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Autonomes Fahren Hype und (bittere) Wirklichkeit 2019

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Vorab soviel: Elektrisch fahren macht Spaß ich halte es für vergleichsweise umweltfreundlich und für eine mögliche Verkehrstechnik, um in der nahen Zukunft die Luft in den Innenstädten – trotz motorisierten Individualverkehrs zu entlasten – ich diskutiere hier nicht über den Sinn von (motorisiertem) Individualverkehr. Ja auch ich fahre lange Strecken gerne mit der Bahn.

Stattdessen beschäftigt mich folgendes: Sämtliche Autohersteller sind nach eigenen Angaben kurz davor (Teil-)Autonomes fahren in den Markt einzuführen. Ich habe mir drei Systeme genauer angesehen und vergleiche sie hier. Vorab: Die Schlußfolgerungen sind verheerend und wer wie Tesla den Mund am vollsten nimmt, hat offenbar noch am wenigsten zu bieten und am meisten zu lernen. Am Ehesten scheint es als vorweggenommenes Fazit so, dass die neueren Systeme mit möchtegern Massendaten- und Rechenprozessen derart überlastet werden, dass es aktuell noch zu keiner für den Benutzer (Fahrer) spürbaren Verbesserung gegenüber 2005 führt – aber manche Verschlechterung spürbar wird. Die Internationalisierung (also Fahrten außerhalb des Heimatlandes scheint bei keinem der beiden Hersteller besonders im Fokus zu stehen – aber für die Mehrzahl der unten geschilderten Probleme verantwortlich. Ein Windows 3.11 (das war die Version, die ab Werk das Deutsche Dezimalkomma und den 1000er-Punkt noch nicht kannte) war vergleichsweise gut internationalisiert. Kann es sein, dass sämtliche Hersteller ausschließlich teststrecken in ihrem Heimatland und nach den Verkehrsregeln ihres Heimatlandes beteiben und dort Daten sammeln? Dann würde mich nicht wurndern, was ich erlebt habe.

Aus Anlass meiner Suche nach einem Ersatz für meinen 2005er 5er BMW-touring 335d (Modellbaureighe (E60/61)habe ich mir verschieden Fahrzeuge angesehen. Dazu stellte mir BMW freundlicherweise bereits zu Ostern 2018 für mehrere Tage eine neue 5er Limousine aus der damals neuen 530e Hybrid-Serie zur Verfügung.

Gekauft habe ich schließlich im letzte Monat ein Model3 von Tesla.

Wie gesagt werde ich die drei Fahrzeuge ausschließlich in Bezug auf die Fahrunterstützungssysteme vergleichen. Vorausgeschickt und betont sei, dass ich nicht nur seit 2005 mit einem Abstandsassistenten im eigenen Fahrzeug zu fahren gewohnt bin, sondern einen solchen in der Zwischenzeit auch in einer Unzahl an Leih- und Mietwagen erleben und vergleichen konnte.

Der neue 530e ließ sich auf Deutschen Straßen hervorragend bewegen. Der Abstandstempomat war noch einmal besser als das, was ich bei meinem E60 von 2005 kenne. Vor allem auch, weil die 2005er Version sich nur im Geschwindigkeitsbereich von 30 -180kmh einstellen ließ. Die Version von 2018 konnte dagegen bis zum Stillstand herunterregeln und auch wieder anfahren. Das war im Stau, den wir an Ostern auf dem Weg nach Holland zum Testen kostenlos dazubekamen, 😉 eine sehr angenehme Eigenschaft.

Auch in der Innenstadt – getestet in Neuss, Essen und Amsterdam ließ sich der Abstandstempomat hervorragend bewegen. Auf Deutschen Autobahnen funktionierte auch die Lenkunterstützung klasse.

Geradeausverkehr ist sowieso für keines dieser Systeme heute mehr eine Herausforderung.

Spurwechsel durch Blinkersetzen, beherrschte der BMW einwandfrei. Auch zum Überholen setzte er bei freier linker Spur klaglos an, beschleunigte sauber heraus und legte einen sauberen Überholvorgang hin. Selbst Ausfahrten von einer Autobahn auf die andere (Autobahnkreuz) steuerte der BMW sauber und klaglos.

Bei schnellen Kurvenfahrten auf der Autobahn (ca 130 km/h) allerdings zeigte das BMW-System erhebliche Schwächen. Es wählte eine Kurvenlinie, die kein menschlicher Fahrer (nichteinmal ein unsicherer Rookie, welche langgestreckte Kurven ja oft in mehrere Bögen unterteilen) je so wählen würde. Kurz der BMW eierte durch die Kurven in einer Art, dass einem Angst und Bange wurde und der Lenkradeingriff durch den Fahrer oft nur mit sehr viel Mut zu verhindern war.

Auf den holländischen Autobahnen schließlich klappte dann vieles nicht mehr. Besonders die langgestreckten Autobahnabfahrten der Holländer beherrschte der BMW kaum und Lenkradeingriffe durch den Fahrer ließen sich NICHT vermeiden. Auch holländische Baustellen kann das BMW-System offenbar NICHT (Teil)autonom fahren. Ohnehin verlangt der BMW grundsätzlich mindestens eine Hand am Lenker (das ist wohl durch die Gesetzgebung so vorgegeben). Mehr als ein kurzes Naseputzen mit beiden Händen ist nicht drin, dann schaltet sich das System unter lautem Alarmgetue ab und man muss wieder von Hand weiterlenken. Aber: BMW hat Sensoren eingebaut, bei denen es genügt, den Lenker leicht – z.B. mit lässig eingehängtem Daumen zu berühren. Die später noch zu beschreibende Tesla-Lösung treibt einem dagegen das Grauen auf die Stirn.

Im Stadtverkehr Amsterdam schließlich konnte man die Lenkunterstützung des BMW im Gegensatz zu Neuss oder Essen komplett vergessen. Kreisverkehre beherrscht der Lenkassistent des BMW ungefähr so gut wie 90% der Deutschen Autofahrer: „gar nicht“! Der Abstandtempomat hingegen funktionierte hier weiterhin.

Was gegen den BMW-Hybriden sprach und schließlich gegen eine Anschaffungsentscheidung: BMW hatte zu diesem Zeitpunkt offenbar das Thema elektrisches Fahren immer noch eher auf der Blockadeliste – auf der die deutschen Automobilkonzerne das Thema ja glatte zehn Jahre verpennt haben und erst seit 2019 – zumindest im Marketing – nicht in lieferbaren Produkten – Gas zu geben scheinen. So war im BMW als EINZIGES Ladekabel ein Adapter für Haushaltsübliche Schukosteckdosen. WTF?

Die in Holland, Neuss und Essen in fast jedem Parkhaus zu findenden Ladeplätze mit Menneckes-Stecker ließen sich so natürlich gar nicht benutzen und auf einer mehrtägigen Tour winkten so nur wenige elektrische Kilometer. Dazu machte der Verkäufer keine Hoffnung: Einen „5er touring als Hybrid wird es bei uns nie geben“ war die Aussage des verkäufer der BMW-Niederlassung Düsseldorf aus dem Frühjahr 2018. Trotz fast 15 Jahren BMW musste ich mich also anderweitig umsehen.

Im Januar diesen Jahres dann entschied die Bundesregierung, die Versteuerung für Firmenfahrzeuge mit elektrischem oder teilelektrischem Antrieb zu halbieren. Damit wurde ein Tesla Model 3 plötzlich in der Steuer günstiger als der 5er touring von 2005. Ich griff für die nächsten 3 Jahre kurzentschlossen zu. Abwarten und Tee trinken, was dann kommt. Tesla hat m.E. im Bereich Elektromobilität (gerade auch durch seine Ladeinfrastruktur und die dazu passenden Navigationsempfehlungen) einen Vorsprung, hinter dem die Deutschen Autobauer noch mindestens 10 Jahre hinterherlaufen werden. Den Zusatzaufwand, den der Verkaufsprozess bei Tesla inkl. des Finanzierungsprozesses, die nichts nicht mit dem Geschäftsgebaren zu tun haben, das deutsche Autokäufer und Fuhrparkmanager gewohnt sind, konnte ich unserem Fuhrparkmanager mit Engelszungen abluchsen.

