auf Tod

Gene-editing wird menschliche Körper bei ewiger Jugend unsterblich machen. Doch für welche maximale Lebenserwartung ist eigentlich die menschliche Psyche die menschliche Seele bereit? Wann werden die ersten 100 jährigen im wahrsten Sinne des Wortes des Lebens müde sein und entscheiden wollen bei bester Gesundheit und Jugend zu sterben? Können wir das hinnehmen? Im Sinne der vorhergehenden Überlegungen zur Überbevölkerung wäre es vielleicht nicht schlecht, Menschen das Recht auf selbstbestimmtes Sterben einzuräumen. Aber mit zunehmendem Alter wird ein Gene-editierter also gesunder und jugendlicher Mensch für die Gesellschaft immer wertvoller werden. Sein sprichwörtlicher Erfahrungsschatz wird ihn „unverzichtbar/unbezahlbar“ machen. Oder anders ausgedrückt, die Gesellschaft wird sich nicht erlauben können einfach allen lebensmüden Alten das Sterben zu erlauben. Wenn wir es nicht „allen“ Alten erlauben können, wie wird das Recht auf Sterben erworben werden können?

4. Recht auf Bildung

In der Vergangenheit mit einem zeitlich begrenzten menschlichen Leben und entsprechenden Alterserscheinungen bzgl. der Lernfähigkeiten, war Bildung einer kurzen Phase in der Jugend vorbehalten. Schon in den jetzt vergangenen Jahrzehnten verlangte der Arbeitsmarkt von Menschen „lebenslanges Lernen“. Durch die altersbedingt abnehmenden Lernfähigkeit (bzgl. bestimmter Inhalte zumindest) wurde das immerhin bisher noch begrenzt. Ein Gene-editierter Mensch hingegen wird zukünftig für immer in gleicher Wiese jung und lernfähig sein. Was zunächst wie ein Segen klingt: keine dummen Menschen mehr, wird bei genauerer Betrachtung schließlich zum Fluch werden. Jeder wird zu jedem Zeitpunkt in seinem Leben beliebig viel Zeit haben, um beliebige Lerninhalte aufzunehmen. Eine Menschheit, die spätestens in 100 bis 200 Jahren nur noch aus Individuen mit Universalbildung auf professoralem Niveau bestehen wird, dürfte mit bisherigen Gesellschaftssystemen nicht in Einklang zu bringen sein. Immerhin beruhen all diese Gesellschaftssysteme immernoch (trot Demokratie) auf Hierarchien. Im demokratisch verfassten Kapitalismus des 21. Jahrhunderts, werden die Hierarchien vor allem durch Kapital einerseits und Bildung andererseits geschaffen. In einer Gesellschaft, in der jeder, zu jedem Zeitpunkt beliebige Bildung beliebiger Qualität erwerben kann und gleichzeitig beliebig lange Kapital ansammeln kann, dürften diese Hierachien zerfallen. Ist also der Anarchismus für eine solche Gesellschaft das einzig mögliche Sozialsystem? Wo sind die Philosophen, die Sozialsysteme für eine solche Gesellschaft entwickeln? Werden wir jedem erlauben, jegliche Bildung und in jeder beliebigen Reihenfolge zu erwerben? Welche Bildung wird vorrangig zu erwerben sein? Wieviel Bildung werden Menschen überhaupt erwerben dürfen? s.u.