In Sachen (Teil)-Autonomes Fahren und Fahrkomfort war es dann leider auch schon.

Kleines Schmankerl am Rande: Elon Musk ist ähnlich wie die Porsche-Führung es lange Jahre war, der Meinung, dass er seinen Kunden diktieren kann, ob sie ein Head-Up-Display wollen oder nicht. War das Headup-Display bei meinem als Jahreswagen vom Werksangehörigen gekauften E60 BMW seinerzeit noch ein Gimmick, das meine Kaufentscheidung nicht beeinflusste muss ich heute Musk zurufen: „HEY Elon, I MISS THE HEADUP DISPLAY“. War der selbstgefällige Kalifornier doch der Meinung niemand würde das Head-Up-Display angesichts des großen Bildschirms im Cockpit vermissen. Das ist schlicht Blödsinn!

Gerade auf längeren Autobahnfahrten ist der ständige Wechsel der Augen zwischen Anzeige und Straße ermüdend. Egal ob die Anzeige nun direkt unter dem Lenkrad wie beim BMW ist oder rechts daneben wie beim Tesla. Aber vermutlich ist es schlicht eines dieser Internationalisierungsprobleme. Wer sich im eigenen Land bei konstant 80 Meilen (128 km/h) stundenlang nur geradeaus auf US-Amerikanischen Highways fortbewegt, wird evtl. eine Geschwindigkeitseinblendung und weitere Informationen in der Frontscheibe nicht vermissen. Wer hingegen auf Deutschen Autobahnen und innerstädtischen Straßen mit ständig wechselnden Tempolimits zu tun hat, braucht diese Infos einfach öfter. Das kommt offenbar in den auf die USA beschränkten Überlegungen des Kaliforniers Musk nicht vor.

Aber zurück zum (Teil)Autonomen Fahren. Laut Handbuch ist der Abstandstempomat „beta“. Das lässt nichts gutes ahnen. Ist doch die Auffassung US-Amerikanischer Softwarehersteller zum Begriff „beta“ hinlänglich bekannt und entspricht eher dem, was wir unter pre-alpha verstehen würden nämlich grob und unfertig zusammengeschlampt und dem Kunden (im falle Tesla) aufpreispflichtig für 3.100 Eur vor die Füße gerotzt. Konsequent ist der Abstandstempomat laut Handbuch für innerstädtische Fahrten nicht geeignet (Seite 83).

WTF? Elon, my BMW of 2005 is doing this realy well!

Der bremst nicht vor jeder Schikane selbst vor solchen, die man quasi geradeaus durchfahren kann, panisch runter und gibt dem nachfolgenden Verkehr den Eindruck hier säße entweder ein alter Mann über 90 oder ein Fahranfänger am Lenker. Jede vom Fahrer mit äuerster Ruhe und Gelassenheit hingenommene Situation (auch fließender Gegenverkehr, der seine Spur nicht verlässt) bringt den Tesla im Berufsverkehr zuverlässig mehrfach pro Kilometer zu Panikbremsungen. Ich kann daher die Feststellung des Model3 Handbuches, dass der Geschwindigkeitsregelassistent für den Innerstädtischen Verkehr nicht geeignet ist nur vollends unterstreichen. Nichts, was das E60 System von 2005 in der Innenstadt kann, kann der Tesla von 2019 (14 Jahre und Massen an „künstliche Intelligenz“ und Marketinggelaber später!)

Dass der Abstandsassistent im Tesla keine Verkehrsschilder erkennen kann, ist ein großes Ärgernis. Die aktuelle (etwa gleich teure) 5er Baureihe von BMW (s.o.) kann das und sie kann auch die (Geschwindigkeitsregelanlage) GRA an diese Geschwindigkeitsbegrenzungen anpassen. Der Tesla kann beides weder innerstädtisch noch außerhalb. Dazu kommt, dass das Kartenmaterial, das Tesla mitliefert, mindestens in den Innenstädten von verheerender Qualität ist (KEINE 30ger Zone, KEINE Spielstraße ist im Kartenmaterial verzeichnet. Der Tesla geht einfach davon aus, dass in geschlossener Ortschaft ÜBERALL 50 erlaubt ist). Übrigens auch auf INnerstädtischen Straßen auf denen 60, 70 oder gar 80 kmh erlaubt sind). Selbst dort wo auf Autobahnen das Tesla-Kartenmaterial mal zufällig die richtige Geschwindigkeitsbegrenzung gespeichert hat, kann der Tesla die GRA nicht selbständig darauf anpassen. Hier ist ein Eingriff des Fahrers notwendig. Sowohl, wenn es nach Ende eine Geschwindigkeitsbeschränkung schneller gehen soll, als auch wenn die Geschwindigkeit verringert werden müsste. WTF

Elon: Is this autonomous Driving of 2019?

Dazu kommt, dass der Abstandregelassistent auf der Autobahn bei gerade Strecke bereits einen gefühlten halben Kilometer bevor man ein vorausfahrendes Fahrzeug auf der eigenen Spur erreicht, anfängt zu bremsen. Selbst wenn die geringste (1) von sieben Abstandsstufen gewählt ist. Da wir auf Deutschen Autobahnen selbst dieser Abstandassistent weitgehend unbenutzbar. Zumal in Kurven sogar LKW oder gar die Leitplanke dazu führen können, dass der Tesla plötzlich und ohne jeden Grund die Geschwindigkeit verringert. Von einem (Teil)Autonomen Fahrzeug, das sich energiesparend fortbewegen will würde ich in 2019 übrigens erwarten, dass es selbständig einen Überholvorgang einleitet, wenn dieser möglich ist, statt die Geschwindigkeit zu verringern. Das war zumindest das was, dem 2005er BMW och fehlte.

Ansonsten ELON: EVEN THE BMW of 2005 IS DOING BETTER – MUCH BETTER!

Das automatische Wiederanfahren mit dem Tesla bei Stop and Go auf der Autobahn oder auch im Innerstädtischen Verkehr ist für den nachfolgenden Verkehr eine einzige Zumutung. Es vergehen zwischen dem Wiederanfahren des vorausfahrenden Fahrzeuges und dem des Tesla viele, viele quälende Augenblicke: Dabei ist Augenblick in Deutschland ja definiert als: „Die Zeit die vergeht zwischen dem ersten Grün der Ampel und dem ersten Hupen hinter Dir“. Beim Tesla muss man sagen:

Die da hinten hupen zu recht Elon!

Kommen wir zum Lenkassistenten. Der ist in genau einem Punkt besser als das, was man bei BMW 2018 erlebte. Langgestreckte Kurven fährt der Tesla zwar auch mit einer Linie die weit jenseits einer Ideallinie liegt. Aber wenigsten ist eine durchgehende Kurvenlinie erkennbar. Aber jetzt kommt der Knaller. Beim Tesla muss man nicht etwa die Hände Am Lenkrad lassen. Die offenbar fehlenden Sensoren für aufgelegte Hände veranlassen dagegen das System in regelmäßigen Abständen vom Fahrer zu fordern, das Lenkrad „leicht [zu] bewegen“.