5. Recht auf Arbeit

Durch immer intelligentere Maschinen schaffen wir aktuell die Mehrzahl aller klassischen Berufe ab. In der gleichen Zeit werden wir (s.o.) Rentnern wieder erlauben müssen, durch Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen – sie ins Arbeitsleben reintegrieren müssen. Aber welche Arbeit soll das dann noch sein? Die Antwort der Zeit vor Gene-editing war: „Sozialberufe“. Da waren vor allem Alten-/Krankenpflege einerseits und andererseits Kindererziehung (Kindergarten, Schule, Sportvereine) gemeint. Mit Gene-editing werden auch diese Berufe über kurz oder lang der Vergangenheit angehören. Pflegebedürftige Alte oder – Kranke wird es nicht mehr in nennenswertem Maß geben. Kinder (s.o.) wird es nicht mehr in nennenswertem Maß geben dürfen. Was also sollen die Menschen arbeiten? JA, Nahrung wird ein Problem werden. Aber wie wollen wir Universalgelehrte auf professoralem Niveau dazu bringen in der Landwirtschaft zu arbeiten. Zumal auch dort durch Gene-editing von Pflanzen und Tieren einerseits und immer intelligentere Maschinen (bis hin zu Nanorobotern, die jede einzelne Pflanze und jedes Tier versorgen) andererseits binnen kurzem keine Arbeitsplätze mehr existieren dürften. Psychotherapie? Wie viele mehr Menschen als heute werden durch ewiges Leben psychisch krank werden? Werden sich psychische Krankheiten nicht ebenfalls weitgehend mittels Gene-editing verhindern oder gar beseitigen lassen? Wird Psychotherapie und vor allem Psychiatrie der eine, wesentliche Beruf der Zukunft werden?

6. Recht auf körperliche Unversehrtheit / Individualität

Edititerte Gene sind nicht im eigentlichen Sinn Genmanipulationen. Nichts unterscheidet sie im lebenden Organismus von zufälligen Mutationen. Bleiben wir beim positivsten möglichen Szenario. Nehmen wir an Gene-editing wird ausschließlich zur Verbesserung der Menschlichen Gesundheit eingesetzt werden. Dann werden wir uns nicht mehr erlauben können, dass Menschen körperlich krank werden. Wir werden uns körperlich Kranke Menschen in unserer Gesellschaft schlicht nicht mehr leisten können. Wenn jede Krankheit mit einem Gene-edit zu beseitigen sein wird, wird es ein Recht auf körperliche Krankheit für die Mehrzahl der Menschen nicht geben können. Die Mehrzahl der Menschen wird sich körperliche Krankheit, die durch Gene-editing zu beseitigen ist, einfach nicht leisten können. Ein Gene-edit bei bestehender körperlicher Krankheit wird also früher oder später für jeden zur Pflicht werden.

Das Recht auf körperliche (Un-)Versehrtheit ist damit bereits heute – in eben jenem Jahr in dem gezieltes Gene-editing möglich wurde – in einer absehbaren Zukunft beerdigt. Ändern wir also gefälligst unser Grundgesetz dahingehend, bevor wir Fakten schaffen und sie erst nachträglich ins Gesetz schreiben.

Durch Gene-editing wird jede einzelne Zelle des lebenden menschlichen Organismus veränderbar. Heute bereits verändern sogen. Gene Hacker damit ihre eigenen Zellen. Irgendwann wird klar werden, dass es „infektiöse“ Gene-edits gibt. D.h. bestimmte Gene-edits werden nicht im Körper des Individuums verbleiben, in dem sie vorgenommen wurden. Ähnlich wie bei jeder Virusinfektion, nein schlimmer ähnlich wie bei BSE werden sich bestimmte Gene-edits nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern zusätzlich über die Nahrungskette in jeden einzelnen Menschen manifestieren.

Selbst wenn wir im bestmöglichen Szenario bleiben, in dem Gene-edits ausschließlich Gesundheit verbreiten, wird mit dem schwindenden Recht auf Krankheit und der Möglichkeit der infektiösen Übertragung von Gene-edits über kurz oder lang kein genetisch individueller Mensch mehr existieren. Binnen weniger Jahrhunderte werden sich bestenfalls wenige, schlimmstenfalls eine einzige durch Gene-editing optimierte menschliche DNA in den ewig lebenden Individuen manifestieren.

So, jetzt geh ich wieder schlafen. Warum nur fällt mir Aldous Huxley ein?

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Written by emden09

23.12.2017 at 06:24

TfP-Vertrag Sinn oder Unsinn

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Da immer wieder die Diskussion aufkommt, wozu man einen TfP-Vertrag brauche, wenn man hobbymäßig unentgeltlich (auf TfP-Basis) Menschen fotografiert, hier mal ein paar Anregungen.

Vorweg soviel: Ja auch ich bin der Meinung, dass es keinen Sinn macht zivilrechtliche Ansprüche auf Basis eines TfP-Vertrages einzuklagen. Wenn ein Model die Bilder nachträglich nicht im Netz sehen will, nehm ich sie raus. Nein, ich schreib ihr dann keine Rechnung für meine fotografischen Leistungen und versuche auch nicht, die Bezahlung dieser Rechnung einzuklagen.

Dennoch mache ich für JEDES Shooting einen TfP-Vertrag. Auch und besonders, wenn ich Menschen fotografiere, die ich gut kenne, die meine Freunde oder Lebenspartner sind. Warum?

Nein, ich bin nicht paranoid. Und wenn ich es wäre würde es nicht bedeuten, dass ich nicht verfolgt werde 😉

Zunächst einmal ist ein TfP-Vertrag ja nicht nur eine zivilrechtliche Einigung zwischen zwei oder mehr Personen. Er bindet im Gegenteil auch alle Personen, die jemals in der Zukunft Rechte aus dem Handeln der beiden Personen ableiten wollen.

Das Wort Vertrag sagt etwas wesentliches, nämlich, was haben zwei (oder mehr) Menschen gedacht, als sie sich noch »vertragen« haben. Was diese Menschen aber auch Dritte sich evtl. denken könnten, wenn sie zu einem späteren Zeitpunkt die Ergebnisse der Zusammenarbeit, also die Bilder sehen kann u.U. etwas ganz anderes sein.

Ein TfP-Vertrag entfaltet z.B. auch eine strafrechtliche Exkulpationswirkung des Fotografen in Bezug auf § 201a StGB. Zwar handelt es sich beim §201a StGB »nur« um ein Antragsdelikt. Aber den Strafantrag kann bei weitem nicht nur das Model selbst stellen – was schlimm genug wäre. Hier sei auf Themen wie Erben, Angehörige etc. hingewiesen. Was wenn diese den Fotografen anzeigen und behaupten, es handle sich um „unerlaubte Aufnahmen“ oder eben die „unerlaubte Verbreitung“ von Aufnahmen? Besonders unschön ist ja auch der Absatz 5 des §201a StGB: »Die Bildträger sowie Bildaufnahmegeräte oder andere technische Mittel, die der Täter oder Teilnehmer verwendet hat, können eingezogen werden.« Da liegt dann man schnell eine aktuelle Kamera oder ein aktueller PC, NAS oder sonstiges bis zum Abschluss eines Verfahrens monate- oder jahrelang in den Asservatenkammern (ohne dass es später bei einem auch ohne TfP-Vertrag möglichen Freispruch für den zwischenzeitlichen Wertverlust zu einer Entschädigungszahlung in angemessener Höhe kommen wird).

Wer andererseits schützt ein Model, das ohne TfP-Vertrag arbeitet, vor möglichen Forderungen der Erben eines Fotografen. Was wenn diese zwischen hunderten bezahlter Shootings am Ende seines Lebens 200 Shootings finden, die (weil TfP aber halt ohne Vertrag) nie abgerechnet wurden. Was wenn diese Erben nun mit Hilfe eines findigen Anwaltes die jeweiligen Models verklagen. 200.000 Euro (also 200 Models x 1.000 Euro pro Shooting) könnten da schon für den einen oder anderen Erben ein Anreiz sein. Das ganze kann natürlich auch umgekehrt passieren. Wie will der Fotograf ohne Vertrag gegenüber Dritten nachweisen, dass das Model ausgerechnet für ihn kostenlos (TfP) gearbeitet hat („wo sie doch sonst nur Payshootings gemacht hat“)? Von Behörden wie Finanz-, Ordnungsämtern und Arbeitsagenturen möchte ich hier gar nicht erst anfangen.