Hallo! Wenn ich eine langgestreckte Kurve mit 130 durchfahre werde ich nicht anfangen am Lenker zu wackeln. Zumal das, was der Tesla als „leicht bewegen“ auffasst, stark differiert. Reicht manchmal ein kurzer Lenkeingriff, der kaum zu spüren ist, muss man ein andermal mit erheblichem Widerstand in die aktuell gefahrene Linie eingreifen, um den Lenkassistenten nicht zu „drakonischen Strafen“ für den Fahrer zu provozieren. Bewegt man nämlich dreimal innerhalb eine bestimmten Zeit den Lenker nicht rechtzeitig „leicht“. Wird der Tesla zickig: „Der Lenkassistent ist auf dieser Fahrt nicht mehr verfügbar“ (mit Zickenstimme zu sprechen und ein „Ätschibätsch das hast Du jetzt davon“ dazu zu denken). Selten über so viel Steinzeitpädagogik derart herzlich gelacht. Zumal einen kurzen Stopp mit einlegen der Parkstufe und Wiederanfahren später, der Lenkassistent natürlich wieder in der gewohnten „QUALität“ *auf dieser Fahrt* zur Verfügung steht. Da freut sich dann das Kind im Manne, den bösen Oberlehrer überlistet zu haben.

Was für eine Kinderkacke habt Ihr Euch den da ausgedacht ELON?

Spurwechsel. Setzt man den Blinker bei eingeschaltetem Lenkassistenten soll der Tesla die Spur wechseln. Was im BMW von 2018 in 29 von 30 Fällen in beide Richtungen funktioniert, funktioniert beim Tesla in 3 von vier Fällen nach rechts NICHT. Nach Links habe ich den Tesla zu genau einem Überholvorgang auf 450km weitgehend (stau)freier Strecke bei zig Versuchen bewegen können. Alle anderen notwendigen Überholvorgänge fing der Tesla trotz fehlendem Nachfolgendem Verkehr gar nicht erst an oder brach sie mittendrin unter lautem Gemotze („Sofort die Lenkung manuell übernehmen“) und auf halber Strecke in der Überholspur bremsend (das ist Verkehrsgefährdung ELON!) ab. Ausfahrten, wie im Handbuch beschrieben kann der Tesla gar nicht fahren. Zumal er auf der Verzögerungsspur die Geschwindigkeit nicht verringert. Alles vermutlich lediglich Internationalisierungsprobleme. Wer seine künstliche Intelligenz unter der US-Amerikanischen „Keep-Your-Lane“- Doktrin trainiert, wird halt nicht genug Daten über mögliche Spurwechsel in einem System mit Rechtsfahrgebot sammeln.

30ger Zonen, Spielstraßen, Autobahnen mit Kurven? Man mag es den Kaliforniern nachsehen und glauben, dass sie (Teil)Autonomes Fahren bei US-Amerikanischen Straßenverhältnissen besser draufhaben und es sich bei dem von mir erlebten lediglich um ein Problem mangelnder Internationalisierung handelt, was der Tesla hier vorführt. Der Abstandassistent jedenfalls fällt weit hinter das zurück was der BMW E60 aus dem Jahr 2005 locker beherrschte.

Tesla: 14 Jahre Rückstand bei der Geschwindigkeitsregelung? Und dafür 3.100 Euro Aufpreis? Das darf eigentlich in einer Branche, die so rasante Fortschritte macht, wie die Computerindustrie in dieser Zeit, nicht sein. Der Lenkassistent den Tesla hier anbietet hingegen ist (bis auf die zügigen Kurvenfahrten) schlechter als alles, was ich in Leih- und Mietwagen in den letzten 5 Jahren erleben durfte. Darunter waren Mercedes, BMW, Audi, Volvo, Ford und Jaguar.

Zusammenfassend darf man sagen: Wenn das was Tesla (aber auch BMW 2018) aktuell am Markt verfügbar abliefern, der aktuelle Stand des autonomen Fahrens ist und vor allem, wenn das was sich da seit 2005 getan hat, die aktuelle Geschwindigkeit des Fortschritts beim autonomen Fahren ist, dann müssen sich die Brummifahrer die heute 20 (sorry 21) sind, bis zur Rente nicht allzu viele Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen.

Bei einem IT-ler macht sich angesichts des Display des Tesla Verzweiflung breit.

Tatsächlich zeigt das Auto den meisten Verkehr in der Umgebung weitgehen korrekt an. LKW, Lieferwagen, PKW. Motorräder, Radfahrer und Fußgänger werden korrekt erkannt. Dabei springen jedoch stillstehende Fahrzeuge und Fußgänger an der Ampel oft vor und zurück, während auf mehrspurigen Straßen in gerader Linie rechts oder links vorbeiziehende Fahrzeuge oft Haken schlagen, mit denen, wenn sie ein Häschen in der freien Wildbahn zuwege brächte, wohl jeder noch so gute Jäger seine liebe Müh und Not hätte. Fußgänger hingegen überqueren die Fahrbahn meist quer zur Fahrtrichtung mit dem Gesicht zum Fahrer.

Und ELON: Der Geister Motorradfahrer ohne Kopf direkt in meinem Kofferraum gestern bei der Ausfahrt aus der Tiefgarage hat mich zu Tode erschreckt.

D.h. in meiner Interpretation die Systeme Sammeln offenbar Massen an Sensordaten, sind aber nicht in der Lage, diese sinnvoll auszuwerten. Noch weniger scheinen sie in der Lage, sinnlose Ergebnisse ihrer Berechnungen zu verwerfen (Haken schlagende Fahrzeuge bei 130 km/h ???) oder sie wenigstens nicht in sinnlose – für die Insassen und den Fahrer äußerst unbequeme (Brems- und Lenk-) Aktionen zu überführen. Könnte man die Sensoren im aktuellen Tesla Model3 mit der Software des BMW von 2005 kombinieren, ich würde über das UP-Date (vorwärts in die Vergangenheit) nicht lange nachdenken.

Und ein Head-Up-Display als Zubehör, Bitte gebt mir mein Head-Up-Display wieder! Von mir aus als kostenpflichtiges Zubehör!!!

Written by emden09

03.04.2019 at 11:05

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Nach Freiheit fragt Ihr?*

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Eine längere Geschichte – sozusagen als Einleitung. Wir betreiben ein AirBNB – zwei Zimmer, in unserem Haus. Diese Zimmer wurden früher von meinen Kindern bewohnt. Wohnzimmer, Küche, Bad. Keller, Garage, Garten, Parkplätze dürfen von den Gästen mitbenutzt werden. Also eine Art AirBNB mit Familienanschluss. Dort wohnt eine junge Frau, die sich letztes Jahr und auch dieses Jahr mehrfach für jeweils einen Monat bei uns einmietete. Das erste Mal: sie hatte sich von Ihrem Freund getrennt. Im Wesentlichen, weil der keine Kinder haben wollte – wie sie sagt. Bei einem der folgenden Mietverhältnisse: Sie hat die Chance für mind. ein Jahr nach Übersee (23 Flugstunden von hier) zu gehen und ihren Beruf dort auszuüben. Sie wurde von dort angefragt. Wow, die Ehre, dass jemand aus dem Ausland gefragt hat, ob ich nicht dort für ihn arbeiten will, wurde mir nie zuteil.

1973. Ich bin gerade mal 10 Jahre alt. Die Eltern fragen uns, ob wir uns vorstellen können, für einige Zeit mit Ihnen in die USA zu gehen. Mind. ein Jahr. Vielleicht auch mehr. Die Großeltern hatten uns Angst gemacht. Es gäbe dort „Indianer“, die uns fangen und „an den Füßen aufhängen“ und foltern würden, bis wir tot seien. Warum sollten wir den Großeltern misstrauen? Mein zwei Jahre jüngerer Bruder und ich entscheiden uns gegen den Umzug in die USA. Die Eltern respektieren das. Wir bleiben in Deutschland.

Diese zuletzt erzählte Geschichte habe ich unserer jungen Mieterin erzählt. Auch um ihr zu erklären, warum für mich die Entscheidung eigene Kinder haben zu wollen auch eine Entscheidung gegen meine individuelle Freiheit war, die mir damals 1992 schwerfiel – als ich in meinem Leben an jener Weggabelung im Leben stand, wo sie mit ihrem Freund letztes Jahr angekommen war. Und natürlich um sie zu ermutigen, das Angebot für ein Jahr in Übersee unbedingt zu anzunehmen. (Sie hatte nach unserem Rat gefragt, sonst hätten wir wohl gar nichts dazu gesagt.)

Am Samstag in dieser Woche wird sie bei uns ausziehen und wir werden sie mindestens ein Jahr nicht wiedersehen. Meine Kinder sind längst erwachsen. Aber ich würde nicht so weit von ihnen weg sein wollen. Nicht einmal von meinen Eltern, die 220 km entfernt wohnen, wollte ich für so lange Zeit mehr als ein paar wenige Reisestunden entfernt sein wollen.

Ich schränke also meine Freiheit, freiwillig ein. Zu Gunsten von was?

Ich denke es ist vergleichsweise einfach. Ich schränke meine Freiheit freiwillig ein, zu Gunsten der Bequemlichkeit. Meiner Bequemlichkeit in meiner Beziehung zu anderen Menschen (in diesem Fall meinen Kindern/Eltern).

Absolute Freiheit wäre also für mich, jede Entscheidung, jederzeit treffen zu können, ohne mit den Konsequenzen leben zu müssen (Beamen, das wärs doch 😉 ). Diesen Satz habe ich mit 20 anders formuliert: „Freiheit: Jeder, kann jederzeit, jede Entscheidung treffen, wenn er bereit ist, mit den Konsequenzen zu leben“.

Ja, es ist mir bewusst, was für ein Scheiß-Luxus meine Art Freiheit zu erleben ist.

  1. (Fast) Keine finanziellen Zwänge und Abhängigkeiten: Geld werde ich mit meinem Know How jederzeit überall auf diesem Planeten verdienen können (das ist meine feste Überzeugung).
  2. Kein Hunger oder Durst.
  3. Keine staatlichen Institutionen, kein römischer Kaiser, mittelalterlicher Lehnsherr, Warlord, Revolutionswächter oder Diktator, der über mein Leben bestimmen könnte.
  4. Nicht einmal ein General, Hauptmann oder Vorgesetzter der mir Befehle geben könnte, denen ich zu gehorchen hätte.

Ja, die aufgezählten Beispiele zeigen, an wie vielen Orten, für wie viele Menschen dieser Welt, die Freiheit viel stärker eingeschränkt ist, als meine Freiheit.

Ja, meine Freiheit lebe ich auf Kosten sehr vieler dieser Menschen. Ich kann nicht in einem der reichsten Länder der Welt in Freiheit leben und gleichzeitig Brecht ignorieren.

Reicher Mann und Armer Mann, standen da und sahn sich an und der Arme sagte bleich: wär ich nicht arm, wärst Du nicht reich.

In meiner Stadt kann ich nicht in kein einziges Geschäft gehen, indem ich nicht Güter kaufen würde, welche die Freiheit anderer Menschen auf der Welt einschränken. Ich rede jetzt nicht von den ganz offensichtlichen Möbeln, die mit 1-Euro-Jobs produziert werden, Klamotten aus Kinderarbeit, Mobiltelefonen und anderer Elektronik mit Rohstoffen aus Sklavenarbeit. Nicht von den Zinsen auf mein Sparbuch oder meinen Rentenvertrag, die mit Hilfe von weltweit frei zirkulierendem Kapital und frei zirkulierenden Gütern zu Lasten von Menschen erwirtschaftet werden, die nicht frei sein dürfen. Nicht frei über die ganze Welt „zirkulieren“ dürfen.

Nein, nicht einmal in den Hofladen des Bio-Bauernhofes kann ich einkaufen gehen, ohne die Freiheit anderer Menschen auf diesem Planeten zu beschneiden. Selbst wenn ich dort einen Liter Bio-Milch oder ein Kilo Bio-Getreide kaufe, bewirke ich damit Unfreiheit für andere. Für den Liter Milch, das Kilo Getreide aus konventioneller Landwirtschaft, das ich nicht kaufe, subventioniert nämlich der Staat, in dem ich lebe, konventionell wirtschaftende Landwirte, welche einen Liter Milch bzw. einen Liter Getreide weniger (an mich) verkaufen. Die so subventionierten Überschüsse an Milch- und Getreideprodukten wandern dann in Länder (z.B. in Afrika) mit denen mein Land sogen. „Freihandelsabkommen“ geschlossen hat. Die dortigen Landwirte können gegen die Billigpreise unserer subventionierten Lebensmittel nicht anstinken und verlieren ihre bäuerliche Existenz.

Auch im Internet kann ich kein Produkt kaufen, das ohne die Einschränkung der Freiheit anderer Menschen zu mir gelangen würde. Und sei es am Ende der Paketbote, der statt Mindestlohn in Akkordarbeit Pakete zustellen muss. Da helfen auch recyclebare oder mehrfach benutzbare Verpackungen nicht.

Ich kann meine Freiheit in diesem Land gar nicht so weit einschränken, dass ich nicht gleichzeitig zur Unfreiheit anderer, anderswo beitragen würde. Sobald ich den Wasserhahn öffne, Wasser aus einem sauberen Bach trinke oder auch nur einen sicheren befestigten Weg benutze, nutze ich Vorteile, die die Gesellschaft in meinem Land mir zu Lasten der Freiheit von Menschen in anderen Gesellschaften bereitstellt.

Was also bedeutet diese Scheiß-Luxus-Freiheit, die ich in diesem Land genieße für mich?

Sie bedeutet, dass ich mich verpflichtet fühle.

Ich fühle mich jeder Person verpflichtet, die aus den Verhältnissen der Unfreiheit flieht, die mein Konsum, meine Freiheit unweigerlich verursacht.

Ich fühle mich verantwortlich, dass diese Person nicht in (ja sagen wir es ruhig wie es ist) Konzentrationslagern in irgendwelchen Failed-States wie z.B. Libyen oder Tunesien verrottet, vergewaltigt und erpresst wird.

Ich fühle mich verantwortlich, dass diese Person nicht auf ihrer Flucht vor der von mir mit-verursachten Unfreiheit, in der Wüste verdurstet oder im Meer ertrinkt.

Ich fühle mich verantwortlich, dass diese Person am Ende ihrer Flucht, in unserem Land angekommen, nicht von Behörden schikaniert, um ihr Asylrecht betrogen oder von Nazi-Dummköpfen erschlagen wird.

—-

*Danke Astrid und Mario für Eure #BlogparadeFreiheit und die Möglichkeit mich in diesem Konztext zu äußern.

Written by emden09

09.08.2018 at 13:45

Fluchtursachen bekämpfen – am eigenen Leib!

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Menschen, die in Deutschland oder allgemein in der EU leben glauben also, sie selbst hätten nicht massiv profitiert, als die Fluchtursachen in Asien, Afrika und Südamerika geschaffen wurden.

 

Wenn Sie es ernst meinen mit dem Denken, darf ich Sie bitten, schauen Sie sich um.

 

Welches der Geräte, die Sie benutzen, um diese Nachricht zu lesen, ist Ihr Eigentum oder wird Ihnen unentgeltlich zur Verfügung gestellt? Wissen Sie oder können Sie sich vorstellen, wie viele der Arbeiter*innen, welche die Rohstoffe für diese Geräte fördern, diese Geräte zusammenbauen, testen, verpacken und bis zu Ihnen befördern wenigstens den in Deutschland üblichen Mindestlohn erhalten? Der letzte, Ihr Paketbote – in der Mehrzahl der Fälle vermutlich auch nicht. Ja, das gilt auch, wenn Sie das Gerät in einem Ladengeschäft erworben haben.

 

Schauen Sie an sich herab. Welches der Kleidungsstücke die Sie tragen wurde inkl. der Fasern in Deutschland – oder einem anderen Land produziert von Menschen, die wenigstens den Deutschen Mindestlohn erhalten, nach hiesigen Sozial- und Sicherheitsstandards arbeiten oder wohnen?