Aber auch bei Freunden und Partnern, möchte ich die Fotos am Ende vielleicht gerade dann (wegen des Erinnerungswertes) behalten können, wenn diese nicht mehr unter uns weilen. Was aber, wenn deren Angehörige mich auf das Fortwirken der Persönlichkeitsrechte über den Tod hinaus (sogen. „Postmortaler Bildnisschutz“) in Anspruch nehmen wollen. Was wenn diese wollen, dass ich nicht nur die Verbreitung der Fotos beende, sondern diese auch lösche? Die Verbreitung zu beenden ist vermutlich für die Wenigsten Problem. Aber sie löschen?

Fazit: Ein TfP-Vertrag betrifft und bindet wesentlich mehr Personen als nur die Parteien, die ihn schließen. Er sichert alle Parteien und eben auch viele zusätzliche Menschen aus deren Umfeld ab. Jeder weiß, wenn ihm dieser Vertrag vorliegt, was die Parteien gedacht und ggf. gemeint haben, als sie sich zu einer für beide Seiten unentgeltlichen (aber nicht unbedingt kostenlosen) Zusammenarbeit entschlossen haben. Ob das dann später zu Teilen anfechtbar ist und ob Gerichte das nachträglich aufheben können, steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. Ohne Vertrag aber begibt man sich mit der ersten Aufnahme auf verdammt dünnes Eis. Und das nicht erst seit der Verschärfung des §201a StGB. Dabei ist es völlig egal, ob Model und Fotograf sich zum Zeitpunkt als die Aufnahmen gemacht wurden blind vertrauen konnten. Unter Umständen sind es nämlich gar nicht die beiden, die sich nachher streiten.

Written by emden09

29.11.2017 at 11:11

Darf man die noch schauen

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„Darf man die noch schauen?“  fragt Spiegle Online aktuell zu den Werken von Polanski, Weinstein, Spacey, Kinski uvam.

Ich habe ein Riesenproblem damit, wie in diesem Zusammenhang eine Hexenjagd im Stil von McCarthy veranstaltet wird.

Ja, ich bin der Meinung, es ist gut, dass sich die Opfer von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung hier endlich aus der Deckung trauen. Die Geständnisse der Täter lassen auch keinen Zweifel daran, dass es diese Straftaten gegeben hat. Ich bin auch dafür, dass speziell Straftaten in diesem Bereich nicht verjähren sollen und dass sie strafrechtlich verfolgt werden sollen. Gerade der Fall Weinstein oder auch Spacey zeigen, warum es wichtig ist, hier einer möglichen strafrechtlichen Verjährung einen Riegel vorzuschieben. Die Opfer sind eben tatsächlich – und das wissen Psychotherapeuten nun wirklich nicht erst seit gestern – über Jahre und Jahrzehnte in einer Weise traumatisiert, die sie nicht in die Lage versetzt, die Taten einer Strafrechtlichen Verfolgung zuzuführen.

Gerade als Links denkender Mensch aber bin ich der dringenden Meinung, dass einem bestraften Straftäter auch die Möglichkeit zur Resozialisierung gegeben werden muss. Als rehabilitiert muss ein Straftäter gelten, wenn er seine Strafe verbüßt hat. Es kann und darf nicht die Aufgabe einer Jody Foster (trotz all ihrer Verdienste) sein einen Menschen (hier ist Gibson gemeint) zu rehabilitieren! Es kann und darf auch nicht die Aufgabe von Arbeitgebern, Studios und anderen sein, einen Straftäter über das strafrechtliche Maß hinaus zu bestrafen. Zu der Zeit, in der ich juristischen ausgebildet wurde (nein kein Studium!), waren all diese Aussagen unter Sozialisten (ja sogar unter Sozialdemokraten) unumstritten.