 

Was haben Sie heute gefrühstückt? Was hatten Sie gestern zum Abendessen? Sind Sie sicher, dass keine Ihrer Mahlzeiten Menschen in den o.g. Kontinenten ausbeutet oder aus Deutschland stammende Nahrungsmittel (z.B. Milchprodukte) hier nur deshalb so billig sein können, weil wir die landwirtschaftliche Rohstoffproduktion (z.B. Milchwirtschaft) in den Ländern, aus denen Menschen fliehen ruinieren? Woher kommt das sprichwörtliche „Salz in der Suppe“?

 

Warum funktioniert die Infrastruktur, Busse, Bahnen, Rettungs- und Pflegedienste um Sie herum? Ja, weil wir deren Aufbau „mit unseren Steuergeldern finanziert“ haben. Aber warum haben unsere Steuergelder ausgereicht, um all das zu finanzieren? Richtig, weil unsere Bundeswehr oder Armeen anderer Ländern zu unserem Nutzen in den Herkunftsländern der Geflüchteten seit Jahren Kriege führen oder Stellvertreterkriege unterstützen, damit Rohstoffe (z.B. Erdöl, Lithium) für diese Art von Wohlstand billig produziert werden. Keine*r der Arbeiter*innen, die diese Rohstoffe fördern, veredeln und bis zu uns befördern, arbeiten für den Deutschen Mindestlohn unter den in Deutschland üblichen vergleichsweise sicheren Arbeitsbedingungen und mit der hier üblichen sozialen Absicherung.

 

Wenn Sie glauben, Sie hätten es verdient, all diese Menschen auszubeuten oder durch Unternehmer für sich ausbeuten zu lassen, weil Sie hier in Deutschland geboren sind, ist dieser Artikel nicht für Sie geschrieben. In dem Fall sind Sie einer der rechten Vollidioten, die einfach weitergehen sollten und auf meinen Blog nichts zu suchen haben. Aber auch in diesem Fall gehören Sie natürlich zu den Ausbeutern, den Profiteuren und Förderern der Fluchtursachen und müssen sich eingestehen, dass Ihr relativer Reichtum, ihre relative Sicherheit, im Vergleich zur Armut der Menschen in den Herkunftsländern der Geflüchteten nur existiert, weil Sie die Fluchtursachen mitverursachen.

Written by emden09

13.07.2018 at 08:55

Hirn ist eine Heimat

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Die Kultur eines Landes das zwei Weltkriege angezettelt, den Holocaust mit breiter Mehrheit getragen hat und in dem bis heute Waffenexporte in Kriegsgebiete zur legalen und legitimen wirtschaftlichen Tätigkeit gehören, ist nicht seit Jahrhunderten von Jesus Christus geprägt.

Nun mag es sein, dass die Dobrindts, Seehofers und FAZs dieser Welt mit „Christentum“ etwas anderes meinen als die überlieferten Lehren des Jesus von Nazareth genannt Christus. Dann sollen Sie es uns bitte erklären, welche Form von Christentum sie meinen.

Dieses Deutschland hat einen Artikel 4 in seiner Verfassung den ich hier für alle des Googelns unfähigen Leser mal vollständig zitiere.

  1. Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
  2. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.
  3. Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.

Das heißt zu diesem land GEHÖRT jeder Glaube, den irgendjemand ausüben will! Dazu gehört qua Verfassung auch der ISLAM! Ich selbst bin Ateist auch das ist ein Glaube und auch dieser gehört damit zu DEUTSCHLAND.

Ja, tatsächlich die Ausübung der Glaubensfreiheit ist auch in Deutschland eingeschränkt und zwar durch höherwertige Rechtsgüter, wie die Artikel 1 bis 3 des Grundgesetzes sie vorgeben. D.h. wenn man über eine einzige mögliche Einschränkung des Islam in Deutschland sprechen will, muss man sich gleichzeitig mit den Juden anlegen. Denn das Recht auf körperliche Unversehrtheit wird durch die Beschneidung von männlichen Nachkommen im Kindesalter eingeschränkt. Diese Diskussion aber möchte, aus durchsichtigen Gründen keiner der o.g. Populisten führen.

Der Staat – also speziell auch ein Minister – ist (spätestens) durch Spruch des Bundesverfassungsgerichtes zur strikten Neutralität in Fragen der Religion und Religionsausübung verpflichtet. Wer das als Innenminister nicht kann, wie Herr Seehofer, sollte vom Amt zurücktreten.

Politische Korrektheit mag keine Heimat sein, aber Hirn – Herr Dobrindt – könnte eine Heimat sein für geistig heimatlose Gesellen wie Sie.

 

Written by emden09

26.03.2018 at 18:20

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Sommerzeit?

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Da fordert also eine kleine unqualifizierte Populistenpartei vom rechten Rand (aka FDP), Deutschland solle auf eigene Faust im Alleingang und entgegen sämtlicher EU-Richtlinien die Zeitumstellung im Sommer abschaffen.

 

Nun will ich gar nicht über Sinn und Unsinn der Sommer- bzw. Winterzeit diskutieren. Eine einheitliche Regelung in ganz Europa hingegen ist sinnvoll. Nicht zuletzt die Richtlinie des europäischen Parlamentes 2000/84/EG vom 19.1.2001 stellt dies wiederholt fest.

 

Wenn nun das Land mit den (gefühlt) meisten Binnengrenzen innerhalb der EU von dieser EU-Richtlinie abweichen würde, würde der maximale Schaden, den diese EU-Richtlinie verhindern soll sofort eintreten. Entsprechend haben im Bundestag außer den Populisten alle Parteien diese unsinnige Initiative geschlossen abgelehnt.

 

Stattdessen ist es sinnvoll, dieses Thema auf europäischer Ebene, wo es seit der Einführung der MEZ seit 125 Jahren hingehört gemeinsam zu diskutieren und zu regeln.

 

Dass es weder im Sinne der Sicherheit des Verkehrs (auf Straße, Bahn und in der Luft) noch im Sinne der Betriebssicherheit von IT-Systemen sein kann, wenn ein einzelnes Land hiervon abweicht dürfte jedem denkenden Menschen binnen kurzer Zeit klar werden. Wie gesagt, in die Einführung der MEZ – also einer einheitlichen Zeitzone abhängig vom Längengrad (15) hatten sämtliche denkenden menschen in Europa schon vor 125 ein Einsehen. Damals wurden grenzüberschreitende Eisenbahnverbindungen noch von wenigen menschen benutzt, der KfZ-Schwerlastverkehr spielte für die Industrie noch fast keine Rolle und IT-Systeme im heutigen Sinne gab es noch gar nicht. Dennoch kapierten die Menschen, dass unterschiedliche Zeitzonen innerhalb eines Längengrades sich auf ihre Leben ausschließlich hinderlich auswirken.

 

Heute, wo die Grenzen zwischen den Ländern in Europa – zum Segen aller – weitgehend offen sind ist entsprechend eine einheitliche europäische Regelung ausschließlich sinnvoll. Im Land mit den meisten Binnengrenzen innerhalb der EU ist eine andere als eine einheitliche Lösung überhaupt nicht denkbar Dennoch fordert ausgerechnet eine Partei, deren Klientel vor allem von dieser einheitlichen Zeitzone profitiert eine Abschaffung dieser Einheitlichkeit für jeweils ein halbes Jahr. Dass weder die Klientel der FDP noch sonst ein denkender Mensch wollen kann, dass Deutschland eine andere Zeitzone hat als seine Nachbarn ist also klar.

 

Was also will die FDP mit ihrer Gesetzesinitiative ausgerechnet im März? Genau: es geht um Populismus! Die Umstellung auf Sommerzeit ist für jeden Menschen unbequem. Ihre Nützlichkeit ist zu recht umstritten. Speziell zum Zeitpunkt der Umstellung darüber abstimmen zu lassen, bringt also viel öffentliche Aufmerksamkeit. Offenbar eint es die Populisten im Bundestag diese Aufmerksamkeit mit einer ansonsten völlig unsinnigen Initiative für sich gewinnen zu wollen.