Und ja, ich schaue mir Kunstwerke trotz und teilweise wg. der Biografie des Künstlers an. Dabei vergesse ich die Biografie nicht, sondern beziehe mein Wissen um diese in den Kunst“genuss“ mit ein. Werke eines Arno Breker, Woody Allen, Weinstein, Spacey, Kinski auf meinen persönlichen Index zu setzen, käme mir vor wie die Bilderstürmerei der Taliban. Auf diesem Niveau müssten wir dann die Mehrzahl aller gotischen Kirchen inkl. des Kölner Doms sprengen und dem Erdboden gleichmachen, könnten uns Picasso, Schiele und viele andere mehr nicht mehr anschauen. Ich glaube, die Biografie eines Künstlers ist nicht von seiner Kunst zu trennen, ihre Kenntnis trägt zum zusätzlichen Verständnis der Kunstwerke bei, kann aber nicht Teil einer persönlichen Zensurliste sein.

Written by emden09

07.11.2017 at 10:48

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Rätselhafter „Shutter Count“

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Heute mal ein kleines Rätsel oder Hilfeersuchen zum Thema „Shutter Count“.

 

Nikon hat eine Funktion in seine Kameras eingebaut, die einen sogen. „Shutter Count“ (also die Anzahl Auslösungen) der Kamera in die EXIF-Daten schreibt. Wie ich gerade lese gibt es bei Canon und Sony ähnliches – teilweise unter anderen Namen. Zusammen mit dem Namen bzw. der Seriennummer der Kamera wäre das aus meiner Sicht der ideale Dateiname zur langfristigen Archivierung der Dateien (da dieser eindeutig wäre).

 

Leider finde ich ausgerechnet dieses EXIF-Feld „Shutter Count“ nicht in der Auswahl, die Lightroom, IrfanView oder XNView für die Benennung von Dateinamen anbietet. Bei IrfanView habe ich leider in der Doku keinen Platzhalter/Variablennamen für den „Shutter Count“ innerhalb der EXIF-Daten gefunden. Obwohl mir die Variablennamen, die mit $Exxxxx anfangen alle sehr danach aussehen als ob sie in der Art einer unbedingten Sprungadresse („goto“) einen Offset innerhalb der EXIF-Daten anspringen wollten.

 

Gibt es bei IrfanView, XNView, Lightroom o.ä. eine Dokumentation von , wie man (z.B. über Escape-Codes/Variablennamen) auf diese Felder zugreifen und sie für die Benennung der Dateien verwenden kann? Kennt jemand von Euch eine solche Möglichkeit?

Written by emden09

07.11.2017 at 10:14

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Adobe – die „hässliche Fratze des Kapitalismus“?

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Vorabbemerkung: Nein, ich bin kein Befürworter des Kapitalismus und ich bin auch keiner seiner Kritiker. Ich bin aber einer, der sich über die Menschen, die den Kapitalismus mehrheitlich wählen / wollen wundert.

Im Kapitalismus ist einer der wichtigsten anerkannten Kooperationsformen das kapitalistisch organisierte Unternehmen. Adobe ist ein solches Unternehmen. Dennoch ist der Aufschrei in der Gruppe der Nutzer der Softwareprodukte von Adobe jedes Mal groß, wenn eine neue Version auf den Markt kommt. Die einen beschweren sich über das „Abomodell“, weil sie lieber eine Kaufsoftware nutzen würden. Die anderen sehen gar ihre Dateien in Geiselhaft genommen oder glauben wie der Kommentator „sunrisemoon“ unter dem zuvor verlinkten Artikel Adobe benötige einen „Persilschein“ und würde andererseits die RAW-Dateiformate der Kamerahersteller hacken.

Jetzt mal ehrlich Leute, was läuft in Eurem Leben schief?

Es gibt ganz klar zwei Möglichkeiten.