 

Die FDP zeigt hier, dass sie eben gerade nicht gegen die Verschwendung von Steuergeldern ist. Für eine Initiative, die ausschließlich populistische, aber keine sinnvollen Gründe haben kann, im Bundestag Geld für eine Abstimmung und alle damit verbundenen aufwändigen Verwaltungsprozesse rauszuwerfen dürfte genau die Art Steuerverschwendung sein, welche die FDP gut heißt. Geld rausschmeißen für nix. Dafür steht also die FDP zusammen mit AfD und der Linke (die diesem Schwachsinn auch noch zustimmte).

 

Gut dass diese Initiative im Bundestag mit breiter Mehrheit abgelehnt wurde. Zum ersten Mal freue ich mich, dass wir wieder eine GroKo haben und das obwohl ich ansonsten in das NoGroKo-Lager gehöre. Nun kann im Sinne der Sache (einer einheitlichen mitteleuropäischen Zeitzone) in dem Rahmen der dafür geeignet ist (EU) in der gebotenen Ruhe und Sachlichkeit weiterdiskutiert werden. Und das ist gut so!

Written by emden09

26.03.2018 at 11:48

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#deleteFacebook ist #deleteHirn (#DestroyTracking wäre mit Hirn!)

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Also, ihr seid so richtige echte Aktivisten, denn ihr habt Euren Facebook-Account sofort gelöscht: „deleteFacebook“! Jetzt sind Eure Daten wirklich sicher! Ihr habt so richtig was für den Datenschutz getan und es Facebook zusätzlich noch so richtig gezeigt? „Vergiß es“ würde Bernd das Brot dazu wohl sagen.

Facebook haben die Verluste an der Börse Millionenmal mehr geschmerzt als all Eure Abmeldungen zusammen. Warum? Weil die Börse keine Abstimmung über ethisches Grundsätze und ethisches Verhalten ist. An der Börse wird spekuliert, wie erfolgreich ein Unternehmen sein kann. Wenn also unethisches Verhalten des Unternehmens plötzlich ruchbar wird, ist bei einer Datenkrake wie Facebook der Gewinn in Gefahr. Denn Gewinn macht Facebook nicht mit den Nutzern. Gewinn macht Facebook mit Tracking.

Tracking?

So leid es mir tut Euch das sagen zu müssen: Facebook trackt Euch auch, wenn ihr abgemeldet seid und Euer Account gelöscht ist oder ihr nie einen Facebook Account hattet. Hier im Tracking von Facebook und zig anderen weltweit operierenden Firmen entshen die wirklich wertvollen Daten. #deleteFacebook ist für diese Leute eine willkommene Nebelkerze, hinter der sie ihre Geschäfte weiter in Ruhe betreiben können, weil das eigentliche problem „Tracking“ aus dem Fokus gerät.

Es interessiert auch keine Sau, ob ihr gerade ein Foto aus den Dolomiten postet. Das ist bestenfalls für die auf Facebook selbst geschaltete Werbung interessant -kann man ein bisschen mehr Geld mit verdienen als mit nichtpersonalilsierter Werbung: that’s it.. Bezahlt aber werden Tracking-Firmen wie Facebook, Google uvam. hauptsächlich von Firmen die wissen wollen:

  • Wo geht ihr hin, wenn ihr deren Webseite verlasst?
  • Welche Webseiten besucht Ihr gleichzeitig ggf. in anderen Tabs?
  • Wie häufig besucht Ihr bestimmte Webseiten?
  • Welche Suchbegriffe gebt Ihr bei Google ein?
  • Wer A mag, mag außerdem eher B,C,D, oder E?
  • Wer A nicht mag, mag was von C, D, E oder F auch nicht?
  • usw.usf.

Was viele aus dem Snowden-Skandal nicht gelernt haben: Die Metadaten sind interessant (interessanter als alles andere) und dabei größtenteils nicht der Einzelne sondern die Summe der Teile. Zu wissen, dass 50% der Leute, die mit der AfD sympathisieren gerne Nutella essen ist wichtiger als dass Oma Müller aus Rostock gerade von der Seite der AfD direkt zu Nutella weitergesurft ist. Wenn dann morgen in der Bild steht: „Wegen Flüchtlingen, Schokolade jetzt doppel so teuer“, dann wisst Ihr was Tracking macht. Dann wisst Ihr, wie Facebook-Kunden ticken und wofür diese Leute Facebook jede Menge gutes Geld bezahlen. Dann wisst Ihr warum Börsianer aktuell Facebook-Aktien verkaufen.

Könnte sein, dass bestimmte Auftraggeber von Facebook und anderen Tracking-Diensten die Öffentlichkeit scheuen wie der Teufel das Weihwasser? Genau das ist der Punkt. Für die Facebook-Kunden ist es nicht wichtig ob Facebook sich ethisch verhält, sondern dass nicht rauskommt, dass Facebook sich unenthisch verhält. Wenn es nämlich rauskommt, könnten diese Facebook-Kunden ggf. plötzlich selbst als „unethisch“ im Fadenkreuz der Öffentlichkeit stehen.

D.h. dass die Trump-Wahlkampagne wegen des unethischen Verhaltens eines Facebook Kunden (Cambridge Analytica aka SCL-Group) im Fadenkreuz der Öffentlichkeit steht, schreckt andere Kunden dieser Unternehmen ab, nicht dass Facebook sich unethisch verhalten hat als es SCL die Daten weitergab.

Ein vergleichsweise „seriöser“ Anbieter wie heiseonline trackt Euch im Auftrag von bis zu 32 Firmen gleichzeitig. Die machen das nicht einmal selbst. Die haben schlicht Platz auf ihrer Website an eine Werbefirma verkauft. Die schaltet dort automatisiert Werbung und die Werbung jubelt Euch Tracker unter.

Aktiv werden statt Aktionismus (auch wer auf Facebook bleibt kann etwas gegen App-Tracking tun.)

Was also können wir machen statt mit dem Facebook-Account auch unser Hirn zu löschen? Wir können vier Tools (Browser-Plugins) gleichzeitig einsetzen:

Das macht uns zwar nicht 100% sicher vor Tracking aber es macht Tracking um viele Größenordnungen weniger interessant.

 

Wenn morgen rauskommt, dass weltweit 50% der Internetnutzer diese Tools einsetzen, sinken nicht nur die Aktien von Facebook um mehrere zig Milliarden. Versprochen! Das wäre dann  DESTROY TRACKING statt DeleteFacebook.

Ja, diese AdOns sind nicht bequem. Viele Webseiten werden gar nicht mehr oder nur noch verstümmelt angezeigt (speziell ohne Javascript). Schaltet Javascript, wenn Ihr diese Websites benutzen wollt „benutsam“ wieder zu und vor allem nur „temporär“. Spiegel Online z.B könnt ihr auch lesen, wenn ihr gar kein Javascipt freigebt und gleichzeitig Adblock-Plus aktiv habt.

Guter Journalismus braucht Werbung?

Und lasst Euch jetzt nicht von den Journalismus-„Experten“ erzählen, dass guter Journalismus nur funktioniert, wenn ihr Werbung akzeptiert. Wenn Ihr Werbung online akzeptiert werdet ihr getrackt. Mit Traking durch Werbung verdienen schlechte Verleger, die nicht in der Lage sind, sich angemessene Geschäftsmodelle für die Online-Welt zu überlegen und zu entwickeln (Stichworte z.B. Micropayment) Geld und bezahlen damit Journalismus, der in ihrem Sinne berichtet. Da mag sogar das eine oder andere Stück brauchbarer oder gute Journalismus drunter sein. Der Link „guter Journalismus braucht Werbung“ jedenfalls ist genau der, von dem Cambridge Analytica, SCL Group, Google uvam. hoffen, dass ihr auf ihn hereinfallt.

Browsereinstellungen

Dann sind da noch die Cookies. Schon Oma und Opa haben uns erzählt, wir sollen von Fremden keine Kekse annehmen. Das selbe Verhalten sollten wir jetzt im Web an den Tag legen. Cookies ganz vermeiden geht für uns als User vermutlich nicht. Viele Webshops funktionieren nicht, wenn wir ihre Cookies nicht akzeptieren. Aber, wir können die Einstellungen im Browser so ändern, dass Cookies jedes Mal gelöscht werden, wenn wir den Browser verlassen (Im Firefox z.B. befinden sich die entsprechenden Einstellungen unter „Extras-Einstellungen-Datenschutz und Sicherheit-Chronik“. Da einfach mal auf „nach Benutzerdefinierten Einstellungen…“ klicken und schon seht Ihr die Möglichkeit sowohl Cookies zu löschen, als auch die Chronik zu löschen, wenn Firefox geschlossen wird.

„Schutz vor Aktivitätenverfolgung“ wäre der nächste Punkt im Datenschutzmenü vom Firefox, mit dem wir der Tracking-Mafia das Fürchten lehren können. Der „Schutz vor Aktivitätenverfolgung sollte auf „IMMER“ stehen. Die „Blockierliste Ändern“ Einstellung sollte „Disconnect me – Strenger Schutz“ sein. „Webseiten eine ‚Do Not Track‘-Information senden“ sollte auf „Immer“ eingestellt sein.

Und mehr

Auch auf Mobilgeräten gibt es viele Einstellungen, die Euch erlauben Eure Daten privat zu halten. Informiert Euch!

E-Mail. Jede nicht „Ende zu Ende“ verschlüsselte Mail wird spätestens von Mailserver-zu Mailserver im Klartext übertragen. Mindestens die Metadaten (wer kommuniziert mit wem) sind selbst bei verschlüsselten mails noch mitzulesen.

Benutzt starke Verschlüsselung!

  • Posteo macht Euch verschlüsselten Mailverkehr vergleichsweise einfach.
  • Signal und Telegram ermöglichen Euch Verschlüsselung über das E-Mail-Protokoll hinaus

Fazit

Wenn Ihr Euren Facebook-Account löscht, mag das ein Signal sein. Aber wofür? Facebook sammelt und verkauft Eure Daten weiterhin (und zwar den wirklich wertvollen Teil – siehe das oben stehende fiktive Beispiel „AfD und Nutella“) und macht genau so viel Geschäft an Euch wie zuvor. Wenn Ihr stattdessen massenhaft das Tracking im Web verweigert, Werbung blockt und starke Verschlüsselung nutzt, dann schreckt ihr damit genau die Leute auf, die Facebookgate ausgelöst haben.

Von mir aus löscht Eueren Facebook-Account, aber löscht nicht gleichzeitig Euer Hirn:

(Nicht nur) Facebook verdient mit Leuten die ihre Accounts löschen und dennoch Tracking nicht verweigern genauso viel Geld wie zuvor.


PS: auch dieser Artikel „überwacht“ Sie!

Von mir nicht beeinflussbar, spielt WordPress Ihnen Werbung ein. Diese enthält Tracker (ich weiß nichtmal welchen Typs noch von wem – sonst würde ich es genauer benennen.)Dazu kann das bei jedem von Ihnen liebe LeserInnen unterschiedlich sein, je nachdem, welche Werbung ihnen gerade von wem angezeigt wird, enthält diese unterschiedliche Tracker unterschiedlicher Auftraggeber. Ja, es kann sogar sein, dass eine (oberflächlich) gleich aussehende Werbung, wenn sie über unterschiedliche Kampagnenkanäle (Werbeanbieter) eingespielt wird unterschiedliche Trakcer beinhaltet. Mal mehr, mal weniger. Mal den einen nicht, dafür den anderen.

Darüber hinaus benutzt WordPress google-analytics, um Ihr Surverhalten auszuwerten.

Die Buttons von Facebook und Twitter können beliebig mit Trackern belegt werden – von WordPress!

Und das „schönste“ ich als Betreiber dieses Blogs erfahre weder, welche Daten gesammelt wurden, noch wer diese erhalten hat. Das mitzuteien würde ganz alleine den Werbefirmen obliegen, die für WordPress Werbung auf diesem Blog „einspielen“. Da aber weder Sie noch ich zu den Kunden dieser Firmen zählen und auch WordPress nicht deren Kunde, sondern deren Lieferant ist, dürfen Sie davon ausgehen, dass die Mehrzahl der Daten nicht einmal WordPress selbst zur Verfügung stehen.

So funktioniert nun einmal Social Media – jeder bezahlt mit seinen Daten (und Metadaten!) dafür, dass ihm Dienste kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Hier also bezahlen Sie mit Ihren Daten und Metadaten die Dienstleistung von WordPress, eine Softwareplattform zu entwickeln und auf ihren Servern zu betreiben.

Essen ist Rassismus

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Da ist dieser Polizist Daniel Nivel bei der Fußball-WM 1998 in Frankreich. Er wurde von einem Deutschen so zusammengeschlagen, dass er bis heute unter körperlichen Behinderungen (halbseitige Lähmung) leidet. Ich schreibe bewusst: „von einem Deutschen“, nicht von einem Deutschen „Hooligan“ oder Deutschen „Ultra“ oder Deutschen „Fußballfan“. Genau das ist nämlich schon eine der Differenzierungen, die uns bei der Diskussion um die Tafel in Essen und ihren Vorstand längst verloren gehen.

Dabei könnte man evtl. aus dieser Geschichte eine sehr schöne Parabel machen, wenn man sich klar macht, dass es in Frankreich rechtsradikale Hooligans waren, die Nivel zum Krüppel prügelten. Dass einer der Haupttäter nach VIER Jahren im Französischen „Luxusknast“ wegen „guter Führung“ entlassen wurde, würde die Parabel schön abrunden. Zudem evtl. ein Hinweis, dass vier der damaligen sechs Täter in Essen verurteilt wurden (also wohl von dort stammen).

Wie also, wenn Frankreich seinerzeit entschieden hätte, zukünftig keine Tickets für Fußballspiele mehr an Deutsche zu verkaufen und Deutsche nicht mehr in französischen Stadien zu lassen? Wie hätte wir das empfunden? Als Sippenhaft? Als Grenzrassimus? Welche Form hätten die Diskussionen um diese Art Sippenhaft, um diesen Grenzrassismus angenommen, wenn Frankreich nicht nur Deutsche sondern (wie in Essen geschehen) Ausländer allgemein für den Vorfall verantwortlich gemacht und vom Kartenverkauf für alle Fußballspiele in Frankreich ausgeschlossen hätte? Die FIFA wäre eingeschaltet worden, Frankreich aus dem internationalen Verband ausgeschlossen worden. Und womit? Mit Recht.

Was nun ist in Essen geschehen?

Tafel

In Essen hat – wie in ganz Deutschland – über Jahrzehnte die Bundesregierung im Auftrag des Kapitalismus die Armut gefördert. Kapitalismus funktioniert (einfach besser), wenn Menschen bereit sind aus Angst vor sozialem Abstieg und Armut jede noch so unsinnige und unbefriedigende Arbeit anzunehmen. Beteiligt waren an dieser Politik federführend SPD, Grüne, CDU/CSU und FDP. Von Staatsversagen könnte man hier übrigens nur reden, wenn die Entstehung eines Prekariats seinerzeit nicht (schon) von der ROT GRÜNEN Regierung Schröder quasi als Wirtschaftsförderung absichtlich vorangetrieben und generalstabsmäßig geplant worden wäre (und Schröder diese Absicht stolz verkündete). Es handelt sich bei der Entstehung von Tafeln also nicht um eine Reaktion auf angebliches „Staatsversagen“ sondern um die Reaktion auf einen bewussten Rückzug des Staates aus der Versorgung der Armen. Um eine Reaktion auf eine bewusste und systematische Produktion von Armen durch den Staat.