Möglichkeit 1

Ihr benutzt eine Software, die von einem kapitalistischen Unternehmen zur Verfügung gestellt wird und bezahlt dafür Geld. Dann werdet Ihr akzeptieren müssen, dass dieses Unternehmen seine Produktpolitik (verfügbare Features und Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung oder Löschung aus dem Produkt) wie auch seine Marketingstrategie (z.B. Abomodell vs. Kaufsoftware) selbst bestimmt. Das kapitalistische Unternehmen wird sich dabei genau nach einem Faktor richten: Profitmaximierung. Und ja: zur Profitmaximierung gehört es auch, ab und an den Markt zu erforschen und Produktpolitik, wie auch Marketingstrategie so zu gestalten, dass die Kunden nicht Massenweise davonlaufen. Dabei gehört es selbstverständlich zum Kalkül des kapitalistischen Unternehmens, dass Nutzer einer Software eine Menge Geld und Zeit in den KnowHow –Aufbau investiert haben. Den Aufbau des KnowHow, wie sie die Software des kapitalistischen Unternehmens möglichst effektiv, produktiv und optimal nutzen. Dabei gehört es auch zum Kalkül des kapitalistischen Unternehmens Dateiformate zur Verfügung zu stellen, die es für den Benutzer möglichst attraktiv machen, die Software weiter zu nutzen und eine Migration auf eine andere Software nicht in Erwägung zu ziehen.

Nebenbemerkung 1: Adobe ist hier (wohl eher gezwungen durch das US-Amerikanische Verbraucherschutzrecht als aus kapitalistischem Antrieb) so „fair“ dateien in einem offenen, detailliert dokumentierten Dateiformate zu nutzen, auf die jeder Programmierer eines anderen kapitalistischen Unternehmens, wie auch jeder freie Programmierer uneingeschränkten Lese- und Schreibzugriff (z.B. für Migrationszwecke) nehmen kann.

Nebembemerkung 2: Wer Geld und Zeit investiert um KnowHow zur Nutzung einer proprietären Software eines kapitalistischen Unternehmens aufzubauen macht das freiwillig und im steten Wissen darum, dass er sich damit von der Produkt- und Marketingpolitik des Unternehmens abhängig macht. Wer hingegen sein Geld und/oder seine Zeit investiert, ohne sich dieser Problematik bewusst zu sein, hat vermutlich den Kapitalismus – den er mit einer gewissen hohen Wahrscheinlichkeit selbst gewählt hat und durch konkludentes Handeln permanent unterstützt, nicht verstanden. Hier wäre dann KnowHow-Aufbau zum Thema „kapitalistisches Wirtschaften“ angebracht.

Möglichkeit 2

Ihr benutzt eine Open Source Software (OSS). Alternativen zu den Adobe Produkten wären da z.B. Darktable (Statt Lightroom) oder GIMP (statt Photoshop) um nur die beiden bekanntesten zu nennen. Hier habt Ihr plötzlich das, was Ihr glaubt von Adobe fordern zu können: Einfluss auf die Produktpolitik. Ihr könnt investieren: Zeit, Geld, KnowHow, KnowHow-Aufbau, ohne den Kapitalismus durch Euer Verhalten zu fördern. Ihr könnt nach Herzenslust mitdiskutieren. Ja, wenn Ihr genügend KnowHow habt könnt Ihr sogar ein Feature, das durch die Community aus dem Hauptentwicklungszweig entfernt wurde selbst oder durch Freunde / Auftragsprogrammierer weiterentwickeln lassen oder gar einen Fork erzwingen, der ein komplett neues Produkt aus dem bestehenden, mit einem von Euch bestimmten Featureset beinhaltet.

Aber Vorsicht! OSS-Software mag in der Anschaffung kostenlos sein. Wer sie hingegen nutzt, wie die kostenlose Version, einer unter kapitalistischen Bedingungen erzeugten Softwarelösung (Lightroom, Photoshop) kann genauso gut gleich beim Kapitalismus bleiben.