Irgendwann konnten das selbst die Kapitalisten nicht mehr mit ansehen und haben Almosen gespendet. Das macht die herrschende Klasse seit Alters her so, wenn sie die Armen von der Revolte abhalten will. Staatliche Armutsbekämpfung ist nämlich logisch mit Budget verbunden. Budget, das über Steuern von den Reichen zuvor hereingeholt werden muss. Mit Almosen kann man entsprechend diese Steuern vermeiden. Oder wie Pestalozzi es bereits an der Schwelle vom 18. zum 19. Jahrhundert sagte: „Wohltätigkeit ist das Ersäufen des Rechts im Mistloch der Gnade.

Natürlich musste auch jemand her, der die Almosen an die Armen verteilt. Das macht der Almosengeber heute nicht mehr selbst. Er gründet dazu einen „gemeinnützigen“ Verein. Der wiederum beschäftigt 1-Euro-Jobber mit der Verteilung der Spenden. So bleiben die Armen bei der Verteilung der Almosen unter sich und der Kapitalist muss das Elend, das er zwar nicht bekämpft (er ist ja nicht blöd) aber mindestens mit Almosen lindert, nicht selbst mit ansehen. Den gemeinnützigen Verein benötigt der Almosen-Kapitalist, weil die Tafel natürlich auch Einnahmen hat. Dort werden schließlich keine Güter und Lebensmittel an die Armen verschenkt, sondern Güter (wenn auch – oft stark – verbilligt) verkauft. Für diese Einnahmen will der mildtätige Kapitalist natürlich nicht zusätzliche Steuern bezahlen.

Flüchtlinge

Es wird behauptet, die bedürftigen Flüchtlinge, die ebenfalls an der (Essener) Tafel bedient wurden (kaufen durften), hätten keine „Anstellkultur“. Nun muss man vermutlich Deutsche sein, um „sich in einer Reihe anstellen“ und „Kultur“ in einem Wort in irgendeinen Zusammenhang zu bringen. Zumal diese Reihen strikt nach „First come, first serve“ und nicht nach Bedürftigkeit gebildet werden. Das dürfte in den Augen der Menschen, die Reihen fordern kein zusätzliches Problem sein. Denn in Deutschland ist ja auch „früh aufstehen“ und „zuerst da sein“, eine Kulturleistung. Es ist in diesem Zusammenhang natürlich wichtiger, dass adipöse, frühaufstehende Deutsche Laufwunder mit Gütern (Essen) versorgt werden, als abgemagerte, traumatisierte Bürgerkriegsflüchtlinge. Sei’s drum.

In jedem Flughafen und an fast jeder größeren Sehenswürdigkeit ist man in der Lage, mit ein bisschen Flatterband dafür zu sorgen, dass jedem klar wird, hier ist Schlangestehen („Anstellkultur“) erwünscht und wird quasi mit physischen Barrieren erzwungen. Evtl. Würde es genügen, das in den Verteilstellen der Tafeln auch so zu machen oder gar einfach mal zu erklären, dass Anstehen erwünscht ist – egal von wem.

Ich stelle übrigens an der SB-Kasse beim real,- auch immer wieder fest, dass die „Anstellkultur“ der Deutschen selbst leidet. Da sind vier SB-Kassen, zwei rechts zwei links und eine Schlange. Immer wieder kommen ausgerechnet ältere Deutsche Frauen auf die Idee, sie könnten sich doch ganz vorne links neben diese eine Schlange stellen und postulieren, es gäbe jetzt zwei Schlangen. Eine für die beiden rechten und eine für die beiden linken Kassen und die Leute, die in der längeren rechten Schlange stünden, könnten ja einfach zu ihnen rüberkommen und sich hinter ihnen anstellen.

Vereinzelt hätten die Flüchtlinge in den Verteilstellen der Essener Tafel sogar Deutsche Frauen geschubst. <zyn>Das geht natürlich gar nicht. Ein Flüchtling darf in Deutschland niemanden schubsen und schon gar keine Deutschen Frauen. Das Rumschubsen von Frauen behält sich der Deutsche Mann, wie auch die Deutsche Frau seit jeher selbst vor.</zyn>

Natürlich müssen diese Fälle, in denen Deutschen Frauen offenbar bitteres Unrecht durch ausländische Horden zugefügt wurde (Achtung bitterer Zynismus) nicht – wie seinerzeit bei der WM in Frankreich – einzeln aufgeklärt werden. Natürlich werden auch nicht jene Personen, die dort „geschubst“ haben sollen, dingfest gemacht und vom Bezug von Gütern an der Tafel ausgeschlossen. Es interessiert am Ende auch nicht, welche Nationalität der „Täter“ war. War es ein Syrer, ein Afghane, ein „Nafri“ (wie der Deutsche Rassist einfach mal alle nicht weißhäutigen Bewohner Nordafrikas zusammenfasst)? Oder war es am Ende ein Deutscher ein Deutscher mit russischem Migrationshintergrund (Rassistendeutsch: Russlanddeutscher, Spätaussiedler)?

Das ist auch egal. Es war ein Ausländer, also mindestens kein „Arier“, der dort eine Deutsche Frau geschubst hat. Grund genug zukünftig ALLE (neu dazukommenden) Ausländer von den Almosen der Deutschen Kapitalisten auszuschließen.

Wenn wir uns beim Fußball einig waren, dann sind wir es auch hier: eindeutig Grenzrassismus. Ganz alltäglicher Grenzrassismus im Deutschland des 21. Jahrhunderts dazu. Alles Nichtdeutsche muss weg.

Wo bleibt jetzt die FIFA – ach, die ist hier gar nicht zuständig. Das Deutsche Finanzamt, das evtl. für die Aberkennung der „Gemeinnnützigkeit“ zuständig wäre, geht selbstverständlich nicht gegen die Almosenverteilvereine Deutscher Kapitalisten vor – schon gar nicht, wenn diese so brav Deutsch rassistisch sind

Konsequenz

Ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag von Kapitalisten Almosen verteilt, darf im Deutschland des 21. Jahrhunderts also mit behördlicher Erlaubnis rassistisch sein, ohne dass ihm die Gemeinnützigkeit aberkannt wird. Das wichtigste Argument: Außer denen würde es ja keiner machen. Und Du Kritiker: was tust Du eigentlich außer kritisieren? Verteilst Du auch Almosen? Tatsächlich mache ich – aber das tut hier nix zur Sache. Es gilt das gemeingültige Gesetz: Der Kritiker muss keine Eier legen können, damit er faule Eier kritisieren darf.

Rassismus (alltäglicher Rassismus zumal) ist ein Zustand, den gerade in Deutschland JEDER kritisieren darf, soll und MUSS der noch ein Stückchen Restverstand hat. Zumal dieser Rassismus gerade wieder Mehrheitsfähig zu werden scheint.

Fazit

Nein natürlich stimmt die Überschrift nicht. Essen ist als Stadt insgesamt nicht rassistisch (-er als andere Städte auch) und auch die Mehrzahl der Essener Bürger sind (hoffentlich noch) nicht rassistisch. Die Tatsache aber, dass der Vorstand des Vereins hinter der Essener „Tafel“ beschlossen hat, in Zukunft nur noch Deutschen Neuzugang zu seinem Angebot zu gewähren, ist Rassismus. Es ist Rassismus der kritisiert gehört. Er gehört so lange und intensiv kritisiert, bis die adipösen Rassisten an der Spitze dieses Vereins aus dem öffentlichen Leben in Deutschland vertrieben sind. Denn soviel muss klar sein: Rassisten haben im öffentlichen Leben Deutschlands nichts verloren auch nicht als Teile eines kapitalistischen Almosenverteilvereines.

Armer Mann und reicher Mann, standen da und sah´n sich an. Und der Arme  sagte bleich: Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.
Bert Brecht

 

Written by emden09

06.03.2018 at 12:41

Veröffentlicht in Allgemein

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