 

Denn: die Programmierer einer OSS-Software müssen tatsächlich selbst ebenfalls unter kapitalistischen Bedingungen überleben. Auch wenn viele von diesen Programmierern einen Teil ihrer Freizeit beisteuern, um die OSS-Software weiterzuentwickeln, entstehen Kosten (z.B. Betrieb von Servern, Strukturierung und Unterstützung der Community, Internetanschlüsse usw.usf.). Ja, vieles davon sind Eh-Da-Kosten (also Kosten, welche die OSS-Entwickler ohnehin hätten, auch wenn sie nicht an der Software weiterentwickeln würden. Aber was wichtiger ist: die besten dieser OSS-Programmierer bauen (gerade im Bereich der Bildverarbeitung) ein ungeheures KnowHow auf, das sie für kapitalistische Unternehmen interessant macht. Sie könnten also über Kurz oder Lang dem „Ruf des Geldes“ erliegen. Und genau das geschieht mit nahezu jeder erfolgreichen OSS-Software früher oder später: Sie kann nicht mehr ohne die finanzielle Unterstützung eines kapitalistischen Unternehmens weiterentwickelt werden (schaut Euch dazu einfach Linux an).

D.h. würden die unzufriedenen Adobe-Benutzer sämtlich zu Darktable und GIMP wechseln und wären diese bereit, dort mindestens den Geldbetrag auszugeben, das Engagement zu zeigen, den sie zuvor der „Krake“ Adobe in den Rachen geworfen haben, dann könnten diese Produkte besser werden. Geld ausgeben heißt hier selbstverständlich nicht nur für die Anschaffung  der OSS-Software spenden. Geld ausgeben heißt hier VORALLEM auch: Zeit und Geld zu investieren, um KnowHow für die Benutzung dieser OSS-Produkte aufzubauen. UND auch: Zeit und Engagement in den Aufbau, die Pflege und die Diskussionen der Community zu investieren.

Viele kritisieren und was viele vom Wechsel zu den OSS-Alternativen abhält: „Die sind halt nicht so gut wie Lightroom und Photoshop“. Ja. Und warum nicht? Weil Ihr seid Jahren einem kapitalistischen Unternehmen Geld gebt, mit Hilfe dessen deren Produkte verbessert werden, ohne dass Ihr einen Einfluss darauf habt.

Fazit:
Meine Meinung: nehmt entweder Eure, Zeit, Energie und Euer Geld und gebt es für etwas aus, das Ihr tatsächlich beeinflussen könnt oder werft es einem kapitalistischen Unternehmen in den Rachen und findet Euch damit ab, dass vielleicht etwas herauskommen könnte, dass auch Euch nutzt (was vermutlich nur dort der Fall sein wird, wo Ihr zum Mainstream der Nutzer gehört). Im letztgenannten Fall ist jedoch nicht alleine Adobe die hässliche Fratze des Kapitalismus! Nein die „hässliche Fratze des Kapitalismus“ ist in diesem Fall eben und gerade auch Euer Konsumverhalten.

Written by emden09

06.11.2017 at 10:19

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„Obacht, Hype!“ – Wenn Sensationen Fakten verdrängen

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Deine Darstellung ist sehr interessant. Die kritische Betrachtungsweise freut mich. Ein sehr guter und empfehlenswerter Artikel.

Am Ende aber bleibt mir eine Frage. Wir schließen aus heute analysierter DNA auf das Geschlecht einer Person?

Wenn ich die von Dir gezeigte Abbildung richtig deute, wurden in dem BJ 581 Grab auch Knochen der bestatteten Person gefunden. Waren die dabei gefundenen Beckenknochen so uneindeutig, dass sie vor dem DNA-Test als „männlich“ durchgehen konnten?

Worauf ich hinaus will: Wieso gehen wir heute so selbstverständlich davon aus, dass Personen mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen (bei gleichzeitig eindeutiger DNA!) in früherer Zeit (Wikinger) seltener waren als heute?

Oder anders herum gefragt: Gerade wenn typisch „weibliche Grabbeigaben“ (Fibeln etc.) fehlen und die Knochen zunächst als männlich klassifiziert wurden liegt für mich die Frage nah, ob es sich nicht um eine Person mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen gehandelt haben könnte. Und: ja, die Beantwortung diese Frage führt nur zu weiteren Spekulationen. Die Möglichkeit der Existenz solcher Personen allerdings von vornherein auszuschließen, macht eine kritische archäologische Auseinandersetzung nicht einfacher.

Hoplit

Wissenschaftliche Entdeckungen schaffen es leider sehr selten in die Schlagzeilen, besonders wenn man sie mit den Verbalflatulenzen eines amerikanischen Präsidenten vergleicht. Umso erfreulicher ist es dann, wenn einmal eben eine solche Entdeckung in die Schlagzeilen kommt, im Speziellen wenn diese Entdeckung aus dem Bereich der Archäologie stammt.

Problematisch wird es aber, wenn aus der wissenschaftlichen Entdeckung ein Hype wird, und dabei einige wichtige Details ausgelassen werden.

Von Wikinger-Kriegerinnen und nordischen Muslimen

Zwei interessante Entdeckungen aus Schweden im Kontext der Wikinger sind echte Paradebeispiele dafür, was passiert, wenn sich eine „Entdeckung“ zum Hype entwickelt, und sämtliche Skepsis sowohl von Seiten der Medien als auch von Seiten der Leser mal schnell über Bord geworfen wird, was man auch bei manchen Reenactors beobachten kann.

Das erste Beispiel fand beim Focus unter der eigentlich schon recht eigenartig formulierten Schlagzeile „Schwedische Forscher sicher: Einer der größten Wikingerkrieger war eine Frau“ Beachtung. Es geht…

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Written by emden09

19.10.2017 at 11:02

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Hilfe

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Ich sehe einen Menschen (den ich mag) mit einem sehr lästigen Problem.

Ich kenne eine recht einfache Lösung für das Problem.

Bisher sagte mir meine Empathie: Es ist richtig, dass ich dem Menschen meine Hilfe bei der Lösung des Problem anbiete.

Heute weiß ich. Ich verändere das Leben, den Lebensweg des Menschen, wenn er meine Hilfe annimmt. Schlimmer: der Mensch wird glauben, ich trüge eine Verantwortung für diese Änderung. Selbst wenn die Änderung, auch aus Sicht des Menschen, dem ich geholfen habe in dem Augenblick ausschließlich positiv ist, trage ich in seinen Augen die Verantwortung für den gesamten zukünftigen veränderten (Lebens)weg.

Kommen nun auf dem weiteren (veränderten) Lebensweg des Menschen Probleme auf ihn zu, glaubt er (zu Recht), er hätte diese Probleme ohne meine Lösung gar nicht bekommen. Klar, er hätte andere Probleme gehabt. Aber das Urteil ob diese aus Sicht des Menschen schlimmer gewesen wären, als die, die ich ihm mit meiner Lösung eingebrockt habe, liegt in seiner Hand nicht in meiner.

Im Endeffekt habe ich durch meine Hilfe also nicht nur Verantwortung für das andere Leben, den anderen Lebensweg, ich muss mir auch gefallen lassen, dass der andere nachträglich meine empathisch angebotene Hilfe so behandelt, als sei sie ihm damals unwillkommen gewesen (hätte er oder ich gewusst was dann auf ihn zukommen könnte).

Fazit: Ich biete in Zukunft keine Hilfe mehr an. Bestenfalls Hilfe zur Selbsthilfe. Alles andere wird sein, ich kümmere mich ausschließlich um mich. Da ist genug zu tun.

Written by emden09

05.09.2017 at 16:42

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